Rave the Castle:
Prüf-Demo vom Dreesch in die Innenstadt
Rund 350 Menschen und ordentlich Bass - damit hat eine Demo die Prüfung von rechtsextremen Parteien und Verdachtsfällen gefordert.

- Der erste Demo-Truck der Prüf-Parade vor dem Schweriner Schloss. (Foto: Chris Loose)
In Kürze:
- Die Demonstration: Rund 350 Menschen zogen bei der „Prüf-Parade“ durch Schwerin und forderten die Prüfung rechtsextremer Parteien und Verdachtsfälle durch das Bundesverfassungsgericht.
- Die Auswirkungen: Wegen Straßensperrungen kam es zu langen Staus und erheblichen Verkehrsbehinderungen; die ursprünglich geplante Strecke wurde von rund 13 Kilometern auf knapp die Hälfte verkürzt.
- Die Kontroverse: Während die Organisatoren betonten, dass sich die Forderung nicht ausschließlich gegen die AfD richte, warf die Schweriner AfD-Kreisvorsitzende den Veranstaltern vor, ihre Partei verunglimpfen zu wollen.
Rund 350 Menschen protestierten am Samstag bei einer Demo für die Prüfung von rechtsextremen Parteien und Verdachtsfällen in Schwerin. Der Demonstrationszug begann am Berliner Platz auf dem Dreesch und endete am Bertha-Klingberg-Platz in der Innenstadt. Dabei kam es zu Straßensperrungen und teils kilometerlangen Staus.
Die Prüf-Parade bestand aus zwei Trucks mit bis zu 12 Metern Länge und den hinterher tanzenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Aus technischen Gründen verzögerte sich der Beginn. Kurz nach 14:30 Uhr zog die Demonstration, vorne und hinten von der Polizei begleitet, vom Berliner Platz los. Über die Hamburger Allee, Am Grünen Tal, die Crivitzer und die Ludwigsluster Chaussee ging es zur Graf-Schack-Allee und dann zum Schloss. Nach einer Zwischenkundgebung ging es dann, entgegen der eigentlichen Planung, zum Bertha-Klingberg-Platz. Eine eigentlich geplante Runde um die Innenstadt über den Obotritenring wurde abgesagt. Laut den Organisatoren wär das eine Strecke von rund 13 Kilometern gewesen, so war es nur knapp die Hälfte.

Staus und Verkehrseinschränkungen
Da aus Sicherheitsgründen teilweise die ganze Fahrbahn gesperrt werden musste, kam es auf dem Weg in die Innenstadt und in der Innenstadt selbst zu langen Staus. “Wir legen ja die Stadt ein bisschen lahm. Das ist schon eine Herausforderung”, so der Einsatzleiter der Polizei zu Beginn der Kundgebung. Den Autofahrerinnen und Autofahrern, die im Stau standen, gab die Polizei Gelegenheit zu wenden, wo es möglich war, und die Prüf-Parade zu umfahren.
Anmelder der Demo war Sebastian Hüller. Unterstützt wurde er von Janine Rudolph und einem ganzen Organisationsteam. Kostenpunkt der Prüf-Parade: Rund 13.000 Euro. “Wir sind nicht gegen etwas, sondern für eine Prüfung von rechtsextremen Parteien und Verdachtsfällen durch das Bundesverfassungsgericht. In Deutschland wird ja schließlich alles geprüft”, erklärte Rudolph das Anliegen der Demo.

Das Motto: Prüf heute, schütz morgen
Initiiert wurde die Prüf-Bewegung vom Satiriker Nico Semsrott. In allen Bundesländern gibt es auch Petitionen mit dem Ziel der Überprüfung von rechtsextremen Parteien und Verdachtsfällen. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Petition etwas mehr als 1600 Unterschriften.
„Wir fangen auf dem Dreesch an, weil dieser Stadtteil nicht abgehängt werden soll“, so Rudolph weiter. Hüller ergänzt: „Unsere Prüf-Parade ist eine Demo-Form, die es in Schwerin lange nicht gab. Und es kann sich nicht jeder die Airbeat leisten. Unsere Prüf-Parade ist umsonst und über Spenden finanziert.“ Im Südosten Schwerins hat die AfD in den vergangenen Wahlen mit die höchste Zustimmung im Stadtgebiet gehabt. Auch sind der Dreesch und der Südosten mit ihren alten Plattenbausiedlungen maßgebliche Ursache für die hohe Segregation, also die Trennung zwischen Arm und Reich in Schwerin.

AfD-Kreisvorsitzende kritisiert Prüf-Demo
Den Veranstaltern der Prüf-Demo war wichtig zu betonen, dass es nicht ausschließlich um die AfD geht. Eine Prüfung der AfD durch das Bundesverfassungsgericht wurde aber auch gefordert. Die Vorsitzende der AfD-Fraktion in der Schweriner Stadtvertretung, Petra Federau, sagt, dass mit dieser Demo nur die AfD als stärkste Oppositionskraft verunglimpft werden soll. „Es geht schlicht und ergreifend um den Machterhalt der Altparteien“, so Federau weiter. Laut ihr hat der AfD-Kreisverband keinen Anlass, eine Prüfung auf Verfassungstreue zu fürchten.

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