Schlachtermarkt: ASK befürchtet Zerstörung historischer Funde

Mit einem Dringlichkeitsantrag zur heutigen Sitzung der Stadtvertretung möchte die ASK, dass die im Moment stattfindenden archäologischen und wissenschaftlichen Untersuchungen ausgedehnt und über die bisherige Planung hinaus verlängert werden.

Bauarbeiten am Schlachtermarkt
Foto: Stephan Martini

Im November haben die Bauarbeiten am Schlachtermarkt begonnen. Für die heutige Sitzung der Stadtvertretung hat der Stadtvertreter Karsten Jagau (ASK) nun einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Karsten Jagau befürchtet, dass im Zuge der Bauarbeiten historische Funde der Schweriner Stadtgeschichte zerstört werden könnten. 

 

Latrinen und Holzfass gefunden

 

Derzeit finden die pflichtgemäßen archäologischen Untersuchungen mit geringer Grabungstiefe und in kleinen Bereichen auf dem Schweriner Schlachtermarkt statt. Schon jetzt wurden in den Bereichen, in denen später neue Bäume gepflanzt werden sollen, Latrinen gefunden, die höchstwahrscheinlich mehrere Jahrhunderte alt sind. Auch ein Holzfass, dass mehrere hundert Jahre alt sein könnte, wurde bei den Grabungen gefunden. Im Gespräch mit der Bauleitung will die Aktion Stadt- und Kulturschutz (ASK) nun in Erfahrung gebracht haben, dass keine Untersuchungen in tiefer gelegten Schichten geben soll. Die derzeitige Grabung beträgt etwa 1,5 Meter in die Tiefe. Vorgesehen ist am Ende eine Tiefe von 3,60 Metern. 

„Da Latrinen bis zu drei Meter Höhe aufweisen können, müssen die Grabungen auf dem Platz bis in die Tiefe von 3,60 Metern erweitert werden. Ansonsten besteht die große Gefahr, dass wichtige stadthistorische Funde und geschichtliche Belege unserer Stadt verloren gehen.“, heißt es im Antrag von Karsten Jagau. 

Die Stadtverwaltung war immer davon ausgegangen, dass mit den letzten Bauarbeiten in den 1980‘er Jahren umfängliche Bodenprüfungen stattgefunden hätten. Das bezweifelt die ASK angesichts der nun aufgetauchten Fundstücke. 

„Es muss auch in tieferen Erdschichten zumindest bis zur maximalen geplanten Bau Tiefe (4 Meter) nun zwingend genauer hingesehen werden. Alles andere birgt die absolute Gefahr historische Funde im Rahmen der Baumaßnahmen zu zerstören“, sagt ASK-Geschäftsführer Stephan Martini.

 

Vermutlich ältester Handelsplatz der Stadt

 

Der heutige Schlachtermarkt ist der vermutlich älteste Handels-Platz der Stadt und bis in die Neuzeit hinein ein zentraler Marktplatz Schwerins. Auf Höhe des Restaurants „Adria“ befand sich einst ein Hinrichtungsplatz. An der Häuserfront, stand schon damals das Rathaus. „Im Bereich der Fundamente sind ebenfalls wertvolle Funde zu erwarten.“, vermutet der ASK-Stadtvertreter.

Noch bis Mitte Dezember soll der Boden untersucht werden. Daraus ergibt sich für die ASK ein schneller Handlungsbedarf. „Es bedarf einer schnellen Entscheidung, da sonst wichtige historische und geschichtliche Zeugnisse verloren zu gehen drohen. Die geplante Bautiefe liegt deutlich tiefer als die Tiefe in der jetzt schon Funde gemacht wurden.“, heißt es im Dringlichkeitsantrag. 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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