Oberbürgermeisterwahl in Schwerin:
Petra Federau: „Schwerin muss wirtschaftlich stärker und sicherer werden“
Petra Federau skizziert im Interview ihre Agenda für Schwerin: strengeres Finanzcontrolling, wirtschaftsfreundliche Politik, mehr Sicherheit und grundlegende Veränderungen in Verwaltung und Stadtentwicklung.

SNO hat mit Petra Federau, Oberbürgermeisterkandidatin der AfD sowie Mitglied der Stadtvertretung Schwerin und des Landtags Mecklenburg-Vorpommern, über ihre politischen Schwerpunkte gesprochen. Im Interview kritisiert sie vor allem die finanzielle Lage der Stadt, fordert ein strengeres Controlling kommunaler Ausgaben, eine stärkere Ausrichtung auf Wirtschaftsförderung sowie mehr Ordnung und Sicherheit im Stadtbild. Zudem spricht sie sich für Veränderungen in der Verwaltung, eine restriktivere Migrationspolitik auf kommunaler Ebene und eine stärkere Priorisierung von Infrastruktur und wirtschaftlicher Entwicklung aus.
SNO: Frau Federau, Sie sind Oberbürgermeisterkandidatin der AfD in Schwerin, zugleich in der Stadtvertretung und im Landtag Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Was sind Ihre Ambitionen, warum haben Sie sich jetzt dafür aufstellen lassen?
Petra Federau: Egal, wer jetzt Oberbürgermeister wird, er oder sie wird es sehr schwer haben. Wir haben hier in Schwerin eine Situation, mit der wir zwar nicht allein dastehen, weil sie viele Kommunen betrifft, aber Schwerin war finanziell schon seit vielen Jahren nicht besonders gut aufgestellt. Und was wir jetzt erleben, ist eigentlich eine Katastrophe. Nichtsdestotrotz sind viele Dinge, die wir finanziell hier gerade schultern müssen, auch hausgemacht. Ich erinnere mich, als ich 2014 erstmals in die Stadtvertretung gewählt wurde: Da gab es bereits ein Papier eines externen Beraters, das sich die Stadt damals eingeholt hatte. Ich habe mir die Hinweise dort sehr intensiv angeschaut. Insbesondere der Bereich Jugend und Soziales wurde damals schon als sehr kritisch angemahnt. Viele Dinge wurden der Stadt ins Stammbuch geschrieben, aber aus meiner Sicht hat sich daran nichts geändert. Rein gar nichts.
Es wurden schon damals Punkte benannt, etwa die Zusammensetzung und das Wahlverhalten im Jugendhilfeausschuss, der ja ein beschließender Ausschuss ist. Es wurde kritisiert, dass Träger über ihre eigenen finanziellen Mittel mitentscheiden können. Auch das hat sich bis heute nicht verändert. Damals wurde außerdem bemängelt, dass die Zahl der Träger, die in Schwerin für die Stadt tätig werden, sehr gering ist, dass sich also eine relativ kleine Gruppe die öffentlichen Mittel mehr oder weniger untereinander aufteilt und damit auch die Preise bestimmen kann. Auch das hat sich nicht wesentlich verändert. Als ich das hinterfragt habe, wurde ich im Jugendhilfeausschuss dafür massiv angegangen. Aber das Thema besteht zwölf Jahre später immer noch. Und deshalb sage ich klar: Wir geben deutlich mehr Geld für Leistungen aus als andere Vergleichskommunen. Das muss hinterfragt werden.
Wir haben zuletzt zum Haushalt beantragt, dass insbesondere bei den Hilfen zur Erziehung stärker auf ambulante Hilfen gesetzt und die stationären Unterbringungen abgesenkt werden sollen. Wir haben eine Zwei-Prozent-Absenkung gefordert. Das wird seit Jahren angemahnt, aber nicht umgesetzt. Alle anderen haben es abgelehnt. Ich sage: Wir kommen nicht weiter, wenn wir nicht anfangen, auch Leistungen zu hinterfragen. Dass wir helfen müssen, dass wir helfen wollen – gar keine Frage. Aber in welcher Form, in welcher Qualität und zu welchen Preisen diese Leistungen erbracht werden, das ist ein anderes Thema. Ich möchte, dass hier ein vernünftiges Controlling stattfindet, ein echtes Vier-Augen-Prinzip, sowohl im Vorfeld als auch im Nachgang. Da muss jemand fachlich draufschauen, ob Preise gerechtfertigt sind, und jemand muss die Rechnung abgleichen. Dieses Controlling muss intensiviert werden. Und hier müssen Einsparpotenziale auch wirklich gewollt sein.
