Schwerin: Endlich starten erforderliche Dacharbeiten am Säulengebäude

Viel wurde schon geschrieben über die Pläne zur Revitalisierung des Säulengebäudes. Ein spannender Plan von Thomas Jezerkowski und Martin Neuhaus sieht vor, durch kleinteilige Einheiten mit Gastronomie und Einzelhandel, durch kulturelle Veranstaltungen und eine anmietbare Eventfläche im I. Obergeschoss das den Marktplatz prägende Objekt für die Schweriner und ihre Gäste wieder zu öffnen und so neu zu beleben. Mehr als vermutet galt es allerdings eigentümerseitig im Hintergrund zu klären, so dass die beiden nebst ihrer schon gefundenen Mieter seit längerer Zeit auf heißen Kohlen sitzen. Nun startet eine umfangreiche Sanierung des Daches, das, wie andernorts bereits zu lesen war, vermutlich schon vor der Verpachtung defekt war. Sind diese Arbeiten geschafft, soll es dann wirklich bald losgehen. Es bleibt, Jezerkowski und Neuhaus die Daumen zu drücken, dass das dann auch klappt.

 

Erkennbar finden nun endlich die erforderlichen Dacharbeiten am Säulengebäude in Schwerin statt. | Foto: schwerin-lokal

Wer in diesen Tagen über den Marktplatz geht, kann es gar nicht übersehen: Am den Platz prägenden, historischen Säulengebäude tut sich etwas. Das Objekt scheint tatsächlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht zu sein. Nachdem zuletzt erneut eine gastronomische Nutzung scheiterte und im Sommer 2019 ein temporäres Sommermuseum der Stadt nochmals Menschen in das Objekt lockte, lag es still und ruhig da. Nur ein kurzes Aufflackern als Adventskalender im vergangenen Dezember. Aber auch den schloss die Stadt schon nach wenigen Tagen – coronabedingt. Und all das, obwohl schon seit Januar 2020 klar ist, dass die interessante Idee von Thomas Jezerkowski und Martin Neuhaus, aus dem Objekt wieder das zu machen, was es einst war – eine Markthalle – Realität werden soll. 

 

War Dachschaden schon vor Verpachtung bekannt?

Wäre es nach den beiden Pächtern gegangen, wäre auch längst schon wieder Leben im und am Objekt. Aber verschiedenste Gründe verzögerten den Start immer wieder. Optimistisch hatten beide zwischenzeitlich auf das Weihnachtsgeschäft des letzten Jahres und dann auf Ostern dieses Jahres geblickt. Ein Blick in den Kalender zeigt: Auch die Oster-Hürde wurde deutlich gerissen. Anders als mancher inzwischen vermutete, nämlich die zwei hätten längst aufgegeben oder kapituliert, gab es allerdings – überwiegend eigentümerseitig – verschiedenste Dinge hinter den Kulissen zu klären. Dies lies möglich erscheinende Termine immer wieder nach hinten rutschen. Eine Frage dabei war immer wieder, was nun mit dem Dach würde, das, wie die SVZ schrieb und uns vorliegende Informationen bestätigen, bekannterweise schon vor der Verpachtung defekt war. Mit allen Konsequenzen. 

 

ZGM dementiert länger bekannte, nicht behobene Schäden

Eine etwas andere Sprache spricht hier das zuständige Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) der Stadt Schwerin. Auf die Frage nach schon länger bekannten Dachschäden heißt es da, es handele sich um zwei unterschiedliche Schäden am Dach. Bei einer Besichtigung im April 2020 hätte man im östlichen Teil des Dachgeschosses  eine Undichtigkeit an einem der Dachfenster sowie an einer Stelle im westlichen Dachbereich aufgrund versackter Dachziegel lokal begrenzte Schäden festgestellt. „An diesen Stellen ist es zu Durchfeuchtungen gekommen, die umgehend nach Feststellung der Schäden durch eine Fachfirma behoben wurden“.

Eine Darstellung, die man vorerst so hinnehmen muss. Nach uns vorliegenden Informationen deutet allerdings, wie auch von der SVZ berichtet, so einiges darauf hin, dass es doch einen Dachschaden gab, der schon deutlich länger bekannt war. Dabei ist sogar die Rede davon, dass es bereits durchregnete, als das Sommermuseum im Säulengebäude stattfand. Das würde bedeuten, dass der Schaden zumindest schon seit Sommer 2019 bekannt war. Hier bleiben also durchaus Fragezeichen. Möglich wäre beispielsweise, dass der Schaden durchaus an anderen kommunalen Stellen, nicht aber beim ZGM früher bekannt war.

