Schwerin: Erwerbslosenbeirat fordert mehr Einsatz für Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern ist hoch. Trotzdem tut, nach Ansicht des Erwerbslosenbeirats, die Landesregierung zu wenig, um den Betroffenen zu helfen.

 

In Mecklenburg-Vorpommern sinken wie in vielen anderen deutschen Bundesländern die Arbeitslosenzahlen anhaltend. Doch auch weiterhin sind viele Menschen im Nordosten der Republik von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Gerade ihnen fällt es schwer, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Landesregierung hält sich mit Blick auf die Langzeitarbeitslosen des Landes aber zurück. Dieser Auffassung ist zumindest der Erwerbslosenbeirat des Landes. Demnach sei Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland, in dem es aktuell kein spezielles Programm gibt, mit dem bewusst gegen die Langzeitarbeitslosigkeit vorgegangen wird.

Mecklenburg-Vorpommern zählte im September noch über 36.000 Erwerbslose, die Hartz-IV erhielten. Die Auswirkungen für die Familien sind drastisch. So fehlt es ihnen häufig am Nötigsten. Insbesondere Kinder bekommen die Folgen zu spüren. In Mecklenburg-Vorpommern gilt jedes vierte Kind mittlerweile als armutsgefährdet. Nicht nur bei der Beteiligung an Freizeitaktivitäten sind die Unterschiede sichtbar, auch beim Wohnkomfort müssen die Kinder in den Familien oft zurückstecken, wie auch Noah Lange von einrichtungsradar.de bewusst macht: “In den von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Familien fehlt es häufig an Geld für neue Einrichtungsgegenstände. Abgewohnte Möbel und spärlich eingerichtete Kinderzimmer gehören für viele Familien dazu.”

Erwerbslosenparlament tagt zum 22. Mal

Seit der Gründung im Jahr 1998 hat das Erwerbslosenparlament des Landes schon mehrfach getagt. Im Oktober kommt das Parlament zum 22. Mal zusammen. Während der Tagung geht es vor allem darum, auf die Probleme aufmerksam zu machen, die Langzeitarbeitslosigkeit mitbringt. Gleichzeitig nutzen die Mitglieder diese Tagungen immer wieder, um Verbesserungen für die Betroffenen zu fordern.

Mit Blick auf die jüngsten Tagungen betonte das Parlament noch einmal, dass es in Deutschland zwar viele Gewinner der Einheit gebe, aber eben auch Verlierer. Zu denen gehören viele Langzeitarbeitslose. Im Erwerbslosenparlament engagieren sich nach offiziellen Angaben über 70 Vereine, aber auch Gewerkschaften und Verbände dafür, denen ein Gehör zu verschaffen, die häufig in Vergessenheit geraten.

An der jüngsten Tagung werden sich zum ersten Mal auch sowohl die Landesarmutskonferenz als auch der Landesseniorenbeirat beteiligen. Der Landesseniorenbeirat nutzt die Tagung, um vor allem auf die Probleme der Älteren aufmerksam zu machen, von denen viele von Armut betroffen sind.

Verbesserungen bereits erreicht

Erste Verbesserungen haben die Mitglieder der Erwerbslosenparlaments bereits erreicht, worauf insbesondere von Seiten der Landesarmutskonferenz noch einmal hingewiesen wird. Die Bundesagentur für Arbeit hat demnach beispielsweise ein erstes Programm auf den Weg gebracht, mit dem Langzeitarbeitslose bei ersten Schritten auf den Arbeitsmarkt begleitet werden. Doch die bislang erfolgten Verbesserungen reichen nicht aus. So gebe es durchaus Ansätze, bei denen die Landesregierung selbst aktiv mithelfen könne. Demnach nehmen in Mecklenburg-Vorpommern auch weiterhin 30.000 bis 50.000 Haushalte keine Hilfe in Anspruch. Sie verzichten auf staatliche Unterstützungen wie Wohngeld, Hartz IV oder den Kindergeldzuschlag, weil ihnen beispielsweise nicht bewusst sei, dass auch sie Anspruch darauf haben. Hier kann von der Landesregierung recht einfach durch mobile Beratungsangebote eine Lösung geboten werden. Diese wird gerade im ländlichen Raum benötigt.

Redaktion

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