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Projekt „SCHILDA“:
Schweriner Galerist will Hallendach als Kunstwerk retten

Ein Hallendach bei eBay Kleinanzeigen? Ein Schweriner Galerist sieht darin keine Schrottteile, sondern Kunst. Unter dem Projektnamen „SCHILDA“ sollen die Stahlträger ein zweites Leben erhalten.

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  • Veröffentlicht Juli 17, 2026

 

Radsporthalle Schwerin
Stephan Schrör vor der Schw­er­iner Hyparschale. Der Galerist möchte das nicht genutzte Stahltrag­w­erk der Rad­sporthalle als Kun­stin­stal­la­tion erhal­ten. Foto: Marc Eis­ing

 


In Kürze:

  • Galerist Stephan Schrör möchte das Stahltrag­w­erk der Schw­er­iner Rad­sporthalle vor der Ver­schrot­tung bewahren und als Kun­stin­stal­la­tion im Umfeld der Hyparschale präsen­tieren.
  • Aus­lös­er war ein Inser­at bei eBay Kleinanzeigen, in dem das Hal­len­dach nach dem Baustopp mit dem Hin­weis auf Nach­haltigkeit zum Verkauf ange­boten wurde.
  • Unter dem Arbeit­sti­tel „SCHILDA“ soll aus den markan­ten Stahlteilen ein Kun­st­pro­jekt entste­hen, das Baugeschichte, Ost­mod­erne und aktuelle Stad­ten­twick­lung miteinan­der verbindet 

 

Der Arbeit­sti­tel lautet „SCHILDA“ – ein augen­zwinkern­der Kom­men­tar auf das, was sich rund um die Schw­er­iner Rad­sporthalle abge­spielt hat. Es gibt Geschicht­en, die kann wohl nur das Leben schreiben. Oder eBay Kleinanzeigen. Während ander­norts alte Fahrräder, Kinder­wa­gen oder Garten­mö­bel den Besitzer wech­seln, stand dort vor weni­gen Tagen das kom­plette Stahltrag­w­erk der Schw­er­iner Rad­sporthalle zum Verkauf.

Nach­dem der ursprünglich mit dem Bau der Halle beauf­tragten Fir­ma der Auf­trag ent­zo­gen wor­den war, wurde das Dach kurz­er­hand im Inter­net ange­boten. In der Anzeige find­et sich ein bemerkenswert­er Satz: „Aus Grün­den der Nach­haltigkeit wäre es unser­er Mei­n­ung nach sehr zu begrüßen, wenn das Mate­r­i­al nicht ver­schrot­tet wer­den muss.“

Diesen Appell nahm aus­gerech­net ein Mann ernst, der beru­flich den Blick für das Beson­dere hat: Stephan Schrör, Galerist der FreshEg­gs­Gallery in der Schw­er­iner Hyparschale. Derzeit zeigt Schrör im Schw­er­iner Dom die viel beachtete Ausstel­lung über Krieg und Kriegspro­pa­gan­da. Was für andere lediglich aus­rang­ierte Stahlträger sind, sieht er mit den Augen eines Kun­stlieb­habers – und wit­tert darin das Poten­zial für eine außergewöhn­liche Instal­la­tion.

Vom Abrissmaterial zum „Ready-made“

„Ich habe die Anzeige zunächst aus Neugi­er geöffnet“, erzählt Schrör. „Doch schon nach den ersten Bildern war klar: Das ist kein Schrott. Das sind Skulp­turen.“ Wo andere nur ton­nen­schwere Stahlträger sehen, erken­nt der Kun­stlieb­haber eine mon­u­men­tale Freiluft­skulp­tur. „Mich begeis­tert die archais­che und skulp­turale Form dieser Bauteile. Das sind echte Ready-mades, ganz im Sinne von Mar­cel Duchamp. Ob bewusst geschaf­fen oder zufäl­lig ent­standen: Diese Objek­te besitzen eine unge­heure ästhetis­che Kraft.“