Der Haushalt braucht ein Vernünftiges Controlling
SNO: Die Haushaltslage der Stadt sieht schlecht aus. Der letzte Oberbürgermeister hatte sogar prognostiziert, dass die Kassenkredite bis zum Ende der nächsten Amtszeit deutlich steigen könnten. Wie wollen Sie diese Entwicklung in den Griff bekommen?
Petra Federau: Für mich ist das A und O, dass endlich ein vernünftiges Controlling auf die Kosten schaut. Wir haben gestern in der Stadtvertretung wieder einen Prüfantrag eingebracht. Die Verwaltung hat ihn sogar befürwortet. Es geht darum, dass wir im letzten Haushalt gesehen haben, welche Defizite da waren. Dann wurde alles, was irgendwie an Außenständen vorhanden war, noch zusammengekratzt, damit wir am Ende besser dastanden, als es ursprünglich aussah. Dabei war die Ausgangslage katastrophal.
Ein großes Problem ist, dass Gelder, die wir vom Land oder anderen Ebenen für übertragene Aufgaben erhalten sollten, nicht immer rechtzeitig fließen. Oder Träger rechnen Leistungen nicht zeitnah ab. Dann geht die Stadt in Vorleistung, muss Kassenkredite aufnehmen und zahlt dafür Zinsen. Deshalb haben wir gefordert, zu prüfen, ob Träger stärker in die Pflicht genommen werden können, etwa wenn Abrechnungen nicht rechtzeitig erfolgen. Sie erhalten Steuergeld, also müssen sie auch vernünftig und zeitnah abrechnen. Und wenn Leistungen nicht in Anspruch genommen wurden, ist dieses Geld auch zurückzuzahlen. Solche Dinge haben in der Vergangenheit viel zu lange gedauert, teilweise bis zu zwei Jahren. In dieser Zeit nimmt die Stadt Kassenkredite auf. Das darf so nicht weiterlaufen. Hier müssen sich alle zusammenreißen – sowohl die, die Gelder erhalten, als auch die, von denen wir als Kommune Geld bekommen sollen. Es darf nicht sein, dass wir unnötig in Vorleistung gehen und dadurch in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
SNO: Wie wollen Sie für Schwerin zusätzliche Mittel oder generell mehr Handlungsspielraum schaffen?
Petra Federau: Wir bekommen immer mehr Aufgaben von Bund und Land aufgedrückt, die aber nicht ausreichend ausfinanziert werden. Für mich gilt: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen. Wenn die Stadt hier mit Aufgaben betraut wird und diese nicht voll ausfinanziert werden, dann muss sie deutlich machen: Wir können das so nicht leisten. Dann müssen im Zweifel auch gemeinsam mit dem Städte- und Gemeindetag Klageverfahren geführt werden. Schwerin ist damit ja nicht allein. Das betrifft mittlerweile alle Kommunen. Hier muss klargemacht werden: Wenn wir übertragene Aufgaben bekommen, dann müssen diese ausfinanziert werden. Wenn das nicht der Fall ist, dann muss auch einmal gemeinschaftlich gesagt werden: Bis hierhin und nicht weiter. Als Oberbürgermeisterin würde ich genau das tun und beim Land massiv auf der Matte stehen.
SNO: Das Land verweist selbst auf enge finanzielle Spielräume. Wie wollen Sie dann trotzdem handlungsfähig bleiben?
Petra Federau: Das ist schwierig, gar keine Frage. Gerade beim Nahverkehr haben wir seit Jahren ein Problem. Er ist defizitär und wird immer von der Stadt mitgetragen. In der Zeit, in der wir uns in dieser schwierigen Haushaltslage befinden, können wir uns zusätzliche Dinge einfach nicht leisten. Nichtsdestotrotz müssen Bund und Land in die Pflicht genommen werden. Und da muss man dann auch ehrlich sein und sagen: Andere Dinge, die zurzeit nicht finanzierbar sind, können wir eben nicht umsetzen. Wenn also weitere Ausbauten oder zusätzliche Leistungen im Raum stehen, dann funktioniert das nur mit einer anderen Finanzausstattung. Und die muss deutlich eingefordert werden.
