FDP Schwerin verliert ihren Chef:
Bressel geht nach langen parteiinternen Querelen
FDP-Kreisvorsitzender Paul Bressel tritt überraschend zurück. Nach monatelangen Konflikten um Kurs, Brandmauer und Mitgliederbefragung zieht er Konsequenzen – und kritisiert den Zustand seiner Partei.

Nach etwas über einem Jahr an der Spitze des FDP-Kreisverbands Schwerin hat der Kreisvorsitzende Paul Bressel überraschend seinen Rücktritt erklärt. In einem persönlichen Statement gab Bressel bekannt, dass er sein Amt „mit sofortiger Wirkung“ niederlege. Als Gründe nannte er zunehmende interne Blockaden, parteiinterne Konflikte und eine politische Entwicklung, die seiner Ansicht nach „nicht mehr den Grundsätzen einer freien und vernunftgeleiteten Politik“ entspreche.
„Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen“, schreibt Bressel. In den vergangenen Monaten habe er sich für eine bürgernahe, marktwirtschaftlich orientierte und „klar liberale Politik“ in Schwerin eingesetzt. Gemeinsam mit seinem Vorstand habe er Strukturen gefestigt, die Öffentlichkeitsarbeit modernisiert und neue Mitglieder gewonnen. Seinen Vorstandskolleginnen und ‑kollegen dankte er ausdrücklich für die Unterstützung.
Zermürbunstaktik hat sachliche Arbeit behindert
Doch die Arbeit im Kreisverband sei zunehmend erschwert worden. „Einzelne Mitglieder – geprägt von einem links-grünen Politikverständnis – haben durch ständige Klagen, wiederholte Auskunftsersuchen und andere Zermürbungstaktiken die sachliche Arbeit erheblich behindert“, so Bressel. Der 48-Jährige spricht von einer Entwicklung, die sich inzwischen auch in der Gesamtpartei widerspiegle: „Die links-grüne Entwicklung, die auf Landes- und Bundesebene längst den Kurs der Partei prägt, hat nun auch im Kreisverband Einzug gehalten. Für diesen Kurs stehe ich nicht mehr zur Verfügung.“
Bressel, der weiterhin der FDP angehören und sein Mandat in der Stadtvertretung behalten will, bezeichnet seinen Rücktritt als „bewussten Akt der Konsequenz“ und nicht als Rückzug aus der Politik. Er wolle künftig noch stärker für „sichtbaren, glaubwürdigen und eigenständigen Liberalismus“ in Schwerin eintreten.
Streit um die „Brandmauer“ zur AfD
Auch in der bundespolitischen Debatte um die sogenannte Brandmauer gegen die AfD hatte Bressel immer wieder eine eigenständige Position vertreten. Während die FDP-Spitze auf Landes- und Bundesebene eine klare Abgrenzung gegenüber der AfD betont, mahnte Bressel immer wieder an, „den politischen Diskurs nicht allein durch Ausgrenzung zu führen“.
„Die Brandmauer gehört eingerissen. Nur in einem Bündnis mit CDU und AfD hat die FDP überhaupt noch eine Zukunft im Land. Alles andere führt in die Bedeutungslosigkeit“, hatte er Anfang September gegenüber der „Ostsee-Zeitung” gesagt.
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Kritiker innerhalb und außerhalb der Partei warfen ihm daraufhin vor, mit solchen Aussagen die klare liberale Linie zu verwischen. So schrieb beispielsweise die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die auch Mitglied des FDP-Präsidiums ist, auf X:
„Wer in der FDP mit der AfD koalieren will, hat in unserer Partei nichts verloren. Punkt.“
Wer in der FDP mit der AfD koalieren will, hat in unserer Partei nichts verloren. Punkt. Die völkische AfD legt die Axt an alles, was Liberalismus ausmacht. Liberale stehen für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und nicht für die gemeinsame Sache mit einer Partei, die… pic.twitter.com/FkUWgOh7OF
— Marie-Agnes Strack-Zimmermann (@MAStrackZi) September 3, 2025
Zwei Mitglieder des Kreisvorstands traten aus Protest gegen den Kurs der FDP Schwerin von ihren Ämtern zurück. Patrick Eising und Paul Schulz erklärten damals deutlich:
„Wer öffentlich eine Zusammenarbeit mit Radikalen fordert, hat sowohl den Glauben an die Partei als auch an ihre Inhalte verloren. Die Brandmauer ist keine Fessel, sie ist unser
Versprechen für Freiheit, Wohlstand und Menschenrechte“
Unterstützer hingegen sahen in Bressels Haltung den Versuch, die FDP als „unabhängige Kraft zwischen den politischen Lagern“ zu positionieren. Diese Spannungen trugen nun allerdings offensichtlich dazu bei, dass sich der Kreisverband zuletzt zunehmend zerstritt. So lag dem Kreisparteitag gestern ein Abwahlantrag gegen Paul Bressel vor. Ob dieser eine Mehrheit gefunden hätte ist offen, da durch den Rücktritt Bressels, der Antrag hinfällig wurde.
