Mit 20 in den Landtag:
Patrick Eising will Jugend in Schwerin halten
Mit 20 Jahren will Patrick Eising für die FDP in den Landtag. Im Interview spricht er über junge Menschen, Wirtschaft, Bildung und darüber, warum Schwerin einen stärkeren Hochschulstandort braucht.

Im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern spricht Schwerin-Lokal mit den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten in Schwerin. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem eine Frage: Was wollen sie konkret für die Landeshauptstadt erreichen?
Heute im Gespräch: Patrick Eising (FDP). Mit 20 Jahren gehört er zu den jüngsten Kandidaten bei dieser Landtagswahl. Der Student möchte dabei ausdrücklich nicht auf sein Alter reduziert werden. Vielmehr will er die Perspektive einer Generation vertreten, die vor einer für Mecklenburg-Vorpommern entscheidenden Frage steht: Bleiben junge Menschen nach Schule und Ausbildung im Land oder suchen sie ihre Zukunft anderswo?
Für Schwerin sieht Eising vor allem beim Hochschulangebot, bei Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sowie bei der Ansiedlung neuer Unternehmen Handlungsbedarf. Er fordert weniger Bürokratie, schnellere Verwaltungsverfahren und mehr wirtschaftliche Dynamik. Zugleich setzt er sich mit der Entwicklung seiner eigenen Partei auseinander und erklärt, unter welchen Voraussetzungen für ihn eine politische Zusammenarbeit mit anderen Parteien infrage kommt.
Im Interview spricht Patrick Eising über seinen frühen Einstieg in die Politik, die Zukunft junger Menschen in Schwerin, Schulen und Hochschulen, die finanzielle Situation der Stadt, Wirtschaft und Wohnen, Migration und Sicherheit sowie seine Ziele bis 2031.
Warum kandidieren Sie bereits mit 19 Jahren?
Ich bin mittlerweile schon ein Jahr älter geworden und 20 Jahre alt. Das Problem mit meinem Alter löst sich also zumindest jedes Jahr ein bisschen von selbst.
Ich habe mich schon früh politisch engagiert, weil politische Entscheidungen meine Zukunft unmittelbar betreffen. Dabei habe ich in vielen Gesprächen erlebt, dass gerade junge Menschen Mecklenburg-Vorpommern verlassen, weil sie hier keine passenden Studien- oder Ausbildungsmöglichkeiten finden oder später keine ausreichende Perspektive auf dem Arbeitsmarkt sehen.
Ich möchte diesem Trend etwas entgegensetzen, weil mir die Zukunft unseres Bundeslandes wichtig ist. Und wer könnte die Perspektive junger Menschen glaubwürdiger vertreten als jemand, der ihre Situation selbst erlebt?
Mein Alter ersetzt natürlich keine Sachkenntnis. Deshalb möchte ich auch keinen „Welpenschutz“. Ich möchte nicht auf mein Alter reduziert werden, sondern fachlich genauso ernst genommen und gemessen werden wie meine Mitbewerber.
Was läuft für junge Menschen in Schwerin falsch?
Junge Menschen in Schwerin lassen sich leider oft in zwei Gruppen einteilen: diejenigen, die wegwollen, und diejenigen, die wegmüssen. Wer studieren möchte, findet hier nur wenige Möglichkeiten. Auch außerhalb der Verwaltung ist das Angebot an attraktiven Ausbildungs- und Arbeitsplätzen zu klein.
Deshalb brauchen wir beides: eine echte Ansiedlungsoffensive für Unternehmen und einen gezielten Ausbau der Hochschulbildung. Besonders duale Studiengänge bieten eine große Chance für Schwerin. Unternehmen gewinnen frühzeitig Fachkräfte und junge Menschen erhalten eine Perspektive, in Schwerin zu bleiben.
Was hat die FDP in den vergangenen Jahren falsch gemacht?
Wenn ich die FDP von heute mit der Partei vergleiche, die mich ursprünglich begeistert hat, dann fehlt mir manchmal der Optimismus. Wir haben zu häufig erklärt, was nicht funktioniert, und zu selten gezeigt, wie ein besseres Morgen aussehen kann. Die FDP ist für mich die einzige politische Kraft, die für ein glaubhaftes Aufstiegsversprechen, einen mutigen Reformwillen und eine positive Zukunftserzählung steht. Dazu möchte ich auch mit meiner Kandidatur beitragen.
Mit welchen Parteien wäre eine Regierungsbeteiligung denkbar?