Weniger Steuern gleich mehr Attraktivität!
SNO: Wie sehen Sie die wirtschaftliche Situation der Stadt und was wäre Ihre Agenda für die nächsten sieben Jahre?
Petra Federau: In meinem Wahlprogramm steht ganz klar, dass wir die Gewerbesteuer absenken wollen, wenn es möglich ist. Solange wir in der Konsolidierung sind, geht das natürlich nicht sofort. Aber ich werde alles daran setzen, dass es keine weitere Erhöhung gibt. Gegen die letzte Erhöhung haben wir gestimmt. Ich halte sie für einen klaren Standortnachteil. Schwerin ist eine Beamtenstadt, könnte aber auch ein Wirtschaftsstandort sein, wenn wir diesen Bereich endlich nach vorne bringen würden.
Wirtschaft wird in Schwerin bisher immer nur als ein Teilbereich gesehen. Kommunen, in denen es gut läuft, haben Unternehmen regelrecht den roten Teppich ausgerollt. Sie haben gesagt: Kommt her, wir wollen euch hier, wir haben gute Standortvorteile, wir sind attraktiv. Wenn ich aber in Schwerin einen deutlich höheren Hebesatz habe als im Umland, dann überlege ich mir als Unternehmen sehr genau, ob ich mich wirklich in Schwerin ansiedle oder lieber in Pampow, Lübstorf oder anderswo direkt vor den Toren der Stadt. Genau deshalb müssen wir Standortvorteile schaffen.
Und ich bin froh, dass der Ausbau der A14 vorangeht. Wenn man gleichzeitig aber gegen bessere Anbindungen argumentiert, dann macht man es potenziellen Unternehmen zusätzlich schwer. Auch die Art und Weise, wie in der Öffentlichkeit in der Vergangenheit über Unternehmen gesprochen wurde, hat aus meiner Sicht eher abgeschreckt. Da wurden Unternehmer oft so dargestellt, als seien sie nur Ausbeuter und Kapitalisten. Natürlich will ein Unternehmen auch verdienen, es geht schließlich ein Risiko ein und schafft Arbeitsplätze. Wir müssen aufhören, Unternehmertum schlechtzureden.
SNO: Stehen für Sie auch kleine und mittelständische Unternehmen im Fokus?
Petra Federau: Absolut. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind mehrheitlich das, was diese Stadt seit Jahren trägt. Sie halten vieles am Laufen und haben oft das größte Päckchen zu tragen. Gerade wenn wir von einer lebendigen Innenstadt sprechen, dann hat Schwerin vieles selbst getan, um sie unattraktiv zu machen. Das fängt bei Parkgebühren an. Wer fährt denn noch mit dem Auto gern in die Innenstadt, wenn er für eine Stunde 2,50 Euro zahlen soll? Dazu kommt, dass man oft kaum Parkplätze findet und abends vieles schon früh geschlossen ist.
Ich wünsche mir eine lebendige Innenstadt mit Gastronomie, mit Aufenthaltsqualität, mit Orten, an denen man sich gern trifft. Wir hatten früher schon mit dem damaligen Dezernenten darüber gesprochen, ob man etwa in der Mecklenburgstraße eine Art Sonderzone schaffen könnte, mit flexibleren Regeln für Gastronomie und Öffnungszeiten. Solche Ideen wurden danach aber nicht mehr weiterverfolgt. Das finde ich schade. So etwas würde ich wieder aufgreifen, gemeinsam mit den Einzelhändlern, mit den Gewerbetreibenden, mit Initiativen wie Pro Schwerin. Man muss sich zusammensetzen und überlegen: Was bringt uns wirklich voran?
Dazu gehört auch das Thema Sauberkeit und Ordnung. Wo es hässlich aussieht, wo Graffiti und Müll dominieren, wird es unattraktiv, und es kommt nur noch mehr davon nach. Auch hier haben wir seit Jahren Initiativen gefordert. Es gab früher Programme, die gut funktioniert haben. Die könnte man wieder aufgreifen. Ich möchte, dass Schwerin wieder schön aussieht und man sich in der Innenstadt wohlfühlt.
SNO: Sie sprachen die Attraktivität der Innenstadt an. Was meinen Sie damit konkret?
