Schwerin: Etwa 300 Gäste beim „Tag der Ruhe“

Neben dem Erinnern zeigte der "Tag der Ruhe" am vergangenen Sonntag, dass Friedhöfe noch sehr viel mehr Funktionen haben können.

Am Sonntag fand der „Tag der Ruhe“ auf dem Waldfriedhof in Schwerin statt. | Foto: maxpress

Ein wenig widersprüchlich klingt die Freude seitens der Stadt Schwerin über etwa 300 Besucher auf einer Veranstaltung zum „Tag der Ruhe“ und dort „mit Begeisterung“ genutzter Aktionen schon. Denn der damit verbundene Trubel auf dem Waldfriedhof in Schwerin passt letztlich nicht so wirklich zum Begriff der „Ruhe“. Man kann das Ganze aber auch positiv sehen, denn es zeigte sich, dass Friedhöfe nicht nur wichtige Orte der Erinnerung sondern auch des Lebens sind.

 

OB Badenschier eröffnet „Tag der Ruhe“

Bereits seit vielen Jahren begeht die Landeshauptstadt Schwerin den „Tag der Ruhe“ mit einer eigenen Veranstaltung. Bislang fand diese stets auf dem „Alten Friedhof“ am Obotritenring statt. Das war in diesem Jahr nun anders. Da der Waldfriedhof in diesem Jahr 50 wird, war er Austragungsort der durch Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier eröffneten Veranstaltung. „Friedhöfe sind ein Spiegel der Gesellschaft und der Geschichte. Der seit 50 Jahren bestehende Waldfriedhof war die erste großflächige Neuanlage eines Friedhofes in der DDR. Er diente damit gewissermaßen als Blaupause für weitere Anlagen dieser Art in Ostdeutschland. Auch die jüngere Stadtgeschichte wird auf dem Waldfriedhof erzählt: Die von der Stadt eingerichtete Gedenkstätte für die Schweriner Todesopfer der Flugzeugkatastrophe von 1986 zähle ich ebenso dazu wie den nunmehr für die Nachwelt gesicherten Grabstein des Bildhauers August Martin Hoffmann, der in Schwerin wunderbare Skulpturen wie ,Der Junge mit der Taube‘ oder ,Die Schwimmenden‘ hinterlassen hat“, so Badenschier.

 

Orte der Erinnerung

Die Worte des Oberbürgermeisters von Schwerin zielen dabei auf die wohl für die Menschen wichtigste Rolle eines Friedhofs. Sie sind Orte der Erinnerung. Ganz persönlicher, eigener, tiefgehender Erinnerungen wie auch gesamtgesellschaftlicher. Seit nunmehr einem halben Jahrhundert bietet der Waldfriedhof mit seinem vielseitigen Baumbestand und der weit gestreckten, zentralen Wiese Angehörigen dafür einen geeigneten Raum. Selbst seine Entstehungsgeschichte ist heute noch Teil der Erinnerung manch älterer Schwerinerinnen und Schweriner. Denn schon Mitte der 1950er-Jahre suchte man aufgrund steigender Einwohnerzahlen ein geeignetes neues Friedhofsareal. Fündig wurden die damals verantwortlichen Personen auf dem Gelände des heutigen Waldfriedhofs, der schließlich im November 1970 eröffnet wurde.

 

Erinnern. Erhalten. Neu denken.

Daher stand auch in diesem Jahr die Erinnerung im Zentrum des Tages unter dem Motto „Erinnern. Erhalten. Neu Denken“. So fand ein gut besuchter Rundgang über den Waldfriedhof statt, der zu Grabstätten dort ruhender Persönlichkeiten führte. Ein anderer informierte über die verschiedenen Grabarten und auch das kürzlich sanierte Krematorium konnte man besichtigen. Eine digitale Fotoausstellung zeigte thematische Impressionen und Filme sowie Musik umrundeten das Programm.

„Die Schweriner Friedhöfe sind mehr als ein Ort der Abschiednahme“, fasste Ilka Wilczek von den SDS die Rolle der beiden Friedhöfe in Schwerin zusammen und spante so noch einmal den Bogen über den Ort des reinen Erinnerns hinweg. „Sie sind Erholungsorte, Orte für Kultur und Begegnungsstätte jeden Alters.”

Redaktion

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