 


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Für Schrör liegt der beson­dere Reiz darin, die ehe­ma­li­gen Kon­struk­tion­se­le­mente der Rad­sporthalle kün­ftig im Umfeld der Hyparschale zu präsen­tieren. Schließlich stammt auch sie aus der Blütezeit der Ost­mod­erne. „Die Stahlteile wür­den sich her­vor­ra­gend in dieses architek­tonis­che Ensem­ble am Lam­brechts­grund ein­fü­gen. Sie erzählen dieselbe Geschichte von tech­nis­chem Opti­mis­mus, großem Gestal­tungswillen und den Visio­nen ein­er ganzen Epoche.“

Der Galerist geht in sein­er Inter­pre­ta­tion sog­ar noch einen Schritt weit­er. Manche der Bauteile erin­nerten ihn an überdi­men­sion­ierte Stem­pel oder Werkzeuge, wie sie der amerikanis­che Pop-Art-Kün­stler Claes Old­en­burg in mon­u­men­talem Maßstab geschaf­fen hat. Gle­ichzeit­ig wirk­ten sie auf ihn wie Mah­n­male ein­er aus dem Rud­er gelaufe­nen Baupoli­tik.

Mahnmale einer Baupolitik?

„Wenn diese riesi­gen Stahlkör­p­er heute nut­z­los auf einem Lager­platz liegen, erzählen sie plöt­zlich eine ganz andere Geschichte“, sagt er. „Sie wer­den zu Denkmälern ein­er Entwick­lung, bei der enorme Sum­men ver­baut wur­den und am Ende doch der Abriss ste­ht. Das hat eine unge­heure Sym­bol­kraft.“ Auch die mas­siv­en, von Rost geze­ich­neten Stahlplat­ten weck­en kun­sthis­torische Erin­nerun­gen. „Sie erin­nern mich sofort an die Arbeit­en von Richard Ser­ra. Diese Wuchtigkeit, diese Mate­ri­al­ität, die schiere Präsenz. Das hat eine enorme Wirkung. Natür­lich ist das hier keine Kun­st im klas­sis­chen Sinne. Aber genau das macht den Reiz aus.“

Aus der spon­ta­nen Begeis­terung ist inzwis­chen ein konkretes Vorhaben gewor­den. Nach Angaben von Stephan Schrör wurde bere­its Kon­takt mit der Fir­ma in Wit­ten­berge aufgenom­men, die das Mate­r­i­al derzeit anbi­etet. Ziel sei es, möglichst viele der markan­ten Stahlteile zu erwer­ben und sie vor der Schrott­presse zu bewahren. „Diese Zeug­nisse der Zeit­geschichte gehören nicht in den Hochofen. Sie haben das Poten­zial, ein neuer Ort für Kun­st und Diskus­sion zu wer­den. Man muss sie nur mit anderen Augen betra­cht­en.“

Projekt „SCHILDA“

Ob aus dem ehe­ma­li­gen Hal­len­dach tat­säch­lich eine Kun­stin­stal­la­tion wird, ist noch offen. Die Gespräche über den Ankauf der Stahlkon­struk­tion laufen im Moment. Gelingt das Vorhaben, kön­nten die ton­nen­schw­eren Träger schon bald eine zweite Kar­riere antreten, nicht mehr als Dachkon­struk­tion ein­er Sporthalle, son­dern als mon­u­men­tale Skulp­turen im Umfeld der Hyparschale.

Ob die Stahlkolosse tat­säch­lich ihren Platz am Lam­brechts­grund find­en, wird sich in den kom­menden Wochen entschei­den. Sich­er ist schon jet­zt: Das Pro­jekt „SCHILDA“ sorgt für Gesprächsstoff. Und vielle­icht wird aus­gerech­net das Dach ein­er Rad­sporthalle am Ende zu dem, was es ursprünglich nie sein sollte, ein Kunst­werk.