Schweriner Stadtvertreter bricht mit FDP:
Warum Paul Bressel jetzt mit Thomas Kemmerich in MV angreifen will
Paul Bressel verlässt die FDP und möchte für „Team Freiheit“ in den Landtag einziehen. Warum er mit seiner alten Partei bricht und wie die neue Bewegung Fuß fassen will.

Der Schweriner Kommunalpolitiker Paul Bressel hat seinen Austritt aus der FDP erklärt. Gleichzeitig kündigte er an, bei der Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern für die politische Bewegung „Team Freiheit“ kandidieren zu wollen. Die Erklärung gab Bressel im Rahmen des Landesparteitags der FDP Mecklenburg-Vorpommern ab.
Bruch mit der bisherigen Partei
Zur Begründung seines Austritts verwies der Stadtvertreter auf eine aus seiner Sicht zunehmende inhaltliche und personelle Entfernung der Partei von ihren liberalen Grundwerten.
„Für mich war die FDP immer die Partei von Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und konsequentem Individualismus – diese Grundsätze erkenne ich heute nicht mehr wieder“, erklärte Bressel.
Der Kommunalpolitiker war zuletzt Spitzenkandidat der FDP in Mecklenburg-Vorpommern bei der Europawahl 2024 und trat bei der Kommunalwahl in Schwerin auf Listenplatz zwei an.
Kritik an politischen Entscheidungen
Besonders kritisch äußerte sich Bressel zur wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Ausrichtung der Partei auf Bundes‑, Europa- und Landesebene. Entscheidungen wie das Heizungsgesetz, das geplante Aus für Verbrennungsmotoren auf EU-Ebene sowie weitere Regulierungsinstrumente wie der CO₂-Preis oder das Lieferkettengesetz seien aus seiner Sicht nicht mit einem klar liberalen Kurs vereinbar.
Auch innerparteilich beobachte er eine Veränderung der politischen Kultur.
„Sachpolitik wird immer häufiger durch ideologische Abgrenzung ersetzt. Das widerspricht meinem Verständnis von liberaler Politik“, so Bressel.
Kritik äußerte er zudem an Entwicklungen auf kommunaler Ebene. Dort würden wirtschaftsbelastende Maßnahmen wie Steuererhöhungen oder zusätzliche Abgaben beschlossen, während politische Zusammenarbeit teilweise aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar eingeschränkt werde.
Als weiteren zentralen Punkt nannte Bressel fehlende klare Positionen bei Themen wie Migration, innerer Sicherheit und gesellschaftlicher Entwicklung.
Neustart mit „Team Freiheit”
„Die FDP scheut zunehmend die Auseinandersetzung mit zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Damit lässt sie viele Bürgerinnen und Bürger allein“, erklärte er.
Mit seinem Parteiaustritt wolle er nun einen neuen politischen Weg einschlagen. Mit der Bewegung „Team Freiheit“ kündigte Bressel an, sich künftig für eine Politik einzusetzen, die stärker auf individuelle Freiheit, wirtschaftliche Eigenverantwortung und einen zurückhaltenden Staat setze.
„Ich werde bei der Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern für Team Freiheit antreten“, sagte Bressel. Ziel sei es, den Liberalismus wieder „klar, mutig und glaubwürdig“ zu vertreten.
Klatschen nach Austrittsankündigung
Zugleich äußerte der Schweriner die Überzeugung, dass viele Unternehmer, Selbstständige und Bürger das Vertrauen in die FDP verloren hätten. „Dieses Vertrauen wollen wir zurückgewinnen – mit klaren Positionen und echter politischer Haltung.“
Ein Teil der Delegierten auf dem FDP-Parteitag klatschten am Samstag, nachdem Bressel seinen Parteiaustritt öffentlich bekannt gab. „Er hat aus der Partei heraus für die Schwächung der Partei gesorgt“, kommentierte Landesvorsitzender René Domke gegenüber der „Ostsee-Zeitung” den Austritt des früheren Schweriner FDP-Kreisvorsitzenden.
„Anti-Partei” für einen Staat, der die Bürger in Ruhe lässt
Das Team Freiheit, für das sich Bressel nun engagiert, ist im vergangenen Jahr vom früheren FDP-Landesvorsitzenden in Thüringen, Thomas Kemmerich, der ehemaligen AfD-Vorsitzende Frauke Petry und der früheren AfD-Bundestagsabgeordneten Joana Cotar gegründet worden.
Die Bewegung orientiert sich vor allem an klassischen liberalen und libertären Positionen und versteht sich als „Anti-Partei”. Sie setzt sich, nach eigenen Angaben, insbesondere für individuelle Freiheit, eine starke Marktwirtschaft, weniger staatliche Regulierung sowie niedrigere Steuern und Abgaben ein. In politischen Debatten positioniert sich die Bewegung häufig kritisch gegenüber staatlichen Eingriffen, etwa in der Wirtschafts‑, Energie- oder Gesellschaftspolitik, und versteht sich als Alternative für Wähler, die sich von etablierten Parteien – insbesondere der FDP – nicht mehr ausreichend vertreten fühlen.
Mit Thomas Kemmerich in Schwerin
Schon vor seinem Parteiaustritt hatte Paul Bressel sich öffentlich für seine neue politische Heimat engagiert. Am vergangenen Donnerstag war Thomas Kemmerich, der Vorsitzende der Bewegung, zu Gast in Schwerin. Am Nachmittag kam Kemmerich auf dem Marktplatz mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch.

