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FDP Schwerin verliert ihren Chef:
Bressel geht nach langen parteiinternen Querelen

FDP-Kreisvorsitzender Paul Bressel tritt überraschend zurück. Nach monatelangen Konflikten um Kurs, Brandmauer und Mitgliederbefragung zieht er Konsequenzen – und kritisiert den Zustand seiner Partei.

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  • Veröffentlicht Oktober 24, 2025
FDP Schwerin Rücktritt Paul Bressel
Der FDP-Kreisvor­sitzende Paul Bres­sel ist nach monate­lan­gen Quere­len zurück­ge­treten. Foto: pri­vat

 

Nach etwas über einem Jahr an der Spitze des FDP-Kreisver­bands Schw­erin hat der Kreisvor­sitzende Paul Bres­sel über­raschend seinen Rück­tritt erk­lärt. In einem per­sön­lichen State­ment gab Bres­sel bekan­nt, dass er sein Amt „mit sofor­tiger Wirkung“ nieder­lege. Als Gründe nan­nte er zunehmende interne Block­aden, partei­in­terne Kon­flik­te und eine poli­tis­che Entwick­lung, die sein­er Ansicht nach „nicht mehr den Grund­sätzen ein­er freien und ver­nun­ft­geleit­eten Poli­tik“ entspreche.

„Diese Entschei­dung ist mir nicht leicht­ge­fall­en“, schreibt Bres­sel. In den ver­gan­genen Monat­en habe er sich für eine bürg­er­na­he, mark­twirtschaftlich ori­en­tierte und „klar lib­erale Poli­tik“ in Schw­erin einge­set­zt. Gemein­sam mit seinem Vor­stand habe er Struk­turen gefes­tigt, die Öffentlichkeit­sar­beit mod­ernisiert und neue Mit­glieder gewon­nen. Seinen Vor­stand­skol­legin­nen und ‑kol­le­gen dank­te er aus­drück­lich für die Unter­stützung.

Zermürbunstaktik hat sachliche Arbeit behindert

Doch die Arbeit im Kreisver­band sei zunehmend erschw­ert wor­den. „Einzelne Mit­glieder – geprägt von einem links-grü­nen Poli­tikver­ständ­nis – haben durch ständi­ge Kla­gen, wieder­holte Auskun­ft­ser­suchen und andere Zer­mür­bungstak­tiken die sach­liche Arbeit erhe­blich behin­dert“, so Bres­sel. Der 48-Jährige spricht von ein­er Entwick­lung, die sich inzwis­chen auch in der Gesamt­partei wider­spiegle: „Die links-grüne Entwick­lung, die auf Lan­des- und Bun­de­sebene längst den Kurs der Partei prägt, hat nun auch im Kreisver­band Einzug gehal­ten. Für diesen Kurs ste­he ich nicht mehr zur Ver­fü­gung.“

Bres­sel, der weit­er­hin der FDP ange­hören und sein Man­dat in der Stadtvertre­tung behal­ten will, beze­ich­net seinen Rück­tritt als „bewussten Akt der Kon­se­quenz“ und nicht als Rück­zug aus der Poli­tik. Er wolle kün­ftig noch stärk­er für „sicht­baren, glaub­würdi­gen und eigen­ständi­gen Lib­er­al­is­mus“ in Schw­erin ein­treten.

Streit um die „Brandmauer“ zur AfD

Auch in der bun­de­spoli­tis­chen Debat­te um die soge­nan­nte Brand­mauer gegen die AfD hat­te Bres­sel immer wieder eine eigen­ständi­ge Posi­tion vertreten. Während die FDP-Spitze auf Lan­des- und Bun­de­sebene eine klare Abgren­zung gegenüber der AfD betont, mah­nte Bres­sel immer wieder an, „den poli­tis­chen Diskurs nicht allein durch Aus­gren­zung zu führen“.

„Die Brand­mauer gehört ein­geris­sen. Nur in einem Bünd­nis mit CDU und AfD hat die FDP über­haupt noch eine Zukun­ft im Land. Alles andere führt in die Bedeu­tungslosigkeit“, hat­te er Anfang Sep­tem­ber gegenüber der „Ost­see-Zeitung” gesagt.


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Kri­tik­er inner­halb und außer­halb der Partei war­fen ihm daraufhin vor, mit solchen Aus­sagen die klare lib­erale Lin­ie zu ver­wis­chen. So schrieb beispiel­sweise die Europaab­ge­ord­nete Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann, die auch Mit­glied des FDP-Prä­sid­i­ums ist, auf X:

„Wer in der FDP mit der AfD koalieren will, hat in unser­er Partei nichts ver­loren. Punkt.“

 

 

Zwei Mit­glieder des Kreisvor­stands trat­en aus Protest gegen den Kurs der FDP Schw­erin von ihren Ämtern zurück. Patrick Eis­ing und Paul Schulz erk­lärten damals deut­lich:

„Wer öffentlich eine Zusam­me­nar­beit mit Radikalen fordert, hat sowohl den Glauben an die Partei als auch an ihre Inhalte ver­loren. Die Brand­mauer ist keine Fes­sel, sie ist unser
Ver­sprechen für Frei­heit, Wohl­stand und Men­schen­rechte“

Unter­stützer hinge­gen sahen in Bres­sels Hal­tung den Ver­such, die FDP als „unab­hängige Kraft zwis­chen den poli­tis­chen Lagern“ zu posi­tion­ieren. Diese Span­nun­gen tru­gen nun allerd­ings offen­sichtlich dazu bei, dass sich der Kreisver­band zulet­zt zunehmend zer­stritt. So lag dem Kreis­parteitag gestern ein Abwahlantrag gegen Paul Bres­sel vor. Ob dieser eine Mehrheit gefun­den hätte ist offen, da durch den Rück­tritt Bres­sels, der Antrag hin­fäl­lig wurde.

