Schwerin: Erste Arbeiten für zukünftiges Stadthotel

Der Umbau der ehem. Staatsbank in der Friedrichstraße zu einem 4-Sterne-plus-Hotel hat begonnen. Sensibel werden Historie und Moderne zusammenwachsen.

In der ehemaligen Kassenhalle der früheren Staatsbank in Schwerin sollen in einer Verbindung aus Historie und Moderne Geschäfte und die Rezeption entstehen. | Foto: schwerin-lokal

Bereits im März dieses Jahres, kurz vor dem Corona-Lockdown, konnten wir die gute Nachricht veröffentlichen: Das triste Dasein der ehemaligen Staatsbank in der Friedrichstraße soll ein Ende haben. Aus einem der letzten auf Wiederbelebung wartenden Denkmäler der Stadt wird ein 4-Sterne-plus-Hotel der AMEDIA-Gruppe. Damit soll sich ein Wunsch vieler Bewohner der Stadt Schwerin aber auch zahlreicher Gäste erfüllen und in das die Straße prägende Gebäude so wieder Leben einziehen.

Die einstige Schalterhalle soll mehr Tageslicht bekommen und zum Innenhof geöffnet werden. | Foto: Hotelprojekt Schwerin | AMEDIA Hotel

4-Sterne-plus-Hotel in und für Schweriner rückt nun in greifbare Nähe

Soweit zumindest der Stand am 24. März, den unsere Redaktion nach einem Gespräch mit Investor Udo Chistée und seinem Team zuerst bekanntgeben konnte. Kein Standardhotel hinter einer so besonderen Fassade, sondern ein gehobenes Haus im Bereich der 4-Sterne-plus-Kategorie kündigte der Österreicher, der unter der AMEDIA-Flagge derzeit 18 Häuser in Europa betreibt, damals an. Öffentlich zugängliche Shops und im Projekt angedachte, raumhohe Glaswände in der einstigen Kassenhalle, eine Öffnung zum Innenhofbereich, Gastronomie und ergänzende Angebote in der Tresorebene sowie mindestens 100 Zimmer waren dabei im Gespräch.

Schlosshotel Wendorf unweit von Schwerin zeigt das historische Empfinden des Investors

Das Echo in Schwerin und auch deutlich über die Stadtgrenzen hinaus war absolut positiv. Die Erleichterung über ein Ende des schleichenden Verfalls dieses wundervollen Gebäudes und die Freude darüber, dass ein mit einfühlsamer Sanierung und Wiederbelebung erfahrener Investor sich nun des Objektes annimmt, überwog. Denn gar nicht weit weg, im malerisch gelegenen Wendorf, hat Udo Chistée mit der Sanierung des dortigen Schlosses bereits bewiesen, dass er Historie bewahren und wiederbeleben kann – und will. Es lohnt dort einmal vorbeizuschauen und sich selbst zu überzeugen. Auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen, auf ein Abendessen für den anspruchsvollen Gaumen oder eventuell auch auf ein ganz besonderes Wochenende mit Übernachtung in einer der Hotelsuiten oder einem der neuen Komfort-Ferienhäuser.

Nach einem sensiblen Umbau entsteht in der Friedrichstraße in Schwerin ein 4-Sterne-plus-Hotel. | Foto: AMEDIA Hotel

Baudenkmäler erfordern besonders sorgsame Planung

Aber zurück nach Schwerin, wo, wie deutschlandweit, die Welt nicht mehr die ist, die sie „damals“ vor Corona war. So zumindest eine Aussage, die man derzeit vielerorts hört. Daher sorgten sich erste Schweriner, ob das Vorhaben noch aktuell ist. Denn seither herrschte zumindest für den außen stehenden Betrachter Ruhe in der Friedrichstraße 5-7, mitten in Schwerin. Wer allerdings in seinem Leben schon einmal ein Baudenkmal – selbst kleinster Größe – saniert oder gar umgebaut hat, der weiß, was das bedeutet. Nämlich viel Planung, viele Gespräche, gefühlte Rückschläge – und niemals aufzugeben.

Und genau diese Phase liegt nun – trotz Corona – hinter Investor Udo Chistée und seinem Team. Obwohl, eigentlich sind sie noch mitten drin. Denn es ist ein stetiges Miteinander und schrittweises Voranschreiten. Aber nun wird auf jeden Fall auch von außen sichtbar, dass es der Österreicher Ernst damit meint, ein Hotel in Schwerin und vor allem auch für die Schweriner in das bekannte frühere Bankgebäude zu bringen.

 

Vorsichtig wird der gesamte Holzdecken-Bereich im Erdgeschoss wieder vollständig sichtbar gemacht. | Foto: schwerin-lokal

Erste Rückbaumaßnahmen haben begonnen

Denn seit mehreren Tagen stehen täglich neue, sich schnell wieder mit Bauschutt füllende, Container vor dem Gebäude. Emsig transportieren Arbeiter Schutt aus dem Keller. Eine Schubkarre nach der anderen – fein säuberlich nach Material sortiert. Es ist unübersehbar: Der Startschuss für das neue 4-Sterne-plus-Hotel in Schwerin und für die Wiederbelebung des Gebäudes der früheren Staatsbank der DDR ist gefallen. Bereits im Laufe des Jahres 2022 sollen hier die Gäste der Stadt moderne Zimmer in denkmalgerecht restauriertem Ambiente vorfinden. Vor allem aber möchte Udo Chistée das Haus auch für die Schweriner selbst öffnen. Denn viel zu oft sind Hotels für die Bewohner einer Stadt beinahe so etwas wie Fremdkörper. Genau das aber soll das neue Hotel der AMEDIA-Gruppe in Schwerin nicht sein. Daher entstehen im Erdgeschoss und auch auf der Tresorebene dem Haus ansprechende Einzelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsangebote, die sowohl den Hotelgästen als auch der Öffentlichkeit offen stehen.

