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Mit 20 in den Landtag:
Patrick Eising will Jugend in Schwerin halten

Mit 20 Jahren will Patrick Eising für die FDP in den Landtag. Im Interview spricht er über junge Menschen, Wirtschaft, Bildung und darüber, warum Schwerin einen stärkeren Hochschulstandort braucht.

  • Veröffentlicht September 9, 2026
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Der jüng­ste Schw­er­iner Kan­di­dat Patrick Eis­ing will in den Land­tag. Foto: Patrick Eis­ing

 

Im Vor­feld der Land­tagswahl in Meck­len­burg-Vor­pom­mern spricht Schw­erin-Lokal mit den Direk­tkan­di­datin­nen und Direk­tkan­di­dat­en in Schw­erin. Im Mit­telpunkt ste­ht dabei vor allem eine Frage: Was wollen sie konkret für die Lan­deshaupt­stadt erre­ichen?

Heute im Gespräch: Patrick Eis­ing (FDP). Mit 20 Jahren gehört er zu den jüng­sten Kan­di­dat­en bei dieser Land­tagswahl. Der Stu­dent möchte dabei aus­drück­lich nicht auf sein Alter reduziert wer­den. Vielmehr will er die Per­spek­tive ein­er Gen­er­a­tion vertreten, die vor ein­er für Meck­len­burg-Vor­pom­mern entschei­den­den Frage ste­ht: Bleiben junge Men­schen nach Schule und Aus­bil­dung im Land oder suchen sie ihre Zukun­ft ander­swo?

Für Schw­erin sieht Eis­ing vor allem beim Hochschu­lange­bot, bei Aus­bil­dungs- und Arbeit­splätzen sowie bei der Ansied­lung neuer Unternehmen Hand­lungs­be­darf. Er fordert weniger Bürokratie, schnellere Ver­wal­tungsver­fahren und mehr wirtschaftliche Dynamik. Zugle­ich set­zt er sich mit der Entwick­lung sein­er eige­nen Partei auseinan­der und erk­lärt, unter welchen Voraus­set­zun­gen für ihn eine poli­tis­che Zusam­me­nar­beit mit anderen Parteien infrage kommt.

Im Inter­view spricht Patrick Eis­ing über seinen frühen Ein­stieg in die Poli­tik, die Zukun­ft junger Men­schen in Schw­erin, Schulen und Hochschulen, die finanzielle Sit­u­a­tion der Stadt, Wirtschaft und Wohnen, Migra­tion und Sicher­heit sowie seine Ziele bis 2031.

Warum kan­di­dieren Sie bere­its mit 19 Jahren?

Ich bin mit­tler­weile schon ein Jahr älter gewor­den und 20 Jahre alt. Das Prob­lem mit meinem Alter löst sich also zumin­d­est jedes Jahr ein biss­chen von selb­st.

Ich habe mich schon früh poli­tisch engagiert, weil poli­tis­che Entschei­dun­gen meine Zukun­ft unmit­tel­bar betr­e­f­fen. Dabei habe ich in vie­len Gesprächen erlebt, dass ger­ade junge Men­schen Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­lassen, weil sie hier keine passenden Stu­di­en- oder Aus­bil­dungsmöglichkeit­en find­en oder später keine aus­re­ichende Per­spek­tive auf dem Arbeits­markt sehen.

Ich möchte diesem Trend etwas ent­ge­genset­zen, weil mir die Zukun­ft unseres Bun­des­lan­des wichtig ist. Und wer kön­nte die Per­spek­tive junger Men­schen glaub­würdi­ger vertreten als jemand, der ihre Sit­u­a­tion selb­st erlebt?

Mein Alter erset­zt natür­lich keine Sachken­nt­nis. Deshalb möchte ich auch keinen „Welpen­schutz“. Ich möchte nicht auf mein Alter reduziert wer­den, son­dern fach­lich genau­so ernst genom­men und gemessen wer­den wie meine Mit­be­wer­ber.

Was läuft für junge Men­schen in Schw­erin falsch?

Junge Men­schen in Schw­erin lassen sich lei­der oft in zwei Grup­pen ein­teilen: diejeni­gen, die weg­wollen, und diejeni­gen, die weg­müssen. Wer studieren möchte, find­et hier nur wenige Möglichkeit­en. Auch außer­halb der Ver­wal­tung ist das Ange­bot an attrak­tiv­en Aus­bil­dungs- und Arbeit­splätzen zu klein.