Petra Federau: Ich denke da ganz konkret etwa an den Süduferbereich am Pfaffenteich. Ich finde ihn heute deutlich unattraktiver als früher. Vorher gab es dort Blumenrabatten, Sitzgelegenheiten, schöne Bänke, von denen aus man auf den Pfaffenteich schauen konnte. Jetzt haben wir dort eine zu betonierte Fläche, die nur temporär mal für Veranstaltungen genutzt wird, aber das ganze Jahr über wenig Aufenthaltsqualität hat. Die Treppen sind vielleicht für einige junge Leute in Ordnung, aber viele Menschen, gerade Ältere oder Familien, setzen sich da nicht gern hin. Auch die Gastronomie dort finde ich persönlich nicht attraktiv genug. Da könnte deutlich mehr stattfinden.
Wir sind Welterbestadt, und gerade an historisch geprägten Orten müsste die Gastronomie auch entsprechend ansprechend sein. Wenn ich auf den Markt schaue, auf das Säulengebäude, dann finde ich die Außengastronomie dort oft nicht attraktiv gestaltet. Natürlich haben Unternehmer ihre Freiheit, das ist klar. Aber wenn wir vom Tourismus leben und diese Orte unser Aushängeschild sind, dann wünsche ich mir dort eine hochwertigere Außendarstellung, von der Bestuhlung bis zur gesamten Wirkung des Ortes.
Welterbe-Potenziale gezielt nutzen und Unternehmergeist fördern
SNO: Aber wie könnte man so etwas politisch überhaupt beeinflussen?
Petra Federau: Natürlich kann man nicht alles direkt beeinflussen. Aber wenn wir Gebäude oder Flächen verpachten, die der Kommune gehören, dann sollte man schon genauer hinschauen, an wen und unter welchen Bedingungen vergeben wird. Es sollten Leute sein, die unternehmerisch wirklich etwas können und die auch eine Außendarstellung mitbringen, die unserer Stadt zugutekommt. Gerade jetzt, wo wir das Welterbe haben, finde ich, dass wir die Potenziale viel stärker nutzen müssten. Wir vermarkten das bislang viel zu kleinteilig.
Ich frage mich zum Beispiel: Warum gibt es hier nicht viel mehr rund um das Schloss und das Welterbe? In anderen Städten und Ländern wird so etwas viel konsequenter vermarktet, mit Souvenirs, mit Ideen, mit Geschichten, mit einer ganzen Atmosphäre rundherum. In Schwerin wäre da viel mehr möglich. Ich würde als Oberbürgermeisterin auch Ideenwettbewerbe anstoßen, die nicht viel kosten, aber Unternehmergeist wecken. Nach dem Motto: Was könnt ihr selbst für Schwerin auf die Beine stellen? Wo sind freie Ladenflächen? Wer möchte hier mitmachen? Die Stadt muss eine erkennbare Identität entwickeln und stolz zeigen, was sie hat.
SNO: Schwerin hat das Problem, dass viele Touristen nur als Tagestouristen kommen. Wie wollen Sie erreichen, dass sie länger bleiben?
Petra Federau: Natürlich wollen wir seit Jahren, dass Touristen länger in der Stadt bleiben. Aber das hängt mit vielem zusammen. Wenn hier zu wenig los ist, wenn die Innenstadt nicht attraktiv genug ist und wenn auch andere Stadtteile und Angebote kaum sichtbar gemacht werden, dann bleibt eben niemand länger. Viele kennen zum Beispiel das Feuerwehrmuseum gar nicht. Oder andere Einrichtungen, die wir haben. Warum gibt es nicht bessere Kombi-Angebote, Tickets, Hinweissysteme oder Werbung? Warum wirbt die Straßenbahn nicht viel stärker für die eigenen Attraktionen der Stadt?
Das gilt auch für den Zoo. Von außen wird der viel zu wenig sichtbar. Wenn man dort vorbeifährt, wirkt es oft eher wie ein Parkplatz. Warum machen wir dort nicht viel offensiver klar: Hier ist der Schweriner Zoo? Warum nutzen wir nicht im öffentlichen Raum und im Nahverkehr viel stärker unsere eigenen Sehenswürdigkeiten? Da fehlt mir oft das unternehmerische Denken innerhalb der Stadtverwaltung.
SNO: Sie haben die Verwaltung angesprochen. Wie würden Sie diese als Oberbürgermeisterin führen?