„Wir möchten all das erhalten und in Verbindung mit modernen Gestaltungselementen ein besonderes Hotelerlebnis ermöglichen“
(Udo Chistée, AMEDIA Hotelgruppe)

Mosaik aus dem Jahr 1975 von Karl-Heinz Effenberger in der ehem. DDR-Staatsbank in Schwerin. | Foto: schwerin-lokal

Bis es aber soweit ist, gilt es noch hart zu arbeiten. Zusammen mit der Stadtverwaltung Schwerin – und hier speziell mit dem Bau- und Denkmalbereich – sind der Investor und sein Architekt André Groß weiter dabei, die einzelnen Schritte einvernehmlich abzustimmen. Denn „es gelingt letztlich natürlich nur in einem guten Miteinander, so ein tolles Objekt wieder mit neuem Leben zu erfüllen“, so Groß, der uns einen kleinen Einblick in das Objekt und die weiteren Schritte ermöglicht.

Es waren und sind dabei vor allem Detailabstimmungen, die die letzten Wochen und auch die nächste Zeit bestimm(t)en. Dabei hat man sich bereits auf verschiedene Punkte verständigt. So bleibt zum Beispiel ein 1975 entstandenes Mosaik des DDR-Künstlers Karl-Heinz Effenberger erhalten. Die historische Holzvertäfelung von Teilen der Decke im Erdgeschoss wird aktuell durch sensible Arbeiten wieder in Gänze sichtbar gemacht. Und es gibt sogar gemeinsame Überlegungen, einen historischen Sanitär-Raum in seinem Erscheinungsbild zu erhalten. Hier könnte eventuell ein gläserner Aufzug installiert werden, der die Gäste zukünftig aus diesem Raum nach unten in die Tresorebene und nach oben – vorbei an einem historischen Jugenstilfenster – in die oberen Geschosse bringt.

In einem schmalen Durchgang entdeckte das Team um Investor U. Chistée die von innen zugemauerten historischen Stahlfenster. | Foto: schwerin-lokal

Nur im Miteinander gelingt die Wiederbelebung

Apropos Fenster: Dass so ein historischer Bau letztlich für alle Seiten Überraschungen birgt, zeigte sich natürlich schnell auch in der ehemaligen Staatsbank. So fand, an einer vollkommen unerwarteten Stelle, das Team um Architekt André Groß zwei historische Stahlfenster. Nicht einmal die Denkmalpflege, die die Investoren natürlich über den Fund informierte, wusste von ihnen. „Das war für uns alle eine kleine Sensation. Denn so wirklich klar war es nicht, wie die Fenster einstmals aussahen“, zeigt sich auch André Groß noch immer begeistert. Nun ist vorgesehen, diese Fenster als Vorbild im Rahmen der denkmalgerechten Wiederbelebung des Gebäudes zu nehmen.

Schrittweise in Richtung Ziel: Eröffnung im Jahr 2022

Dass die gute Zusammenarbeit natürlich in einem aufeinander Zugehen und in Kompromissen besteht, wird auch an den von Beginn an geplanten Balkonen der zukünftigen Zimmern deutlich. Denn auch sie können nun – in den Hofbereich hinein – vermutlich Realität werden. Nicht ganz so groß, wie ursprünglich angedacht. „Aber hier haben wir gemeinsam eine gute Lösung gefunden“, so André Groß. Dass es niemals auf die Köpfe der Hotelgäste regnet, wenn sie die Austritte nutzen, scheint dabei auch möglich zu sein. Denn der Innenhof soll ein Glasdach bekommen. Ähnlich wie es auch in den Schweriner Höfen realisiert wurde. „So wird selbst der Innenhof dieses schönen Denkmals erlebbar“, freut sich der Architekt, der gemäß den gemeinsamen Absprachen in diesen Tagen die denkmalrechtliche Genehmigung bei der Stadt Schwerin eingereicht hat.

Durch ein Glasdach wird der Innenhof – auch öffentlich – integrierter Teil des Hotels. | Foto: AMEDIA Hotel

„Alle derzeit schon laufenden Arbeiten sind mit den Beteiligten abgesprochen und bedürfen noch keiner Baugenehmigungen.“ Damit meint André Groß die derzeit entsprechend sensibel stattfindenden ersten Rückbaumaßnahmen im Objekt, die bis zum 30. August geplant sind. Schon bald soll auch die Baugenehmigung eingereicht werden. Optimistisch hoffen Investor und Architekt dann auf Grundlage von Teilbaugenehmigungen auf einen Baubeginn im Spätsommer bzw. frühen Herbst dieses Jahres. Das Ziel, 2022 zu eröffnen, haben beide dabei fest im Blick.

 

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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