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Offener Brief sorgt für Streit:
Bressel will FDP-Wähler für Team Freiheit gewinnen – frühere Partei widerspricht

Ex-FDP-Kreisvorsitzender Paul Bressel tritt heute als Spitzenkandidat von Team Freiheit an. In einem offenen Brief wirbt er um FDP-Wähler und löst Streit über Mitgliederzahlen aus.

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  • Veröffentlicht September 17, 2026
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FDP Schwerin
Paul Bres­sel (l.) mit Frauke Petry und Thomas Kem­merich beim Wahlkamp­fauf­takt von Team Frei­heit. Bres­sel führt die Partei als Spitzenkan­di­dat in Meck­len­burg-Vor­pom­mern in die Land­tagswahl. Foto: Medi­en­haus Brüs­sel

 

 


In Kürze:

  • Der frühere Schw­er­iner FDP-Kreisvor­sitzende Paul Bres­sel tritt heute als Spitzenkan­di­dat von Team Frei­heit an und wirbt gezielt um FDP-Wäh­ler.
  • Bres­sel spricht von einem Mit­glieder­schwund bei der FDP Schw­erin von mehr als 50 Prozent seit seinem Rück­tritt. Die FDP wider­spricht und nen­nt aktuell knapp 60 Mit­glieder.
  • In seinem offe­nen Brief kri­tisiert Bres­sel den poli­tis­chen Kurs sein­er früheren Partei. Die FDP weist den Vor­wurf zurück, zen­trale lib­erale Posi­tio­nen aufgegeben zu haben.

 

Wenige Tage vor der Land­tagswahl in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­schärft sich die Auseinan­der­set­zung zwis­chen dem Schw­er­iner Stadtvertreter Paul Bres­sel und sein­er früheren Partei. Der ehe­ma­lige Vor­sitzende der FDP Schw­erin und frühere Spitzenkan­di­dat des FDP-Lan­desver­ban­des zur Europawahl tritt inzwis­chen als Spitzenkan­di­dat von Team Frei­heit zur Land­tagswahl an. In einem Offe­nen Brief, der Schw­erin Lokal vor­liegt, wirbt er gezielt um FDP-Wäh­ler und erhebt zugle­ich Vor­würfe gegen seine frühere Partei. Die FDP Schw­erin wider­spricht auf Anfrage von Schw­erin Lokal vor allem sein­er Darstel­lung der Mit­glieder­en­twick­lung.

Bres­sel behauptet, der Mit­gliederbe­stand des Schw­er­iner FDP-Kreisver­ban­des sei seit seinem Rück­tritt als Vor­sitzen­der um mehr als 50 Prozent gesunken. In diesem Zusam­men­hang ver­weist er darauf, dass der Kreisver­band im Feb­ru­ar 2025 nach eige­nen Angaben noch 86 Mit­glieder hat­te. Diese Zahl hat­te die FDP damals selb­st veröf­fentlicht. Im Feb­ru­ar 2025 war Bres­sel ohne Gegenkan­di­dat­en erneut zum Kreisvor­sitzen­den gewählt wor­den.

Die FDP weist Bres­sels Darstel­lung eines Rück­gangs um mehr als die Hälfte zurück. „Unser Kreisver­band zählt derzeit knapp unter 60 Mit­glieder“, teilte die Partei auf Anfrage mit. Nach der aus ihrer Sicht „fak­tis­chen Abwahl Bres­sels“ im ver­gan­genen Jahr seien es 77 Mit­glieder gewe­sen. Legt man diese Zahlen zugrunde, wäre der Bestand seit Bres­sels Auss­chei­den um rund ein Vier­tel zurück­ge­gan­gen.

 


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Für den Rück­gang nen­nt die FDP eine weit­ere Erk­lärung. Zum Zeit­punkt von Bres­sels Auss­chei­den sei knapp ein Fün­f­tel der Mit­glieder mit Beiträ­gen im Rück­stand gewe­sen. Diese Mit­glieder seien während sein­er Amt­szeit weit­er in der Kartei geführt wor­den, was den Kreisver­band nach Darstel­lung der FDP finanziell belastet habe. Der über­wiegende Teil des späteren Rück­gangs hänge dem­nach mit ein­er Bere­ini­gung der Mit­gliederkartei zusam­men. Unab­hängig über­prüfen lässt sich diese Erk­lärung bis­lang nicht.

