Schwerin: Ein Koffer für Freiheit in Belarus

Mit einer Protestaktion und dem Versand eines Koffers nach Minsk solidarisierten sich Menschen in Schwerin mit der Demokratiebewegung in Belarus.

Mit einer Aktion unterstützen Menschen in Schwerin die Demokratiebewegung in Belarus. | Foto: Lara Baerens

Während die Bilder in den Nachrichtensendungen der deutschen TV-Stationen aus Minsk und anderen Orten von Belarus erkennbar weniger werden und wenn, dann eher nur noch an weniger prominenter Stelle erscheinen, geht der Freiheits- und Demokratiekampf der Menschen vor Ort weiter. Nach einer augenscheinlich manipulierten Wahl hat sich der bisherige Präsident Lukaschenko inzwischen auch zum „neuen“ Präsidenten ausrufen lassen. Hunderte nach Demokratie strebende Demonstrantinnen und Demonstranten ließ der Diktator durch Polizei und Militär inhaftieren. Dagegen wandte sich auch eine Veranstaltung am Dienstag in Schwerin.

 

Protestaktion zur Unterstützung der Demokratiebewegung

Mehr als 30 Vertreter und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft haben dabei mit der Post einen fast leeren Koffer aus Schwerin an Alexander Lukaschenko nach Minsk verschickt. Etwa ebenso viele Menschen aus der Region unterzeichneten im Vorfeld „Ein Koffer für Lukaschenko“ mit ihrem Namen. Mit dieser symbolischen Aktion wollen die Organisatoren die gegen Wahlfälschungen und brutale Gewaltanwendung demonstrierenden mutigen Menschen in Belarus unterstützen. Sie wollen ihnen eine Botschaft aus Mecklenburg-Vorpommern senden, die ihnen den Rücken stärkt. Von Schwerin aus ging so an Diktator Alexander Lukaschenko die Aufforderung: Pack deine Sachen! Nimm Deinen Koffer und geh! Gib Belarus eine Chance! Dein Land hat gewählt! Aber nicht Dich!

 

Ein Koffer wurde verpackt und per DHL von Schwerin nach Minsk versendet. | Foto: Lara Baerens

Koffer per DHL nach Minsk unterwegs

Vor dem Versand des Koffers als DHL Paket direkt an den Präsidenten in Minsk, hatten die Organisatoren und weitere Redner auf dem Marktplatz die Menschenrechtsverletzungen und Wahlfälschungen in Belarus verurteilt. Bürgerrechtler Heiko Lietz erinnerte an den Wahlbetrug im letzten Jahr der DDR und die anschließenden immer stärker werdenden Proteste. Sie führten schließlich zum Zerfall der DDR-Diktatur. Arndt Müller (Bündnis90/Grüne) verwies in seinem Beitrag auf die besondere politische Verantwortung, die wir auch 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung noch immer haben. Viele Menschen können sich in Mecklenburg-Vorpommern in die Demonstranten in Belarus hinein versetzten. Es dürfe nicht geschwiegen werden, wenn Menschenrechte verletzt werden. Theresia Crone von „Fridays For Future“ informierte zudem über die Unterstützung der Koffer-Aktion durch ihre Organisation. Weitere Redner und Rednerinnen von Amnesty International oder auch dem Journalistenverband Mecklenburg-Vorpommern sprachen zu den massiven Problemen in Belarus und verurteilten willkürliche Verhaftungen und Folter.

 

Fahrkarte Minsk – Pjöngjang für Lukaschenko

Die Demonstranten legten zudem kleine „Reisegeschenke“ in den Koffer. Darunter individuelle Aktionspostkarten und eine gedruckte Ausgabe der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“. Das Bonusgeschenk ist jedoch eine persönliche Fahrkarte der staatlichen belarussischen Eisenbahngesellschaft für Lukaschenko. Diese ist ausgestellt für die Strecke von Minsk nach Pjöngjang (nur Hinfahrt, 3. Klasse). Da Alexander Lukaschenko nicht allein die Verantwortung für die derzeitige Situation trägt, werden wohl noch weitere Koffer auf den Weg gehen. „Wer einen Koffer übrig hat, kann ihn gern ebenso verschicken“, so die Organisatoren von „Ein Koffer für Lukaschenko“.

Redaktion

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