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Schwerins Radverkehrsplan:
Schwerin startet mehrere Radprojekte – eines sorgt für Streit

Trotz Kritik des BUND will Schwerin den Radweg zwischen Zippendorf und Mueß asphaltieren. Die Stadt verweist auf Naturschutzprüfungen und eine breite politische Mehrheit.

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  • Veröffentlicht August 12, 2026
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Schw­erins Verkehrs­dez­er­nent Bernd Not­te­baum auf dem Fahrrad vor dem Stadthaus. Die Stadt plant in den kom­menden Jahren mehrere größere Pro­jek­te für den Rad­verkehr. Foto: Ste­fan Rochow

 


In Kürze:

  • Schw­erin will den rund einen Kilo­me­ter lan­gen Rad­weg zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß trotz der Kri­tik des BUND asphaltieren. Das 776.000-Euro-Projekt wird nach Angaben der Stadt zu 90 Prozent gefördert.
  • Der BUND warnt vor Auswirkun­gen auf Natur, Bäume und Schutzge­bi­ete und fordert eine naturnähere Befes­ti­gung. Die Stadt hält Asphalt dage­gen für die ein­griff­ss­cho­nen­dere und dauer­haft bess­er nutzbare Vari­ante.
  • Im Okto­ber begin­nt außer­dem der Umbau der Meck­len­burgstraße zur Fahrrad­straße. Die Arbeit­en erfol­gen in acht Abschnit­ten und sollen bis März 2029 dauern.

 

Die Stadt Schw­erin hält an der geplanten Asphaltierung des Rad­wegs zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß fest. Der etwa einen Kilo­me­ter lange Ufer­weg soll auf 2,50 Meter ver­bre­it­ert und als Teil des Res­i­den­zstädte-Rundwegs aus­ge­baut wer­den. Verkehrs­dez­er­nent Bernd Not­te­baum vertei­digte die Pla­nung am Dien­stag gegen die Kri­tik des BUND. Die Bauar­beit­en sollen im Okto­ber begin­nen und bis zum Jahre­sende abgeschlossen sein.

Für das Vorhaben sind nach Angaben der Stadt rund 776.000 Euro vorge­se­hen. 90 Prozent der Kosten sollen über eine Förderung des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern für touris­tis­che Infra­struk­tur finanziert wer­den. Neben der Asphaltierung sind Rast­möglichkeit­en und eine Beschilderung vorge­se­hen.

Der BUND Schw­erin lehnt die Asphaltierung ab. Der Umweltver­band ver­weist unter anderem auf angren­zende Vogel- und FFH-Schutzge­bi­ete, Biotope, Röhricht­flächen sowie mögliche Auswirkun­gen auf Bäume und geschützte Tier­arten. Not­te­baum wider­spricht dieser Ein­schätzung. Die naturschutzrechtlichen Anforderun­gen seien geprüft wor­den. Nach Darstel­lung der Stadt sei ger­ade die vorge­se­hene Bauweise ver­gle­ich­sweise scho­nend, weil auf einen umfan­gre­ichen Unter­bau verzichtet wer­den könne.

Hin­ter dem Pro­jekt ste­ht eine lange poli­tis­che Vorgeschichte. Nach Angaben Not­te­baums wird über die Verbindung seit rund 13 Jahren disku­tiert. Bere­its 2015 habe die Stadtvertre­tung einen Beschluss zur Verbesserung des Rad­fern- und Radrundwe­genet­zes gefasst. Not­te­baum sieht in der Stadt­poli­tik eine bre­ite Mehrheit für den Lück­en­schluss. Eine ver­gle­ich­bare Debat­te über eine Asphaltierung hat­te es bere­its beim Aus­bau des Ufer­wegs am Lankow­er See gegeben.

Streit um Asphaltierung des Radwegs

Der BUND bezweifelt ins­beson­dere, dass Asphalt für den bis­lang naturgeprägten Weg die richtige Lösung ist. Der Ver­band befürchtet Ein­griffe in Wurzel­bere­iche, eine stärkere Ver­siegelung und mehr Unruhe durch schneller fahren­den Rad­verkehr. Zudem führt die Strecke nach Angaben des BUND durch beziehungsweise ent­lang mehrerer ökol­o­gisch sen­si­bler Bere­iche.

