Sa, 13. Juni 2026
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Schweriner Stadtvertreter bricht mit FDP:
Warum Paul Bressel jetzt mit Thomas Kemmerich in MV angreifen will

Paul Bressel verlässt die FDP und möchte für „Team Freiheit“ in den Landtag einziehen. Warum er mit seiner alten Partei bricht und wie die neue Bewegung Fuß fassen will.

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  • Veröffentlicht März 23, 2026
Mit der neuen „Anti-Partei” Team Frei­heit möchte der frühere FDP-Kreisvor­sitzende Paul Bres­sel in den Land­tag einziehen. Unter­stützung hat er von Thomas Kem­merich aus Thürin­gen. Foto: pri­vat

Der Schw­er­iner Kom­mu­nalpoli­tik­er Paul Bres­sel hat seinen Aus­tritt aus der FDP erk­lärt. Gle­ichzeit­ig kündigte er an, bei der Land­tagswahl 2026 in Meck­len­burg-Vor­pom­mern für die poli­tis­che Bewe­gung „Team Frei­heit“ kan­di­dieren zu wollen. Die Erk­lärung gab Bres­sel im Rah­men des Lan­desparteitags der FDP Meck­len­burg-Vor­pom­mern ab.

Bruch mit der bisherigen Partei

Zur Begrün­dung seines Aus­tritts ver­wies der Stadtvertreter auf eine aus sein­er Sicht zunehmende inhaltliche und per­son­elle Ent­fer­nung der Partei von ihren lib­eralen Grundw­erten.

„Für mich war die FDP immer die Partei von Eigen­ver­ant­wor­tung, Leis­tungs­bere­itschaft und kon­se­quentem Indi­vid­u­al­is­mus – diese Grund­sätze erkenne ich heute nicht mehr wieder“, erk­lärte Bres­sel.

Der Kom­mu­nalpoli­tik­er war zulet­zt Spitzenkan­di­dat der FDP in Meck­len­burg-Vor­pom­mern bei der Europawahl 2024 und trat bei der Kom­mu­nal­wahl in Schw­erin auf Lis­ten­platz zwei an.

Kritik an politischen Entscheidungen

Beson­ders kri­tisch äußerte sich Bres­sel zur wirtschafts- und gesellschaft­spoli­tis­chen Aus­rich­tung der Partei auf Bundes‑, Europa- und Lan­desebene. Entschei­dun­gen wie das Heizungs­ge­setz, das geplante Aus für Ver­bren­nungsmo­toren auf EU-Ebene sowie weit­ere Reg­ulierungsin­stru­mente wie der CO₂-Preis oder das Liefer­ket­tenge­setz seien aus sein­er Sicht nicht mit einem klar lib­eralen Kurs vere­in­bar.

Auch inner­parteilich beobachte er eine Verän­derung der poli­tis­chen Kul­tur.

„Sach­poli­tik wird immer häu­figer durch ide­ol­o­gis­che Abgren­zung erset­zt. Das wider­spricht meinem Ver­ständ­nis von lib­eraler Poli­tik“, so Bres­sel.

Kri­tik äußerte er zudem an Entwick­lun­gen auf kom­mu­naler Ebene. Dort wür­den wirtschafts­be­las­tende Maß­nah­men wie Steuer­erhöhun­gen oder zusät­zliche Abgaben beschlossen, während poli­tis­che Zusam­me­nar­beit teil­weise aus sein­er Sicht nicht nachvol­lziehbar eingeschränkt werde.

Als weit­eren zen­tralen Punkt nan­nte Bres­sel fehlende klare Posi­tio­nen bei The­men wie Migra­tion, inner­er Sicher­heit und gesellschaftlich­er Entwick­lung.

Neustart mit „Team Freiheit”

„Die FDP scheut zunehmend die Auseinan­der­set­zung mit zen­tralen Her­aus­forderun­gen unser­er Zeit. Damit lässt sie viele Bürg­erin­nen und Bürg­er allein“, erk­lärte er.