Ich mache eine Zusammenarbeit nicht allein an Parteinamen fest, sondern an Werten und konkreten Inhalten. Für mich ruht Politik auf vier Grundsäulen: Freiheit, Verantwortung, Menschenwürde und Eigentum. Wer diese Grundlagen und unsere freiheitlich-demokratische Ordnung infrage stellt, kann für mich kein verlässlicher Regierungspartner sein. Eine Koalition darf außerdem kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, ob sich eine erkennbar liberale Politik durchsetzen lässt.
Würden Sie auch Anträgen von BSW oder AfD zustimmen?
Ein Parlament muss jeden Antrag nach seinem Inhalt bewerten. Ein richtiger Vorschlag wird nicht automatisch falsch, nur weil er von einer anderen Partei stammt. Das gilt grundsätzlich auch für Anträge von BSW oder AfD.
Gleichzeitig darf es keine strategische Zusammenarbeit und keine politischen Geschäfte mit Parteien geben, die unsere freiheitliche Ordnung oder die Menschenwürde infrage stellen. Entscheidend sind Inhalt, Verfassungstreue und die Frage, ob ein Antrag tatsächlich dem Land und seinen Bürgern dient.
Wo muss der Staat sparen, und wann sind Investitionen oder neue Schulden vertretbar?
Der Staat muss zuerst bei sich selbst sparen. Digitalisierung darf kein teures Dauerprojekt ohne erkennbaren Nutzen bleiben. Wenn wir Verwaltungsverfahren wirklich digitalisieren und gleichzeitig unnötige Bürokratie abbauen, können wir erhebliche Mittel und Arbeitszeit sparen. Auch kleinteilige Förderprogramme gehören überprüft. Teilweise kosten Beantragung, Prüfung und Abrechnung mehr, als sie am Ende bewirken.
Investitionen in Schulen, Verkehrswege und digitale Infrastruktur dürfen dagegen nicht aufgeschoben werden. Neue Schulden wären für mich nur in eng begrenzten Ausnahmesituationen vertretbar. Und nur für echte Zukunftsinvestitionen, nicht zur Finanzierung laufender Ausgaben oder immer neuer Wahlversprechen.
Wo könnte Schwerin sparen, ohne Leistungen zu verschlechtern?
Den Kommunen wurde durch immer mehr übertragene Aufgaben die Luft zum Atmen genommen. Gleichzeitig werden sie mit kleinteiligen Förderprogrammen abhängig gehalten. Das produziert schöne Bilder bei der Übergabe von Förderbescheiden, aber keine dauerhafte finanzielle Freiheit.
Das Land muss übertragene Aufgaben vollständig bezahlen und die Kommunen bei ihren eigenen Aufgaben verlässlich ausstatten. Einsparpotenzial sehe ich außerdem in einfacheren Verfahren, weniger Doppelstrukturen und digitaler Verwaltung. Der wichtigste Hebel bleibt jedoch wirtschaftliches Wachstum. Wenn wir mehr Menschen in Arbeit bringen, entlasten wir den Sozialhaushalt und stärken zugleich die Einnahmen der Sta
Was müsste sich an Schweriner Schulen verändern?
Für mich geht es um drei Dinge: Anerkennung, Qualität und Zukunftsfestigkeit. Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für guten Unterricht und weniger Bürokratie. Die Vermittlung von Lesen, Schreiben, Mathematik und Allgemeinwissen muss wieder verlässlich funktionieren.
Gleichzeitig müssen Schulen stärker auf das Leben vorbereiten: mit digitaler Bildung, Wirtschafts- und Finanzwissen sowie einer besseren Berufsorientierung. Es geht deshalb nicht nur um mehr Geld und Personal. Wir müssen auch Strukturen hinterfragen und den Schulen mehr Freiheit geben, vor Ort passende Lösungen zu entwickeln.
Sollte Schwerin als Hochschulstandort ausgebaut werden?
Ja. Es ist schwer zu erklären, warum eine Landeshauptstadt und das Verwaltungszentrum Mecklenburg-Vorpommerns nur ein vergleichsweise kleines Hochschulangebot besitzt. Schwerin liegt zudem in der Metropolregion Hamburg und könnte davon wirtschaftlich viel stärker profitieren.
Besonders sinnvoll wären technische und digitale Studiengänge sowie Angebote in den Bereichen Verwaltung, Recht und öffentliche Digitalisierung. Einen Schwerpunkt sehe ich bei dualen Studiengängen, die Hochschulbildung und regionale Unternehmen verbinden. Schwerin muss nicht Rostock oder Greifswald kopieren, sondern ein eigenes, praxisnahes Profil entwickeln.
Wie kann das Land ehrenamtliches Engagement erleichtern?