Als Alter­na­tive schlägt der Umweltver­band vor, den vorhan­de­nen Weg weit­ge­hend in seinem jet­zi­gen Zus­tand zu belassen und prob­lema­tis­che Stellen gezielt zu verbessern. Pfützen und schlecht passier­bare Abschnitte kön­nten dem­nach beseit­igt wer­den, ohne die gesamte Strecke zu asphaltieren. Der BUND ver­weist zudem auf eine bere­its aus­ge­baute Rad­verbindung ent­lang der Criv­itzer Chaussee.

Die Stadt hat nach eigen­er Darstel­lung unter­schiedliche Bauweisen geprüft. Eine wasserge­bun­dene Wegedecke – also eine befes­tigte, aber nicht asphaltierte Ober­fläche aus verdichtetem Min­er­al­gemisch – sei eben­falls unter­sucht wor­den. Die Ver­wal­tung hält die nun geplante Vari­ante jedoch für die bessere Lösung. Neben der ganzjähri­gen Nutzbarkeit führt sie Bar­ri­ere­frei­heit sowie den Schutz des vorhan­de­nen Baumbe­stands als Argu­mente an.

Not­te­baum machte deut­lich, dass er sich auch per­sön­lich für die Asphalt­vari­ante ausspricht. Die Ver­wal­tung habe schon bei der Diskus­sion um den Ufer­weg am Lankow­er See diese Posi­tion vertreten. Die Erfahrung dort wertet der Dez­er­nent pos­i­tiv.

Projekt kommt nach Zippendorf

Einen Fehler räumt die Ver­wal­tung bei der Kom­mu­nika­tion ein. Während das Pro­jekt vor der Som­mer­pause in der Ort­steil­vertre­tung Mueß vorgestellt wor­den sei, habe die Ort­steil­vertre­tung Zip­pen­dorf nicht im gle­ichen Umfang Infor­ma­tio­nen erhal­ten.

„Das hat sich als Fehler erwiesen und sorgt jet­zt für Vor­be­halte, die wir sicher­lich hät­ten aus­räu­men kön­nen“, erk­lärte Not­te­baum. Am 26. August soll das Vorhaben deshalb in der Ort­steil­vertre­tung Zip­pen­dorf aus­führlich vorgestellt wer­den.

Mit dem Aus­bau soll eine Lücke zwis­chen dem 2022 errichteten Rad­weg ent­lang der Stör­wasser­straße und Mueßer Bucht sowie dem Rad­weg am Fran­zosen­weg und Zip­pen­dor­fer Strand geschlossen wer­den. Die Verbindung gehört zum rund 285 Kilo­me­ter lan­gen Res­i­den­zstädte-Rundweg.

Mecklenburgstraße wird Fahrradstraße

Par­al­lel bere­it­et Schw­erin ein wesentlich umfan­gre­icheres Pro­jekt in der Innen­stadt vor. Eben­falls im Okto­ber soll die Umgestal­tung der Meck­len­burgstraße zur Fahrrad­straße begin­nen. Die Arbeit­en zwis­chen Geschwis­ter-Scholl-Straße und Graf-Schack-Allee sind in acht Bauab­schnitte unterteilt und sollen bis März 2029 dauern.

Nach Angaben der Stadt hat­ten sich zehn Unternehmen an der Auss­chrei­bung beteiligt. Mit Anliegern wur­den bere­its Gespräche geführt. Auch das beauf­tragte Bau­un­ternehmen soll sich vor Beginn der jew­eili­gen Arbeit­en die örtlichen Bedin­gun­gen noch ein­mal anse­hen.

Eine jahre­lange Vollsper­rung der Meck­len­burgstraße soll es nicht geben. Gebaut wird abschnittsweise. Bere­iche, in denen ger­ade keine Arbeit­en stat­tfind­en, sollen grund­sät­zlich erre­ich­bar bleiben. Der läng­ste einzelne Bauab­schnitt soll nach Angaben der Ver­wal­tung etwa drei Monate dauern.

Auch Ret­tungs­di­en­ste, Feuer­wehr und Polizei sollen Grund­stücke in den Baustel­len­bere­ichen erre­ichen kön­nen. Für Handw­erk­er oder Umzüge sollen im Einzelfall Lösun­gen mit der Bau­fir­ma abges­timmt wer­den.

