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2024 sollte gebaut werden:
Was ist eigentlich aus den Plänen für die Paulshöhe geworden?

2024 sollte auf der Paulshöhe gebaut werden. Zwei Jahre später steht das Verfahren noch immer am Anfang. Wie konnte aus einem konkreten Zeitplan jahrelanges Warten werden?

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  • Veröffentlicht September 26, 2026
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Paulshöhe Schwerin
Die Paulshöhe aus der Luft: Auf dem früheren Sportare­al soll ein neues Wohn­quarti­er entste­hen. Das Bebau­ungs­plan­ver­fahren wurde bere­its 2018 ein­geleit­et. Foto: Chris­t­ian Berghammer/LHS

Wer heute an der Paulshöhe vor­beikommt, sieht wenig von dem, was hier ein­mal entste­hen soll. Dabei waren die Vorstel­lun­gen der Stadt schon vor Jahren ziem­lich konkret: Der tra­di­tion­sre­iche Sport­platz sollte einem neuen Quarti­er weichen. Auch der Zeit­plan klang konkret.

Im Haushalt­s­plan 2023/2024 der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin find­et sich zur Entwick­lung der Paulshöhe ein bemerkenswert­er Satz: „Die Bauar­beit­en begin­nen voraus­sichtlich 2024.“ 2024 ist vor­bei. Auch 2025 ist vor­bei. Inzwis­chen ist Sep­tem­ber 2026. Auf der Paulshöhe ste­hen keine neuen Wohn­häuser. Noch immer ist nicht ein­mal das Bebau­ungs­plan­ver­fahren abgeschlossen.

Wie kon­nte aus einem angekündigten Baube­ginn ein jahre­langes Pla­nungsver­fahren wer­den? Die Antwort führt zurück in eine Auseinan­der­set­zung, die Schw­erin lange beschäftigt hat. Und sie zeigt, wie groß der Abstand zwis­chen einem poli­tis­chen Beschluss und sein­er tat­säch­lichen Umset­zung sein kann.

2018 beginnt das Verfahren

Der Aus­gangspunkt liegt inzwis­chen acht Jahre zurück. 2018 beschloss der Haup­tauss­chuss, das Ver­fahren zur Auf­stel­lung des Bebau­ungs­plans Nr. 106 „Wohn­park Paulshöhe“ einzuleit­en. Die Stadtver­wal­tung erk­lärte damals, damit soll­ten die pla­nungsrechtlichen Voraus­set­zun­gen für eine kün­ftige Wohn­nutzung geschaf­fen wer­den.

In ihrer Mit­teilung vom 21. August 2018 kündigte die Ver­wal­tung zugle­ich einen beson­deren Weg an: Die städte­baulichen Ziele soll­ten gemein­sam mit Bürg­ern und weit­eren Beteiligten entwick­elt wer­den. Der Auf­stel­lungs­beschluss bedeutete allerd­ings noch nicht, dass gebaut wer­den durfte. Er markierte lediglich den Beginn des Bebau­ungs­plan­ver­fahrens. Es mussten zunächst die Vorstel­lun­gen für das Gebi­et konkretisiert wer­den.

Die Bürger sollen mitreden

Dafür richtete die Stadt 2020 ein Dialog­fo­rum ein. 131 Men­schen bewar­ben sich damals um die Plätze für Bürg­erin­nen und Bürg­er. Die Stadt ließ die Teil­nehmer öffentlich aus­losen. Die erste Sitzung des Dialog­fo­rums fand am 15. Sep­tem­ber 2020 statt. Sechs Sitzun­gen später standen Empfehlun­gen.

Das kün­ftige Quarti­er sollte nach Vorstel­lung des Forums ein „Ort für Wohnen, Ler­nen und Bewe­gung“ wer­den. Vorgeschla­gen wur­den zwei- bis höch­stens dreigeschos­sige Gebäude, unter­schiedliche Wohn­for­men sowie eine Grün- und Bewe­gungs­fläche. Auch Teile der his­torischen Tribü­nen soll­ten nach den Empfehlun­gen erhal­ten bleiben.

Die Stadt hat die Pro­tokolle, Präsen­ta­tio­nen und Ergeb­nisse des Dialog­fo­rums veröf­fentlicht. Eine zen­trale Empfehlung lautete: Für das gesamte Quarti­er sollte ein städte­baulich-freiraum­planer­isch­er Wet­tbe­werb stat­tfind­en. Damit soll­ten Architek­ten und Stadt­plan­er konkrete Ideen dafür entwick­eln, wie das neue Quarti­er ausse­hen kön­nte.

2024 sollte der Bau beginnen

Während die Pla­nung weit­er­lief, endete die bish­erige Nutzung. Zum 30. Juni 2022 ging der Sport­platz außer Betrieb. Das bestätigt die Stadt selb­st im Haushalt­s­plan 2025/2026. Damit war eine wesentliche Voraus­set­zung für die Umgestal­tung des Gelän­des geschaf­fen. Und inzwis­chen hat­te die Stadt auch eine Vorstel­lung davon, wann gebaut wer­den kön­nte.

Im Haushalt­s­plan 2023/2024 wurde der Ablauf beschrieben: Der städte­bauliche Wet­tbe­werb sollte vor­bere­it­et und auf dessen Grund­lage der Bebau­ungs­plan weit­er­en­twick­elt wer­den. Dann fol­gt der entschei­dende Satz:

„Die Bauar­beit­en begin­nen voraus­sichtlich 2024.“

Es war keine verbindliche Zusage. Das Wort „voraus­sichtlich“ ließ aus­drück­lich Spiel­raum. Trotz­dem zeigt der Ein­trag, mit welchem zeitlichen Hor­i­zont die Ver­wal­tung damals plante.