Deshalb brauchen wir bei­des: eine echte Ansied­lung­sof­fen­sive für Unternehmen und einen geziel­ten Aus­bau der Hochschul­bil­dung. Beson­ders duale Stu­di­engänge bieten eine große Chance für Schw­erin. Unternehmen gewin­nen frühzeit­ig Fachkräfte und junge Men­schen erhal­ten eine Per­spek­tive, in Schw­erin zu bleiben.

Was hat die FDP in den ver­gan­genen Jahren falsch gemacht?

Wenn ich die FDP von heute mit der Partei ver­gle­iche, die mich ursprünglich begeis­tert hat, dann fehlt mir manch­mal der Opti­mis­mus. Wir haben zu häu­fig erk­lärt, was nicht funk­tion­iert, und zu sel­ten gezeigt, wie ein besseres Mor­gen ausse­hen kann. Die FDP ist für mich die einzige poli­tis­che Kraft, die für ein glaub­haftes Auf­stiegsver­sprechen, einen muti­gen Reformwillen und eine pos­i­tive Zukun­ft­serzäh­lung ste­ht. Dazu möchte ich auch mit mein­er Kan­di­datur beitra­gen.

Mit welchen Parteien wäre eine Regierungs­beteili­gung denkbar?

Ich mache eine Zusam­me­nar­beit nicht allein an Parteina­men fest, son­dern an Werten und konkreten Inhal­ten. Für mich ruht Poli­tik auf vier Grund­säulen: Frei­heit, Ver­ant­wor­tung, Men­schen­würde und Eigen­tum. Wer diese Grund­la­gen und unsere frei­heitlich-demokratis­che Ord­nung infrage stellt, kann für mich kein ver­lässlich­er Regierungspart­ner sein. Eine Koali­tion darf außer­dem kein Selb­stzweck sein. Entschei­dend ist, ob sich eine erkennbar lib­erale Poli­tik durch­set­zen lässt.

Wür­den Sie auch Anträ­gen von BSW oder AfD zus­tim­men?

Ein Par­la­ment muss jeden Antrag nach seinem Inhalt bew­erten. Ein richtiger Vorschlag wird nicht automa­tisch falsch, nur weil er von ein­er anderen Partei stammt. Das gilt grund­sät­zlich auch für Anträge von BSW oder AfD.

Gle­ichzeit­ig darf es keine strate­gis­che Zusam­me­nar­beit und keine poli­tis­chen Geschäfte mit Parteien geben, die unsere frei­heitliche Ord­nung oder die Men­schen­würde infrage stellen. Entschei­dend sind Inhalt, Ver­fas­sungstreue und die Frage, ob ein Antrag tat­säch­lich dem Land und seinen Bürg­ern dient.

Wo muss der Staat sparen, und wann sind Investi­tio­nen oder neue Schulden vertret­bar?

Der Staat muss zuerst bei sich selb­st sparen. Dig­i­tal­isierung darf kein teures Dauer­pro­jekt ohne erkennbaren Nutzen bleiben. Wenn wir Ver­wal­tungsver­fahren wirk­lich dig­i­tal­isieren und gle­ichzeit­ig unnötige Bürokratie abbauen, kön­nen wir erhe­bliche Mit­tel und Arbeit­szeit sparen. Auch klein­teilige Förder­pro­gramme gehören über­prüft. Teil­weise kosten Beantra­gung, Prü­fung und Abrech­nung mehr, als sie am Ende bewirken.

Investi­tio­nen in Schulen, Verkehr­swege und dig­i­tale Infra­struk­tur dür­fen dage­gen nicht aufgeschoben wer­den. Neue Schulden wären für mich nur in eng begren­zten Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen vertret­bar. Und nur für echte Zukun­ftsin­vesti­tio­nen, nicht zur Finanzierung laufend­er Aus­gaben oder immer neuer Wahlver­sprechen.

Wo kön­nte Schw­erin sparen, ohne Leis­tun­gen zu ver­schlechtern?

Den Kom­munen wurde durch immer mehr über­tra­gene Auf­gaben die Luft zum Atmen genom­men. Gle­ichzeit­ig wer­den sie mit klein­teili­gen Förder­pro­gram­men abhängig gehal­ten. Das pro­duziert schöne Bilder bei der Über­gabe von Förderbeschei­den, aber keine dauer­hafte finanzielle Frei­heit.