Radfahrer erhalten Vorrang

Nach Abschluss des Umbaus dür­fen Autos die Meck­len­burgstraße weit­er­hin nutzen. Als Fahrrad­straße wird sie jedoch in erster Lin­ie dem Rad­verkehr dienen. Rad­fahrer dür­fen nebeneinan­der fahren und die Fahrbahn entsprechend nutzen. Für Kraft­fahrzeuge bleibt Tem­po 30 beste­hen.

Um den Durch­gangsverkehr zu reduzieren, ist zwis­chen IHK-Gebäude und Geschwis­ter-Scholl-Straße eine gegen­läu­fige Ein­bahn­straßen­regelung vorge­se­hen. Rad­fahrer sollen den Bere­ich weit­er­hin in bei­de Rich­tun­gen befahren kön­nen. Im südlichen Abschnitt bleiben bere­its beste­hende Ein­schränkun­gen für den Autoverkehr beste­hen.

Deut­lich verän­dern wird sich die Park­si­t­u­a­tion. Statt bis­lang rund 150 Stellplätzen sollen nach dem Umbau noch 72 vorhan­den sein. Diese sollen nach den Pla­nun­gen Bewohn­ern mit entsprechen­dem Parkausweis zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Ver­wal­tung geht davon aus, dass die Zahl für die Anwohn­er aus­re­icht.

Grund­lage dafür seien frühere Erhe­bun­gen zur Nutzung der Stellplätze. Nach Angaben der Ver­wal­tung ent­fiel dabei unge­fähr die Hälfte der abgestell­ten Fahrzeuge auf Anwohn­er, die andere Hälfte auf andere Nutzer. Zudem habe die Zahl der soge­nan­nten Fremd­park­er seit der Coro­na-Zeit abgenom­men. Die Stadt geht davon aus, dass ein Teil kün­ftig auf die umliegen­den Parkhäuser auswe­ichen wird.

Fahrradboxen und Ladestationen geplant

Auf ein­er Straßen­seite sollen kün­ftig Park­plätze verbleiben, auf der anderen zusät­zliche Ange­bote für den Rad­verkehr entste­hen. Vorge­se­hen sind unter anderem Fahrrad­ab­stellmöglichkeit­en, Fahrrad­box­en beziehungsweise Fahrrad­häuser, Stellplätze für Las­ten­räder und Ladeange­bote.

Zwis­chen den Park­plätzen und der Fahrbahn ist außer­dem ein Sicher­heitsstreifen vorge­se­hen. Er soll das Risiko soge­nan­nter Door­ing-Unfälle reduzieren. Dabei stoßen Rad­fahrer mit Autotüren zusam­men, die unmit­tel­bar vor ihnen geöffnet wer­den.

Die Umgestal­tung ist Teil eines Bun­des­förder­pro­gramms für Kli­maschutz­maß­nah­men. Nach Angaben der Ver­wal­tung kon­nte Schw­erin das Pro­jekt in das Pro­gramm aufnehmen und damit För­der­mit­tel für den Umbau sich­ern.

Weitere Radprojekte in Vorbereitung

Die Meck­len­burgstraße ist nicht das let­zte größere Vorhaben im Schw­er­iner Rad­we­genetz. Als eines der näch­sten Pro­jek­te nen­nt die Ver­wal­tung die Sta­dion­brücke. Dort prüft die Stadt eine Brück­enkon­struk­tion aus Car­bon beziehungsweise car­bon­ver­stärk­ten Bauteilen.

Die Auss­chrei­bung dafür soll noch in diesem Jahr vor­bere­it­et wer­den. Der Baube­ginn ist nach bish­erigem Stand für das erste Hal­b­jahr vorge­se­hen. Im Zusam­men­hang mit dem Pro­jekt soll auch die Sta­dion­straße zur Fahrrad­straße wer­den.

Am Platz der Jugend laufen unter­dessen erste Pla­nun­gen für eine neue Ampelan­lage. Die Umset­zung ist nach Angaben der Ver­wal­tung für 2028 vorge­se­hen.

Damit ste­hen in Schw­erin in den kom­menden Jahren mehrere Ein­griffe in das Rad­we­genetz bevor. Während bei der Meck­len­burgstraße vor allem Verkehrs­führung, Bauzeit und weg­fal­l­ende Park­plätze disku­tiert wer­den dürften, bleibt beim Ufer­weg zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß die grund­sät­zliche Frage umstrit­ten, wie stark eine touris­tis­che Radroute in einen natur­na­hen Bere­ich ein­greifen darf.