Schlossfestspiele und Welterbe auf dem Weg zum Win-Win

Zu einer Diskussion um die Auswirkungen von temporären Veranstaltungen auf die Schweriner Bewerbung um den UNESCO-Welterbetitel lud die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin kürzlich in das Ludwig-Bölkow-Haus ein.

Den Titel UNESCO-Welterbe tragen Stätten, die von außergewöhnlichen, universellen Wert für die Menschheit sind. Das Residenzensemble Schwerin wurde als bauliches Denkmal des romantischen Historismus für den Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ nominiert. 2014 hat es die Landeshauptstadt auf die deutsche Auswahlliste geschafft. Die Sichtbeziehungen zwischen den historischen Gebäuden, der Seenlandschaft und dem Schloss sind in Schwerin von hoher Bedeutung.

Norbert Rethmann, Vorsitzender des Welterbe-Fördervereins, erklärte in der IHK-Veranstaltung, dass man mit der Nominierung einen großen Schritt gemacht habe, aber Schwerin noch längst nicht am Ziel sei. Denn die internationale ICOMOS-Kommission müsse noch von Schwerin überzeugt werden. Er forderte dazu auf, gemeinschaftlich hieran zu arbeiten.

Im historischen Residenzensemble ist der Alte Garten ein zentraler Ort. Schon im 19. Jahrhundert wurde er als Fest- und Paradeplatz genutzt. Seit 1999 finden auf dem Alten Garten die Schweriner Schlossfestspiele statt. Doch wie wirken sich die Schlossfestspiele, das „Open Air mit Schlossblick“, auf die UNESCO-Nominierung aus? Fast vier Monate wird der Alte Garten für Auf- und Abbau sowie während der Spielzeit als Festspielgelände genutzt.

Bei einer Bewertung von möglichen Beeinträchtigungen für potenzielle Welterbestätten können durch die Bühnen, Zuschauer-Tribünen, Beleuchtungstürme oder Zäune wesentliche Sichtachsen im Residenzensemble beeinträchtigt werden. Solche Einschränkungen könnten sich negativ auf die Beurteilung der UNESCO-Kommission auswirken.

Fachexperte Professor Eike Albrecht vom Institute for Heritage Management GmbH zog den Vergleich zu anderen Welterbestätten mit temporären Nutzungen. Das Quebec Summer Festival in Kanada, Weihnachtsmärkte, das Writing-on-Stone Rodeo oder das Formel 1-Rennen von Azerbaijan standen auf seiner Liste. Die Bewertungen der UNESCO-Kommission reichten von unkritisch bis sehr problematisch. Seine Empfehlung lautete jedoch besonders in der Nominierungsphase, dass die Bewerbung möglichst unstrittig sein sollte, um die Chancen auf den UNESCO-Titel zu erhöhen. Schwerin sollte jetzt Veranstaltungen im Residenzensemble prüfen und das Problem aktiv angehen. Denn im Rahmen der Evaluierung durch ICOMOS wird die Stätte komplett durchleuchtet.

Das sei keine leichte Aufgabe, argumentiert Lars Tietje, Geschäftsführer des Mecklenburgischen Staatstheater in seinen Ausführungen. Das Theater habe, wie viele andere auch, ein Interesse daran, die Aufbau- und Abbauzeiten möglichst kurz zu halten. Derzeit erfolgt dies in Eigenregie. Das brauche Zeit und Ressourcen. Alternative Standorte wurden bereits geprüft. Sowohl die verkürzte Bauphase, als auch die Standortverlagerung bedeuten zusätzliche Kosten. Er erklärte, dass das Theater hier finanzielle Unterstützung benötigt. Hinzu kommt, dass die zentrale Lage am Schloss für viele Besucher den besonderen Reiz ausmacht, unsere Schlossfestspiele zu besuchen.

Dr. Günter Reinkober, Fachdienstleiter der Landeshauptstadt Schwerin verwies auf ein Gutachten, dass derzeit erstellt wird und in den Schweriner Welterbeantrag einfließen soll. Dies bewertet die Schlossfestspiele und soll den Rahmen für Veranstaltungen auf dem Alten Garten geben. Auch das Theater erhofft sich von dem Gutachten Aussagen, wie die Schlossfestspiele ausgerichtet werden müssen, damit sie mit dem Welterbe vereinbar sind. Doch die Zeit drängt, denn bereits im Juli müssen die Planungen für die nächste Spielzeit stehen.
Am Ende der Veranstaltung blieb die Frage ungeklärt, was für die nächste Spielzeit geändert werden müsse. Denn das wissenschaftliche Gutachten, das die Schlossfestspiele bewertet und Empfehlungen für diese und andere Veranstaltungen geben soll, wird erst Ende des Jahres erwartet.

Siegbert Eisenach, IHK-Hauptgeschäftsführer plädierte dafür, die Schlossfestspiele als lebendiges Welterbe in den Bewerbungsprozess zu integrieren. „Die Schlossfestspiele sind für Schwerin eine Veranstaltung mit kultureller Strahlkraft. Eine erfolgreiche Standortentwicklung der Landeshauptstadt Schwerin sollte mit den Schlossfestspielen und dem UNESCO-Welterbe-Titel gelingen.“

Redaktion

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