Lokale Wirtschaft:
Red Rebane beendet Taschenproduktion in Schwerin
Nach 14 Jahren stellt Red Rebane die Taschenproduktion in Schwerin ein. Das Unternehmen nennt hohe Kosten und Fachkräftemangel. Wirtschaftsdaten zeigen ähnliche Probleme in Westmecklenburg.

In Kürze:
- Red Rebane beendet nach 14 Jahren die Taschen- und Rucksackproduktion; das Insolvenzverfahren über die GmbH wurde am 1. August eröffnet.
- Das Unternehmen nennt Material‑, Energie- und Lohnkosten sowie Fachkräftemangel als wesentliche Belastungen. IHK-Daten zeigen ähnliche Probleme in der regionalen Wirtschaft.
- Bootsplanen und Persenningen sowie Easy EXO sollen weitergeführt werden; neue Red-Rebane-Taschen werden nicht mehr produziert.
Die Taschenmarke Red Rebane beendet nach 14 Jahren die Produktion von Taschen und Rucksäcken in Schwerin. Die Red Rebane GmbH befindet sich im Insolvenzverfahren. Das Unternehmen begründet das Ende der Fertigung vor allem mit Material‑, Energie- und Lohnkosten sowie Fachkräftemangel.
Das Insolvenzverfahren über die Red Rebane GmbH wurde am 1. August 2026 vom Amtsgericht Schwerin eröffnet. Als Insolvenzgrund wird Zahlungsunfähigkeit genannt.
Auf einer eigenen Internetseite beschreibt Red Rebane die Entwicklung der vergangenen Jahre. Man habe neue Mitarbeiter gesucht, Prozesse verändert und verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, die Produktion wirtschaftlich fortzuführen. Letztlich sei das bisherige Geschäftsmodell unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr tragfähig gewesen.
Damit endet eine Produktion, die eng mit dem Standort verbunden war. 2012 begann die Geschichte von Red Rebane. Seitdem verließen nach Angaben des Unternehmens Tausende Taschen und Rucksäcke die Werkstatt. Die Marke wurde nach eigener Darstellung auch über Deutschland hinaus bekannt. Zeitweise beschäftigte das Unternehmen zehn Mitarbeiter. Zum Schluss waren es vier.
Was hinter dem Produktionsstopp steckt
Einen einzelnen Auslöser für das Ende nennt Red Rebane nicht. Vielmehr beschreibt das Unternehmen eine Kombination verschiedener Belastungen. Materialkosten, Energiepreise und Löhne hätten die Fertigung verteuert, zugleich sei es immer schwieriger geworden, geeignete Fachkräfte zu finden.
Gerade für eine Manufaktur ist Personal ein entscheidender Faktor. Taschen und Rucksäcke wurden nicht als anonyme Massenware gehandelt, sondern vor Ort gefertigt. Fehlen dafür qualifizierte Beschäftigte oder steigen die Kosten der arbeitsintensiven Produktion, wirkt sich dies unmittelbar auf das Geschäftsmodell aus.
Red Rebane selbst schreibt, lange um die Fortführung gekämpft zu haben. Neue Mitarbeiter seien gesucht und Arbeitsabläufe verändert worden. Diese Maßnahmen hätten letztlich nicht ausgereicht.
Mitgründer Christian Karius beschreibt die Situation gegenüber dem „Nordkurier“ so: „Leider war die Herstellung unserer Taschen und Rucksäcke in Deutschland unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr möglich. Deshalb mussten wir die Produktion einstellen.“ Auch habe man in der Coronazeit Kredite aufnehmen müssen, die nun fällig geworden seien.
Ein schwieriges Umfeld für Unternehmen
Die von Red Rebane genannten Belastungen sind nicht auf die Taschenmanufaktur beschränkt. Aktuelle Daten der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin zeigen, dass Unternehmen in Westmecklenburg mit mehreren ähnlichen Problemen kämpfen.
Der Konjunkturklimaindex der IHK sank im Frühsommer 2026 gegenüber dem Jahresbeginn um 9,3 Punkte auf 80,1 Punkte. Nur sieben Prozent der befragten Unternehmen erwarteten für die kommenden Monate eine bessere Geschäftslage. 47 Prozent gingen dagegen von einer Verschlechterung aus.
Auch die Kosten bleiben ein wichtiges Thema. 64 Prozent der befragten Unternehmen bezeichneten Energiepreise als Geschäftsrisiko. Bei den Arbeitskosten spricht die IHK von einer deutlichen Mehrheit der Unternehmen, die diese als zu hoch bewertet.
