Neuer Rewe in Schwerin:
Was an der Möwenburgstraße geplant ist
An der Möwenburgstraße in Schwerin soll ein neuer Rewe entstehen. Dafür müssen Gebäude weichen. Der Markt im Hanse-Center soll an den neuen Standort umziehen.

In Kürze:
- Der Plan: Der Rewe-Markt im Hanse-Center soll rund 100 Meter weiter an die Möwenburgstraße ziehen und dort auf knapp 2.000 Quadratmeter Verkaufsfläche wachsen.
- Die Auswirkungen: Bestehende Gewerbebebauung soll abgerissen werden. Gutachten beschäftigen sich unter anderem mit zusätzlichem Verkehr, Lärmschutz, Altlasten und Artenschutz.
- Die Beteiligung: Vom 27. Juli bis 6. September können Bürger die Planungsunterlagen einsehen und Stellungnahmen zum Vorhaben abgeben.
An der Möwenburgstraße in Schwerin soll ein neuer Lebensmittelmarkt entstehen. Dafür soll ein großer Teil der bestehenden Gewerbebebauung auf dem rund 1,35 Hektar großen Areal nördlich des Hanse-Centers abgerissen werden. Geplant ist dort ein Rewe-Markt mit rund 1.985 Quadratmetern Verkaufsfläche.
Dabei handelt es sich nach den aktuellen Planungsunterlagen nicht um eine zusätzliche Rewe-Filiale. Der bestehende Markt im nahe gelegenen Hanse-Center soll an die Möwenburgstraße verlagert werden. Er verfügt derzeit über rund 1.680 Quadratmeter Verkaufsfläche und würde am neuen Standort damit um gut 300 Quadratmeter wachsen.
Als Grund für den Neubau nennen die Unterlagen unter anderem fehlende Erweiterungsmöglichkeiten im Hanse-Center. Zugleich ist die Einwohnerzahl der Werdervorstadt in den vergangenen Jahren gestiegen. Zwischen 2017 und 2022 kamen nach Angaben der Stadt 1.062 Einwohner hinzu, auch 2023 und 2024 setzte sich das Wachstum fort.
Der geplante Standort liegt nur rund 100 Meter nördlich des Hanse-Centers. Mit dem Neubau soll die Nahversorgung in der Werdervorstadt ausgebaut werden. Wann der bisherige Markt umzieht und wann mit Abriss und Neubau begonnen wird, geht aus den bislang vorliegenden Unterlagen noch nicht verbindlich hervor.
Neuer Rewe mit knapp 2.000 Quadratmetern
Der Neubau soll als Lebensmittelvollsortimenter entstehen. Die Verkaufsfläche wird auf rund 1.985 Quadratmeter begrenzt. Davon dürfen höchstens 200 Quadratmeter auf sogenannte Randsortimente entfallen – also Waren, die nicht zum eigentlichen Schwerpunkt des Lebensmittelmarktes gehören.
Der aktuelle städtebauliche Entwurf sieht das Marktgebäude im südlichen Teil des Grundstücks vor. Davor soll in Richtung Möwenburgstraße die Stellplatzanlage entstehen. Zwischen den Parkplatzreihen sind Bäume vorgesehen. Die Hauptzufahrt soll direkt von der Möwenburgstraße erfolgen, zusätzlich ist eine Verbindung über die Hansestraße geplant.
Bevor gebaut werden kann, muss auf dem Gelände Platz geschaffen werden. Der vorhandene Gebäudebestand im zentralen Bereich des Plangebietes soll abgerissen werden. Wegen möglicher Quartiere von Fledermäusen und Nistplätzen von Vögeln gelten dafür artenschutzrechtliche Vorgaben.
Mehr Verkehr auf der Möwenburgstraße
Mit dem neuen Markt wird auch mehr Verkehr erwartet. Die Planung geht von 111 Kundenstellplätzen aus. Das Verkehrsgutachten rechnet bei einer vollständigen Erschließung über die Möwenburgstraße mit einer Steigerung des dortigen Verkehrsaufkommens um rund 11,3 Prozent.
