Sa, 18. April 2026
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Bürgerbeteiligung in Schwerin:
Wie könnten die Einwohner in Zukunft mitentscheiden?

Wir haben die Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters gefragt, wie sie die Einwohner Schwerins in ihre Entscheidungen einbinden wollen.

  • Veröffentlicht April 7, 2026
Braucht die Schw­erin mehr Bürg­er­beteili­gung, um die Stadtvertre­tung zu unter­stützen? Das sagen die Kan­di­datin­nen und Kan­di­dat­en! (Archiv­bild) Foto: Chris Loose

 

Die Ampel­regierung rief einen Bürg­er­rat ins Leben, um sich von zufäl­lig aus­gewählten Men­schen berat­en zu lassen. Die Empfehlun­gen dieses Rates wur­den in Berlin zwar zur Ken­nt­nis genom­men, mehr passierte nicht. Weit­ere Bürg­er­räte soll es auf Bun­de­sebene erst­mal wohl nicht geben. Bun­destagspräsi­dentin Julia Klöck­n­er (CDU) löste die zuständi­ge Abteilung vor eini­gen Monat­en auf. Im lokalen und kom­mu­nalen Bere­ich jedoch kön­nen solche Beteili­gungsmöglichkeit­en weit­er genutzt wer­den. Auch Instru­mente wie ein Bürg­er­entscheid erziel­ten in Schw­erin bere­its deut­liche Ergeb­nisse. Wie wollen die Kan­di­datin­nen und Kan­di­dat­en auf das Amt des Ober­bürg­er­meis­ters die Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner in ihre Poli­tik ein­beziehen? Die Antworten der Kan­di­dat­en haben wir wieder nach dem Zeit­punkt der Antwort sortiert. Wer zuerst geant­wortet hat, ste­ht weit­er oben.

Stärkere Einbindung von jungen Menschen

Dr. Aileen Wos­ni­ak vom ASK möchte den Kinder- und Jugen­drat ern­sthafter in der Schw­er­iner Poli­tik beteili­gen. “Wenn junge Stim­men über­gan­gen wer­den, unter­gräbt das Ver­trauen in Demokratie”, so Wos­ni­ak. Regelmäßige Umfra­gen, dig­i­tale Beteili­gung und vor allem Gespräche in den Stadt­teilen möchte sie anbi­eten, um die Men­schen dort abzu­holen, wo sie sind. Bürg­er­entschei­de oder Bürg­er­räte möchte sie bei kon­flik­t­be­hafteten The­men ein­set­zen, zum Beispiel im Bere­ich der Stad­ten­twick­lung oder der sozialen Infra­struk­tur. Diese Ergeb­nisse müssen dann aber laut Wos­ni­ak auch verbindlich umge­set­zt wer­den.

Alle Ortsteilvertretungen besuchen

Sebas­t­ian Ehlers von der CDU sieht eine wichtige Rolle bei den Ort­steil­vertre­tun­gen. Laut Ehlers engagieren sich dort Bürg­erin­nen und Bürg­er aus den Stadt­teilen, die wis­sen, wo die Prob­leme liegen. “Im ersten Jahr mein­er Amt­szeit werde ich alle Ort­steil­vertre­tun­gen besuchen, um den Dia­log zu suchen”, so Ehlers. Bürg­er­beteili­gung soll für ihn kein Ersatz für poli­tis­che Entschei­dun­gen sein, son­dern eine Ergänzung. Die Stadtvertre­tung hat als demokratis­ches Gremi­um Entschei­dun­gen für die Entwick­lung der Stadt zu tre­f­fen, dafür sei sie laut Ehlers da. Wenn aber Entschei­dun­gen, zum Beispiel bei einem Bürg­er­entscheid, entste­hen, müssen diese Entschei­dun­gen respek­tiert wer­den.

Beteiligungsformate nur sinnvoll, wenn politische Entscheidungen folgen

Mas­si­mo de Mat­teis von VOLT möchte unter­schiedliche Per­spek­tiv­en zusam­men­brin­gen, um getrof­fene Entschei­dun­gen bess­er abzu­sich­ern. “Beteili­gungs­for­mate, wie Bürg­er­räte, sind nur dann sin­nvoll, wenn sie tat­säch­lich in poli­tis­che Entschei­dun­gen ein­fließen”, so de Mat­teis. Andern­falls würde der Ein­druck entste­hen, dass Beteili­gung zwar stat­tfind­et, aber keine Wirkung hat. Bürg­er­räte sieht er für die Stad­ten­twick­lung, Mobil­ität und die Nutzung öffentlich­er Flächen als sin­nvoll an. Diese Beteili­gung soll dann aber auch trans­par­ent sein und konkrete Auswirkun­gen auf Entschei­dun­gen haben.

Ortsteilvertretungen zielgerichteter als Bürgerrat

Mandy Pfeifer von der SPD sieht die Ort­steil­vertre­tun­gen als gutes Instru­ment, um Bürg­er in der kom­mu­nalen Poli­tik zu beteili­gen. Laut Pfeifer sind feste Grup­pen zu spez­i­fis­chen The­men ziel­gerichteter, als zufäl­lig zusam­menge­set­zte Bürg­er­räte. “Jede Schw­er­iner­in und jed­er Schw­er­iner kann an der Sitzung sein­er Ort­steil­vertre­tung teil­nehmen und dort auch Red­erecht erhal­ten”, so Pfeifer. Darüber hin­aus gibt es auch noch Beiräte für Behin­derte Men­schen oder Senioren. Bei kom­plex­en The­men, wie Stad­ten­twick­lung oder Kli­maan­pas­sung, kann ein Bürg­er­rat laut Pfeifer sin­nvoll sein. Auch ihr ist wichtig, dass Bürg­er­beteili­gung ver­lässlich ist.

Transparente Aufklärung über das für und wider

Petra Fed­er­au von der AfD möchte die aktive Ein­bindung der Bürg­erin­nen und Bürg­er in die Stadt­poli­tik unter­stützen. Bei strit­ti­gen The­men, wie Gemein­schaft­sun­terkün­ften oder der Paulshöhe, kön­nte sie sich stärkere Bürg­er­beteili­gung vorstellen. Weit­ere Beispiele für Beteili­gungsmöglichkeit­en sieht sie beim Aus­bau des Nahverkehrs oder der Ausweitung von Fußgänger­zo­nen. “Mehr Aufen­thalt­squal­ität oder eventuelle Nachteile für Han­del und Aut­o­fahrer und Besuch­er – das müssen die Bürg­er abwä­gen”, so Fed­er­au. Statt eines kosten­in­ten­siv­en Bürg­er­entschei­des sieht sie regelmäßige Online-Abstim­mungsmöglichkeit­en als eine Chance für Bürg­er­beteili­gung.

Kan­di­datin­nen und Kan­di­dat­en, die wir nicht erwäh­nt haben, reagierten nicht auf unsere Anfrage. Die Anfrage wurde am 31.03.2026 ver­schickt, um Antwort wurde bis zum 03.04.2026 gebeten.