Mit seinem Parteiaus­tritt wolle er nun einen neuen poli­tis­chen Weg ein­schla­gen. Mit der Bewe­gung „Team Frei­heit“ kündigte Bres­sel an, sich kün­ftig für eine Poli­tik einzuset­zen, die stärk­er auf indi­vidu­elle Frei­heit, wirtschaftliche Eigen­ver­ant­wor­tung und einen zurück­hal­tenden Staat set­ze.

„Ich werde bei der Land­tagswahl 2026 in Meck­len­burg-Vor­pom­mern für Team Frei­heit antreten“, sagte Bres­sel. Ziel sei es, den Lib­er­al­is­mus wieder „klar, mutig und glaub­würdig“ zu vertreten.

Klatschen nach Austrittsankündigung

Zugle­ich äußerte der Schw­er­iner die Überzeu­gung, dass viele Unternehmer, Selb­st­ständi­ge und Bürg­er das Ver­trauen in die FDP ver­loren hät­ten. „Dieses Ver­trauen wollen wir zurück­gewin­nen – mit klaren Posi­tio­nen und echter poli­tis­ch­er Hal­tung.“

Ein Teil der Delegierten auf dem FDP-Parteitag klatscht­en am Sam­stag, nach­dem Bres­sel seinen Parteiaus­tritt öffentlich bekan­nt gab. „Er hat aus der Partei her­aus für die Schwächung der Partei gesorgt“, kom­men­tierte  Lan­desvor­sitzen­der René Domke gegenüber der „Ost­see-Zeitung” den Aus­tritt des früheren Schw­er­iner FDP-Kreisvor­sitzen­den.

„Anti-Partei” für einen Staat, der die Bürger in Ruhe lässt

Das Team Frei­heit, für das sich Bres­sel nun engagiert, ist im ver­gan­genen Jahr vom früheren FDP-Lan­desvor­sitzen­den in Thürin­gen, Thomas Kem­merich, der ehe­ma­li­gen AfD-Vor­sitzende Frauke Petry und der früheren AfD-Bun­destagsab­ge­ord­neten Joana Cotar gegrün­det wor­den.

Die Bewe­gung ori­en­tiert  sich vor allem an klas­sis­chen lib­eralen und lib­ertären Posi­tio­nen und ver­ste­ht sich als „Anti-Partei”. Sie set­zt sich, nach eige­nen Angaben, ins­beson­dere für indi­vidu­elle Frei­heit, eine starke Mark­twirtschaft, weniger staatliche Reg­ulierung sowie niedrigere Steuern und Abgaben ein. In poli­tis­chen Debat­ten posi­tion­iert sich die Bewe­gung häu­fig kri­tisch gegenüber staatlichen Ein­grif­f­en, etwa in der Wirtschafts‑, Energie- oder Gesellschaft­spoli­tik, und ver­ste­ht sich als Alter­na­tive für Wäh­ler, die sich von etablierten Parteien – ins­beson­dere der FDP – nicht mehr aus­re­ichend vertreten fühlen.

Mit Thomas Kemmerich in Schwerin

Schon vor seinem Parteiaus­tritt hat­te Paul Bres­sel sich öffentlich für seine neue poli­tis­che Heimat engagiert. Am ver­gan­genen Don­ner­stag war Thomas Kem­merich, der Vor­sitzende der Bewe­gung, zu Gast in Schw­erin. Am Nach­mit­tag kam Kem­merich auf dem Mark­t­platz mit Bürg­erin­nen und Bürg­ern ins Gespräch.

Im Gespräch mit Bürg­ern. Foto: Ste­fan Rochow

Über Thürin­gen hin­aus erlangte der heutige Vor­sitzende von Team Frei­heit 2020 über­re­gionale Bekan­ntheit als er gegen Bodo Ramelow (Linke) mit der Mehrheit des Land­tages zum Min­is­ter­präsi­dent gewählt wurde. Nach weni­gen Tagen im Amt trat er als Regierungschef zurück, nach­dem es ihm nicht gelang eine Regierung zu bilden, da anderen Parteien sich ver­weigerten. Ein weit­er­er Grund für seinen Rück­tritt damals nan­nte er immer wieder, dass seine Fam­i­lie nach sein­er Wahl bedro­ht wurde. Druck gab es auch aus sein­er eige­nen Partei.

