Vom Problemgebiet zum Treffpunkt:
Quartiersplatz in der Werdervorstadt geplant
Vom Problemgebiet zum Quartiersplatz: In Schwerin wird Am Werder weiterentwickelt. Am 9. Mai öffnet die Stadt das Gelände erstmals und zeigt, wie alte Planungen heute Realität werden.

Die Schwerin treibt ihre Entwicklung zur „Stadt am Wasser“ weiter voran – und macht einen weiteren Baustein dieser Strategie für die Bürger sichtbar. Am 9. Mai 2026 öffnet die Landeshauptstadt im Rahmen des bundesweiten Tages der Städtebauförderung das Gelände Am Werder 2 in der Werdervorstadt. Auf der bislang weitgehend abgeschotteten Fläche soll in den kommenden Jahren ein integrierter Quartiersplatz entstehen.
Ein Areal im Wandel
Das rund 3.000 Quadratmeter große Grundstück liegt zwischen dem neuen Wohnquartier Waisengärten und den Randbereichen der historischen Werdervorstadt – in direkter Nähe zum Schweriner See. Jahrzehntelang war die Fläche rein privat genutzt, vor allem gewerblich geprägt und im Stadtgefüge kaum vernetzt. Erst 2025 gelang es der Stadt, die Liegenschaft mit Mitteln der Städtebauförderung anzukaufen.
Nun ist geplant, hier unter Einbeziehung eines bestehenden Wohn- und Geschäftshauses einen Quartiersplatz zu entwickeln. Dieser soll künftig als sozialer und räumlicher Mittelpunkt des Viertels dienen und die Verbindung zwischen den umliegenden Wohngebieten stärken.
Interessierte können sich am 9. Mai selbst ein Bild machen: Ab 10 Uhr starten stündlich Führungen über das Gelände, die letzte beginnt um 13 Uhr. Der Zugang erfolgt über die Bornhövedstraße.
Rückblick: Deutliche Mängel im Jahr 2008
Dass genau diese Fläche heute im Fokus steht, hat mit ihrer Vorgeschichte zu tun. Bereits im April 2008 hatte ein Abschlussbericht zu vorbereitenden Untersuchungen die Situation in der Werdervorstadt umfassend analysiert. Das mit einem ernüchternden Ergebnis.

Das Gebiet „Werdervorstadt/Wasserkante Bornhövedstraße“ wurde damals als „zergliedert und beziehungslos“ beschrieben. Große Teile seien „überwiegend ohne stadträumliche Ordnung“, geprägt von Brachflächen, ungeordneten Nutzungen und funktionalen Defiziten. Besonders kritisch war die Situation entlang des Wassers. Obwohl die Werdervorstadt direkt am See liegt, war dieser für die Öffentlichkeit kaum zugänglich. Im Bericht heißt es dazu, die rund einen Kilometer lange Wasserkante sei „faktisch nicht für eine Nutzung durch die Allgemeinheit zugängig“.
Ursachen waren vor allem private Nutzungen, gewerbliche Strukturen, Bootshäuser und fehlende Wegebeziehungen. Große Flächen – etwa das ehemalige Klärwerk – wirkten zusätzlich als Barrieren zwischen Stadt und Wasser. Auch der Bereich Am Werder wurde kritisch bewertet. Er sei „stadträumlich und funktionell ungeordnet“ und nutze seine Lage am See „völlig unzureichend“.
Politischer Beschluss und langfristige Strategie
Auf Grundlage dieser Analyse beschloss die Stadtvertretung am 7. Juli 2008 die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes „Werdervorstadt/Wasserkante Bornhövedstraße“. Ziel war es, die festgestellten Missstände systematisch zu beseitigen und die Uferbereiche über ein zusammenhängendes Grün- und Freiflächensystem öffentlich zugänglich zu machen.
Die Leitlinien waren klar formuliert: mehr öffentliche Räume am Wasser, bessere Vernetzung der Quartiere, Aufwertung brachliegender Flächen und eine insgesamt höhere Lebensqualität für die Bewohner.
Fortschritte seit 2008
In den Jahren nach dem Beschluss wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Insgesamt rund 2,7 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln flossen in die Entwicklung des Gebietes. Damit konnten wesentliche Sanierungsziele erreicht werden. Vor allem die Bereiche „Am Werder“ und „Hafen Bornhövedstraße“ haben deutlich an Attraktivität gewonnen. Straßenräume wurden erneuert, Zugänge verbessert und erste Uferbereiche geöffnet.
Die angestrebte Öffnung des Seeufers ist heute zumindest teilweise Realität. Gleichzeitig zeigt sich: Der Prozess ist langfristig angelegt, viele Maßnahmen befinden sich weiterhin in Planung oder Umsetzung.
Neue Impulse durch „Zukunft Stadtgrün“
Ein weiterer wichtiger Schritt folgte 2019. Die Stadtvertretung beschloss das Fördergebiet „StadtGrün Werdervorstadt/Wasserkante Bornhövedstraße“ und sicherte sich damit Mittel aus dem Bund-Länder-Programm „Zukunft Stadtgrün“.
Rund 1,2 Millionen Euro stehen seither für zusätzliche Maßnahmen zur Verfügung. Geplant sind unter anderem ein durchgehender Uferweg und ein Stadtstrand am Schweriner See. Ziel ist es, die grüne Infrastruktur zu stärken und die Aufenthaltsqualität weiter zu erhöhen.
Der Schwerpunkt dieser neuen Maßnahmen liegt im Bereich „Am Werder Ufer“ – und damit genau dort, wo nun auch das Projekt Am Werder 2 umgesetzt wird.
Mehr als ein Einzelgebiet
Die Entwicklung des Geländes Am Werder 2 ist somit mehr als ein Einzelprojekt. Sie ist Teil einer langfristigen Strategie, die bereits vor fast zwei Jahrzehnten begonnen hat und nun Schritt für Schritt umgesetzt wird. Der geplante Quartiersplatz soll künftig eine wichtige Funktion im Stadtteil übernehmen: als Treffpunkt für die Nachbarschaft, als verbindendes Element zwischen alten und neuen Wohnquartieren und als Zugangspunkt zum Wasser.
Damit wird ein zentrales Ziel der Stadtentwicklung sichtbar: aus ehemals abgeschotteten und mindergenutzten Flächen lebendige öffentliche Räume zu schaffen.
Bürger können sich informieren
Der Tag der Städtebauförderung bietet nun die Gelegenheit, diesen Wandel vor Ort zu erleben. Besucher können nicht nur einen Blick auf das Gelände werfen, sondern auch mehr über die Planungen und die Entwicklung der Werdervorstadt erfahren. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie langwierig Stadtentwicklung sein kann und wie konsequent Schwerin seinen Weg zur „Stadt am Wasser“ verfolgt.
Was 2008 als Problemgebiet beschrieben wurde, entwickelt sich heute Schritt für Schritt zu einem attraktiven Stadtraum. Der Quartiersplatz Am Werder könnte dabei zu einem sichtbaren Symbol dieses Wandels werden.




