Schwerin: Der Fahrstuhl fährt wieder!

Seit dem 24 Juni waren die Mieter in der Ziolkowskistraße 37 in Schwerin ohne Aufzug. Kurze Zeit später fiel dann auch die Klingelanlage aus. Nach großem Engagement von Stadtteilmanagement, Stadtvertreter Heiko Steinmüller, WGS-Chef Thomas Köchig, der Stadtspitze sowie auch schwerin-lokal und der SVZ gab es gestern einen ersten Teilerfolg: Der Fahrstuhl fährt wieder.

Das Gebäude Ziolkowskistraße 37 in Schwerin. | Foto: schwerin-lokal

Sowohl schwerin-lokal als auch die Schweriner Volkszeitung hatten in dieser Woche über die teilweise unzumutbaren Zustände im Mehrfamilienwohnhaus Ziolkowskistraße 37 berichtet. Vor allem für die betagteren Mieterinnen und Mieter, die oftmals nur schwer viele Treppen laufen können, war ein seit dem 24. Juni ausgefallener Fahrstuhl alles andere als erfreulich. Von der Hausverwaltung (DIM) wurden sie danach nur hingehalten oder abgewimmelt. Und dann fiel auch noch die Klingelanlage aus. 

 

Mieter saßen faktisch in ihren Wohnungen fest

In zwei Artikeln hatten wir in den vergangenen Tagen über die Situation  vor Ort berichtet. Ganz abgesehen davon, dass das Gebäude an sich teilweise beinahe verwahrlost wirkt (zerschlagene Briefkästen, kaputte Scheiben, Graffiti in den Hausfluren, Fahrrad-Bremsspuren auf den Etagengängen) – für die Mieter stellten der defekte Fahrstuhl und die nicht funktionierende Klingelanlage besondere Probleme dar. Einige kamen nur unter massiver Kraftanstrengung und mit Schmerzen aus dem Haus. Andere saßen faktisch in ihren Wohnungen fest. Durchaus eine Situation, die auf Dauer auch zu einer massiven Gefahr für Leib und Leben hätte werden können.

 

Situation führte zu großem Entsetzen, zu Engagement und Hilfsangeboten 

Nachdem durch unseren Artikel vom vergangenen Samstag die Situation auch öffentlich wurde, hatten unter anderem Stadtspitze und Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) das Wochenende nach Ansatzpunkten für Hilfe geschaut, um das ihnen mögliche als Hilfe zu tun. Von der WGS kam sofort die Zusage, vorhandene, möblierte Notwohnungen – darunter auch eine komplett barrierefreie – im Fall der Fälle bereitzustellen. Und auch die Stadt bot ihr Unterstützung dort an, wo sie erforderlich und möglich würde. Denn das Entsetzen über den nicht nachvollziehbar unwürdigen Umgang mit den Mietern traf alle. Auch die ebenfalls in der Sache enorm engagierte Stadtteilmanagerin Sarah Köhler und Stadtvertreter Heiko Steinmüller, der die Situation erst öffentlich gemacht hatte, und auch darüber hinaus engagiert in diesen Tagen Hilfe zu organisieren versuchte. Dass die Hausverwaltung (DIM) selbst das Ganze offenbar eher entspannt sah, zeigten nicht zuletzt auch schriftliche Informationen uns gegenüber, dass der Fahrstuhl schon am vergangenen Freitag wieder betriebsbereit sein sollte, sowie gegenüber der Stadtverwaltung, dass er bereits seit Dienstag wieder fahre. Beides waren schlichtweg eiskalte Lügen. 

 

Gestern kam die gute Nachricht

Gestern Vormittag kam nun aber doch eine positive Nachricht: Der Fahrstuhl fährt wieder. „Das war das allergrößte Problem für uns“, sagte eine sichtlich tief bewegte Frau Schulze (Name geändert) am Telefon gegenüber unserem Redakteur. Die 80-jährige hatte gerade kurz zuvor die Chance genutzt, und Papier und Glas mit dem Aufzug hinuntergebracht. „Hoffentlich bleibt das jetzt auch lange so. Nicht dass er gleich wieder kaputt geht“. Frau Schulze kennt ihre Vermieter und die Situation im Haus. Da ist diese sorgenvolle Annahme durchaus nachvollziehbar. „Für den Augenblick aber ist mir erst einmal ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen“. Auch Michaela Müller und Martina Lehmann (Namen geändert) waren gestern einfach nur glücklich. Aber sie sehen natürlich auch, dass dies noch nicht das Ende ist. „Denn unsere Klingelanlage ist auch weiterhin defekt. Zwar hat Frau Köhler vom Stadtteilmanagement gesagt, dass sie wohl repariert werden soll. Aber leere Versprechen hatten wir schon viele. Das kann man doch erst glauben, wenn es wirklich passiert ist“. Eine nachvollziehbare Einstellung. Vor allem, wenn man sieht, dass unter den Reaktionen auf unsere beiden Artikel auch Mieter aus anderen von der DIM in Schwerin verwalteten Häusern waren, die schon lange auf eine Reparatur ihrer Klingelanlage hoffen.

 

Der Fahrstuhl war nur der erste Schritt – Wir bleiben dran

Die Ziolkowskistraße 37 scheint also kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems, in dem sich ein Vermieter, unterstützt durch seine Verwaltung, die Mieten zwar zahlen lässt, seinerseits aber nahezu nichts tut, um die Gebäude in einem ansprechenden Zustand zu halten – bzw. sie in diesen zu versetzen. Vielmehr scheint Teil des Systems zu sein, Defekte nicht zu beheben, oder auf die lange Bank zu schieben. Bleibt zu hoffen, dass nun bald die Aufträge für so elementare Reparaturen wie Klingelanlagen ausgelöst werden. Unser Versprechen an die Deutsche Immobilien Management (DIM): Wir bleiben dran und schauen genau hin – und sind für die Mieter der DIM-Objekte in Schwerin jederzeit ansprechbar (Mail), wenn es Probleme gibt, die man bei der DIM offenbar bewusst ignoriert.

 

Zum Schluss noch…

Achja, und ehe wir es vergessen: Es scheint so zu sein, dass der Aufzug nicht defekt war, sondern schlichtweg nicht fahren durfte, da die Hausverwaltung Rechnungen im Zusammenhang mit dem Notruf nicht bezahlt hatte. Die Rede ist von entsprechenden „Telekommunikations-Rechnungen“. Ist der Notruf aus solchen Gründen nicht einsatzbereit, darf der Aufzug nicht mehr betrieben werden. Das lässt die ganze Situation in einem besonders perfiden Licht erscheinen. Nicht nur, da man uns gegenüber erklärt hatte, die Verzögerung sei durch die Wartungsfirma verursacht. Und man somit die Schuld auf einen vollkommen Unbeteiligten Dritten abschieben wollte. Sondern vielmehr, da es offenbar das Bewusste Nicht-Zahlen von Rechnungen war, weshalb die Mieter in ihren Wohnungen festsaßen. 

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