Keine Macht den „Superreichen”

Als Thomas Kem­merich und Paul Bres­sel am Don­ner­stag­mit­tag ein­tr­e­f­fen und sich am eigens angemieteten Imbis­s­wage ein­find­en, gibt es schon den ersten Miniprotest. Mit ein­er Musik­box und einem Boller­wa­gen ist Wil­fried Hoog erschienen und posi­tion­iert sich gegenüber dem Imbis­s­wa­gen. Team Frei­heit sei eine recht­slib­ertäre Partei, gegen die Hoog, der eine zeit­lang auch für die ASK in der Stadtvertre­tung saß, an diesem Tag Posi­tion beziehen möchte. „Die wollen den Staat abschaf­fen und ihn zur Beute von Großkonz­er­nen und Mil­li­adären machen”, so sein Vor­wurf an diesem Tag. Er wolle nicht, dass Poli­tik für Super­eiche gemacht wird. Mit seinem Laut­sprech­er warnt er deshalb laut­stark vor dem Team Frei­heit.

Einem Gespräch mit Kem­merich und Bres­sel weicht er aber nicht aus, als bei­de auf ihn zukom­men. Schnell wird deut­lich, dass an diesem Tag zwei Wel­ten aufeinan­der tre­f­fen. Auf der einen Seite Hoog, der für eine Poli­tik ste­ht, die eine starke staatliche Lenkung von Wirtschaft und Gesellschaft befür­wortet. Er spricht an im Gespräch immer wieder davon, dass er nicht möchte, dass Poli­tik­er wie Kem­merich und Bres­sel den „Sozial­staat schleifen”.

Mehr Freiheit und Selbstbestimmung

Auf der anderen Seite ste­hen Kem­merich und Bres­sel, die immer wieder die beto­nen, sie wollen Poli­tik für Men­schen machen, die „sich nach mehr Frei­heit und Selb­st­bes­tim­mung” sehn­ten. Deutsch­land müsse sich von „läh­mender Bürokratie” und „staatlich­er Bevor­mundung” befreien. Allen geht es bess­er, wenn „Frei­heit, starke Wirtschaft und Kreativ­ität wieder auf­blühen”, so ihre feste Überzeu­gung.

Dia­log statt Wagen­burg: Wenn es an diesem Tag auch keinen Kon­sens find­et, sprechen bei­de Seit­en miteinan­der. Foto: Ste­fan Rochow

 

Ein Kon­sens find­en bei­de Lager an diesem Tag auf dem Markt nicht. In ein­er Zeit von Fil­terblasen, Schubladen­denken und Vorurteilen ist der Dia­log, der an diesem Tag auf dem Markt stat­tfind­et, schon Fortschritt und ein wichtiger Schritt. Dia­log ist immer bess­er als das Ver­bar­rikadieren in den eige­nen Denkblasen.

Immer wieder kom­men an diesem Tag Men­schen auf Thomas Kem­merich zu, weil sie ihn erken­nen. Sie suchen nach eine Alter­na­tive jen­seits von Protest­wahl – auch das ist eine Erken­nt­nis an diesem Tag.

Enttäuschten FDP-Wählern ein Angebot machen

Ob die Bewe­gung tat­säch­lich bei der Land­tagswahl 2026 auf dem Wahlzettel ste­hen wird, ist derzeit noch offen.  In Schw­erin und Ros­tock sollen nun regelmäßige „Clubabende“ die Basis dafür schaf­fen. „Im Moment sondieren wir die Chan­cen für einen Wahlantritt”, so Kem­merich.

Bei ent­täuscht­en FDP-Wäh­lern kön­nte das Team Frei­heit dur­chaus auf offene Ohren stoßen. Die Lib­eralen ste­hen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern vor ein­er schwieri­gen Aus­gangslage. In aktuellen Umfra­gen liegt die Partei bei etwa drei Prozent und damit deut­lich unter der Fünf-Prozent-Hürde.  Auf dem Parteitag am Wochen­dende betonte Parteivor­sitzen­der René Domke, die FDP sei weit­er­hin notwendig, um einen über­mäßi­gen staatlichen Ein­fluss – einen „Nan­ny-Staat” – zu ver­hin­dern. Für diese Posi­tion erhielt er auf dem Parteitag deut­lichen Applaus.