Sozialministerium kündigt Reformen an:
Rechnungshof warnt vor steigenden Sozialausgaben
Der Rechnungshof in Mecklenburg-Vorpommern fordert Reformen bei den Sozialausgaben. Die Kosten könnten bis 2030 auf über eine Milliarde Euro steigen.

Der Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern fordert angesichts stark wachsender Sozialausgaben umfassende Reformen und eine bessere Steuerung der Eingliederungshilfe. In einem Sonderprüfbericht kritisiert die Behörde die Entwicklung der Kosten und sieht erheblichen Handlungsbedarf bei Land und Kommunen.
Nach Angaben des Rechnungshofs sind im Landeshaushalt von Mecklenburg-Vorpommern für das Jahr 2026 rund 736 Millionen Euro für Sozial- und Eingliederungshilfe eingeplant. Bereits 2027 sollen die Ausgaben auf rund 809 Millionen Euro steigen. Für das Jahr 2030 wird erstmals mit Kosten von mehr als einer Milliarde Euro gerechnet.
Rechnungshof fordert schnelles Gegensteuern
Rechnungshof-Präsidentin Martina Johannsen erklärte, die gesetzlichen Rahmenbedingungen würden zwar überwiegend durch den Bund vorgegeben, dennoch müsse das Land schneller handeln. Mecklenburg-Vorpommern könne es sich angesichts der dynamischen Kostenentwicklung nicht leisten, allein auf bundespolitische Änderungen zu warten.
Die Prüfung habe gezeigt, dass insbesondere die Organisation der Eingliederungshilfe im Land verbessert werden könne. Der Rechnungshof empfiehlt deshalb, Modelle anderer Bundesländer zu analysieren und die eigenen Strukturen grundlegend zu überarbeiten.
Große Unterschiede zwischen den Kommunen
Kritisch sieht der Rechnungshof auch die teils erheblichen Unterschiede zwischen einzelnen Kommunen. Mecklenburg-Vorpommern habe bundesweit die höchste Zahl an Empfängern von Eingliederungshilfe. Die Abweichungen innerhalb des Landes ließen sich nicht allein durch Einwohnerzahlen erklären.
Aus Sicht der Prüfer sollte die Landesregierung deshalb genauer untersuchen, warum einzelne Regionen deutlich höhere Ausgaben aufweisen als andere.
Sozialministerium kündigt Maßnahmen an
Das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern reagierte auf die Kritik mit dem Hinweis auf bereits laufende Maßnahmen. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) erklärte, ihr Ministerium arbeite seit Monaten an einer besseren Steuerung der Kostenentwicklung.
Unter anderem sei eine „Task Force Soziales“ eingerichtet worden. Gemeinsam mit den Kommunen solle dort mehr Transparenz geschaffen und nach Einsparmöglichkeiten gesucht werden. Parallel liefen Gespräche mit Wohlfahrtsverbänden und weiteren Akteuren der Sozialwirtschaft.
Nach Angaben der Ministerin gehe es vor allem um mehr Einheitlichkeit, effizientere Abläufe und weniger Bürokratie.
Debatte über langfristige Finanzierbarkeit
Die Diskussion über die Sozialausgaben dürfte das Land auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Angesichts der steigenden Kosten warnen Experten zunehmend vor Belastungen für die öffentlichen Haushalte und fordern langfristige Strukturreformen.




