In eigener Sache:
Ohne SNO – So geht es mit Schwerin Lokal weiter
Schwerin Lokal geht wieder eigene Wege. Was sich ändert, was bleibt und warum wir künftig noch stärker auf Nachrichten, Hintergründe und das Stadtleben setzen.

Manchmal bedeutet ein neuer Name keinen Neuanfang, sondern die Rückkehr zu dem, was einen ausmacht. In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam mit TV Schwerin und der Hauspost unter der Marke SNO über das Geschehen in der Landeshauptstadt berichtet. Diese Zusammenarbeit endet nun.
Die beiden anderen Gesellschafter haben sich entschieden, die bisherige Betreibergesellschaft weiterzuführen. Auch die Marke SNO verbleibt bei dieser Gesellschaft. Welche Pläne TV Schwerin und Hauspost mit dem Unternehmen und der Marke verfolgen, wissen wir nicht. Das zu entscheiden, liegt allein bei ihnen.
Was wir wissen: Diese Zukunft findet ohne uns statt.
Wir führen unsere redaktionelle Arbeit künftig unter der eigenständigen Marke Schwerin Lokal fort. Für unsere Leserinnen und Leser ist dabei vor allem eines wichtig: Der Journalismus, für den wir innerhalb von SNO standen und den Sie in den vergangenen Jahren kennengelernt haben, geht weiter. Unter einem Namen, den viele von Ihnen bereits kennen.
Unterschiedliche Vorstellungen von Journalismus
Eine solche Trennung hat Gründe. Im Rückblick zeigt sich, dass die Vorstellungen der beteiligten Partner darüber, wie sich ein lokales Medium journalistisch entwickeln sollte, zu unterschiedlich waren.
Das ist keine Bewertung der Arbeit von TV Schwerin oder Hauspost. Medien können unterschiedliche Schwerpunkte setzen, unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und ein unterschiedliches Verständnis ihrer Rolle in einer Stadt haben.
Für uns stellt sich deshalb nicht die Frage, welcher Weg für andere der richtige ist. Entscheidend ist, wofür Schwerin Lokal künftig stehen soll. Und darauf haben wir eine klare Antwort.
Journalismus beginnt für uns mit der zweiten Frage
Wir wollen schnell informieren, wenn in Schwerin etwas Wichtiges passiert. Aber die Veröffentlichung einer Nachricht ist für uns häufig nicht das Ende journalistischer Arbeit, sondern ihr Anfang. Eine Pressemitteilung kann uns sagen, was beschlossen, eröffnet, geplant oder angekündigt wurde. Uns interessieren auch die Fragen danach:
Warum wurde diese Entscheidung getroffen?
Was kostet sie?
Wer trägt Verantwortung?
Welche Folgen hat sie für die Menschen in Schwerin?
Stimmen die genannten Zahlen?
Welche Interessen spielen eine Rolle?
Und was sagt die andere Seite?
Genau dort sehen wir unsere Aufgabe.
Nähe zur Stadt, Distanz zu den Akteuren
Schwerin Lokal soll ein Medium sein, das Nähe zu seiner Stadt mit journalistischer Distanz verbindet. Wir sprechen mit Politikern, Unternehmen, Vereinen, Verbänden, Initiativen und der Stadtverwaltung. Diese Kontakte sind für unsere Arbeit wichtig. Aber Nähe darf nicht dazu führen, dass notwendige Fragen nicht mehr gestellt werden.
Wir verstehen uns weder als Sprachrohr der Stadt noch der Politik, der Wirtschaft, einzelner Organisationen oder Interessengruppen. Unsere Aufgabe ist es auch nicht, Schwerin besser oder schlechter darzustellen, als es ist. Unsere Aufgabe ist es, hinzusehen.
Dazu gehört, öffentliche Dokumente zu lesen, Zahlen einzuordnen, Aussagen zu überprüfen und Verantwortliche mit offenen Fragen zu konfrontieren.
Kritischer Journalismus bedeutet für uns dabei nicht, grundsätzlich dagegen zu sein. Kritik ist kein Selbstzweck. Wenn etwas funktioniert, gehört auch das zur Berichterstattung. Entscheidend ist, dass wir unabhängig davon berichten, wer von einer Geschichte gut oder schlecht wegkommt.
Unterschiedliche Stimmen gehören dazu
Zu diesem Verständnis gehört auch, unterschiedliche Positionen abzubilden. Gerade bei kontroversen Themen sollte eine Redaktion ihren Lesern nicht vorschreiben, welche gesellschaftlich relevanten Auffassungen sie hören dürfen und welche nicht.
Unsere Aufgabe ist es, Positionen einzuordnen, Behauptungen zu überprüfen und Widersprüche sichtbar zu machen. Die Schlussfolgerung daraus wollen wir unseren Leserinnen und Lesern nicht abnehmen. Sie können sich selbst eine Meinung bilden. Dafür müssen wir ihnen möglichst verlässliche Informationen liefern.
Schwerin ist unser Mittelpunkt
Viele unserer langjährigen Leserinnen und Leser kennen Schwerin Lokal bereits aus der Zeit vor SNO. Nun rückt diese Marke wieder vollständig in den Mittelpunkt. Und ihr Name beschreibt ziemlich genau, worum es uns geht: Schwerin.
Stadthaus und Stadtvertretung gehören dazu. Aber genauso Unternehmen und Arbeitsplätze, Schulen und Kitas, Vereine und Kultur, Sicherheit, Verkehr, Stadtentwicklung und die Geschichten aus den Stadtteilen.
Wir wollen die großen Entscheidungen begleiten und Themen aufgreifen, die vielleicht in keiner Pressemitteilung vorkommen, für die Menschen in dieser Stadt aber wichtig sind. Dabei sind wir auch auf Sie angewiesen.
Wenn Ihnen etwas auffällt, wenn Sie eine Entscheidung nicht nachvollziehen können, wenn Sie Dokumente besitzen oder der Meinung sind, dass wir bei einem Thema genauer hinschauen sollten: Schreiben Sie uns.
Nicht jeder Hinweis wird zu einem Artikel. Nicht jeder Verdacht bestätigt sich. Aber jeder ernsthafte Hinweis verdient es, geprüft zu werden.
Ein Kapitel endet. Unsere Arbeit geht weiter. Mit unserem Ausscheiden aus der bisherigen Betreibergesellschaft endet ein Abschnitt. TV Schwerin und Hauspost werden ihren Weg gehen. Wie dieser aussehen wird, wissen wir nicht. Wir wünschen den bisherigen Partnern dafür alles Gute.
Schwerin Lokal beginnt dagegen nicht bei null. Wir nehmen die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit und wollen künftig noch deutlicher zeigen, wofür wir stehen:
Wir wollen informieren.
Wir wollen erklären.
Wir wollen einordnen.
Und wir wollen nachfragen.
Sachlich. Fair. Unabhängig. Das ist unser Verständnis von Lokaljournalismus.
Und dafür soll Schwerin Lokal stehen.
Nachrichten · Hintergründe · Stadtleben
Und für einen Satz ganz besonders: Wir fragen nach.