Petra Federau: Mein Fokus liegt klar auf Wirtschaft und Dienstleistung, und danach muss die Verwaltung auch ausgerichtet werden. Es gibt viele tolle Mitarbeiter, die wirklich sehr gute Arbeit leisten. Das möchte ich ausdrücklich sagen. Aber es gibt eben auch Bereiche, in denen es deutlich besser gehen würde. Ich denke etwa an die Führerscheinstelle. Bürger und Unternehmen dürfen nicht das Gefühl haben, Bittsteller zu sein. Die Stadtverwaltung hat als Dienstleister aufzutreten. Und dieses Verständnis muss überall verankert sein.
Es geht schon bei scheinbaren Kleinigkeiten los, die aber in Wahrheit keine Kleinigkeiten sind. Online-Terminvergabe ist für viele Menschen gut. Aber nicht jeder kann wochenlang auf einen Termin warten. Ich selbst brauchte für meine Kandidatur ein behördliches Führungszeugnis und bekam Ende Dezember nur einen Termin für Mitte Januar. Das geht nicht. Wir fordern seit Langem, dass es neben festen Terminen wieder mehr spontane Zugänge geben muss – so wie beim Arzt, wenn etwas dringend ist. Dann wartet man eben, aber man kommt dran. Dieses Gefühl, an Mitarbeiter überhaupt nicht mehr heranzukommen, muss sich ändern.
Homeoffice ist dabei für mich kein Tabu. Es hat Vorteile. Aber der Bürger darf nicht merken, dass ein Mitarbeiter im Homeoffice ist. Wenn ich dort anrufe, muss ich jemanden erreichen. Wenn das bei bestimmten Mitarbeitern nicht funktioniert, dann muss Homeoffice dort eingeschränkt werden. Wer damit umgehen kann, gut. Wer nicht, für den muss es andere Regeln geben.
SNO: Wie wollen Sie die Verwaltung effizienter machen?
Petra Federau: Digitalisierung gehört natürlich dazu, und Schwerin hat da auch schon einiges gut vorangebracht, etwa mit der digitalen Bauakte. Das sollte jetzt zügig auf weitere Bereiche ausgeweitet werden. Gleichzeitig ist mir aber wichtig, dass es immer auch analoge Möglichkeiten gibt. Schwerin hat viele ältere Bürger, und niemand darf abgehängt werden. Digitale und analoge Angebote müssen Hand in Hand gehen. Dass man Ausweise über einen Automaten abholen kann, war eine gute Entwicklung – und eine, für die wir uns als AfD auch eingesetzt hatten. Solche Dinge sind sinnvoll. Aber es muss immer zusätzlich jemanden geben, der auch analog erreichbar ist.
Bürgerwille über Parteigrenzen hinweg umsetzen
SNO: Die Stadtvertretung steht nach Kommunalverfassung über dem Oberbürgermeister. Wie wollen Sie mit den anderen Fraktionen zusammenarbeiten, obwohl es gegen die AfD eine klare politische Abgrenzung gibt?
Petra Federau: Ich werde so mit den anderen zusammenarbeiten, wie ich es immer getan habe. Wir sind die Einzigen, die keine Brandmauer haben, und ich erwarte so etwas eigentlich in einer Demokratie. Natürlich ist die Realität oft eine andere. Aber die Bürger sehen sehr genau, wer für ihre Interessen arbeitet und wer aus machtstrategischen Gründen blockiert. Genau diese Parteien verlieren aus meiner Sicht zunehmend an Rückhalt. Die Landtagswahl kommt ja auch noch. Natürlich wäre es für uns ideal, wenn die AfD dort Regierungsverantwortung übernimmt. Aber unabhängig davon gilt: Man kommt an uns nicht mehr vorbei. Und je stärker der Bürgerwille wird, desto schwieriger wird es auch, Forderungen der AfD einfach zu ignorieren.