Hinzu kommen schwache Nachfrage und Personalprobleme. Damit treffen mehrere Faktoren, die Red Rebane für die eigene Entwicklung nennt, auch andere Betriebe in der Region.
Die IHK-Daten erklären allerdings nicht die Insolvenz von Red Rebane. Sie zeigen lediglich, in welchem wirtschaftlichen Umfeld das Unternehmen zuletzt produzierte. Welche Belastung im konkreten Fall den größten Anteil hatte, lässt sich ohne Einblick in die Geschäftszahlen nicht bestimmen.
Strompreise zeigen ein differenziertes Bild
Bei den von Red Rebane genannten Energiekosten lohnt sich eine genauere Betrachtung. Bundesweite Daten zeigen nicht einfach eine kontinuierliche Verteuerung von Strom.
Nach dem Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt lag der durchschnittliche Strompreis 2025 für Industriekunden mit einem Jahresverbrauch zwischen 160.000 und 20 Millionen Kilowattstunden bei 18,31 Cent je Kilowattstunde. 2024 waren es 17,09 Cent.
Im längerfristigen Vergleich relativiert sich der Anstieg. 2019 lag der Wert für diese Verbrauchsgruppe bei 18,43 Cent je Kilowattstunde und damit leicht über dem Niveau von 2025. Im Jahr 2021 waren es 21,38 Cent.
Für Red Rebane lässt sich daraus allerdings keine konkrete Kostenentwicklung ableiten. Es ist nicht bekannt, ob der Betrieb aufgrund seines Verbrauchs überhaupt in diese Kategorie fällt. Auch Angaben zum Energieverbrauch, zu Lieferverträgen und zum Anteil der Energiekosten an den gesamten Produktionskosten liegen nicht öffentlich vor.
Fachkräfte bleiben ein Problem
Beim zweiten großen Thema, dem Personal, zeigen auch die Wirtschaftsdaten Belastungen. Bereits zu Jahresbeginn 2026 bezeichneten Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern Arbeitskosten besonders häufig als Geschäftsrisiko.
Nach der gemeinsamen Konjunkturumfrage der drei Industrie- und Handelskammern des Landes nannten 63 Prozent der antwortenden Unternehmen die Arbeitskosten als ernsthafte Belastung für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung. Energie- und Rohstoffpreise folgten mit 59 Prozent.
Die Umfrage ist nicht direkt mit der Situation bei Red Rebane gleichzusetzen. Sie umfasst Unternehmen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und unterschiedlichen Branchen. Sie zeigt aber, dass die vom Schweriner Unternehmen genannten Kostenprobleme auch andernorts eine Rolle spielen.
Was von Red Rebane bleibt
Die Einstellung der Taschen- und Rucksackproduktion bedeutet nicht das Ende aller Aktivitäten der Gründer. Der Bereich Bootsverdecke und Persenningen besteht bereits seit mehreren Jahren und soll künftig stärker in den Mittelpunkt rücken.
Der Schwerpunkt liegt nach Unternehmensangaben auf der Anfertigung, Reparatur und Änderung von Persenningen für Boote. Auch Easy EXO soll weiterhin in Deutschland hergestellt, weiterentwickelt und vertrieben werden.
Einige Red-Rebane-Produkte bleiben zunächst ebenfalls erhältlich. Restbestände sollen im Kreativ Kaufhaus im Klöresgang in Schwerin verkauft werden.
Für Besitzer bereits gekaufter Taschen gibt es allerdings eine Einschränkung: Reparaturen kann Red Rebane nach eigenen Angaben nicht mehr anbieten. Das Unternehmen begründet dies damit, dass die GmbH nicht mehr bestehe und entsprechendes Fachpersonal nicht mehr beschäftigt werde. Kunden werden für Reparaturen unter anderem an Schuster, Sattler und Änderungsschneidereien verwiesen.
Nach 14 Jahren endet damit der Teil des Unternehmens, mit dem Red Rebane in Schwerin bekannt geworden ist. Die öffentlich zugänglichen Angaben zeigen mehrere Belastungen gleichzeitig – von Produktionskosten über fehlende Fachkräfte bis zu einem insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Welcher Faktor letztlich den Ausschlag für die Zahlungsunfähigkeit gab, lässt sich ohne die Unternehmenszahlen nicht beantworten.