Nach Berechnungen der Gutachter soll das Straßennetz den zusätzlichen Verkehr dennoch bewältigen können. Für den untersuchten Knotenpunkt wird auch für den Prognosehorizont 2035 die Verkehrsqualitätsstufe A erwartet. Die vorhandene mittlere Fahrspur der Möwenburgstraße könnte zudem für einen Linksabbieger zum Markt angepasst werden.
Lärmschutz setzt dem Betrieb Grenzen
Für die Anwohner dürfte vor allem das aktuelle Lärmgutachten interessant sein. Darin wurde zunächst ein Betrieb des Marktes von 6 bis 23 Uhr untersucht. Außerdem gingen die Gutachter von Warenanlieferungen aus, die teilweise bereits vor 6 Uhr stattfinden würden.
Bei diesem Betriebsmodell würden die maßgeblichen Richtwerte nachts an allen untersuchten Punkten überschritten. Die Berechnungen ergeben Überschreitungen zwischen zwei und 14 Dezibel. Tagsüber werden die Richtwerte dagegen überwiegend eingehalten; an einem untersuchten Wohnstandort wird der entsprechende Wert um zwei Dezibel überschritten.
Die Gutachter nennen deshalb mehrere Maßnahmen, mit denen sich die Vorgaben einhalten lassen. Dazu gehören eine Öffnungszeit zwischen 6 und 22 Uhr, keine Warenanlieferung während der Nacht, lärmarme Einkaufswagen und eine eingehauste Sammelstelle für Einkaufswagen. Auch die Geräusche der Wärmepumpen müssten begrenzt werden.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Rewe später tatsächlich von 6 bis 22 Uhr öffnen wird. Das Gutachten beschreibt vielmehr ein Betriebsmodell und die Maßnahmen, unter denen die maßgeblichen Lärmwerte eingehalten werden können.
Dachbegrünung und Photovoltaik geplant
Auch zum Gebäude selbst enthalten die Unterlagen inzwischen konkrete Angaben. Das Dach soll begrünt und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Für die Wärmeversorgung sind Wärmepumpen und die Nutzung der Abwärme aus den Kälteanlagen vorgesehen. Fossile Energieträger sollen nicht eingesetzt werden.
Obwohl auf dem Grundstück ein großer Lebensmittelmarkt mit Parkplatz entstehen soll, soll anschließend etwas weniger Fläche versiegelt sein als heute. Nach den Berechnungen zum Bebauungsplan wären es rund 325 Quadratmeter weniger. Möglich wird das, weil das Gewerbeareal bereits heute zu einem großen Teil bebaut oder anderweitig versiegelt ist.
Im östlichen Teil des Areals ist außerdem eine öffentliche Grünfläche vorgesehen. Dort könnte künftig eine Sport- und Spielfläche für Jugendliche entstehen. Eine konkrete Planung dafür gibt es nach Angaben im Umweltbericht allerdings noch nicht.
Fledermäuse und Vögel müssen geschützt werden
Der geplante Abriss der vorhandenen Gebäude ist auch für den Artenschutz von Bedeutung. Nach den Untersuchungen kommen bestehende Gebäudestrukturen als Quartiere für Fledermäuse und als Nistplätze für Vögel infrage.
Deshalb sind Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen. Der Umweltbericht nennt unter anderem Nisthilfen für Brutvögel und Fledermäuse am künftigen Marktgebäude. Auch vorhandene Bäume auf der östlichen Grünfläche sollen möglichst erhalten und in die weitere Planung integriert werden. Zusätzlich sind 36 neue standortgerechte Bäume vorgesehen.
Frühere Nutzung hinterlässt Spuren im Boden
Ein weiterer Punkt betrifft die Geschichte des Grundstücks. Das Gelände wurde früher unter anderem für Garagen, Lagerräume und Gewerbe genutzt. In der Vergangenheit befanden sich in diesem Bereich zudem Kasernen. Die Untere Bodenschutzbehörde hat das Grundstück deshalb als altlastverdächtige Fläche mit geringem Altlastenbefund eingestuft.