Ich glaube, direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung werden künftig eine größere Rolle spielen. Wenn die anderen Fraktionen nicht erkennen, dass sie den Bürgerwillen wieder stärker umsetzen müssen, dann werden die Bürger das selbst einfordern. Deshalb würde ich mich als Oberbürgermeisterin mit allen an einen Tisch setzen. Ich glaube auch, dass sich am Ende alle an einen Tisch setzen werden. Und innerhalb der Verwaltung gibt es viele gute Mitarbeiter, die ebenfalls erwarten, dass zusammengearbeitet wird. Wer gut arbeitet, den werde ich selbstverständlich auch nicht ausbremsen.Gute Ideen müssen natürlich nicht nur von mir kommen. Wenn gute Ideen aus der Verwaltung oder von den Bürgern kommen, dann sollen sie umgesetzt werden, meinetwegen auch unter dem Antragstitel einer anderen Fraktion. Mir geht es darum, dass Schwerin vorankommt.
SNO: Es gibt aber von anderen Parteien sehr harte Abgrenzungen gegen Sie und Ihre Partei. Wie wollen Sie damit umgehen?
Petra Federau: Das hält mich nicht davon ab, weiter die Hand auszustrecken und Überzeugungsarbeit zu leisten. Wer sich grundsätzlich verweigert, der disqualifiziert sich aus meiner Sicht selbst. Ich gebe jedem nicht nur eine, sondern mehrere Chancen, sich im Sinne Schwerins an einen Tisch zu setzen. Ich muss nicht mit allen befreundet sein. Aber ich erwarte eine sachliche Zusammenarbeit. Und wer anders agiert, stellt sich am Ende selbst ins Abseits.
Kritik am Klimanotstand: Statt Symbolpolitik auf konkrete Umweltmaßnahmen setzen
SNO: Kommen wir zum Thema Klima. Die Stadt hat sich Klimaziele gesetzt, Sie haben dazu aber eine andere Haltung. Wie sieht diese aus?
Petra Federau: Ja, wir haben da eine andere Meinung. Die damalige Beschlusslage zum sogenannten Klimanotstand für Schwerin war aus unserer Sicht einer der absurdesten Beschlüsse überhaupt. Mit Notstand sollte man nur arbeiten, wenn es einen wirklichen Notstand gibt. Den gibt es für Schwerin nicht. Deshalb erwarten wir, dass solche absurden Geschichten aufhören.
Nichtsdestotrotz ist Umwelt- und Naturschutz für uns selbstverständlich wichtig. Wir haben schon vor Jahren Anträge gestellt, dass etwa bei Parkplätzen oder Baugebieten mehr Bäume und Begrünung mitgedacht werden. Bestes Beispiel ist auch der Ziegelsee. Im Bebauungsplan waren Grünflächen und Spielflächen vorgesehen, und am Ende wurde viel stärker versiegelt, als ursprünglich gedacht. Wenn wir vernünftige Planung wollen, dann müssen Grünflächen in Bebauungsplänen erhalten und verbindlich eingehalten werden.
SNO: Wie stehen Sie zu den geplanten Elektrobussen für den Nahverkehr?
Petra Federau: Definitiv nein. Wer wirtschaftlich rechnet und ein Unternehmen wirtschaftlich führen will, der würde eher auf effiziente, saubere moderne Dieselbusse setzen als auf teure Elektrobusse. Das Geld, das dort hineingesteckt werden soll, könnten wir an ganz anderer Stelle wesentlich besser einsetzen. Wir sind grundsätzlich technologieoffen. Wenn es andere Lösungen gibt, die effizient, bezahlbar und marktfähig sind, dann sollen die genutzt werden. Aber Elektrobusse in dieser Form sind aus meiner Sicht nicht der richtige Weg.
SNO: Schwerin verliert viele junge Menschen. Wie wollen Sie die Stadt für Jüngere attraktiver machen?
Petra Federau: Wir haben nach der Schule durchaus gute Berufsschulen. Was uns aber fehlt, ist eine Hochschule, am besten eine technische Hochschule. Das passt auch hervorragend zu dem, was wir wirtschaftlich wollen. Dass eine Landeshauptstadt keine eigene staatliche Hochschule hat, ist aus meiner Sicht wirklich schade. Jede Stadt mit einer Hochschule lebt anders. Deshalb unterstützen wir auch seit Jahren die Forderung des Hochschulfördervereins, dass hier endlich eine Hochschule angesiedelt wird – gern auch in Zusammenarbeit mit Westmecklenburg. Das würde Fachkräfte ausbilden, junge Menschen hier halten und zugleich Unternehmen anziehen.
Bezahlbarer Wohnraum vorhanden: Gute Anbindung statt Innenstadtfokus
SNO: Viele junge Menschen sagen aber auch, dass Wohnen in den Städten zu teuer geworden ist. Sehen Sie in Schwerin dieses Problem?
