Sicherheit in Schwerin:
Wie sicher ist der Schlachtermarkt nachts? Das sagen die Polizeizahlen
Nach mehreren Gewalttaten am Wochenende steht der Schlachtermarkt in Schwerin im Fokus. Polizeizahlen zeigen viele Einsätze. Bei Körperverletzungen sieht die Polizei bislang aber keinen Schwerpunkt.

In Kürze:
- Am Markt und Schlachtermarkt registrierte die Polizei von Januar bis Juli 2026 insgesamt 163 Einsätze. Sieben Anzeigen betrafen Körperverletzungen oder gefährliche Körperverletzungen.
- Einen besonderen Schwerpunkt bei Körperverletzungsdelikten sieht die Polizei bislang nicht. Auffällig sind dagegen unter anderem zahlreiche Einsätze wegen Lärms.
- Die Sicherheitslage beschäftigt bereits die Schweriner Stadtpolitik. Eine genauere Analyse soll unter anderem Art und zeitliche Verteilung der Vorfälle untersuchen.
Am Schlachtermarkt in Schwerin ist es am vergangenen Wochenende innerhalb weniger Stunden zu mehreren Polizeieinsätzen wegen körperlicher Auseinandersetzungen gekommen. Besonders schwer war ein Vorfall am Samstagabend gegen 23 Uhr: Drei Männer erlitten Schnitt- beziehungsweise Stichverletzungen und mussten im Klinikum behandelt werden. Die Ereignisse werfen erneut die Frage auf, wie sicher der Schlachtermarkt nachts ist.
Zwischen 23 und 3 Uhr registrierte die Polizei in der Innenstadt, insbesondere am Schlachtermarkt und am benachbarten Marktplatz, mehrere körperliche Übergriffe. Insgesamt nahm sie vier Strafanzeigen und eine Ordnungswidrigkeitenanzeige auf. Die beteiligten Tatverdächtigen und Geschädigten waren nach Polizeiangaben zwischen 18 und 31 Jahre alt und algerischer, tunesischer beziehungsweise syrischer Staatsangehörigkeit.
Die Polizei warnt allerdings davor, aus den Ereignissen des Wochenendes auf einen generellen Schwerpunkt bei Gewaltdelikten zu schließen. Zwar seien Marktplatz und Schlachtermarkt wegen wiederkehrender Ordnungswidrigkeiten als polizeilicher Schwerpunkt anzusehen. „Ein entsprechender Schwerpunkt bei Körperverletzungsdelikten lässt sich anhand der vorliegenden Einsatz- und Fallzahlen bislang nicht feststellen“, teilte die Polizei auf Anfrage von SNO mit.
Die Zahlen zeigen dennoch, dass die Polizei regelmäßig in dem Bereich tätig wird. Von Januar bis einschließlich Juli 2026 wurden am Markt und Schlachtermarkt insgesamt 163 Polizeieinsätze registriert. In 54 Fällen nahm die Polizei Straftaten auf. Sieben Anzeigen betrafen Körperverletzungen oder gefährliche Körperverletzungen.
Schlachtermarkt: 163 Polizeieinsätze bis Juli
Der größte Teil der Einsätze hatte andere Ursachen. 109 der insgesamt 163 Einsätze entfielen nach Angaben der Polizei auf Gefahrenabwehr, Verkehrsunfälle oder die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Allein wegen unzulässigen Lärms rückte die Polizei in diesem Jahr bis Ende Juli 45-mal aus.
Auch die Zahlen der beiden Vorjahre zeigen, dass Markt und Schlachtermarkt regelmäßig Einsatzort der Polizei sind. 2024 wurden dort insgesamt 215 Einsätze registriert. Dabei nahm die Polizei 95 Straftaten auf, darunter sechs Körperverletzungsdelikte. 102 Einsätze entfielen auf Gefahrenabwehr.
2025 stieg die Gesamtzahl der Einsätze auf 250. Die Polizei registrierte 107 Straftaten, darunter 13 Körperverletzungsdelikte. Hinzu kamen 119 Einsätze aus dem Bereich der Gefahrenabwehr.
Ein unmittelbarer Vergleich mit 2026 ist allerdings nur eingeschränkt möglich. Während für 2024 und 2025 jeweils vollständige Jahreszahlen vorliegen, umfassen die aktuellen Angaben lediglich die ersten sieben Monate. Aussagen darüber, ob die Zahl der Einsätze oder Straftaten im laufenden Jahr insgesamt steigt oder sinkt, sind deshalb noch nicht belastbar.
Sicherheitslage beschäftigt die Stadtpolitik
Die Frage nach der Sicherheit auf Markt und Schlachtermarkt beschäftigt die Schweriner Kommunalpolitik bereits seit mehreren Monaten. Ende April beantragte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI eine umfassende Analyse der Sicherheits- und Gefährdungslage. Gemeinsam mit der Polizei sollte die Stadt unter anderem untersuchen, welche Vorfälle auftreten, wann sie sich ereignen und ob sich insbesondere an Wochenenden Auffälligkeiten zeigen.
Als Begründung verwies die Fraktion auf wiederholte Störungen und Vorfälle im Bereich von Markt und Schlachtermarkt sowie auf ein dadurch entstandenes Unsicherheitsgefühl bei Anwohnern, Gewerbetreibenden und Besuchern. Zugleich machte der Antrag deutlich, dass einzelne Vorfälle allein noch keine Grundlage für weitreichende Maßnahmen darstellen. Gefordert wurde deshalb eine belastbare Bewertung der tatsächlichen Sicherheitslage, bevor beispielsweise zusätzliche Überwachungsmaßnahmen geprüft werden.
