Sa, 18. Juli 2026
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Streit um Ostmoderne-Ensemble:
Schweriner kämpfen für ihr architektonisches Erbe – Petition gegen Parkhaus findet Zuspruch

Ein geplantes Parkhaus bedroht ein einzigartiges Ensemble der Ostmoderne in Schwerin. Eine Petition für den Erhalt der denkmalgeschützten Bauwerke findet wachsende Unterstützung in der Bevölkerung.

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  • Veröffentlicht Juli 23, 2025
Galerist Stephan Schroer hat eine Peti­tion gegen den Neubau eines Parkhaus­es auf den Weg gebracht.
Foto: Marc Eis­ing

Bere­its in den ersten 48 Stun­den sam­melte die Ini­tia­tive um Galerist Stephan Schröer über 300 Unter­schriften – ein deut­lich­es Zeichen für die emo­tionale Ver­bun­den­heit viel­er Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner mit dem Are­al. „Jed­er war mal im Achteck tanzen, bei Ver­anstal­tun­gen in der Sport- und Kon­gresshalle oder im Panora­ma-Restau­rant in der Hyparschale essen“, so Schroer. Für viele sei dieses Stück Stadt­geschichte ein Ort mit stark­er iden­titätss­tif­ten­der Wirkung – und kein Platz für ein Parkhaus.

Fachleute und neue Bürgerinitiative unterstützen die Petition

Zus­pruch kommt nicht nur aus der Bevölkerung, son­dern auch von Fach­leuten. Schröer berichtet von „tollen Briefen“ und per­sön­lichen Gesprächen mit Denkmalpflegern, Architek­tur­ex­perten und Kul­turschaf­fend­en. Beson­ders ein­drucksvoll ist ein State­ment eines Unterze­ich­n­ers, der nach eige­nen Angaben früher Gebi­et­sref­er­ent für Denkmalpflege und Architek­tur beim Lan­des­denkmalschutz in Bran­den­burg war. Er schreibt:

„Die Erleb­barkeit dieses Ensem­bles aus unter­schiedlichen Bauphasen gilt es beizube­hal­ten und zu schützen.“

Darüber hin­aus hat sich inzwis­chen eine Bürg­erini­tia­tive gegrün­det, die sich expliz­it mit den kli­ma- und verkehrspoli­tis­chen Fol­gen des Baupro­jek­ts beschäftigt. Dabei geht es u. a. um die Ver­siegelung von Grün­flächen, den Ver­lust der soge­nan­nten „grü­nen Hun­dewiese“ sowie die Frage, ob die Verkehrsin­fra­struk­tur ein­er zusät­zlichen Belas­tung über­haupt gewach­sen ist.

Historisches Ensemble soll unter Schutz gestellt werden

Kern­forderung der Peti­tion ist die Ein­stu­fung des gesamten Are­als als Denkmal-Ensem­ble. Schon heute ste­hen drei der Gebäude – die Sport- und Kon­gresshalle, das Hochhaus in der Wern­er-See­len­binder-Straße und die Hyparschale (Entwurf: Ulrich Müther) – unter Denkmalschutz. Das „Achteck“ ist bis­lang noch nicht offiziell geschützt, gehört jedoch aus Sicht der Ini­tia­toren untrennbar dazu. Die architek­tonis­che Sprache dieser Baut­en, ihre funk­tionale Anord­nung und die Sich­tach­sen dazwis­chen wür­den durch das geplante Parkhaus zer­stört, heißt es in der Peti­tion.

»Lesen Sie auch: Ausstel­lung zeigt mexikanis­che Lith­o­gra­phien in der Hyparschale

Der Zus­pruch aus der Bevölkerung für die Peti­tion ist groß: Fast 700 Men­schen haben bere­its unterze­ich­net. Die Peti­tion kann sowohl online als auch klas­sisch per Scan und E‑Mail unter­stützt wer­den. Schroer betont: „Es geht nicht um Nos­tal­gie, son­dern um das Bewusst­sein für kul­turelles Erbe. Dieses Ensem­ble erzählt Geschichte.“

Bauherr signalisiert Kompromissbereitschaft

Der Investor, die Lam­brechts­grund Betrieb­s­ge­sellschaft, zeigt sich angesichts der wach­senden Kri­tik kom­pro­miss­bere­it. So wur­den bere­its die ursprünglich geplanten Dachwoh­nun­gen gestrichen, um die Höhe des Gebäudes auf rund zwölf Meter zu begren­zen – auch auf Druck der Denkmalschutzbe­hörde, die eine Beein­träch­ti­gung der his­torischen Sich­tach­sen befürchtet.

Wo heute eine Hun­dewiese ist, soll das Parkhaus entste­hen. Foto: Marc Eis­ing

Das Parkhaus soll laut derzeit­iger Pla­nung bis zu zwölf Meter hoch wer­den und etwa 360 Stellplätze bieten. Die Investi­tion­ssumme liegt bei rund fünf Mil­lio­nen Euro.

Das Vorhaben bleibt umstrit­ten. Zwar ist die Park­platzsi­t­u­a­tion in der West­stadt – beson­ders bei Großver­anstal­tun­gen in der Sport- und Kon­gresshalle – anges­pan­nt, doch Kri­tik­er argu­men­tieren, dass bere­its Auswe­ich­flächen unter dem zukün­fti­gen Rad­sportzen­trum sowie das Sta­dion­gelände Ent­las­tung schaf­fen kön­nten. Zudem sei das Parkhaus an dieser Stelle nicht im Inter­esse der Anwohn­er, son­dern diene eher über­ge­ord­neten Inter­essen.

Gutachten soll endgültige Entscheidung bringen

Derzeit wird eine Studie zur „Denkmalverträglichkeit“ vor­bere­it­et, um genau diese Fra­gen zu klären. Dabei geht es ins­beson­dere um die städte­bauliche Wirkung und die Sicht­beziehun­gen zwis­chen den his­torischen Gebäu­den. Ohne klare Ergeb­nisse kann keine endgültige Entschei­dung getrof­fen werde, das hat die Stadtver­wal­tung in der Ver­gan­gen­heit immer wieder betont. Auch ein Umweltgutacht­en und ein Arten­schutzbericht sollen Teil des Bebau­ungs­plan­ver­fahrens sein, das bis Herb­st abgeschlossen sein soll. Laut der Lam­brechts­grund Betrieb­s­ge­sellschaft kön­nte das Pro­jekt nochmals über­ar­beit­et wer­den, falls sich durch die Studie neue Aufla­gen ergeben.

Die West­stadt ent­stand ab Mitte der 1950er Jahre auf dem Reißbrett – ein sozial­is­tis­ches Stadt­pla­nung­spro­jekt, das mod­erne Wohn­ver­hält­nisse für tausende Neubürg­er schuf. Inmit­ten dieser struk­turi­erten Sied­lung ent­standen architek­tonisch ambi­tion­ierte Gebäude: Die Sport- und Kon­gresshalle (1960), das erste Hochhaus (1963), das Achteck (1969) und schließlich 1972 die Hyparschale als Panora­ma-Restau­rant.

Der Bedarf an Park­plätzen ist unbe­strit­ten, beson­ders bei Großver­anstal­tun­gen in der Kon­gresshalle. Doch Geg­n­er des Vorhabens ver­weisen auf bere­its geplante Alter­na­tiv­en wie die Flächen unter dem zukün­fti­gen Rad­sportzen­trum oder das Auswe­ichen aufs Sta­dion­gelände.