Streit über Mitgliederzahlen

Damit ste­hen sich bei einem zen­tralen Vor­wurf des offe­nen Briefes zwei unter­schiedliche Darstel­lun­gen gegenüber. Bres­sel schreibt, ihm lägen Zahlen vor, nach denen der Mit­gliederbe­stand seit seinem Rück­tritt um mehr als 50 Prozent gesunken sei. Eine konkrete aktuelle Mit­gliederzahl nen­nt er allerd­ings nicht. Sollte die FDP seine Angaben bestre­it­en, fordert er Kreis- und Lan­desver­band auf, ihre aktuellen Zahlen offen­zule­gen.

Die von der FDP gegenüber Schw­erin Lokal genan­nten Werte ergeben ein anderes Bild. Selb­st wenn man die 86 Mit­glieder vom Feb­ru­ar 2025 mit aktuell knapp 60 ver­gle­icht, wäre der Kreisver­band zwar deut­lich geschrumpft, aber nicht um die Hälfte. Die entschei­dende Frage bleibt deshalb, welche Mit­gliederzahl Bres­sel für seine Berech­nung her­anzieht.

Auch die For­mulierung der FDP von ein­er „fak­tis­chen Abwahl“ braucht Einord­nung. Bres­sel erk­lärte im Okto­ber 2025 selb­st seinen sofor­ti­gen Rück­tritt als Kreisvor­sitzen­der. Bei dem dama­li­gen Kreis­parteitag lag allerd­ings auch ein Abwahlantrag gegen ihn vor. Zu ein­er Abstim­mung darüber kam es nicht mehr, weil der Antrag durch Bres­sels Rück­tritt gegen­stand­s­los gewor­den war.

For­mal wurde Bres­sel damit nicht abgewählt. Auch die FDP Schw­erin teilte am Tag nach dem Parteitag mit, Gerd Güll sei zum Nach­fol­ger des bish­eri­gen Vor­sitzen­den gewählt wor­den, nach­dem Bres­sel „sein Amt niedergelegt hat­te“. Die heutige For­mulierung von ein­er „fak­tis­chen Abwahl“ beschreibt somit die dama­lige inner­parteiliche Sit­u­a­tion aus Sicht des FDP-Kreisver­ban­des, nicht das for­male Ergeb­nis ein­er Abstim­mung.

Konflikt begann früher

Der heutige Stre­it kommt nicht über­raschend. Bere­its Monate vor Bres­sels Rück­tritt hat­te es im Schw­er­iner Kreisver­band Auseinan­der­set­zun­gen über die poli­tis­che Aus­rich­tung der FDP gegeben. Ein wesentlich­er Kon­flik­t­punkt war der Umgang mit der AfD. Bres­sel stellte die soge­nan­nte Brand­mauer infrage und forderte eine offenere Debat­te über mögliche poli­tis­che Zusam­me­nar­beit. Im Sep­tem­ber 2025 stellte er zugle­ich öffentlich klar, dass seine Äußerun­gen dazu seine per­sön­liche Posi­tion und nicht die Hal­tung des gesamten Schw­er­iner Kreisver­ban­des seien.

 


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Inner­halb der Schw­er­iner FDP stieß dieser Kurs auf Wider­stand. Zwei Mit­glieder des Kreisvor­standes legten damals aus Protest ihre Ämter nieder. Bere­its zuvor hat­te eine vom Kreisvor­stand unter­stützte Mit­glieder­be­fra­gung zur kün­fti­gen Aus­rich­tung der FDP für Auseinan­der­set­zun­gen gesorgt. Der Schw­er­iner Kreisver­band hat­te im Mai öffentlich für die Beteili­gung an dieser bun­desweit­en Ini­tia­tive gewor­ben.

Als Bres­sel im Okto­ber 2025 den Vor­sitz nieder­legte, begrün­dete er dies unter anderem mit inter­nen Kon­flik­ten und Block­aden sowie mit der poli­tis­chen Entwick­lung der Partei. Zunächst blieb er FDP-Mit­glied und behielt sein Man­dat in der Schw­er­iner Stadtvertre­tung. Der voll­ständi­ge Bruch mit der Partei fol­gte später.