 

Gutachter entdeckte Fehler bei gesamter Dacheindeckung

Gleichzeitig mit der beschriebenen Schadensbehebung habe das ZGM zudem einen Sachverständigen mit der Begutachtung der gesamten Dachkonstruktion beauftragt. „Das Gutachten wurde im Juni 2020 erstellt. Durch den beauftragten Gutachter wurde eine in Teilen fehlerhafte bzw. nicht normgerechte Ausführung der gesamten Dacheindeckung festgestellt. Nach Auswertung des Gutachtens und den erforderlichen Abstimmungen mit allen Beteiligten –insbesondere zur Finanzierungsfrage und zu  denkmalrechtlichen Belangen- wurde eine umfangreiche Sanierung der gesamten Dachfläche angegangen. Das erforderliche Ausschreibungsverfahren für die Bauleistungen wurde im April 2021 eingeleitet. Die Beauftragung der Firmen erfolgte im Mai 2021. Unter Berücksichtigung der derzeitigen Marktsituation und der Kapazitäten der Baubetriebe sowie des nötigen Vorlaufes für Materialbestellung war ein früherer Baubeginn nicht realisierbar“, so das ZGM. 

Hier zeichnete sich also zuletzt eine Regelung ab, die durchaus baldige erste Öffnungsschritte möglich gemacht hätte. Daraufhin hatte Martin Neuhaus bereits angekündigt, das Bistro „Löwe“ zeitnah eröffnen zu wollen. Auch die verschiedenen weiteren Nutzer, eine Mischung aus Gastronomie und besonderem Einzelhandel, schmiedeten schon (wieder) detailliertere Pläne. Dies alles rutscht nun zeitlich nochmals nach hinten.

 

Arbeiten verzögern erste Öffnungsschritte erneut

Denn alles basierte auf der besprochenen Planung, dass die Dacharbeiten ohne massivere Beeinträchtigungen vonstatten gehen könnten. Nun allerdings kam doch alles noch einmal anders. Denn die Pächter erfuhren, dass doch ein größerer Bereich direkt vor dem Säulengebäude für die Baustelleneinrichtung benötigt würde. Auch müssten die Arbeiter durch das Gebäude gehen. Suboptimal, aber so ist es nun einmal. Dadurch verzögert sich alles nochmals, auch wenn das ZGM unserer Redaktion gegenüber keinen Grund für entsprechende Verschiebungen sieht. „Die Bauarbeiten hindern die Öffnungen nicht und sind in enger Abstimmung mit den Nutzern besprochen worden“, heißt es da. Nun gut, da scheinen die Sichtweisen unterschiedlich zu sein. Aber egal wie es nun sei, das Dach über dem Kopf sollte dicht sein, wenn es dann irgendwann doch losgehen soll. Hier hilft nur Pragmatismus.

 

Dacharbeiten sollen bei optimalem Verlauf sechs Wochen dauern

So fand nun in den vergangenen Tagen die Einrüstung des Gebäudes von hinten und die Einrichtung einer 10 x 20 m großen Baustellenfläche entlang der Puschkinstraße und der Gebäudefront statt. Begannen die Arbeiten erst am Montag, so war Dienstag bereits die rechte Dachhälfte ziegelfrei und durch Planen abgedeckt. Es scheint so, als ob die Arbeiten wirklich zügig vonstatten gehen sollen. Etwas mehr Klarheit kann Katrin Lippmann, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei der LGE Mecklenburg-Vorpommern, in die Zeitfrage bringen: „Bei guter Witterung kann die Dachsanierung innerhalb von sechs Wochen abgeschlossen werden“.

Nun gut, manch einer hätte sich das sicherlich schneller gewünscht. Denn das heißt nicht weniger, als dass deutlich bis in die zweite Septemberhälfte hinein gebaut wird. Bleibt nur zu hoffen, dass die sechs Wochen wirklich ausreichen. Und dass dann auch wirklich alles nachhaltig langanhaltend saniert ist. Will heißen, dass auch negative Überraschungen, die durchaus bei solchen Vorhaben auftreten, wirklich fachmännisch behoben werden. Denn irgendwann muss es im Säulengebäude dann ja doch losgehen und dauerhaft funktionieren. 

 

Markthalle mit kleinteiligem Angebot und anmietbarer Veranstaltungsfläche entsteht

Entstehen soll dann eine Mischung aus öffentlicher Kultureinrichtung, regional und touristisch ausgerichtetem Einzelhandel und gastronomischen Angeboten. Erdgeschoss und Terrasse werden künftig barrierefrei über eine Rampe erreichbar sein. Hier entstehen die offenen, kleinteiligen Einheiten für Einzelhandel, Gastronomie und Ausstellungen. Die erste Etage soll künftig für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Die Fläche kann, so Martin Neuhaus und Thomas Jezerkowski, nach Fertigstellung immer für mindestens einen Tag frei gemietet werden. Für Familienfeiern, Seminare oder ähnliches. Eine gastronomisch nicht gebundene Fläche also mitten in Schwerin. Unter dem Dach sollen Büros entstehen. So wird das ursprünglich als Markthalle errichtete historische Gebäude aus dem Jahre 1783 im damaligen Sinne neu belebt.

 

 

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