Das Ehrenamt braucht vor allem mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit und weniger Zeit für Formulare. Wer einen Verein gründet, sollte im Idealfall nicht plötzlich zum Hobby-Verwaltungsjuristen werden. Wir sollten Förderverfahren vereinfachen, Nachweispflichten reduzieren und Vereinen zentrale Ansprechpartner anbieten. Kleine Förderbeträge dürfen nicht denselben Verwaltungsaufwand verursachen wie große Projekte.
Außerdem müssen Versicherungsschutz, digitale Vereinsarbeit und Qualifizierungsangebote verbessert werden. Wer Verantwortung für andere übernimmt, verdient Unterstützung und Anerkennung, keinen Papierkrieg.
Wie kann Wohnen ohne stärkere Mietregulierung bezahlbar bleiben?
Die nachhaltigste Antwort auf steigende Mieten lautet: bauen. Wenn die Nachfrage wächst, das Angebot aber nicht mithält, steigen zwangsläufig die Preise. Mietpreisbremsen schaffen keine einzige neue Wohnung und können Investitionen sogar unattraktiver machen.
Schwerin sollte deshalb mehr geeignete Flächen als Bauland ausweisen, Genehmigungen beschleunigen und unnötige Bauvorschriften abbauen. Gleichzeitig brauchen wir zielgerichtete Unterstützung wie das Wohngeld für Menschen, die sie wirklich benötigen. Bezahlbares Wohnen entsteht durch mehr Angebot, nicht durch die Verwaltung des Mangels.
Was muss sich ändern, damit sich mehr Unternehmen in Schwerin ansiedeln?
Unternehmen entscheiden sich für Standorte, an denen Energie bezahlbar, Fachkräfte verfügbar und Genehmigungen berechenbar sind. Bei allen drei Punkten besteht Handlungsbedarf. Wir brauchen schnellere Verfahren, feste Ansprechpartner für Investoren und verbindliche Entscheidungsfristen.
Gleichzeitig müssen wir Ausbildung, duales Studium und Zuwanderung in den Arbeitsmarkt besser miteinander verbinden. Schwerin kann mit seiner Lage in der Metropolregion Hamburg, kurzen Wegen und hoher Lebensqualität punkten. Aber wir müssen diese Vorteile endlich aktiv nutzen.
Was muss sich bei Migration, Integration und Sicherheit ändern?
Integration stößt dort an Grenzen, wo abgeschottete Milieus entstehen und sich eine Stadt in der Stadt entwickelt. Deshalb müssen wir Begegnung fördern, arbeitsbezogene Sprachkurse stärken und schneller den Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung ermöglichen. Integration bedeutet Teilhabe, setzt aber auch die Bereitschaft voraus, unsere Regeln und Werte anzuerkennen.
Mehr sichtbare Polizeipräsenz kann das Sicherheitsgefühl stärken. Eine flächendeckende Kameraüberwachung öffentlicher Räume ist für mich jedoch kein Ersatz für ansprechbare Polizeibeamte. Wir brauchen keinen immer härteren Staat, sondern einen konsequenten Rechtsstaat, der klare Regeln aufstellt und sie zuverlässig durchsetzt.
Warum sollte man einem 19-jährigen Studenten die Erststimme geben?
Ich bin nicht nur ein 20-jähriger Student, sondern vor allem ein offener und engagierter Mensch. Ich habe große Freude daran, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und gemeinsam nach Lösungen für konkrete Probleme zu suchen.
Ich möchte für einen mutigen und glaubhaften Schritt nach vorn für Schwerin stehen. Dafür müssen wir bestehende Strukturen hinterfragen, neue Ideen zulassen und gleichzeitig den Blick nach vorne richten. Mein Ziel ist, dass Schwerin für junge Menschen attraktiv bleibt und zugleich für alle Generationen lebenswert ist. Dafür möchte ich nah an den Menschen sein, zuhören und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern konkrete Verbesserungen auf den Weg bringen.
Was müsste sich bis 2031 konkret verändert haben?
Erstens muss Schwerin wirtschaftlich wieder sichtbar wachsen. Wenn sich neue Unternehmen ansiedeln, mehr Menschen in Arbeit kommen und die Stadt dadurch dauerhaft größere finanzielle Spielräume gewinnt, wäre das für mich ein messbarer Erfolg. Daraus kann auch eine neue, optimistischere Grundstimmung entstehen.
Zweitens müssen deutlich mehr junge Menschen in Schwerin bleiben können. Dafür brauchen wir neue Studienangebote, attraktive Ausbildungsplätze, mehr Unternehmen und Orte, an denen junge Menschen gerne ihre Freizeit verbringen.
Drittens muss der Staat für die Menschen wieder funktionieren: weniger Schlaglöcher, kürzere Wartezeiten und eine Verwaltung, die möglichst viele Anliegen schnell und digital erledigt.
Vielen Dank!
Das Interview führte Dario Rochow.





