Offener Brief sorgt für Streit:
Bressel will FDP-Wähler für Team Freiheit gewinnen – frühere Partei widerspricht
Ex-FDP-Kreisvorsitzender Paul Bressel tritt heute als Spitzenkandidat von Team Freiheit an. In einem offenen Brief wirbt er um FDP-Wähler und löst Streit über Mitgliederzahlen aus.

In Kürze:
- Der frühere Schweriner FDP-Kreisvorsitzende Paul Bressel tritt heute als Spitzenkandidat von Team Freiheit an und wirbt gezielt um FDP-Wähler.
- Bressel spricht von einem Mitgliederschwund bei der FDP Schwerin von mehr als 50 Prozent seit seinem Rücktritt. Die FDP widerspricht und nennt aktuell knapp 60 Mitglieder.
- In seinem offenen Brief kritisiert Bressel den politischen Kurs seiner früheren Partei. Die FDP weist den Vorwurf zurück, zentrale liberale Positionen aufgegeben zu haben.
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen dem Schweriner Stadtvertreter Paul Bressel und seiner früheren Partei. Der ehemalige Vorsitzende der FDP Schwerin und frühere Spitzenkandidat des FDP-Landesverbandes zur Europawahl tritt inzwischen als Spitzenkandidat von Team Freiheit zur Landtagswahl an. In einem Offenen Brief, der Schwerin Lokal vorliegt, wirbt er gezielt um FDP-Wähler und erhebt zugleich Vorwürfe gegen seine frühere Partei. Die FDP Schwerin widerspricht auf Anfrage von Schwerin Lokal vor allem seiner Darstellung der Mitgliederentwicklung.
Bressel behauptet, der Mitgliederbestand des Schweriner FDP-Kreisverbandes sei seit seinem Rücktritt als Vorsitzender um mehr als 50 Prozent gesunken. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass der Kreisverband im Februar 2025 nach eigenen Angaben noch 86 Mitglieder hatte. Diese Zahl hatte die FDP damals selbst veröffentlicht. Im Februar 2025 war Bressel ohne Gegenkandidaten erneut zum Kreisvorsitzenden gewählt worden.
Die FDP weist Bressels Darstellung eines Rückgangs um mehr als die Hälfte zurück. „Unser Kreisverband zählt derzeit knapp unter 60 Mitglieder“, teilte die Partei auf Anfrage mit. Nach der aus ihrer Sicht „faktischen Abwahl Bressels“ im vergangenen Jahr seien es 77 Mitglieder gewesen. Legt man diese Zahlen zugrunde, wäre der Bestand seit Bressels Ausscheiden um rund ein Viertel zurückgegangen.
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Für den Rückgang nennt die FDP eine weitere Erklärung. Zum Zeitpunkt von Bressels Ausscheiden sei knapp ein Fünftel der Mitglieder mit Beiträgen im Rückstand gewesen. Diese Mitglieder seien während seiner Amtszeit weiter in der Kartei geführt worden, was den Kreisverband nach Darstellung der FDP finanziell belastet habe. Der überwiegende Teil des späteren Rückgangs hänge demnach mit einer Bereinigung der Mitgliederkartei zusammen. Unabhängig überprüfen lässt sich diese Erklärung bislang nicht.
Streit über Mitgliederzahlen
Damit stehen sich bei einem zentralen Vorwurf des offenen Briefes zwei unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Bressel schreibt, ihm lägen Zahlen vor, nach denen der Mitgliederbestand seit seinem Rücktritt um mehr als 50 Prozent gesunken sei. Eine konkrete aktuelle Mitgliederzahl nennt er allerdings nicht. Sollte die FDP seine Angaben bestreiten, fordert er Kreis- und Landesverband auf, ihre aktuellen Zahlen offenzulegen.
Die von der FDP gegenüber Schwerin Lokal genannten Werte ergeben ein anderes Bild. Selbst wenn man die 86 Mitglieder vom Februar 2025 mit aktuell knapp 60 vergleicht, wäre der Kreisverband zwar deutlich geschrumpft, aber nicht um die Hälfte. Die entscheidende Frage bleibt deshalb, welche Mitgliederzahl Bressel für seine Berechnung heranzieht.
Auch die Formulierung der FDP von einer „faktischen Abwahl“ braucht Einordnung. Bressel erklärte im Oktober 2025 selbst seinen sofortigen Rücktritt als Kreisvorsitzender. Bei dem damaligen Kreisparteitag lag allerdings auch ein Abwahlantrag gegen ihn vor. Zu einer Abstimmung darüber kam es nicht mehr, weil der Antrag durch Bressels Rücktritt gegenstandslos geworden war.
Formal wurde Bressel damit nicht abgewählt. Auch die FDP Schwerin teilte am Tag nach dem Parteitag mit, Gerd Güll sei zum Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden gewählt worden, nachdem Bressel „sein Amt niedergelegt hatte“. Die heutige Formulierung von einer „faktischen Abwahl“ beschreibt somit die damalige innerparteiliche Situation aus Sicht des FDP-Kreisverbandes, nicht das formale Ergebnis einer Abstimmung.
