Schwerins Radverkehrsplan:
Schwerin startet mehrere Radprojekte – eines sorgt für Streit
Trotz Kritik des BUND will Schwerin den Radweg zwischen Zippendorf und Mueß asphaltieren. Die Stadt verweist auf Naturschutzprüfungen und eine breite politische Mehrheit.

In Kürze:
- Schwerin will den rund einen Kilometer langen Radweg zwischen Zippendorf und Mueß trotz der Kritik des BUND asphaltieren. Das 776.000-Euro-Projekt wird nach Angaben der Stadt zu 90 Prozent gefördert.
- Der BUND warnt vor Auswirkungen auf Natur, Bäume und Schutzgebiete und fordert eine naturnähere Befestigung. Die Stadt hält Asphalt dagegen für die eingriffsschonendere und dauerhaft besser nutzbare Variante.
- Im Oktober beginnt außerdem der Umbau der Mecklenburgstraße zur Fahrradstraße. Die Arbeiten erfolgen in acht Abschnitten und sollen bis März 2029 dauern.
Die Stadt Schwerin hält an der geplanten Asphaltierung des Radwegs zwischen Zippendorf und Mueß fest. Der etwa einen Kilometer lange Uferweg soll auf 2,50 Meter verbreitert und als Teil des Residenzstädte-Rundwegs ausgebaut werden. Verkehrsdezernent Bernd Nottebaum verteidigte die Planung am Dienstag gegen die Kritik des BUND. Die Bauarbeiten sollen im Oktober beginnen und bis zum Jahresende abgeschlossen sein.
Für das Vorhaben sind nach Angaben der Stadt rund 776.000 Euro vorgesehen. 90 Prozent der Kosten sollen über eine Förderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern für touristische Infrastruktur finanziert werden. Neben der Asphaltierung sind Rastmöglichkeiten und eine Beschilderung vorgesehen.
Der BUND Schwerin lehnt die Asphaltierung ab. Der Umweltverband verweist unter anderem auf angrenzende Vogel- und FFH-Schutzgebiete, Biotope, Röhrichtflächen sowie mögliche Auswirkungen auf Bäume und geschützte Tierarten. Nottebaum widerspricht dieser Einschätzung. Die naturschutzrechtlichen Anforderungen seien geprüft worden. Nach Darstellung der Stadt sei gerade die vorgesehene Bauweise vergleichsweise schonend, weil auf einen umfangreichen Unterbau verzichtet werden könne.
Hinter dem Projekt steht eine lange politische Vorgeschichte. Nach Angaben Nottebaums wird über die Verbindung seit rund 13 Jahren diskutiert. Bereits 2015 habe die Stadtvertretung einen Beschluss zur Verbesserung des Radfern- und Radrundwegenetzes gefasst. Nottebaum sieht in der Stadtpolitik eine breite Mehrheit für den Lückenschluss. Eine vergleichbare Debatte über eine Asphaltierung hatte es bereits beim Ausbau des Uferwegs am Lankower See gegeben.
Streit um Asphaltierung des Radwegs
Der BUND bezweifelt insbesondere, dass Asphalt für den bislang naturgeprägten Weg die richtige Lösung ist. Der Verband befürchtet Eingriffe in Wurzelbereiche, eine stärkere Versiegelung und mehr Unruhe durch schneller fahrenden Radverkehr. Zudem führt die Strecke nach Angaben des BUND durch beziehungsweise entlang mehrerer ökologisch sensibler Bereiche.
Als Alternative schlägt der Umweltverband vor, den vorhandenen Weg weitgehend in seinem jetzigen Zustand zu belassen und problematische Stellen gezielt zu verbessern. Pfützen und schlecht passierbare Abschnitte könnten demnach beseitigt werden, ohne die gesamte Strecke zu asphaltieren. Der BUND verweist zudem auf eine bereits ausgebaute Radverbindung entlang der Crivitzer Chaussee.
Die Stadt hat nach eigener Darstellung unterschiedliche Bauweisen geprüft. Eine wassergebundene Wegedecke – also eine befestigte, aber nicht asphaltierte Oberfläche aus verdichtetem Mineralgemisch – sei ebenfalls untersucht worden. Die Verwaltung hält die nun geplante Variante jedoch für die bessere Lösung. Neben der ganzjährigen Nutzbarkeit führt sie Barrierefreiheit sowie den Schutz des vorhandenen Baumbestands als Argumente an.
Nottebaum machte deutlich, dass er sich auch persönlich für die Asphaltvariante ausspricht. Die Verwaltung habe schon bei der Diskussion um den Uferweg am Lankower See diese Position vertreten. Die Erfahrung dort wertet der Dezernent positiv.
Projekt kommt nach Zippendorf
Einen Fehler räumt die Verwaltung bei der Kommunikation ein. Während das Projekt vor der Sommerpause in der Ortsteilvertretung Mueß vorgestellt worden sei, habe die Ortsteilvertretung Zippendorf nicht im gleichen Umfang Informationen erhalten.
„Das hat sich als Fehler erwiesen und sorgt jetzt für Vorbehalte, die wir sicherlich hätten ausräumen können“, erklärte Nottebaum. Am 26. August soll das Vorhaben deshalb in der Ortsteilvertretung Zippendorf ausführlich vorgestellt werden.