Petra Federau: Schwerin hat bezahlbaren Wohnraum. Sicherlich nicht unbedingt überall in der Innenstadt, aber er ist vorhanden. Es gibt viele Einraumwohnungen, auch freie Wohnungen. Und wer etwa als Azubi oder Student auf dem Dreesch wohnt, ist über den Nahverkehr gut angebunden. Es gibt also bezahlbaren Wohnraum. Gleichzeitig ist zuletzt ja auch Bewegung hineingekommen, etwa mit Wohnraumprojekten in Richtung Helios, die auch junge Leute berücksichtigen sollen.
SNO: Die Wohnungsmarktstudie sieht aber trotzdem zusätzlichen Bedarf. Wie stehen Sie zu Sozialwohnungen und Wohnungsbauquoten?
Petra Federau: Sozialwohnungen sind das eine. Aber profitieren tun davon in erster Linie diejenigen mit Wohnberechtigungsschein. Das große Problem sind aus meiner Sicht auch diejenigen, die in Arbeit sind, ganz normale Jobs haben, aber trotzdem Schwierigkeiten haben, in attraktiveren Lagen in Schwerin eine bezahlbare Wohnung zu finden. Diese Menschen bekommen keinen Wohnberechtigungsschein. Deshalb ist Sozialwohnungsbau nur ein Teil der Antwort.
Wir wollen doch eine Stadt sein, in der Menschen durch Arbeit auch aufsteigen können. Dass jemand eben nicht auf Dauer nur in bestimmten Lagen wohnt, sondern sich auch andere Stadtteile leisten kann. Dafür müssen entsprechende Wohnungen geschaffen werden. Und genau da hätten wir mit dem sogenannten Bauturbo echte Möglichkeiten. Deshalb habe ich ein großes Problem damit, dass die Stadtverwaltung eine Vorlage vorlegt, die diese Möglichkeiten zu stark einschränkt.
Schwerin hat eine sehr geringe Eigentumsquote. Auch das ist ein Problem. Gerade für junge Familien wäre Wohneigentum eine wichtige Perspektive und Altersvorsorge. Aber es ist hier kaum machbar. Deshalb ziehen viele ins Umland. Und damit verlieren wir Einwohner und später auch Einkommensteueranteile. Warum nutzen wir also den Bauturbo nicht viel konsequenter? Natürlich soll nicht Wildwest herrschen, aber wir müssen jetzt endlich aus dem Puschen kommen und mehr ermöglichen.
SNO: Würden Sie sich einen Mietpreisdeckel wünschen?
Petra Federau: Das wäre in erster Linie Landessache. Aber ich sage klar: Wir haben in Schwerin bezahlbaren Wohnraum. Ein Mietpreisdeckel wird oft dort gefordert, wo zu wenig investiert und gebaut wurde. Dass es heute mehr Knappheit gibt, hängt aus meiner Sicht auch mit der Zuwanderung seit 2015 zusammen. Wenn man das komplett ausklammert, blendet man einen Teil der Wahrheit aus. Es braucht mehr Wohnraum, ja. Aber wir müssen auch ehrlich darüber sprechen, wer diesen Wohnraum nutzt und wie sich die Nachfrage entwickelt hat.
Klare Maßnahmen gegen Kriminalität und gefühlten Kontrollverlust
SNO: Sie haben Migration bereits angesprochen. Ein weiteres Thema ist Sicherheit. Wie wollen Sie die Lage in Schwerin verbessern?
Petra Federau: Das ist für mich ein ganz großes Thema. Nicht erst jetzt im Wahlkampf, sondern schon lange. Ich habe gesagt: Ich möchte meine Heimat nicht verlieren. Wenn hier nicht aufgestanden wird, wenn nicht klar gesagt wird, dass sich diese Stadt verändert hat und dass wir Entwicklungen nicht einfach hinnehmen dürfen, dann vergeht man sich an den eigenen Leuten.
