Rückenschmerzen den Kampf ansagen

Rückenschmerzen dürften gerade auch in der Corona-Pandemie und der mit ihr verbundenen Home-Office-Phase in vielen Haushalten ein ungeladener "Mitbewohner" sein. Aber auch ohne Home-Office ist diese Volkskrankheit omnipräsent.

Rückenschmerzen sind längst zu einer Volkskrankheit geworden. | Foto: Jack Wiliams

Stundenlanges Sitzen im Büro oder gerade im Rahmend er Corona-Pandemie im Home-Office, schwere Geräte auf der Baustelle tragen oder häufiges Bücken beim Putzen – während der Arbeit und im Alltag hat es der Rücken oft nicht leicht. Viele Menschen leiden deshalb regelmäßig unter Kreuzschmerzen. „Da sich eine Menge dieser Belastungen nicht vermeiden lassen, empfehlen sich als Ausgleich präventive Maßnahmen. Und wer bereits Beschwerden hat, kann dadurch verhindern, dass diese chronisch werden“, weiß Dr. med. Jason Perrin, Leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim.

 

Stärken statt schonen

Um Rückenbeschwerden zu verhindern, braucht es vor allem Bewegung. Zu den am besten geeigneten Sportarten zählen unter anderem Yoga, Radfahren, Schwimmen, Joggen und Walken. Als besonders wirksam erweisen sich auch gezielte Kräftigungsübungen, die die Rücken- und Bauchmuskeln trainieren und so den Rumpf stabilisieren. Regelmäßige Dehnübungen sowie Wärme lockern ebenfalls die Muskeln und verhindern Verspannungen. Präventiv sollten einseitige oder falsche Haltungen sowie Belastungen vermieden werden. „Beispielsweise empfiehlt es sich, die Position beim Sitzen öfter zu wechseln, Gegenstände mit geradem Rücken und aus den Beinen heraus anzuheben sowie Rucksäcke statt Umhängetaschen zu nutzen“, betont Dr. Perrin.

 

Gezielte Behandlung

Liegen bereits lang anhaltende oder wiederkehrende Rückenleiden vor, gilt es die Ursache zu ermitteln. Oft vermuten Betroffene einen Bandscheibenvorfall, obwohl auch das Iliosakralgelenk, kurz ISG, häufig Beschwerden im unteren Rücken auslöst. „Es befindet sich zwischen dem Kreuz- und Darmbein und blockiert bei einigen Menschen beispielsweise aufgrund von Fehlhaltungen, Stürzen, Verschleißerscheinungen oder Schwangerschaften. Bei Betroffenen erzeugen bereits leichte Bewegungen wie Aufstehen, Sich-Bücken oder Schuhe-Zubinden Schmerzen“, erklärt Dr. Perrin. Um das ISG als Übeltäter zu identifizieren, führen Fachärzte sogenannte Provokationstests sowie bildgebende Verfahren durch. Bestätigt die Untersuchung den Verdacht, helfen konservative Methoden wie Physiotherapien, Akupunktur und Wärmebehandlungen.

 

Beweglichkeit zurückgewinnen

Verschaffen konservative Maßnahmen nicht die gewünschte Schmerzlinderung, raten Experten zu einem ungefähr 30-minütigen chirurgischen Eingriff, bei dem drei kleine iFuse-Implantate eingesetzt werden. Diese führen Fachärzte seitlich von Becken durch das Kreuz-Darmbeingelenk ein. „Dank ihrer porösen Oberflächenbeschaffenheit verwachsen die Titan-Implantate mit dem umliegenden Knochen und sorgen so für mehr Stabilität. Im Vergleich zur klassischen ISG-Schraube ermöglicht die dreieckige Form der iFuse-Implantate außerdem einen wesentlich höheren Rotationswiderstand“, weiß Dr. Perrin. Patienten nehmen meist schon nach kurzer Zeit ihren Alltag wieder auf. Krankenkassen tragen in der Regel die Kosten für die Behandlung.

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