Über Thüringen hinaus erlangte der heutige Vorsitzende von Team Freiheit 2020 überregionale Bekanntheit als er gegen Bodo Ramelow (Linke) mit der Mehrheit des Landtages zum Ministerpräsident gewählt wurde. Nach wenigen Tagen im Amt trat er als Regierungschef zurück, nachdem es ihm nicht gelang eine Regierung zu bilden, da anderen Parteien sich verweigerten. Ein weiterer Grund für seinen Rücktritt damals nannte er immer wieder, dass seine Familie nach seiner Wahl bedroht wurde. Druck gab es auch aus seiner eigenen Partei.
Keine Macht den „Superreichen”
Als Thomas Kemmerich und Paul Bressel am Donnerstagmittag eintreffen und sich am eigens angemieteten Imbisswage einfinden, gibt es schon den ersten Miniprotest. Mit einer Musikbox und einem Bollerwagen ist Wilfried Hoog erschienen und positioniert sich gegenüber dem Imbisswagen. Team Freiheit sei eine rechtslibertäre Partei, gegen die Hoog, der eine zeitlang auch für die ASK in der Stadtvertretung saß, an diesem Tag Position beziehen möchte. „Die wollen den Staat abschaffen und ihn zur Beute von Großkonzernen und Milliadären machen”, so sein Vorwurf an diesem Tag. Er wolle nicht, dass Politik für Supereiche gemacht wird. Mit seinem Lautsprecher warnt er deshalb lautstark vor dem Team Freiheit.
Einem Gespräch mit Kemmerich und Bressel weicht er aber nicht aus, als beide auf ihn zukommen. Schnell wird deutlich, dass an diesem Tag zwei Welten aufeinander treffen. Auf der einen Seite Hoog, der für eine Politik steht, die eine starke staatliche Lenkung von Wirtschaft und Gesellschaft befürwortet. Er spricht an im Gespräch immer wieder davon, dass er nicht möchte, dass Politiker wie Kemmerich und Bressel den „Sozialstaat schleifen”.
Mehr Freiheit und Selbstbestimmung
Auf der anderen Seite stehen Kemmerich und Bressel, die immer wieder die betonen, sie wollen Politik für Menschen machen, die „sich nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung” sehnten. Deutschland müsse sich von „lähmender Bürokratie” und „staatlicher Bevormundung” befreien. Allen geht es besser, wenn „Freiheit, starke Wirtschaft und Kreativität wieder aufblühen”, so ihre feste Überzeugung.

Ein Konsens finden beide Lager an diesem Tag auf dem Markt nicht. In einer Zeit von Filterblasen, Schubladendenken und Vorurteilen ist der Dialog, der an diesem Tag auf dem Markt stattfindet, schon Fortschritt und ein wichtiger Schritt. Dialog ist immer besser als das Verbarrikadieren in den eigenen Denkblasen.
Immer wieder kommen an diesem Tag Menschen auf Thomas Kemmerich zu, weil sie ihn erkennen. Sie suchen nach eine Alternative jenseits von Protestwahl – auch das ist eine Erkenntnis an diesem Tag.
Enttäuschten FDP-Wählern ein Angebot machen
Ob die Bewegung tatsächlich bei der Landtagswahl 2026 auf dem Wahlzettel stehen wird, ist derzeit noch offen. In Schwerin und Rostock sollen nun regelmäßige „Clubabende“ die Basis dafür schaffen. „Im Moment sondieren wir die Chancen für einen Wahlantritt”, so Kemmerich.
Bei enttäuschten FDP-Wählern könnte das Team Freiheit durchaus auf offene Ohren stoßen. Die Liberalen stehen in Mecklenburg-Vorpommern vor einer schwierigen Ausgangslage. In aktuellen Umfragen liegt die Partei bei etwa drei Prozent und damit deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Auf dem Parteitag am Wochendende betonte Parteivorsitzender René Domke, die FDP sei weiterhin notwendig, um einen übermäßigen staatlichen Einfluss – einen „Nanny-Staat” – zu verhindern. Für diese Position erhielt er auf dem Parteitag deutlichen Applaus.




