Diskussion um Beitrag eines Stadtvertreters:
Social-Media-Post vor Stichwahl löst Kritik aus – OB-Kandidat Ehlers kündigt Strafanzeige an
Kurz vor der OB-Stichwahl in Schwerin sorgt ein Social-Media-Post eines Stadtvertreters für Kritik. CDU-Kandidat Sebastian Ehlers kündigt Strafanzeige wegen Beleidigung und Verleumdung an.

Kommunalpolitik. Foto: ASK
Ein Social-Media-Beitrag des Schweriner Stadtvertreters Karsten Jagau (ASK) sorgt wenige Tage vor der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt für politische Diskussionen. Jagau veröffentlichte auf seinem Profil eine Grafik mit dem Titel „Oberbürgermeister-Stichwahl Schwerin – Kandidaten im Vergleich“. Darin stellt er die beiden Kandidaten Sebastian Ehlers (CDU) und Mandy Pfeifer (SPD) gegenüber. Die Grafik ist Teil eines öffentlichen Posts von Jagau und wird dort verbreitet und kommentiert.
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Die Darstellung enthält mehrere thematische Vergleichsfelder. Während Mandy Pfeifer darin durchgehend positiv beschrieben wird, werden in der Spalte zu Sebastian Ehlers verschiedene kritische Punkte aufgeführt. In der Grafik wird unter anderem auf Vorwürfe im Zusammenhang mit einem Spielplatz in Lankow, Konflikte im Verhältnis zur Stadtverwaltung, Fragen der Kinder- und Jugendbeteiligung sowie ordnungspolitische Entscheidungen etwa im Zusammenhang mit sogenannten Spätverkaufsstellen Bezug genommen.
Am unteren Rand der Darstellung wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine „Visualisierung kritischer Punkte“ handele und diese „nicht allumfassend“ sei. Als Urheber der Gegenüberstellung wird Karsten Jagau selbst angegeben. Der Post verbreitete sich in sozialen Netzwerken schnell und löste zahlreiche Reaktionen aus.
Schweriner Journalist unterstützt Darstellung Jagaus
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Kommentar des Schweriner Journalisten Stephan Martini vom Onlineportal schwerin.news, der die in der Grafik angesprochenen Punkte aufgriff und in einem längeren Beitrag unter dem Post von Jagau aus seiner Sicht einordnete. Martini geht darin unter anderem auf die Debatte um eine Spendenaktion für einen Spielplatz in der Kieler Straße im Stadtteil Lankow ein.
In diesem Zusammenhang hatte Sebastian Ehlers öffentlich erklärt, mehrere Spielgeräte seien beschädigt oder aus Sicherheitsgründen gesperrt gewesen. Nach Angaben der städtischen Pressestelle und des Eigenbetriebs SDS habe es jedoch keine entsprechenden Sperrungen gegeben. Martini sieht darin einen Widerspruch zwischen der öffentlichen Darstellung und den Angaben der zuständigen Stellen.
Auch weitere politische Konflikte der vergangenen Monate werden in seinem Kommentar aufgegriffen. Dazu gehören Diskussionen über Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen sowie ordnungspolitische Entscheidungen im Zusammenhang mit Spätverkaufsstellen, die in der Stadtpolitik wiederholt Thema waren.
Kritik von Stadtvertreter-Kollegen
Deutliche Kritik an der Grafik kommt von Stadtvertretern anderer Fraktionen. Der Vorsitzende der UB/FDP-Fraktion, Manfred Strauß, warf Jagau in einer SNO-Stellungnahme vor, mit seinem Post falsche Darstellungen über den CDU-Kandidaten Sebastian Ehlers zu verbreiten. Gleichzeitig werde die SPD-Kandidatin Mandy Pfeifer in der Grafik besonders positiv dargestellt.
Strauß erklärte, Jagau habe mit seinem Beitrag „den Bogen überspannt“ und sprach von möglicher Verleumdung. Der CDU-Kandidat sollte juristische Schritte prüfen, empfiehlt der UB-Stadtvertreter weiter. Zugleich regte er an, Pfeifer könne sich von dem Beitrag distanzieren, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, sie habe von dem Post gewusst.
Auch aus anderen politischen Lagern gab es kritische Stimmen. Der Stadtvertreter Paul Bresel vom Team Freiheit bezeichnete die Darstellung in einem Kommentar als „Lügenpropaganda“ und erklärte, diese Art von Darstellung erinnere ihn an „sehr dunkle Zeiten“.
Ehlers kündigt Strafanzeige an
Sebastian Ehlers reagierte inzwischen selbst auf den Beitrag und kündigte rechtliche Schritte an. „Ich werde heute Strafanzeige wegen Beleidigung und Verleumdung stellen. Mit diesem Post eines Stadtvertreters der ASK in den sozialen Medien wurde eine Grenze überschritten”, sagte Ehlers gegenüber SNO. „Sich in dieser polarisierenden und beleidigenden Form zu äußern und dabei falsche Behauptungen aufzustellen, ist einer demokratischen Auseinandersetzung nicht würdig“, so der OB-Kandidat weiter.
Auch Linke kritisieren Darstellung
Kritik an der Veröffentlichung kommt auch aus der Linksfraktion. Die Linken unterstützen Sebastian Ehlers Gegenkandidatin Mandy Pfeifer. Der Schweriner Stadtvertreter Daniel Trepsdorf erklärte, die Form der öffentlichen Auseinandersetzung sei nicht akzeptabel.
„Diese Form der öffentlichen Diffamierung des politischen Mitbewerbers ist fraglos abzulehnen. Demokraten muss es um eine respektvolle Kommunikation gehen, wenn wir für Schwerin etwas erreichen wollen“, so Trepsdorf auf SNO-Anfrage.
Weiter sagte der Linken-Politiker: „Solcherlei haltlosen Vorwürfe und Unterstellungen gegenüber dem amtierenden Stadtpräsidenten zu lancieren, zeugt weder von Respekt noch von Niveau in der sachlichen Auseinandersetzung.“
Wahlkampf zwischen Kandidaten bisher sachlich
Unabhängig von der aktuellen Diskussion wurde der Wahlkampf zwischen Sebastian Ehlers und Mandy Pfeifer bislang eher sachlich und fair ausgetragen. Beide Kandidaten traten in den vergangenen Wochen mehrfach gemeinsam bei Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen auf und betonten wiederholt einen respektvollen Umgang miteinander.
Auch Ehlers hob in seiner Stellungnahme hervor, dass er den Wahlkampf entsprechend geführt habe. „Ich stehe für ein respektvolles Miteinander in unserer Stadt. In diesem Sinne habe ich den Wahlkampf fair und wertschätzend geführt“, erklärte er.
Weiter sagte der CDU-Kandidat: „Ich bin überzeugt, dass meine Gegenkandidatin in der Stichwahl am Sonntag das ebenso sieht. Denn nur gemeinsam werden wir viel für Schwerin erreichen können.“
Entscheidung fällt am Sonntag
Am kommenden Sonntag entscheiden die Schwerinerinnen und Schweriner in der Stichwahl darüber, wer künftig das Amt des Oberbürgermeisters übernimmt. Zur Wahl stehen Sebastian Ehlers von der CDU und Mandy Pfeifer von der SPD.




