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Schulessen in MV:
Caterer warnt vor Systemversagen – Stadt Schwerin sieht aktuell keine Probleme

Schulessen wird in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend zur Kostenfrage. Ein Caterer warnt vor einem strukturellen Problem, die Stadt Schwerin sieht aktuell jedoch keine Versorgungslücken.

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  • Veröffentlicht Juni 19, 2026
Schulverpflegung Mecklenburg-Vorpommern
Das Schu­lessen ist für viele Kinder ein fes­ter Bestandteil des Schu­lall­t­ags. Ein Cater­er aus West­meck­len­burg warnt jedoch vor steigen­den Kosten und struk­turellen Prob­le­men bei der Schul­verpfle­gung. Foto: CDC auf Unsplash

 

Ein warmes Mit­tagessen gehört für viele Kinder selb­stver­ständlich zum Schu­lall­t­ag. Doch nach Ansicht des Schul­verpflegers Knolles Küche aus Demen gerät genau dieses Sys­tem zunehmend unter Druck. In einem Offe­nen Brief an Lan­desregierung, Kom­munen und Schul­träger warnt das Unternehmen vor wirtschaftlichen Rah­menbe­din­gun­gen, die aus sein­er Sicht langfristig die Ver­sorgung an Schulen gefährden kön­nten.

Geschäfts­führer Jörg Küfen spricht von einem Sys­tem, das sich zunehmend selb­st desta­bil­isiere. Steigende Preise führten zu sink­enden Teil­nehmerzahlen, sink­ende Teil­nehmerzahlen wiederum zu weit­er steigen­den Preisen. Die Fol­gen seien bere­its sicht­bar: weniger Kinder in der Mit­tagsver­sorgung, wirtschaftlich­er Druck auf Anbi­eter und ein schrit­tweis­er Rück­zug aus kleineren Schul­stan­dorten.

Nicht das Essen ist das Problem

Auf den ersten Blick scheint die Debat­te eine Frage der Essen­spreise zu sein. Nach Darstel­lung des Unternehmens liegt das eigentliche Prob­lem jedoch nicht auf dem Teller. „Der Unter­schied zwis­chen vier und sieben Euro pro Essen ist kein Qual­ität­sun­ter­schied, son­dern die Frage, wer die Struk­tur bezahlt“, argu­men­tiert Knolles Küche.

Zur Ver­an­schaulichung hat das Unternehmen eigene Kosten­mod­elle und Grafiken vorgelegt. Danach machen Zutat­en, Zubere­itung und Liefer­ung nur einen Teil der tat­säch­lichen Kosten aus. Hinzu kom­men Per­son­al für die Essen­saus­gabe, Hauswirtschaft, Reini­gung, Abrech­nung, Organ­i­sa­tion und tech­nis­che Infra­struk­tur vor Ort. Diese Kosten fall­en unab­hängig davon an, ob täglich 30 oder 150 Kinder am Mit­tagessen teil­nehmen.

Nach Berech­nun­gen des Cater­ers liegt genau darin die wirtschaftliche Her­aus­forderung. Während die Lebens­mit­telkosten pro Por­tion weit­ge­hend kon­stant bleiben, müssen sich die Fixkosten der Aus­gabestellen auf die Zahl der teil­nehmenden Kinder verteilen. Sinkt die Teil­nehmerzahl, steigt automa­tisch der Kos­tenan­teil pro Mahlzeit. In seinen Unter­la­gen beschreibt das Unternehmen diesen Zusam­men­hang mit ein­er ein­fachen math­e­ma­tis­chen Formel: Die Fixkosten ein­er Aus­gabestelle wer­den durch die Anzahl der Teil­nehmer geteilt. Je weniger Kinder teil­nehmen, desto höher wer­den die Kosten pro Essen.

Beson­ders kri­tisch werde die Sit­u­a­tion an kleineren Schul­stan­dorten. Nach den Mod­ell­rech­nun­gen des Unternehmens liegt der wirtschaftliche Kipp­punkt bei etwa 50 bis 60 Essen­steil­nehmern pro Tag. Unter­halb dieser Größenord­nung kön­nten bere­its geringe Schwankun­gen der Teil­nehmerzahlen erhe­bliche Auswirkun­gen auf die Kalku­la­tion haben. Das führe zu ein­er Spi­rale: Höhere Preise ver­an­lassen Fam­i­lien, ihre Kinder vom Mit­tagessen abzumelden. Dadurch sinkt die Teil­nehmerzahl weit­er, die Fixkosten verteilen sich auf weniger Essen und die Preise steigen erneut. Das Unternehmen spricht von ein­er „math­e­ma­tisch insta­bilen Kosten­struk­tur“.

