Mit Fördermitteln oder Investoren:
Was für ein Quartiersplatz wird aus der Premium-Fläche am Schweriner See?
Die Verwaltung möchte auf der Fläche “Am Werder 2” einen Quartiersplatz errichten. Nun sollten Anwohner sich das Grundstück anschauen und auch Ideen einbringen.

Eine 3.000 Quadratmeter große Fläche in der Werdervorstadt – wenige Meter bis zur Badestelle am Schweriner See und fußläufig zur Innenstadt. Auf der Fläche der ehemaligen Beleuchtungsfirma Hebermehl soll ein Quartiersplatz entstehen. Die Stadt kaufte die Fläche im vergangenen Jahr mit Fördermitteln. Wie soll dieser Quartiersplatz aussehen? In diese Entscheidung sollen die Anwohnerinnen und Anwohner mit einbezogen werden. “Die Verwaltung hat natürlich viele Ideen”, scherzte der amtierende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) bei seiner Eröffnungsansprache. Am Ende stellt sich aber auch immer die Frage nach der Finanzierung.
Flohmarkt mit “Kutterscholle und Speckstippe”
Das Event “Dein Platz im Quartier” war gut besucht. Bereits kurz nachdem die Tore geöffnet wurden, schauten sich rund 100 Menschen das Gelände an. Musikalische Untermalung lieferte das Schweriner Duo “Kutterscholle mit Speckstippe”. Es gab einen Flohmarkt, Hot Dogs und noch mehr. Um die Ideen der Anwohnerinnen und Anwohner einzusammeln hatte die Verwaltung eine “Mitmachbox” aufgestellt in die Vorschläge eingeworfen werden konnten. Außerdem gab es sechs verschiedene Aufsteller mit Fragen. Dort konnten mit Post-Its Ideen und Anregungen hinterlassen werden.

Sport, Natur oder Garagen?
Die angepinnten Vorschläge waren vielfältig: Sportgeräte und Fahrradständer, anmietbare Garagen für die Anwohner, eine Zweiradwerkstatt oder auch ein Supermarkt. Vielleicht aber auch eine Vermietung für Kajaks und Kanus um auf dem Schweriner See zu paddeln. Ideen wurden viele eingebracht, nun muss die Verwaltung prüfen, was davon umsetzbar ist. Ein ähnliches Workshop-Format gab es für die Badestelle und die umliegende Fläche “Am Werder” schon einmal. Dort entstand auch die Idee eines Stadtstrandes, die wurde aber nicht mehr intensiv weiter verfolgt, auch aus Kostengründen.
Ohne Fördermittel kein Quartiersplatz?
Der Stadtvertreter Gerd Güll (FDP) ist von der Verwaltungs-Idee des Quartisplatzes nicht überzeugt: “Hier wird Wunschdenken ohne Nachhaltigkeit vermittelt.” Laut Güll solle man eher darüber nachdenken auf der Fläche Läden des täglichen Bedarfs anzusiedeln. Einen Supermarkt gibt es in den Waisengärten und im östlichen Teil der Werdervorstadt nicht, obwohl hier in den vergangenen Jahren viele Wohnungen geschaffen wurden. “Man sollte hier keinen zusätzlichen Verkehr erzeugen, sondern fußläufig Einkaufsmöglichkeiten bieten”, so Güll weiter.
Große Veränderungen wird Schwerin aus eigener finanzieller Kraft auf der Fläche “Am Werder 2” nicht vollbringen können. “Ohne Fördermittel wird das nichts”, weiß auch Nottebaum. Damit Fördermittel beantragt werden können braucht es zuerst ein Konzept, das muss die Verwaltung erarbeiten. Auch die Stadtvertretung muss dann noch mit einbezogen werden. In der einer Vorlage für die kommende Sitzung wird das Vorhaben zumindest schonmal erwähnt. Dort heißt es aber auch, dass das Projekt erstmal weiter “qualifiziert” werden soll.
Meinung: Warten oder Handeln?
Von Christoph Loose
Ein Quartiersplatz für die Werdervorstadt mit viel Pflanzen und Grün klingt erstmal toll. Besonders, da er an einer Stelle liegen soll, an der der Zugang zum Wasser nicht durch Bootshäuser blockiert ist. Ärgerlich ist es, wenn so eine tolle Idee am Geld scheitert. Die Kassen sind auf Bundes‑, Landes- und Kommunalebene irgendwie immer leer und die Konkurrenz um Fördermittel wird in den nächsten Jahren wohl mehr werden.
Das Gute ist, dass der Stadt die Fläche bereits gehört. Die Stadtpolitik muss nun entscheiden, ob sie auf Fördermittel hoffen will. Die könnten dann auch wieder an Bedingungen gekoppelt sein. Oder ob die Stadt versuchen will das Projekt selber mit Unterstützung von Investoren auf die Beine zu stellen.
Vielleicht lässt sich am Ende auch alles kombinieren: Ein Quartiersplatz muss ja nicht unbedingt auf Bodenebene sein. Warum kein Supermarkt im Erdgeschoss, darüber Parkplätze und ganz oben ein Quartiersplatz mit viel Grün und ein bisschen Gastronomie. Vielleicht wird ein öffentlicher Quartiersplatz dann keine finanzielle Belastung für die Stadt und die öffentliche Hand, sondern trägt sich selbst. Und Bier mit Blick über den Schweriner See könnte es auch noch geben.
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