Wer die Augen davor verschließt, dass die hohe Kriminalität etwas mit der unkontrollierten Massenmigration seit 2015 zu tun hat, der blendet für mich den Elefanten im Raum aus. Ich habe Politik gemacht, weil ich eben nicht zusehen wollte, wie sich mein eigenes Leben und das meiner Kinder verändert. Wenn mir junge Mädchen erzählen, dass sie abends eine Kapuze aufsetzen und möglichst maskulin auftreten, um am Marienplatz nicht angesprochen zu werden, dann sind das Zustände, die ich nicht hinnehmen will. Früher hatte man andere Sorgen. Heute haben Eltern Angst vor Drogenkriminalität, Messergewalt oder Übergriffen. Das nehme ich sehr ernst.
SNO: Wie würde Ihre Sicherheitspolitik konkret aussehen?
Petra Federau: Wir hatten erst gestern wieder einen Antrag zur stärkeren Kontrolle im Kinder- und Jugendschutz. Gleichzeitig hieß es wieder in der Verwaltungsstellungnahme, Prioritäten des Kommunalen Ordnungsdienstes lägen allein beim Oberbürgermeister. Ich kann Ihnen sagen: Ich wüsste, welche Prioritäten ich setzen würde. Sicherlich nicht nur ruhender Verkehr. Natürlich ist das auch wichtig. Aber wir müssen mehr Personal des KOD gezielt dort einsetzen, wo es wirklich brennt.
Die bekannten Hotspots – Marienplatz, Innenstadt, Keplerplatz, Bereiche am Dreescher Markt und andere – müssen gemeinsam mit der Polizei intensiver in den Blick genommen werden. Es geht darum, dass solche Plätze nicht dauerhaft von stadtbekannten Trinkern, Pöblern oder Drogenszenen besetzt werden und damit andere verdrängen. Wir haben seit Jahren gefordert, wieder eine kleine Wache am Marienplatz einzurichten und möglichst auch im Bereich der Keplerpassage eine Präsenz zu schaffen. Das wurde lange abgelehnt. Und nach dem Tötungsdelikt hieß es plötzlich, man hätte das immer gewollt. Nein – 14 Tage vorher wurde es noch abgelehnt.
Wenn der politische Wille da ist, dann kann man sehr wohl handeln. Und ein Oberbürgermeister muss doch klar sagen: Wir haben ein Problem, und wir kümmern uns darum. Man darf Ängste der Bevölkerung nicht kleinreden. Man muss mit Polizei und Ordnungsdienst an einen Tisch, klare Prioritäten setzen und alles dafür tun, dass sich die Menschen wieder sicher fühlen.
SNO: Wie sähe Ihre 100-Tage-Agenda aus?
Petra Federau: Eine meiner ersten Amtshandlungen wäre eine offizielle Überlastungsanzeige an das Land, um einen Aufnahmestopp zu erwirken. Dann kommt natürlich der Haushalt. Alle Aufgaben müssen ohne Wenn und Aber auf den Prüfstand. Ich würde mich sofort mit den Finanzverantwortlichen an einen Tisch setzen und danach auch mit der gesamten Verwaltung. Organigramme, Strukturen, Zuständigkeiten – alles muss durchgeschaut werden.
Aus meiner Sicht können wir auch wieder auf die frühere Zahl an Dezernaten zurückgehen. Wir haben vor einiger Zeit einen zusätzlichen Dezernenten bekommen. Ich glaube, dass wir wieder mit drei Dezernaten statt vier arbeiten können. Natürlich muss das mit der Verwaltung gemeinsam angeschaut werden.
Dann wäre mir der Austausch mit der Wirtschaft ganz wichtig. Wir haben hervorragende Vereine, Wirtschaftsverbände und Initiativen. Mit denen würde ich mich sofort zusammensetzen und sagen: Wir haben ein Problem in Schwerin. Was sind die besten Ideen? Was kann ich als Oberbürgermeisterin leisten, um Wirtschaft wirklich nach vorne zu bringen? Denn nur wenn die Wirtschaft funktioniert, können wir auch Kultur, Sportförderung und soziale Themen langfristig finanzieren.
Und schließlich die Landesgartenschau: Auch da brauchen wir jetzt endlich klare Zeitpläne und Zusammenarbeit mit allen Akteuren. Zeit ist dort ein entscheidender Faktor. Es darf nicht nur verwaltungsintern laufen. Die Stadtvertretung muss wissen, wo es hakt und wo politisch nachgesteuert werden muss. Ich halte die Landesgartenschau für eine große Chance für Schwerin, wenn man sie richtig anpackt.
SNO: Schaffen Sie es in die Stichwahl?
Petra Federau: Ja.