Konflikt begann früher
Der heutige Streit kommt nicht überraschend. Bereits Monate vor Bressels Rücktritt hatte es im Schweriner Kreisverband Auseinandersetzungen über die politische Ausrichtung der FDP gegeben. Ein wesentlicher Konfliktpunkt war der Umgang mit der AfD. Bressel stellte die sogenannte Brandmauer infrage und forderte eine offenere Debatte über mögliche politische Zusammenarbeit. Im September 2025 stellte er zugleich öffentlich klar, dass seine Äußerungen dazu seine persönliche Position und nicht die Haltung des gesamten Schweriner Kreisverbandes seien.
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Innerhalb der Schweriner FDP stieß dieser Kurs auf Widerstand. Zwei Mitglieder des Kreisvorstandes legten damals aus Protest ihre Ämter nieder. Bereits zuvor hatte eine vom Kreisvorstand unterstützte Mitgliederbefragung zur künftigen Ausrichtung der FDP für Auseinandersetzungen gesorgt. Der Schweriner Kreisverband hatte im Mai öffentlich für die Beteiligung an dieser bundesweiten Initiative geworben.
Als Bressel im Oktober 2025 den Vorsitz niederlegte, begründete er dies unter anderem mit internen Konflikten und Blockaden sowie mit der politischen Entwicklung der Partei. Zunächst blieb er FDP-Mitglied und behielt sein Mandat in der Schweriner Stadtvertretung. Der vollständige Bruch mit der Partei folgte später.
Bressel rechnet mit FDP ab
In seinem jetzigen Offenen Brief führt Bressel den damaligen Richtungsstreit weiter. Er wirft seiner ehemaligen Partei vor, wesentliche liberale Positionen aufgegeben zu haben. Seine Kritik richtet sich unter anderem gegen die Wirtschafts‑, Energie- und Migrationspolitik während der früheren Regierungsbeteiligung der FDP im Bund. Als Beispiele nennt er das Gebäudeenergiegesetz, die europäische Regulierung für neue Verbrennerfahrzeuge, den CO₂-Preis und das Lieferkettengesetz. Auch bei Migration, innerer Sicherheit und dem politischen Islam habe die FDP nach seiner Auffassung nicht konsequent genug gehandelt.
Auch die Brandmauer greift Bressel erneut auf. Eine liberale Partei müsse nach seiner Auffassung politische Auseinandersetzungen mit Argumenten führen, statt Entscheidungen von grundsätzlichen Kontaktverboten abhängig zu machen.
Die FDP Schwerin weist diese grundsätzliche Kritik zurück. „Den pauschalen Vorwurf, zentrale liberale Positionen aufgegeben zu haben, weisen wir zurück“, erklärte der Kreisverband gegenüber Schwerin Lokal. Freiheit, Eigenverantwortung und wirtschaftliche Vernunft blieben Maßstab der eigenen Arbeit.
FDP widerspricht Niedergang
Unterschiedlich bewerten beide Seiten auch den organisatorischen Zustand des Kreisverbandes. Bressel spricht in seinem Brief von schrumpfenden Strukturen und einer personellen sowie organisatorischen Krise. Darüber hinaus behauptet er, Leistungsträger, Unternehmer und aktive Mitglieder hätten sich von der FDP abgewandt. Konkrete Zahlen über den Schweriner Kreisverband hinaus nennt er dafür nicht.
Die FDP Schwerin zeichnet ein anderes Bild. Im laufenden Landtagswahlkampf habe der Kreisverband nach eigenen Angaben so viele Plakate aufgehängt wie noch nie. Der Informationsstand auf dem Marienplatz sei an jedem Wochenende besetzt gewesen. Zudem verweist die Partei auf Wahlkampfauftritte mit der FDP-Europaabgeordneten Svenja Hahn und FDP-Parteichef Wolfgang Kubicki. Dahinter stünden engagierte Mitglieder, die gemeinsam Wahlkampf machten.
Bressel verbindet seine Kritik dagegen ausdrücklich mit einem politischen Angebot von Team Freiheit. Die Partei sei bereit, nach der Landtagswahl mit unterschiedlichen politischen Kräften über eine Zusammenarbeit zu sprechen, sofern dabei wesentliche eigene Ziele umgesetzt würden. Zu den im Brief genannten Forderungen gehören Entlastungen für Bürger und Unternehmen, weniger Bürokratie und ein anderer Kurs in der Migrations- und Sicherheitspolitik.
Der Brief am Ende auch Wahlkampfkommunikation. Bressel fordert FDP-Wähler am Ende ausdrücklich dazu auf, Team Freiheit ihre Stimme zu geben. Damit versucht ein früherer Schweriner FDP-Kreisvorsitzender und einstiger Spitzenkandidat des FDP-Landesverbandes zur Europawahl nun, Wähler seiner ehemaligen Partei für Team Freiheit zu gewinnen.
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