Bressel rechnet mit FDP ab

In seinem jet­zi­gen Offe­nen Brief führt Bres­sel den dama­li­gen Rich­tungsstre­it weit­er. Er wirft sein­er ehe­ma­li­gen Partei vor, wesentliche lib­erale Posi­tio­nen aufgegeben zu haben. Seine Kri­tik richtet sich unter anderem gegen die Wirtschafts‑, Energie- und Migra­tionspoli­tik während der früheren Regierungs­beteili­gung der FDP im Bund. Als Beispiele nen­nt er das Gebäudeen­ergiege­setz, die europäis­che Reg­ulierung für neue Ver­bren­ner­fahrzeuge, den CO₂-Preis und das Liefer­ket­tenge­setz. Auch bei Migra­tion, inner­er Sicher­heit und dem poli­tis­chen Islam habe die FDP nach sein­er Auf­fas­sung nicht kon­se­quent genug gehan­delt.

Auch die Brand­mauer greift Bres­sel erneut auf. Eine lib­erale Partei müsse nach sein­er Auf­fas­sung poli­tis­che Auseinan­der­set­zun­gen mit Argu­menten führen, statt Entschei­dun­gen von grund­sät­zlichen Kon­tak­tver­boten abhängig zu machen.

Die FDP Schw­erin weist diese grund­sät­zliche Kri­tik zurück. „Den pauschalen Vor­wurf, zen­trale lib­erale Posi­tio­nen aufgegeben zu haben, weisen wir zurück“, erk­lärte der Kreisver­band gegenüber Schw­erin Lokal. Frei­heit, Eigen­ver­ant­wor­tung und wirtschaftliche Ver­nun­ft blieben Maßstab der eige­nen Arbeit.

FDP widerspricht Niedergang

Unter­schiedlich bew­erten bei­de Seit­en auch den organ­isatorischen Zus­tand des Kreisver­ban­des. Bres­sel spricht in seinem Brief von schrumpfend­en Struk­turen und ein­er per­son­ellen sowie organ­isatorischen Krise. Darüber hin­aus behauptet er, Leis­tungsträger, Unternehmer und aktive Mit­glieder hät­ten sich von der FDP abge­wandt. Konkrete Zahlen über den Schw­er­iner Kreisver­band hin­aus nen­nt er dafür nicht.

Die FDP Schw­erin zeich­net ein anderes Bild. Im laufend­en Land­tagswahlkampf habe der Kreisver­band nach eige­nen Angaben so viele Plakate aufge­hängt wie noch nie. Der Infor­ma­tion­s­stand auf dem Marien­platz sei an jedem Woch­enende beset­zt gewe­sen. Zudem ver­weist die Partei auf Wahlkamp­fauftritte mit der FDP-Europaab­ge­ord­neten Sven­ja Hahn und FDP-Parte­ichef Wolf­gang Kubic­ki. Dahin­ter stün­den engagierte Mit­glieder, die gemein­sam Wahlkampf macht­en.

Bres­sel verbindet seine Kri­tik dage­gen aus­drück­lich mit einem poli­tis­chen Ange­bot von Team Frei­heit. Die Partei sei bere­it, nach der Land­tagswahl mit unter­schiedlichen poli­tis­chen Kräften über eine Zusam­me­nar­beit zu sprechen, sofern dabei wesentliche eigene Ziele umge­set­zt wür­den. Zu den im Brief genan­nten Forderun­gen gehören Ent­las­tun­gen für Bürg­er und Unternehmen, weniger Bürokratie und ein ander­er Kurs in der Migra­tions- und Sicher­heit­spoli­tik.

Der Brief am Ende auch Wahlkampfkom­mu­nika­tion. Bres­sel fordert FDP-Wäh­ler am Ende aus­drück­lich dazu auf, Team Frei­heit ihre Stimme zu geben. Damit ver­sucht ein früher­er Schw­er­iner FDP-Kreisvor­sitzen­der und ein­stiger Spitzenkan­di­dat des FDP-Lan­desver­ban­des zur Europawahl nun, Wäh­ler sein­er ehe­ma­li­gen Partei für Team Frei­heit zu gewin­nen.

 


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