Auch auf Lan­desebene galt Bres­sel mitunter als unbe­que­mer Mah­n­er gegen eine aus sein­er Sicht „ver­wässerte“ lib­erale Pro­gram­matik. Kri­tik­er hiel­ten ihm hinge­gen vor, mit schar­fen Angrif­f­en gegen die eigene Partei zur Spal­tung beige­tra­gen zu haben.

Streit um Mitgliederbefragung vor dem Landesschiedsgericht

Rück­blick­end zeigte sich, dass auch eine angestrebte Mit­glieder­be­fra­gung der FDP auf Bun­de­sebene im Mai einen tiefen Riss im Kreisver­band offen­gelegt hat­te. Damals hat­te der Kreisvor­stand unter Führung von Paul Bres­sel beschlossen, eine Befra­gung zur kün­fti­gen Aus­rich­tung der Partei zu unter­stützen – ein Vorhaben, das hefti­gen Wider­stand aus­löste.

 


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Mehrere Mit­glieder dis­tanzierten sich öffentlich und zogen vor das Lan­dess­chieds­gericht, um den Beschluss für unwirk­sam erk­lären zu lassen. Anlass war ein Forderungskat­a­log des früheren NRW-Frak­tion­schefs Ger­hard Pap­ke, in dem unter anderem gefordert wurde, „Koop­er­a­tionsver­bote mit anderen demokratisch gewählten Parteien“ aufzuheben – eine Pas­sage, die Kri­tik­er als Angriff auf die Brand­mauer zur AfD werteten. Bres­sel vertei­digte den Schritt damals als „urdemokratis­ches Ver­fahren“, während Geg­n­er im Ver­band von „sug­ges­tiv­en“ und „absur­den“ Fra­gen sprachen. In ein­er gemein­samen Erk­lärung beton­ten mehrere FDP-Mit­glieder aus Schw­erin ihre klare Abgren­zung nach rechts und warn­ten davor, lib­erale Grundw­erte zugun­sten tak­tis­ch­er Über­legun­gen zu ver­wässern. Das Schieds­gericht der FDP in Meck­len­burg-Vor­pom­mern entsch­ied am Ende für Bres­sel und den FDP-Kreisvor­stand.

Bres­sel selb­st betonte zum Abschluss sein­er Erk­lärung: „Ich übernehme Ver­ant­wor­tung, weil ich nicht bere­it bin, einen Kurs mitzu­tra­gen, der wed­er inhaltlich noch organ­isatorisch den Prinzip­i­en ein­er freien und ver­nun­ft­geleit­eten Poli­tik entspricht.“

Neben Paul Bres­sel trat gestern auch die Beisitzerin Marie-Louise Renz, bish­er im Kreisvor­stand für Social Media zuständig, von ihrem Amt zurück.

FDP-Führung in Schwerin stellt sich neu auf

Der Kreis­parteitag wählte dann gestern Abend den langjähri­gen Schw­er­iner FDP-Stadtvertreter Gerd Güll als neuen Kreisvor­sitzen­den. Mit Gun­nar Senst und Bruno Schuck­mann wur­den auch zwei neue Beisitzer in den Kreisvor­stand gewählt. JuLis- Beisitzer Johann Breust­edt ver­voll­ständigt für die FDP-Jugend in Zukun­ft den Kreisvor­stand.

„Ich bedanke mich für das Ver­trauen der Mit­glieder und gehe diese Auf­gabe mit großem Respekt an“, erk­lärte Güll und ergänzt: „Eben­so möchte ich mich bei allen aus­geschiede­nen Vor­standsmit­gliedern für ihre Arbeit und ihren Beitrag bedanken. Die kom­menden Monate wer­den geprägt sein von wichti­gen Entschei­dun­gen. Ich werde kon­struk­tiv und lösung­sori­en­tiert für eine zukun­fts­fähige lib­erale Kraft in Schw­erin und darüber hin­aus ein­ste­hen.”

 


Korrekturhinweis:

In ein­er früheren Ver­sion dieses Artikels hieß es, dass nach dem Rück­tritt von Paul Bres­sel, die Zukun­ft der FDP in Schw­erin offen sei. Das ist nicht kor­rekt. Wir haben den Text entsprechend kor­rigiert. Weit­er hat­ten wir in ein­er früheren Ver­sion nicht darauf hingewiesen, dass es gegen den früheren Kreisvor­sitzen­den Paul Bres­sel einen Abwahlantrag gab, der durch den Rück­tritt nicht zur Abstim­mung kam. Auch das haben wir ergänzt.