Eis statt Sicherheit:
Radfahrer kritisieren Schweriner Winterdienst
Während Straßen geräumt sind, bleiben viele öffentliche Radwege vereist – ADFC und Radentscheid fordern ein Umdenken bei den Prioritäten.

Schwerin zeigt sich dieser Tage winterlich, doch für viele Radfahrer wird jede Fahrt zum Risiko. Zwar sind Nebenstraßen, Gehwege vor Privatgrundstücken und große Verkehrsachsen inzwischen weitgehend schnee- und eisfrei, auf vielen öffentlichen Radwegen herrschen jedoch weiterhin gefährliche Bedingungen. Festgefahrener Schneematsch und dicke Eiskrusten prägen das Bild – ausgerechnet dort, wo täglich zahlreiche Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Besonders brisant: Selbst zentrale Orte wie der Bereich vor dem Schloss, öffentliche Parkplätze an der Werderstraße, der Obotritenring oder Wege im Schlosspark sind betroffen. Für Fahrradpendler bedeutet das Ausweichen auf vereiste Spuren oder riskante Fahrten auf der Straße. „Man fragt sich schon, warum nicht einmal die Hauptfahrradrouten geräumt werden“, heißt es in einem Leserbrief, der die Situation deutlich kritisiert.
Winterdienst mit klarer Priorität
Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) greift das Thema auf. Der Tenor: Der Winterdienst funktioniert – allerdings fast ausschließlich für den Autoverkehr. Während die Straßen wieder befahrbar sind, dienen abgetrennte Fahrradspuren häufig als Ablagefläche für den geräumten Schnee. Radfahrer und Fußgänger sollen sich offenbar mit den Gefahren arrangieren.
Der ADFC stellt dabei nicht grundsätzlich infrage, dass die Landeshauptstadt den Radverkehr fördern will. Doch gerade in Zeiten knapper Ressourcen zeige sich, wo die Prioritäten liegen. Aus Sicht des Verbandes gäbe es durchaus Alternativen: So könnten weniger wichtige Straßen später geräumt werden, um Personal und Material gezielt für zentrale Fahrradtrassen einzusetzen. Autofahrer, so das Argument, könnten sich eher auf winterliche Fahrbahnverhältnisse einstellen als Radfahrer auf vereiste Wege.
ADFC sammelt Erfahrungen – Diskussion angekündigt
Angesichts des vergleichsweise harten Winters möchte der ADFC das Gespräch mit der Stadt suchen. Dafür werden konkrete Erfahrungen und Vorschläge aus der Bevölkerung gesammelt. Radfahrende Schweriner sind aufgerufen, ihre Beobachtungen per E‑Mail an kontakt@adfc-schwerin.de zu schicken.
Auch der Radentscheid Schwerin greift das Thema auf und lädt zur öffentlichen Diskussion ein – am Donnerstag, 12. März, 18 Uhr im Wichernsaal (Apothekerstraße 48).
Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu finden, damit Schwerin nicht nur im Sommer eine fahrradfreundliche Stadt ist.



