Nach tötlichem Messerangriff:
Neue Polizeiwache am Marienplatz eröffnet – Was jahrelang unmöglich schien, ging plötzlich doch
Jahrelang wurde eine Rückkehr der Polizei an den Marienplatz als kaum möglich dargestellt. Nach dem tödlichen Messerangriff 2025 kam Bewegung in die Debatte. Jetzt ist die Wache eröffnet.

(Foto: maxpress)
13 Jahre nach der Schließung der Polizeiwache am Marienplatz hat das Land Mecklenburg-Vorpommern am Freitag eine neue Station im Herzen der Schweriner Innenstadt eröffnet. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Rückkehr der Polizei an einen der bekanntesten Plätze der Landeshauptstadt. Bemerkenswert ist auch, wie schnell plötzlich möglich wurde, was zuvor jahrelang als kaum umsetzbar galt. Erst nach dem tödlichen Messerangriff auf einen Jugendlichen im Februar 2025 kam Bewegung in die Debatte um eine feste Polizeiwache.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Innenminister Christian Pegel (SPD) feierten die neue Wache in der Marienplatz-Galerie als wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit im Zentrum der Landeshauptstadt. Die Station ersetzt die bisherige mobile Übergangslösung und soll dauerhaft für mehr Präsenz und eine bessere Erreichbarkeit der Polizei sorgen.
Die Wache verschwand 2013
Bereits 2013 war die damalige Polizeistation am Marienplatz geschlossen worden. Die Polizei zog in die Schlossstraße um. Seitdem fehlte am wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt eine dauerhafte Anlaufstelle für Bürger und eine sichtbare Polizeipräsenz mit festen Räumlichkeiten.
Dabei entwickelte sich der Marienplatz in den folgenden Jahren zunehmend zu einem Brennpunkt. Gewaltstraftaten, Drogendelikte, Diebstähle und wiederkehrende Auseinandersetzungen sorgten regelmäßig für Schlagzeilen. Kommunalpolitiker, Geschäftsleute und Anwohner forderten immer wieder eine stärkere Präsenz der Polizei und die Rückkehr einer festen Wache.
Aus dem Innenministerium kamen über Jahre jedoch keine Signale für eine Rückkehr. Als die Forderungen nach einer Polizeiwache am Marienplatz lauter wurden, verwies das Land wiederholt auf fehlende räumliche Möglichkeiten. Geeignete Standorte seien nicht verfügbar, eine Umsetzung daher nicht realistisch.
Stattdessen setzte die Polizei auf verstärkte Kontrollen, Streifen und später auf Videoüberwachung. Eine feste Wache blieb jedoch außerhalb des politisch Machbaren.
Der Messerangriff verändert die Lage
Der Wendepunkt kam Anfang 2025. Am 4. Februar wurde ein 17-Jähriger nahe des Marienplatzes bei einem Messerangriff tödlich verletzt. Der Fall löste weit über Schwerin hinaus Entsetzen aus und führte zu einer neuen Debatte über die Sicherheitslage in der Innenstadt.
Bemerkenswert war die Geschwindigkeit, mit der sich die politische Haltung danach änderte. Nur wenige Tage nach der Tat kündigte Innenminister Christian Pegel an, die Polizei werde auf den Marienplatz zurückkehren. Zunächst wurde eine mobile Polizeiwache eingerichtet.
Was zuvor über Jahre als kaum umsetzbar dargestellt worden war, wurde nun innerhalb kurzer Zeit auf den Weg gebracht.
Von der Containerlösung zur festen Station
Die mobile Wache sollte ursprünglich eine Übergangslösung sein. Parallel begann die Suche nach geeigneten Räumen. Ende 2025 präsentierte das Innenministerium schließlich die Lösung: Die neue Polizeistation sollte in der Marienplatz-Galerie entstehen.
Am Freitag wurde sie nun offiziell eröffnet. Die Station ersetzt die bisherige Containerlösung und dient künftig als dauerhafter Standort der Polizei im Zentrum Schwerins. Der Anzeigedienst soll montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet sein. Zudem werden dort die Kontaktbereichsbeamten für mehrere Schweriner Stadtteile ihren Arbeitsplatz haben.
Regierung spricht von dauerhaftem Sicherheitskonzept
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnete die neue Wache als Erfüllung eines Wunsches vieler Schweriner. Täglich würden rund 45.000 Menschen den Marienplatz passieren. „Die meisten davon friedlich, aber leider nicht alle“, sagte sie bei der Eröffnung.
Innenminister Pegel verwies auf die Erfahrungen der vergangenen Monate. Sichtbare Polizeipräsenz wirke und erhöhe das Sicherheitsgefühl. Gemeinsam mit modernisierter Videoüberwachung und verstärkten Streifen sei die neue Station Teil eines umfassenden Sicherheitskonzeptes.
Mit der Eröffnung endet vorerst eine mehr als zehnjährige Diskussion. Gleichzeitig dürfte die Frage bleiben, warum die Rückkehr einer Polizeiwache am Marienplatz erst nach einem tödlichen Gewaltverbrechen möglich wurde.
Denn die Probleme des Platzes waren lange bekannt. Die Forderungen nach einer festen Polizeipräsenz ebenfalls. Geändert hat sich die politische Linie erst, nachdem der Druck durch den Messerangriff Anfang 2025 massiv gestiegen war.
Heute steht dort wieder eine Polizeiwache. Genau an dem Ort, an dem sie schon vor 13 Jahren geschlossen worden war.
Der lange Weg zurück zur Polizeiwache
🔹 2013: Wache am Marienplatz schließt
Die Polizei gibt ihren Standort am Marienplatz auf und zieht in die Schlossstraße um.
🔹 2013 bis 2024: Kriminalität nimmt zu
Der Marienplatz entwickelt sich zunehmend zum Brennpunkt. Immer wieder gibt es Berichte über Gewalt, Drogenhandel und Diebstähle.
🔹 Jahrelange Forderungen bleiben erfolglos
Kommunalpolitiker, Geschäftsleute und Bürger verlangen eine stärkere Polizeipräsenz. Das Innenministerium verweist wiederholt auf fehlende Möglichkeiten für eine feste Wache.
🔹 4. Februar 2025: Tödlicher Messerangriff
Ein 17-Jähriger wird nahe des Marienplatzes erstochen. Der Fall löst landesweit Entsetzen aus und verschärft die Debatte über die Sicherheitslage.
🔹 Wenige Tage später: Kurswechsel des Landes
Innenminister Christian Pegel kündigt die Rückkehr der Polizei an den Marienplatz an. Eine mobile Polizeiwache wird aufgestellt.
🔹 2025: Suche nach dauerhaftem Standort
Das Land beginnt, geeignete Räume für eine feste Polizeistation zu suchen.
🔹 November 2025: Standort steht fest
Das Innenministerium präsentiert Räume in der Marienplatz-Galerie als künftigen Standort der Polizei.
🔹 29. Mai 2026: Offizielle Eröffnung
13 Jahre nach der Schließung wird die neue Polizeistation am Marienplatz eröffnet. Sie ersetzt die bisherige Containerlösung.