In ein­er weit­eren Kalku­la­tion kommt Knolles Küche zu dem Ergeb­nis, dass selb­st bei guter Aus­las­tung eine wirtschaftliche Unter­gren­ze von rund 5,80 Euro pro Mahlzeit erre­icht werde. Ver­ant­wortlich seien vor allem die Kosten der Essen­saus­gabe vor Ort. Zusät­zliche Belas­tun­gen wie Mieten oder Beteili­gun­gen der Schul­träger kön­nten diesen Effekt weit­er ver­stärken.

Während in anderen Bun­deslän­dern Teile dieser Struk­turkosten durch Kom­munen oder Län­der über­nom­men wür­den, wür­den sie in Meck­len­burg-Vor­pom­mern häu­fig direkt über den Essen­spreis finanziert. Das Unternehmen ver­weist auf Preise zwis­chen 4,50 und 7,50 Euro pro Mit­tagessen im Land und sieht darin einen wesentlichen Unter­schied zu anderen Bun­deslän­dern.

Wer ist eigentlich zuständig?

Die wirtschaftlichen Prob­leme sind inzwis­chen auch zu ein­er poli­tis­chen Frage gewor­den. Auf den Offe­nen Brief des Cater­ers, der inzwis­chen von 41 Ein­rich­tun­gen und Unternehmen unter­stützt wird,  reagierte zunächst die Staatskan­zlei. Im Auf­trag von Min­is­ter­präsi­dentin Manuela Schwe­sig, das Schreiben liegt SNO vor, teilte deren Büro mit, dass das Anliegen geprüft und an das Min­is­teri­um für Kli­maschutz, Land­wirtschaft, ländliche Räume und Umwelt weit­ergeleit­et wor­den sei. Die zuständi­gen Fachrefer­ate wür­den sich mit dem Vor­gang befassen.

Für Knolles Küche greift diese Zuord­nung jedoch zu kurz. In einem Antwortschreiben an die Staatskan­zlei argu­men­tiert Geschäfts­führer Küfen, dass es sich nicht vor­rangig um Fra­gen der Land­wirtschaft oder Lebens­mit­telqual­ität han­dele. Vielmehr gehe es um Bil­dungser­folg, soziale Teil­habe und Chan­cen­gle­ich­heit von Kindern. Deshalb seien aus sein­er Sicht auch das Bil­dungs- und das Sozialmin­is­teri­um gefragt. Noch deut­lich­er wurde das Bil­dungsmin­is­teri­um. In ein­er Antwort an das Unternehmen heißt es, dass eine Stel­lung­nahme durch das Land­wirtschaftsmin­is­teri­um erfol­gen werde und deshalb keine Rück­mel­dung des Bil­dungsmin­is­teri­ums oder der Staatlichen Schulämter vorge­se­hen sei.

Für den Cater­er bestätigt dies die Befürch­tung eines „Zuständigkeits-Ping­pongs“ zwis­chen ver­schiede­nen Ressorts. Während die Lan­desregierung das The­ma zunächst dem Land­wirtschafts­bere­ich zuord­net, sieht das Unternehmen darin vor allem eine bil­dungs- und sozialpoli­tis­che Her­aus­forderung. Auch SNO hat­te das Bil­dungsmin­is­teri­um und das Land­wirtschaftsmin­is­teri­um um Stel­lung­nah­men gebeten. Die Anfra­gen blieben allerd­ings unbeant­wortet.

Stadt Schwerin sieht derzeit keine Probleme

In Schw­erin wird die Sit­u­a­tion deut­lich weniger drama­tisch bew­ertet. Auf SNO-Anfrage erläuterte eine Sprecherin der Lan­deshaupt­stadt zunächst die Zuständigkeit­en. Als säch­lich­er Schul­träger stellt die Stadt die erforder­lichen Räume und Ausstat­tun­gen bere­it und ver­mi­etet diese an die jew­eili­gen Cater­er. Die Anbi­eter wer­den über Auss­chrei­bun­gen aus­gewählt, die endgültige Entschei­dung trifft die jew­eilige Schulkon­ferenz. Die Organ­i­sa­tion der Schul­verpfle­gung liegt damit bei den einzel­nen Schulen.

Wirtschaftliche Prob­leme bei den an staatlichen Schw­er­iner Schulen täti­gen Cater­ern seien der Stadt derzeit nicht bekan­nt. Hin­weise auf Ein­schränkun­gen bei der Mit­tagsver­sorgung lägen eben­falls nicht vor.

Eine stärkere öffentliche Finanzierung der Schul­verpfle­gung bew­ertet die Stadt grund­sät­zlich pos­i­tiv. Soll­ten zusät­zliche Lan­desmit­tel für eine qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Schul­verpfle­gung bere­it­gestellt wer­den, werde dies begrüßt. Auf­grund der anges­pan­nten Haushalt­slage könne die Lan­deshaupt­stadt jedoch derzeit keine eige­nen zusät­zlichen Zuschüsse bere­it­stellen.