Das Land muss über­tra­gene Auf­gaben voll­ständig bezahlen und die Kom­munen bei ihren eige­nen Auf­gaben ver­lässlich ausstat­ten. Einspar­poten­zial sehe ich außer­dem in ein­facheren Ver­fahren, weniger Dop­pel­struk­turen und dig­i­taler Ver­wal­tung. Der wichtig­ste Hebel bleibt jedoch wirtschaftlich­es Wach­s­tum. Wenn wir mehr Men­schen in Arbeit brin­gen, ent­las­ten wir den Sozial­haushalt und stärken zugle­ich die Ein­nah­men der Sta

Was müsste sich an Schw­er­iner Schulen verän­dern?

Für mich geht es um drei Dinge: Anerken­nung, Qual­ität und Zukun­fts­fes­tigkeit. Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für guten Unter­richt und weniger Bürokratie. Die Ver­mit­tlung von Lesen, Schreiben, Math­e­matik und All­ge­mein­wis­sen muss wieder ver­lässlich funk­tion­ieren.

Gle­ichzeit­ig müssen Schulen stärk­er auf das Leben vor­bere­it­en: mit dig­i­taler Bil­dung, Wirtschafts- und Finanzwis­sen sowie ein­er besseren Beruf­sori­en­tierung. Es geht deshalb nicht nur um mehr Geld und Per­son­al. Wir müssen auch Struk­turen hin­ter­fra­gen und den Schulen mehr Frei­heit geben, vor Ort passende Lösun­gen zu entwick­eln.

Sollte Schw­erin als Hochschul­stan­dort aus­ge­baut wer­den?

Ja. Es ist schw­er zu erk­lären, warum eine Lan­deshaupt­stadt und das Ver­wal­tungszen­trum Meck­len­burg-Vor­pom­merns nur ein ver­gle­ich­sweise kleines Hochschu­lange­bot besitzt. Schw­erin liegt zudem in der Metropol­re­gion Ham­burg und kön­nte davon wirtschaftlich viel stärk­er prof­i­tieren.

Beson­ders sin­nvoll wären tech­nis­che und dig­i­tale Stu­di­engänge sowie Ange­bote in den Bere­ichen Ver­wal­tung, Recht und öffentliche Dig­i­tal­isierung. Einen Schw­er­punkt sehe ich bei dualen Stu­di­engän­gen, die Hochschul­bil­dung und regionale Unternehmen verbinden. Schw­erin muss nicht Ros­tock oder Greif­swald kopieren, son­dern ein eigenes, prax­is­na­h­es Pro­fil entwick­eln.

Wie kann das Land ehre­namtlich­es Engage­ment erle­ichtern?

Das Ehre­namt braucht vor allem mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit und weniger Zeit für For­mu­la­re. Wer einen Vere­in grün­det, sollte im Ide­al­fall nicht plöt­zlich zum Hob­by-Ver­wal­tungsjuris­ten wer­den. Wir soll­ten Förderver­fahren vere­in­fachen, Nach­weispflicht­en reduzieren und Vere­inen zen­trale Ansprech­part­ner anbi­eten. Kleine Förder­be­träge dür­fen nicht densel­ben Ver­wal­tungsaufwand verur­sachen wie große Pro­jek­te.

Außer­dem müssen Ver­sicherungss­chutz, dig­i­tale Vere­in­sar­beit und Qual­i­fizierungsange­bote verbessert wer­den. Wer Ver­ant­wor­tung für andere übern­immt, ver­di­ent Unter­stützung und Anerken­nung, keinen Papierkrieg.

Wie kann Wohnen ohne stärkere Mietreg­ulierung bezahlbar bleiben?

Die nach­haltig­ste Antwort auf steigende Mieten lautet: bauen. Wenn die Nach­frage wächst, das Ange­bot aber nicht mithält, steigen zwangsläu­fig die Preise. Miet­preis­brem­sen schaf­fen keine einzige neue Woh­nung und kön­nen Investi­tio­nen sog­ar unat­trak­tiv­er machen.

Schw­erin sollte deshalb mehr geeignete Flächen als Bauland ausweisen, Genehmi­gun­gen beschle­u­ni­gen und unnötige Bau­vorschriften abbauen. Gle­ichzeit­ig brauchen wir ziel­gerichtete Unter­stützung wie das Wohn­geld für Men­schen, die sie wirk­lich benöti­gen. Bezahlbares Wohnen entste­ht durch mehr Ange­bot, nicht durch die Ver­wal­tung des Man­gels.