Die detaillierte Untersuchung sieht darin jedoch kein grundsätzliches Hindernis für den Neubau. Die festgestellten Schadstoffbelastungen seien vergleichsweise gering und örtlich begrenzt. Einen generellen Sanierungsbedarf leiten die Gutachter daraus nicht ab. Punktuell belastetes Material soll jedoch im Zuge der Bauarbeiten behandelt beziehungsweise ausgehoben und entsorgt werden. Die Erd- und Tiefbauarbeiten sollen fachlich begleitet werden.
Auch eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung ist nach Einschätzung der zuständigen Stelle nicht erforderlich. Die Vorprüfung kommt zu dem Ergebnis, dass durch Bau und Betrieb des Marktes keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten seien.
Was passiert im Hanse-Center?
Mit dem geplanten Umzug stellt sich zugleich eine weitere Frage: Was passiert mit der bisherigen Rewe-Fläche im Hanse-Center? Die aktuellen Planungsunterlagen sprechen eindeutig von einer Verlagerung des bestehenden Marktes. Damit unterscheiden sie sich in einem entscheidenden Punkt von der bisherig immer mal wieder geannten Darstellung, wonach beide Rewe-Standorte künftig nebeneinander bestehen könnten.
Zumindest die zugrunde liegende Einzelhandelsuntersuchung enthält Hinweise auf eine mögliche Nachnutzung. Darin wird erwähnt, dass Aldi im Hanse-Center perspektivisch eine Erweiterung auf mehr als 1.000 Quadratmeter Verkaufsfläche anstrebte. Die Untersuchung stammt allerdings aus dem Jahr 2021. Ob diese Überlegungen 2026 noch aktuell sind und was konkret mit der heutigen Rewe-Fläche geschehen soll, lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Gutachter erwarten durch die Verlagerung keine erheblichen Folgen für andere Einzelhandelsstandorte in Schwerin. Für das gesamte untersuchte Einzugsgebiet wurde eine Umsatzumverteilung von maximal drei bis vier Prozent errechnet, für die Schweriner Innenstadt von höchstens rund einem Prozent. Auch diese Berechnungen beruhen allerdings auf der älteren Einzelhandelsanalyse und bilden damit nicht zwangsläufig die heutige Wettbewerbssituation vollständig ab.
Bürger können sich zu den Plänen äußern
Bevor das Planverfahren abgeschlossen wird, können sich auch die Schwerinerinnen und Schweriner mit den Unterlagen beschäftigen und Stellungnahmen abgeben. Die Entwürfe für die Änderung des Flächennutzungsplans und den Bebauungsplan Nr. 124 „Nahversorger Möwenburgstraße“ werden vom 27. Juli bis einschließlich 6. September 2026 öffentlich ausgelegt.
In diesem Zeitraum können die Entwürfe samt Fachgutachten über die Beteiligungsseite der Landeshauptstadt Schwerin sowie über den Bauleitplanserver des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingesehen werden. Zusätzlich liegen die Unterlagen während der allgemeinen Öffnungszeiten in der Stadtverwaltung am Packhof 2–6 im Rondell der vierten Etage aus.
Bis zum Ende der Auslegungsfrist können Bürger Stellungnahmen zur Planung einreichen. Die eingegangenen Einwände und Anregungen werden anschließend im weiteren Verfahren behandelt. Nach Angaben der Stadt können verspätet eingereichte Stellungnahmen bei der späteren Beschlussfassung unberücksichtigt bleiben.
Die Planung an der Möwenburgstraße ist damit inzwischen deutlich konkreter als noch vor einem Jahr. Bevor das Verfahren abgeschlossen werden kann, folgt nun zunächst die öffentliche Beteiligung. Offen bleibt zudem, wann die bestehende Gewerbebebauung tatsächlich abgerissen wird, wann der Neubau startet und zu welchem Zeitpunkt der Rewe-Markt aus dem Hanse-Center an seinen neuen Standort ziehen könnte.




