Schwerin: Fachhochschule des Mittelstands schließt Standort

Das ist ein herber Rückschlag im Bestreben, Schwerin als Hochschulstandort weiter zu entwickeln und zu positionieren: Die FHM immatrikuliert ab sofort keine neuen Studierenden mehr in Schwerin und konzentriert die Arbeit in MV auf Rostock. Ende 2024 ist mit dem Präsenzstudienbetrieb in der Landeshauptstadt dann ganz Schluss.

Die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) am Pfaffenteich in Schwerin | Foto: privat

Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe und überraschte wohl die allermeisten auf dem gänzlich falschen Fuß. Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) schließt ihren Studienstandort im Herzen der Landeshauptstadt Schwerin. Sie konzentriert ihre Aktivitäten auf den zweiten Standort im Land, Rostock. Zuletzt hatte es durchaus eine deutliche Dynamik im Bestreben, Schwerin weiter zum Hochschul- und Wissenschaftsstandort auszubauen, gegeben. Die gestrige Nachricht ist nun natürlich ein herber Rückschlag. 

 

Bis 2024 lässt FHM Studienstandort Schwerin auslaufen

In einer Presseerklärung der privaten Fachhochschule heißt es unter anderem: „Der international geprägte Campus der FHM Schwerin hat aufgrund der durch die Corona-Pandemie verursachten Reisebeschränkungen im Jahr 2020 weniger Studierende immatrikulieren können. Um die Lehr- und Forschungsaktivitäten der FHM in Mecklenburg-Vorpommern zu stärken, werden Studienbewerber ab Oktober 2021 nur noch für den Campus Rostock aufgenommen.“ Weiterhin berichtet man über die eigene Erfolgsgeschichte auch am Standort Schwerin, die 2013 mit der Übernahme des einstigen Baltic Colleges begann. Und dann bemüht man nochmals die Corona-Krise, um die klare Entscheidung gegen Schwerin zu rechtfertigen. Aufgrund dieser gäbe es derzeit „keine Nachfrage an der FHM Schwerin für das Studienkolleg und für die internationalen Studiengänge.“ Dass die Corona-Krise auch wieder ein Ende haben wird, bleibt dabei unberücksichtigt. Man werde nun die Aktivitäten der FHM in Mecklenburg-Vorpommern am Standort Rostock bündeln, so Rektorin Prof. Dr. Anne Dreier.

 

Corona-Krise für Schließung verantwortlich gemacht

In einem kurzen Telefonat bestätigte Frau Prof. Dreier unserer Redaktion dann nochmals, dass Schwerin als auf internationale (speziell asiatische) Studierende ausgerichteter Standort nun von den Folgen der Corona-Krise unmittelbar getroffen wurde und wird. Visa- und Einreise-Thematiken speziell auch für Studierende aus China verhinderten aktuell faktisch deren Weg nach Deutschland. An der FHM sieht man auch für das laufende Jahr keine nachhaltig positive Entwicklung. Parallel dazu sei der Standort Rostock „erfreulich stark gewachsen“. Kein Wunder. Dort entstanden auch deutlich mehr als in Schwerin diverse innerdeutsch stark nachgefragte Studiengänge. 

 

Betrieb läuft noch ordnungsgemäß bis 2024 – ohne neue Studierende

Eine wichtige Nachricht für die aktuellen Studierenden in Schwerin hatte die FHM allerdings auch noch im Gepäck: Alle können, wie es heißt, ihr Studium hier in der Landeshauptstadt noch beenden „Der Lehrbetrieb geht für alle an der FHM Schwerin immatrikulierten Studierenden in den bisherigen Räumlichkeiten mit unseren Professoren und Servicemitarbeitern ordnungsgemäß bis 2024 weiter“, erklärt dazu die wissenschaftliche Leiterin der FHM in MV, Silke Pfeiffer. Über diesen Zeitpunkt hinaus soll Schwerin dann nur noch Prüfungszentrum der Fachhochschule sein. Damit können Fernstudierende dann hier Prüfungen ablegen. Mit einem Hochschulleben hat das dann allerdings nichts mehr zu tun. 

 

Schwerin von FHM-Entscheidung überrascht

Dass die Entscheidung der FHM selbst Standortexperten doch überraschend traf, liegt nicht zuletzt auch an einer, wie sich nun zeigt, zumindest in den letzten Wochen und eventuell auch Monaten eher intransparenten Kommunikationspolitik der privaten Fachhochschule. Wie wir erfuhren, hatte diese noch vor nicht langer Zeit unterstrichen, man plane, den Standort Schwerin fokussierter auf- und auszubauen. In Wirklichkeit dürfte sie da längst die Planungen vorbereitet haben. Unter den Überraschten der Schließungsabsichten war bzw. ist daher auch Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier. „Für die Entwicklung Schwerins als Hochschulstandort ist das eine schlechte Nachricht. Der Rückzug wirft uns zurück. Daher bedauern wir diese Entscheidung außerordentlich. Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der IHK und dem Förderverein Förderer von Hochschulen e.V. sehr gut mit der Fachhochschule zusammengearbeitet und die FHM in den verschiedensten Bereichen aktiv unterstützt“, erklärte der Oberbürgermeister von Schwerin gestern.

 

Stadt erfuhr erst kurz vor Pressemitteilung von Schließungsplan

Und auch Bernd Nottebaum zeigte sich sehr überrascht. Auch er hatte erst gestern Mittag von den Schließungsabsichten des Standorts Schwerin erfahren. Kurz bevor die FHM ihre Pressemitteilung verschickte. Dass es derzeit eher alles ein wenig kleiner weitergehen könnte, danach sah es wohl schon einige Wochen aus. Denn schon im vergangenen Dezember hatte die FHM eine Teilkündigung des Mitvertrages für das Alte Fridericianum am Pfaffenteich bei der WGS abgegeben. Die Stadt hatte man allerdings nicht direkt informiert. Einige Zeit später kam es auch zu einem Vor-Ort-Termin, der bei Dezernent Bernd Nottebaum und Stadtplaner Andreas Thiele erste Skepsis aufkommen ließ. Man wollte aber alles tun, um im Sinne der FHM und des Objektes „Altes Fridericianum“ und vor allem im Sinne des Hochschulstandortes Schwerin eine gute Lösung zu finden.

 

Zieht nun die Medical School Hamburg in das Gebäude am Pfaffenteich?

Daher entstand die Idee, den Campusgedanken erneut aufzunehmen, und über eine gemeinsame Nutzung des Areals durch die FHM und die demnächst in Schwerin aktive Medical School Hamburg nachzudenken. Neben dem Haupthaus am Pfaffenteich gibt es noch Gebäudebereiche im hinteren Grundstücksteil, die man hätte schrittweise wieder integrieren können. „Und wenn sich beide Hochschulen dann entsprechend entwickelt hätten, hätten wir uns durchaus vorstellen können, eine Idee von vor etwa zehn Jahren zu reaktivieren“, so Nottebaum. Damals gab es bereits einen Architektenwettbewerb für einen Erweiterungsbau entlang der Gaußstraße. Ein spannender Plan, der mehr studentisches Leben ins Zentrum Schwerins geholt hätte. Dafür allerdings hätte die FHM zwischenzeitlich den tatsächlichen Flächenbedarf benennen müssen. Dazu aber kam es nun nicht mehr. 

 

 

 

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