Mit dem Ausbau soll eine Lücke zwischen dem 2022 errichteten Radweg entlang der Störwasserstraße und Mueßer Bucht sowie dem Radweg am Franzosenweg und Zippendorfer Strand geschlossen werden. Die Verbindung gehört zum rund 285 Kilometer langen Residenzstädte-Rundweg.
Mecklenburgstraße wird Fahrradstraße
Parallel bereitet Schwerin ein wesentlich umfangreicheres Projekt in der Innenstadt vor. Ebenfalls im Oktober soll die Umgestaltung der Mecklenburgstraße zur Fahrradstraße beginnen. Die Arbeiten zwischen Geschwister-Scholl-Straße und Graf-Schack-Allee sind in acht Bauabschnitte unterteilt und sollen bis März 2029 dauern.
Nach Angaben der Stadt hatten sich zehn Unternehmen an der Ausschreibung beteiligt. Mit Anliegern wurden bereits Gespräche geführt. Auch das beauftragte Bauunternehmen soll sich vor Beginn der jeweiligen Arbeiten die örtlichen Bedingungen noch einmal ansehen.
Eine jahrelange Vollsperrung der Mecklenburgstraße soll es nicht geben. Gebaut wird abschnittsweise. Bereiche, in denen gerade keine Arbeiten stattfinden, sollen grundsätzlich erreichbar bleiben. Der längste einzelne Bauabschnitt soll nach Angaben der Verwaltung etwa drei Monate dauern.
Auch Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei sollen Grundstücke in den Baustellenbereichen erreichen können. Für Handwerker oder Umzüge sollen im Einzelfall Lösungen mit der Baufirma abgestimmt werden.
Radfahrer erhalten Vorrang
Nach Abschluss des Umbaus dürfen Autos die Mecklenburgstraße weiterhin nutzen. Als Fahrradstraße wird sie jedoch in erster Linie dem Radverkehr dienen. Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und die Fahrbahn entsprechend nutzen. Für Kraftfahrzeuge bleibt Tempo 30 bestehen.
Um den Durchgangsverkehr zu reduzieren, ist zwischen IHK-Gebäude und Geschwister-Scholl-Straße eine gegenläufige Einbahnstraßenregelung vorgesehen. Radfahrer sollen den Bereich weiterhin in beide Richtungen befahren können. Im südlichen Abschnitt bleiben bereits bestehende Einschränkungen für den Autoverkehr bestehen.
Deutlich verändern wird sich die Parksituation. Statt bislang rund 150 Stellplätzen sollen nach dem Umbau noch 72 vorhanden sein. Diese sollen nach den Planungen Bewohnern mit entsprechendem Parkausweis zur Verfügung stehen. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Zahl für die Anwohner ausreicht.
Grundlage dafür seien frühere Erhebungen zur Nutzung der Stellplätze. Nach Angaben der Verwaltung entfiel dabei ungefähr die Hälfte der abgestellten Fahrzeuge auf Anwohner, die andere Hälfte auf andere Nutzer. Zudem habe die Zahl der sogenannten Fremdparker seit der Corona-Zeit abgenommen. Die Stadt geht davon aus, dass ein Teil künftig auf die umliegenden Parkhäuser ausweichen wird.
Fahrradboxen und Ladestationen geplant
Auf einer Straßenseite sollen künftig Parkplätze verbleiben, auf der anderen zusätzliche Angebote für den Radverkehr entstehen. Vorgesehen sind unter anderem Fahrradabstellmöglichkeiten, Fahrradboxen beziehungsweise Fahrradhäuser, Stellplätze für Lastenräder und Ladeangebote.
Zwischen den Parkplätzen und der Fahrbahn ist außerdem ein Sicherheitsstreifen vorgesehen. Er soll das Risiko sogenannter Dooring-Unfälle reduzieren. Dabei stoßen Radfahrer mit Autotüren zusammen, die unmittelbar vor ihnen geöffnet werden.
Die Umgestaltung ist Teil eines Bundesförderprogramms für Klimaschutzmaßnahmen. Nach Angaben der Verwaltung konnte Schwerin das Projekt in das Programm aufnehmen und damit Fördermittel für den Umbau sichern.
Weitere Radprojekte in Vorbereitung
Die Mecklenburgstraße ist nicht das letzte größere Vorhaben im Schweriner Radwegenetz. Als eines der nächsten Projekte nennt die Verwaltung die Stadionbrücke. Dort prüft die Stadt eine Brückenkonstruktion aus Carbon beziehungsweise carbonverstärkten Bauteilen.
Die Ausschreibung dafür soll noch in diesem Jahr vorbereitet werden. Der Baubeginn ist nach bisherigem Stand für das erste Halbjahr vorgesehen. Im Zusammenhang mit dem Projekt soll auch die Stadionstraße zur Fahrradstraße werden.
Am Platz der Jugend laufen unterdessen erste Planungen für eine neue Ampelanlage. Die Umsetzung ist nach Angaben der Verwaltung für 2028 vorgesehen.
Damit stehen in Schwerin in den kommenden Jahren mehrere Eingriffe in das Radwegenetz bevor. Während bei der Mecklenburgstraße vor allem Verkehrsführung, Bauzeit und wegfallende Parkplätze diskutiert werden dürften, bleibt beim Uferweg zwischen Zippendorf und Mueß die grundsätzliche Frage umstritten, wie stark eine touristische Radroute in einen naturnahen Bereich eingreifen darf.