 

 

Heute lässt sich fest­stellen: Dieser Zeit­plan wurde deut­lich ver­fehlt. Denn das Pro­jekt befind­et sich noch immer wesentlich früher im Ver­fahren.

Ein Beschluss kommt nicht durch

Einen Hin­weis darauf, warum es nicht wie vorge­se­hen weit­erg­ing, liefert wiederum die Stadt selb­st. Im Haushalt­s­plan 2025/2026 find­et sich die Paulshöhe im Haushaltssicherungskonzept. Dort heißt es zur „Ver­w­er­tung Paulshöhe“, das Bebau­ungs­plan­ver­fahren sei 2018 ein­geleit­et wor­den. Anschließend fol­gt ein entschei­den­der Hin­weis:

„Der vor­bere­it­ete Beschluss wurde durch die Stadtvertre­tung  nicht bestätigt.“

Der zuständi­ge Fach­di­enst arbeite deshalb weit­er an der Entwick­lung des Bere­ichs und werde der Stadtvertre­tung einen weit­eren Beschlussen­twurf vor­legen. Damit geri­et der ursprüngliche Zeit­plan ins Stock­en. Das Ver­fahren kon­nte nicht wie vorge­se­hen fort­ge­set­zt wer­den, die Ver­wal­tung musste die Pla­nung erneut auf­greifen und einen neuen Beschluss vor­bere­it­en. Der für 2024 erwartete Baube­ginn war damit nicht mehr zu hal­ten. Das zeigt: Auch poli­tis­che Entschei­dun­gen kön­nen Pla­nun­gen beschle­u­ni­gen, verän­dern oder verzögern.

Der Wettbewerb bleibt der nächste große Schritt

Dabei ist die grund­sät­zliche Rich­tung weit­er­hin erkennbar. Auf ihrer aktuellen Pro­jek­t­seite zum Wohn­park Paulshöhe beschreibt die Stadt weit­er­hin einen städte­baulich-freiraum­planer­ischen Wet­tbe­werb für das gesamte Quarti­er. Ein­be­zo­gen wer­den sollen dabei auch Fra­gen zu Mobil­ität und Energie. Die Vor­gaben sollen wiederum in einem öffentlichen Dia­log entwick­elt wer­den.

Das bedeutet: Bevor aus dem Bebau­ungs­plan Bau­recht wer­den kann, sind noch wesentliche Schritte erforder­lich.

Acht Jahre und noch immer Aufstellungsbeschluss

Beson­ders deut­lich wird die Dauer des Ver­fahrens beim Blick auf die eigene Über­sicht der Stadt. Die Lan­deshaupt­stadt veröf­fentlicht eine Liste ihrer laufend­en Bebau­ungs­plan­ver­fahren.

Dort ste­ht beim Bebau­ungs­plan Nr. 106 „Wohn­park Paulshöhe“ auch im Sep­tem­ber 2026: Das ist jen­er grundle­gende Ver­fahrenss­chritt, mit dem die Geschichte 2018 begann.

 

 

Andere Schw­er­iner Bebau­ungspläne befind­en sich bere­its in der frühzeit­i­gen Öffentlichkeits­beteili­gung, öffentlichen Ausle­gung oder Veröf­fentlichung. Die Paulshöhe ste­ht dage­gen weit­er­hin am Anfang der formellen Ver­fahrens­kette.

Warum dauert es so lange?

An diesem Punkt wird aus der Geschichte eines ehe­ma­li­gen Sport­platzes eine grund­sät­zlichere Frage. Denn Schw­erin bear­beit­et nicht nur die Paulshöhe. Die Über­sicht der Stadt zeigt zahlre­iche par­al­lele Ver­fahren – beispiel­sweise am Lewen­berg, in Mueß, Neu Zip­pen­dorf, War­nitz und der Werder­vorstadt.

Alle benöti­gen Per­son­al. Alle brauchen poli­tis­che Entschei­dun­gen. Und viele erfordern Gutacht­en, Beteili­gungsver­fahren oder externe Pla­nungsleis­tun­gen.

Die Paulshöhe steht auch im Sparprogramm

Hinzu kommt die finanzielle Seite. Die „Ver­w­er­tung Paulshöhe“ ist Bestandteil des Haushaltssicherungskonzepts der Stadt. Im Haushalt­s­plan 2025/2026 hält die Ver­wal­tung aus­drück­lich fest, dass die Maß­nahme bis zur voll­ständi­gen Umset­zung im Haushaltssicherungskonzept weit­erge­führt wird.

Das macht die Verzögerung auch finanzpoli­tisch inter­es­sant. Denn solange das Gelände nicht entsprechend entwick­elt und ver­w­ertet wer­den kann, kön­nen daraus erwartete Ein­nah­men eben­falls nicht wie ursprünglich vorge­se­hen entste­hen.

Wie groß dieser Effekt tat­säch­lich ist, lässt sich aus den bish­er aus­gew­erteten Unter­la­gen allerd­ings noch nicht belast­bar bes­tim­men.

Damit bleibt bei der Paulshöhe nach acht Jahren Pla­nung vor allem eine Frage offen: Wann wird aus dem poli­tis­chen Vorhaben tat­säch­lich ein neues Quarti­er? Einen belast­baren Ter­min für den Baube­ginn gibt es derzeit nicht. Sich­er ist nur: Die frühere Prog­nose, bere­its 2024 mit den Bauar­beit­en zu begin­nen, hat sich längst erledigt.