Was muss sich ändern, damit sich mehr Unternehmen in Schw­erin ansiedeln?

Unternehmen entschei­den sich für Stan­dorte, an denen Energie bezahlbar, Fachkräfte ver­füg­bar und Genehmi­gun­gen berechen­bar sind. Bei allen drei Punk­ten beste­ht Hand­lungs­be­darf. Wir brauchen schnellere Ver­fahren, feste Ansprech­part­ner für Inve­storen und verbindliche Entschei­dungs­fris­ten.

Gle­ichzeit­ig müssen wir Aus­bil­dung, duales Studi­um und Zuwan­derung in den Arbeits­markt bess­er miteinan­der verbinden. Schw­erin kann mit sein­er Lage in der Metropol­re­gion Ham­burg, kurzen Wegen und hoher Leben­squal­ität punk­ten. Aber wir müssen diese Vorteile endlich aktiv nutzen.

Was muss sich bei Migra­tion, Inte­gra­tion und Sicher­heit ändern?

Inte­gra­tion stößt dort an Gren­zen, wo abgeschot­tete Milieus entste­hen und sich eine Stadt in der Stadt entwick­elt. Deshalb müssen wir Begeg­nung fördern, arbeits­be­zo­gene Sprachkurse stärken und schneller den Zugang zu Aus­bil­dung und Beschäf­ti­gung ermöglichen. Inte­gra­tion bedeutet Teil­habe, set­zt aber auch die Bere­itschaft voraus, unsere Regeln und Werte anzuerken­nen.

Mehr sicht­bare Polizeipräsenz kann das Sicher­heits­ge­fühl stärken. Eine flächen­deck­ende Kam­er­aüberwachung öffentlich­er Räume ist für mich jedoch kein Ersatz für ansprech­bare Polizeibeamte. Wir brauchen keinen immer härteren Staat, son­dern einen kon­se­quenten Rechtsstaat, der klare Regeln auf­stellt und sie zuver­läs­sig durch­set­zt.

Warum sollte man einem 19-jähri­gen Stu­den­ten die Erst­stimme geben?

Ich bin nicht nur ein 20-jähriger Stu­dent, son­dern vor allem ein offen­er und engagiert­er Men­sch. Ich habe große Freude daran, mit anderen Men­schen ins Gespräch zu kom­men, unter­schiedliche Per­spek­tiv­en ken­nen­zuler­nen und gemein­sam nach Lösun­gen für konkrete Prob­leme zu suchen.

Ich möchte für einen muti­gen und glaub­haften Schritt nach vorn für Schw­erin ste­hen. Dafür müssen wir beste­hende Struk­turen hin­ter­fra­gen, neue Ideen zulassen und gle­ichzeit­ig den Blick nach vorne richt­en. Mein Ziel ist, dass Schw­erin für junge Men­schen attrak­tiv bleibt und zugle­ich für alle Gen­er­a­tio­nen lebenswert ist. Dafür möchte ich nah an den Men­schen sein, zuhören und gemein­sam mit den Bürg­erin­nen und Bürg­ern konkrete Verbesserun­gen auf den Weg brin­gen.

Was müsste sich bis 2031 konkret verän­dert haben?

Erstens muss Schw­erin wirtschaftlich wieder sicht­bar wach­sen. Wenn sich neue Unternehmen ansiedeln, mehr Men­schen in Arbeit kom­men und die Stadt dadurch dauer­haft größere finanzielle Spiel­räume gewin­nt, wäre das für mich ein mess­bar­er Erfolg. Daraus kann auch eine neue, opti­mistis­chere Grund­stim­mung entste­hen.

Zweit­ens müssen deut­lich mehr junge Men­schen in Schw­erin bleiben kön­nen. Dafür brauchen wir neue Stu­di­en­ange­bote, attrak­tive Aus­bil­dungsplätze, mehr Unternehmen und Orte, an denen junge Men­schen gerne ihre Freizeit ver­brin­gen.

Drit­tens muss der Staat für die Men­schen wieder funk­tion­ieren: weniger Schlaglöch­er, kürzere Wartezeit­en und eine Ver­wal­tung, die möglichst viele Anliegen schnell und dig­i­tal erledigt.

Vie­len Dank!

Das Inter­view führte Dario Rochow.