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Schwerin: Ein Koffer für Freiheit in Belarus

Während die Bilder in den Nachricht­ensendun­gen der deutschen TV-Sta­tio­nen aus Min­sk und anderen Orten von Belarus erkennbar weniger wer­den und wenn, dann eher nur noch an weniger promi­nen­ter Stelle erscheinen,

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  • Veröffentlicht Oktober 1, 2020
Mit ein­er Aktion unter­stützen Men­schen in Schw­erin die Demokratiebe­we­gung in Belarus. | Foto: Lara Baerens

Während die Bilder in den Nachricht­ensendun­gen der deutschen TV-Sta­tio­nen aus Min­sk und anderen Orten von Belarus erkennbar weniger wer­den und wenn, dann eher nur noch an weniger promi­nen­ter Stelle erscheinen, geht der Frei­heits- und Demokratiekampf der Men­schen vor Ort weit­er. Nach ein­er augen­schein­lich manip­ulierten Wahl hat sich der bish­erige Präsi­dent Lukaschenko inzwis­chen auch zum „neuen” Präsi­den­ten aus­rufen lassen. Hun­derte nach Demokratie strebende Demon­stran­tinnen und Demon­stran­ten ließ der Dik­ta­tor durch Polizei und Mil­itär inhaftieren. Dage­gen wandte sich auch eine Ver­anstal­tung am Dien­stag in Schw­erin.

 

Protestaktion zur Unterstützung der Demokratiebewegung

Mehr als 30 Vertreter und Vertreterin­nen der Zivilge­sellschaft haben dabei mit der Post einen fast leeren Kof­fer aus Schw­erin an Alexan­der Lukaschenko nach Min­sk ver­schickt. Etwa eben­so viele Men­schen aus der Region unterze­ich­neten im Vor­feld „Ein Kof­fer für Lukaschenko“ mit ihrem Namen. Mit dieser sym­bol­is­chen Aktion wollen die Organ­isatoren die gegen Wahlfälschun­gen und bru­tale Gewal­tan­wen­dung demon­stri­eren­den muti­gen Men­schen in Belarus unter­stützen. Sie wollen ihnen eine Botschaft aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern senden, die ihnen den Rück­en stärkt. Von Schw­erin aus ging so an Dik­ta­tor Alexan­der Lukaschenko die Auf­forderung: Pack deine Sachen! Nimm Deinen Kof­fer und geh! Gib Belarus eine Chance! Dein Land hat gewählt! Aber nicht Dich!

 

Ein Kof­fer wurde ver­packt und per DHL von Schw­erin nach Min­sk versendet. | Foto: Lara Baerens

Koffer per DHL nach Minsk unterwegs

Vor dem Ver­sand des Kof­fers als DHL Paket direkt an den Präsi­den­ten in Min­sk, hat­ten die Organ­isatoren und weit­ere Red­ner auf dem Mark­t­platz die Men­schen­rechtsver­let­zun­gen und Wahlfälschun­gen in Belarus verurteilt. Bürg­er­rechtler Heiko Lietz erin­nerte an den Wahlbe­trug im let­zten Jahr der DDR und die anschließen­den immer stärk­er wer­den­den Proteste. Sie führten schließlich zum Zer­fall der DDR-Dik­tatur. Arndt Müller (Bündnis90/Grüne) ver­wies in seinem Beitrag auf die beson­dere poli­tis­che Ver­ant­wor­tung, die wir auch 30 Jahre nach der deutschen Wiedervere­ini­gung noch immer haben. Viele Men­schen kön­nen sich in Meck­len­burg-Vor­pom­mern in die Demon­stran­ten in Belarus hinein ver­set­zten. Es dürfe nicht geschwiegen wer­den, wenn Men­schen­rechte ver­let­zt wer­den. There­sia Crone von „Fri­days For Future” informierte zudem über die Unter­stützung der Kof­fer-Aktion durch ihre Organ­i­sa­tion. Weit­ere Red­ner und Red­ner­in­nen von Amnesty Inter­na­tion­al oder auch dem Jour­nal­is­ten­ver­band Meck­len­burg-Vor­pom­mern sprachen zu den mas­siv­en Prob­le­men in Belarus und verurteil­ten willkür­liche Ver­haf­tun­gen und Folter.

 

Fahrkarte Minsk – Pjöngjang für Lukaschenko

Die Demon­stran­ten legten zudem kleine „Reisegeschenke” in den Kof­fer. Darunter indi­vidu­elle Aktion­spostkarten und eine gedruck­te Aus­gabe der „All­ge­meinen Erk­lärung der Men­schen­rechte”. Das Bonus­geschenk ist jedoch eine per­sön­liche Fahrkarte der staatlichen belarus­sis­chen Eisen­bah­nge­sellschaft für Lukaschenko. Diese ist aus­gestellt für die Strecke von Min­sk nach Pjöng­jang (nur Hin­fahrt, 3. Klasse). Da Alexan­der Lukaschenko nicht allein die Ver­ant­wor­tung für die derzeit­ige Sit­u­a­tion trägt, wer­den wohl noch weit­ere Kof­fer auf den Weg gehen. „Wer einen Kof­fer übrig hat, kann ihn gern eben­so ver­schick­en”, so die Organ­isatoren von „Ein Kof­fer für Lukaschenko“.