Fr, 5. Dezember 2025
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MV setzt auf Kranz:
Opposition spricht von „System Schwesig“

Peter Kranz wird Chef der neuen MV-Tourismus GmbH. Die Gesellschaft soll den Landestourismusverband ablösen – Kritik gibt es an der fehlenden Ausschreibung des Spitzenpostens.

  • Veröffentlicht August 25, 2025
Peter Kranz
Peter Kranz wird Chef der neuen MV-Touris­mus GmbH. Foto: Staatskan­zlei

 

Die Lan­desregierung hat Peter Kranz, bish­eri­gen Leit­er des Lan­des­mar­ket­ings, als Geschäfts­führer der neu gegrün­de­ten MV-Touris­mus GmbH vorgestellt. Die Gesellschaft soll am 15. Sep­tem­ber ins Han­del­sreg­is­ter einge­tra­gen wer­den und kün­ftig die Auf­gaben des bish­eri­gen Lan­des­touris­musver­ban­des übernehmen, gegen dessen früheren Chef Tobias Woi­ten­dorf die Staat­san­waltschaft wegen Sub­ven­tions­be­trugs ermit­telt.

Auftrag der neuen Gesellschaft

Die MV-Touris­mus GmbH soll die Touris­muswirtschaft in Meck­len­burg-Vor­pom­mern strate­gisch weit­er­en­twick­eln und die bun­desweit führende Urlaub­sre­gion stärk­er ver­mark­ten. Wirtschaftsmin­is­ter Wolf­gang Blank (partei­los) beze­ich­nete die neue Struk­tur als „Sig­nal für Sta­bil­ität und Pro­fes­sion­al­isierung“.

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Zu den Auf­gaben gehören unter anderem die Koor­di­na­tion von För­der­mit­teln, die Weit­er­en­twick­lung der Marke „MV tut gut“ und die Pla­nung von Pro­jek­ten wie ein­er Touris­musakademie oder einem Touris­mus­ge­setz.

Ist Kranz der richtige Mann?

Kranz gilt als erfahren­er Mar­ket­ing­fach­mann und ist seit vie­len Jahren eng mit der Marke MV ver­bun­den. Unter sein­er Leitung wurde das Lan­des­mar­ket­ing mod­ernisiert und die Dachmarke „MV tut gut“ in Kam­pag­nen bun­desweit sicht­bar gemacht. Branchen­vertreter wie Dehoga-Präsi­dent Lars Schwarz lobten Kranz als inte­gri­eren­den und kon­struk­tiv­en Ansprech­part­ner. Auch die Präsi­dentin des bish­eri­gen Touris­musver­ban­des, Bir­git Hesse, zeigte sich erle­ichtert über die Entschei­dung. Kri­tik­er weisen jedoch darauf hin, dass die Struk­turen des Lan­des­mar­ket­ings zulet­zt stark auf zen­trale Steuerung aus­gerichtet waren und fra­gen, ob Kranz die neue Gesellschaft hin­re­ichend unab­hängig führen wird.

Kritik an fehlender Ausschreibung

Für Unruhe sorgt die Tat­sache, dass die Geschäfts­führerpo­si­tion nicht öffentlich aus­geschrieben wurde. CDU-Frak­tion­schef Daniel Peters sprach in einem Post auf der Plat­tform X von einem „Sys­tem Schwe­sig“ ohne Wider­spruch und Auswahlver­fahren.

 


Auch der touris­mus­poli­tis­che Sprech­er der AfD-Frak­tion, Paul Timm kri­tisierte eine „Kun­gelei statt Beste­nauslese“ und forderte ein trans­par­entes Bewer­bungsver­fahren, um auch Prak­tik­ern aus der Branche Chan­cen einzuräu­men. Die Lan­desregierung ver­wies dage­gen auf die Notwendigkeit, nach den Tur­bu­len­zen im bish­eri­gen Ver­band schnell hand­lungs­fähig zu wer­den.

Erwartungen der Branche

Branchen­ver­bände set­zen große Hoff­nun­gen in die neue Struk­tur. Dehoga-Lan­deschef Schwarz sprach von „großen Auf­gaben“, die vor der Gesellschaft lägen. Dazu gehörten eine Touris­musakademie, die Umset­zung eines Touris­mus­ge­set­zes sowie die Bün­delung von Mar­ket­ing und Fachkräf­teen­twick­lung. Kranz kündigte an, umge­hend Gespräche mit den Mitar­beit­ern des bish­eri­gen Lan­des­touris­musver­ban­des aufzunehmen. Seine Nach­folge im Lan­des­mar­ket­ing ist noch offen.