Die Stadtverwaltung hielt eine solche Untersuchung grundsätzlich für zulässig und empfahl Zustimmung. Sie verwies allerdings auf die Komplexität und die notwendige Beteiligung weiterer Stellen. Statt der ursprünglich vorgesehenen Vorlage der Ergebnisse bis September hielt die Verwaltung einen Abschluss im Dezember 2026 für realistisch.
Parteien wollten den Auftrag verändern
In der politischen Beratung entstanden unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie weit die Untersuchung reichen sollte. Die AfD-Fraktion beantragte, neben Markt und Schlachtermarkt auch den Bahnhofsvorplatz, die Schwimmenden Wiesen sowie den Bereich Keplerpassage/Am Stein in die Sicherheitsanalyse einzubeziehen. Auch dort sollten unter anderem Häufigkeit, Art und zeitliche Verteilung von Vorfällen untersucht werden.
Die Verwaltung sah für eine solche Ausweitung allerdings nicht überall einen konkreten Anlass. Nach Rücksprache mit der Polizeiinspektion Schwerin und eigener Einschätzung des Fachdienstes Ordnung seien Bahnhofsvorplatz und Schwimmende Wiesen ordnungsrechtlich und polizeilich unauffällig. Für den Bereich Am Stein/Keplerpassage liege dagegen bereits eine polizeiliche Analyse vor.
Die SPD schlug einen anderen Weg vor. Sie wollte den Oberbürgermeister damit beauftragen, den Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns um eine Sicherheits- und Gefährdungsanalyse für den Schweriner Marktplatz zu bitten. Die Fraktion begründete dies mit der Zuständigkeit des Landes für Polizeiangelegenheiten und sicherheitsrechtliche Bewertungen.
Die Stadtverwaltung unterstützte auch diesen Ansatz grundsätzlich, empfahl allerdings eine Zusammenarbeit mit der Landespolizei. Gemeinsam sollten Sicherheit und Ordnung am Schweriner Marktplatz analysiert und daraus gegebenenfalls notwendige Maßnahmen abgeleitet werden.
Polizei sieht keinen Gewaltschwerpunkt
Die inzwischen vorliegenden Einsatzdaten liefern eine erste statistische Einordnung der Debatte. Bei den Körperverletzungsdelikten ergibt sich bislang kein eindeutiger Trend. Sechs Fälle wurden für das gesamte Jahr 2024 genannt, 13 für 2025 und sieben zwischen Januar und Juli 2026. Ob sich daraus bis zum Jahresende eine Zunahme entwickelt, bleibt offen.
Anders fällt die Bewertung der allgemeinen Einsatzlage aus. Die Polizei bezeichnet Markt und Schlachtermarkt ausdrücklich als Schwerpunkt, allerdings vor allem wegen wiederkehrender Ordnungswidrigkeiten wie Lärmbelästigungen. Der Bereich wird zudem im Rahmen des bereits bestehenden Präsenzkonzeptes rund um den Marienplatz besonders berücksichtigt. Auch der Kommunale Ordnungsdienst hat ihn im Blick.
Damit ergibt sich ein differenziertes Bild: Markt und Schlachtermarkt gehören zu den Bereichen der Innenstadt, in denen Polizei und Ordnungsdienst regelmäßig tätig werden. Die hohe Zahl der Einsätze allein bedeutet jedoch nicht, dass dort entsprechend häufig Gewalttaten stattfinden. Ein erheblicher Teil betrifft Gefahrenabwehr, Ordnungswidrigkeiten und insbesondere Lärm.
Gerade deshalb dürfte die geplante Sicherheitsanalyse zusätzliche Bedeutung bekommen. Die bisherigen Zahlen beantworten beispielsweise noch nicht, zu welchen Tageszeiten sich Straftaten und andere Einsätze häufen. Genau die zeitliche Verteilung – insbesondere an Wochenenden – gehört zu den Punkten, die bereits im ursprünglichen Antrag für eine genauere Untersuchung vorgesehen waren.
Drei Männer bei Auseinandersetzung verletzt
Der schwerste Vorfall des vergangenen Wochenendes beschäftigt inzwischen die Kriminalpolizei. Nach bisherigen Erkenntnissen kam es am Samstag gegen 23 Uhr am Schlachtermarkt zu einer Auseinandersetzung, bei der drei Männer im Alter von 18, 21 und 22 Jahren verletzt wurden. Nach Polizeiangaben handelt es sich um zwei tunesische und einen algerischen Staatsangehörigen.
Die Männer hatten Schnitt- beziehungsweise Stichverletzungen und wurden durch Rettungskräfte ins Klinikum gebracht. Zwei bislang unbekannte Tatverdächtige sollen sich nach der Auseinandersetzung vom Tatort entfernt haben. Zu den Hintergründen und zum genauen Ablauf der Tat liegen bislang keine abschließenden Erkenntnisse vor.
Zum Tatzeitpunkt hielten sich nach Angaben der Polizei zahlreiche Menschen auf dem Schlachtermarkt auf. Die Ermittler suchen deshalb weiterhin Zeugen. Hinweise zum Tatgeschehen oder zu den unbekannten Tatverdächtigen nimmt das Polizeihauptrevier Schwerin unter 0385 5180–2224 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.