Auch auf Landesebene galt Bressel mitunter als unbequemer Mahner gegen eine aus seiner Sicht „verwässerte“ liberale Programmatik. Kritiker hielten ihm hingegen vor, mit scharfen Angriffen gegen die eigene Partei zur Spaltung beigetragen zu haben.
Streit um Mitgliederbefragung vor dem Landesschiedsgericht
Rückblickend zeigte sich, dass auch eine angestrebte Mitgliederbefragung der FDP auf Bundesebene im Mai einen tiefen Riss im Kreisverband offengelegt hatte. Damals hatte der Kreisvorstand unter Führung von Paul Bressel beschlossen, eine Befragung zur künftigen Ausrichtung der Partei zu unterstützen – ein Vorhaben, das heftigen Widerstand auslöste.
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Mehrere Mitglieder distanzierten sich öffentlich und zogen vor das Landesschiedsgericht, um den Beschluss für unwirksam erklären zu lassen. Anlass war ein Forderungskatalog des früheren NRW-Fraktionschefs Gerhard Papke, in dem unter anderem gefordert wurde, „Kooperationsverbote mit anderen demokratisch gewählten Parteien“ aufzuheben – eine Passage, die Kritiker als Angriff auf die Brandmauer zur AfD werteten. Bressel verteidigte den Schritt damals als „urdemokratisches Verfahren“, während Gegner im Verband von „suggestiven“ und „absurden“ Fragen sprachen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten mehrere FDP-Mitglieder aus Schwerin ihre klare Abgrenzung nach rechts und warnten davor, liberale Grundwerte zugunsten taktischer Überlegungen zu verwässern. Das Schiedsgericht der FDP in Mecklenburg-Vorpommern entschied am Ende für Bressel und den FDP-Kreisvorstand.
Bressel selbst betonte zum Abschluss seiner Erklärung: „Ich übernehme Verantwortung, weil ich nicht bereit bin, einen Kurs mitzutragen, der weder inhaltlich noch organisatorisch den Prinzipien einer freien und vernunftgeleiteten Politik entspricht.“
Neben Paul Bressel trat gestern auch die Beisitzerin Marie-Louise Renz, bisher im Kreisvorstand für Social Media zuständig, von ihrem Amt zurück.
FDP-Führung in Schwerin stellt sich neu auf
Der Kreisparteitag wählte dann gestern Abend den langjährigen Schweriner FDP-Stadtvertreter Gerd Güll als neuen Kreisvorsitzenden. Mit Gunnar Senst und Bruno Schuckmann wurden auch zwei neue Beisitzer in den Kreisvorstand gewählt. JuLis- Beisitzer Johann Breustedt vervollständigt für die FDP-Jugend in Zukunft den Kreisvorstand.
„Ich bedanke mich für das Vertrauen der Mitglieder und gehe diese Aufgabe mit großem Respekt an“, erklärte Güll und ergänzt: „Ebenso möchte ich mich bei allen ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern für ihre Arbeit und ihren Beitrag bedanken. Die kommenden Monate werden geprägt sein von wichtigen Entscheidungen. Ich werde konstruktiv und lösungsorientiert für eine zukunftsfähige liberale Kraft in Schwerin und darüber hinaus einstehen.”
Korrekturhinweis:
In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass nach dem Rücktritt von Paul Bressel, die Zukunft der FDP in Schwerin offen sei. Das ist nicht korrekt. Wir haben den Text entsprechend korrigiert. Weiter hatten wir in einer früheren Version nicht darauf hingewiesen, dass es gegen den früheren Kreisvorsitzenden Paul Bressel einen Abwahlantrag gab, der durch den Rücktritt nicht zur Abstimmung kam. Auch das haben wir ergänzt.



