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Schwerin: Fachhochschule des Mittelstands schließt Standort

Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe und über­raschte wohl die aller­meis­ten auf dem gän­zlich falschen Fuß. Die Fach­hochschule des Mit­tel­stands (FHM) schließt ihren Stu­di­en­stan­dort im Herzen der Lan­deshaupt­stadt

  • Veröffentlicht Februar 5, 2021
Die Fach­hochschule des Mit­tel­standes (FHM) am Pfaf­fen­te­ich in Schw­erin | Foto: pri­vat

Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe und über­raschte wohl die aller­meis­ten auf dem gän­zlich falschen Fuß. Die Fach­hochschule des Mit­tel­stands (FHM) schließt ihren Stu­di­en­stan­dort im Herzen der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin. Sie konzen­tri­ert ihre Aktiv­itäten auf den zweit­en Stan­dort im Land, Ros­tock. Zulet­zt hat­te es dur­chaus eine deut­liche Dynamik im Bestreben, Schw­erin weit­er zum Hochschul- und Wis­senschafts­stan­dort auszubauen, gegeben. Die gestrige Nachricht ist nun natür­lich ein her­ber Rückschlag. 

 

Bis 2024 lässt FHM Studienstandort Schwerin auslaufen

In ein­er Presseerk­lärung der pri­vat­en Fach­hochschule heißt es unter anderem: „Der inter­na­tion­al geprägte Cam­pus der FHM Schw­erin hat auf­grund der durch die Coro­na-Pan­demie verur­sacht­en Reisebeschränkun­gen im Jahr 2020 weniger Studierende imma­trikulieren kön­nen. Um die Lehr- und Forschungsak­tiv­itäten der FHM in Meck­len­burg-Vor­pom­mern zu stärken, wer­den Stu­di­en­be­wer­ber ab Okto­ber 2021 nur noch für den Cam­pus Ros­tock aufgenom­men.” Weit­er­hin berichtet man über die eigene Erfol­gs­geschichte auch am Stan­dort Schw­erin, die 2013 mit der Über­nahme des ein­sti­gen Baltic Col­leges begann. Und dann bemüht man nochmals die Coro­na-Krise, um die klare Entschei­dung gegen Schw­erin zu recht­fer­ti­gen. Auf­grund dieser gäbe es derzeit „keine Nach­frage an der FHM Schw­erin für das Stu­di­enkol­leg und für die inter­na­tionalen Stu­di­engänge.” Dass die Coro­na-Krise auch wieder ein Ende haben wird, bleibt dabei unberück­sichtigt. Man werde nun die Aktiv­itäten der FHM in Meck­len­burg-Vor­pom­mern am Stan­dort Ros­tock bün­deln, so Rek­torin Prof. Dr. Anne Dreier.

 

Corona-Krise für Schließung verantwortlich gemacht

In einem kurzen Tele­fonat bestätigte Frau Prof. Dreier unser­er Redak­tion dann nochmals, dass Schw­erin als auf inter­na­tionale (speziell asi­atis­che) Studierende aus­gerichteter Stan­dort nun von den Fol­gen der Coro­na-Krise unmit­tel­bar getrof­fen wurde und wird. Visa- und Ein­reise-The­matiken speziell auch für Studierende aus Chi­na ver­hin­derten aktuell fak­tisch deren Weg nach Deutsch­land. An der FHM sieht man auch für das laufende Jahr keine nach­haltig pos­i­tive Entwick­lung. Par­al­lel dazu sei der Stan­dort Ros­tock „erfreulich stark gewach­sen”. Kein Wun­der. Dort ent­standen auch deut­lich mehr als in Schw­erin diverse innerdeutsch stark nachge­fragte Stu­di­engänge. 

 

Betrieb läuft noch ordnungsgemäß bis 2024 – ohne neue Studierende

Eine wichtige Nachricht für die aktuellen Studieren­den in Schw­erin hat­te die FHM allerd­ings auch noch im Gepäck: Alle kön­nen, wie es heißt, ihr Studi­um hier in der Lan­deshaupt­stadt noch been­den „Der Lehrbe­trieb geht für alle an der FHM Schw­erin imma­trikulierten Studieren­den in den bish­eri­gen Räum­lichkeit­en mit unseren Pro­fes­soren und Ser­vicemi­tar­beit­ern ord­nungs­gemäß bis 2024 weit­er“, erk­lärt dazu die wis­senschaftliche Lei­t­erin der FHM in MV, Silke Pfeif­fer. Über diesen Zeit­punkt hin­aus soll Schw­erin dann nur noch Prü­fungszen­trum der Fach­hochschule sein. Damit kön­nen Fern­studierende dann hier Prü­fun­gen able­gen. Mit einem Hochschulleben hat das dann allerd­ings nichts mehr zu tun. 

 

Schwerin von FHM-Entscheidung überrascht

Dass die Entschei­dung der FHM selb­st Stan­dor­t­ex­perten doch über­raschend traf, liegt nicht zulet­zt auch an ein­er, wie sich nun zeigt, zumin­d­est in den let­zten Wochen und eventuell auch Monat­en eher intrans­par­enten Kom­mu­nika­tion­spoli­tik der pri­vat­en Fach­hochschule. Wie wir erfuhren, hat­te diese noch vor nicht langer Zeit unter­strichen, man plane, den Stan­dort Schw­erin fokussiert­er auf- und auszubauen. In Wirk­lichkeit dürfte sie da längst die Pla­nun­gen vor­bere­it­et haben. Unter den Über­rascht­en der Schließungsab­sicht­en war bzw. ist daher auch Ober­bürg­er­meis­ter Dr. Rico Baden­schi­er. „Für die Entwick­lung Schw­erins als Hochschul­stan­dort ist das eine schlechte Nachricht. Der Rück­zug wirft uns zurück. Daher bedauern wir diese Entschei­dung außeror­dentlich. Wir haben in den ver­gan­genen Jahren gemein­sam mit der IHK und dem Fördervere­in Förder­er von Hochschulen e.V. sehr gut mit der Fach­hochschule zusam­mengear­beit­et und die FHM in den ver­schieden­sten Bere­ichen aktiv unter­stützt“, erk­lärte der Ober­bürg­er­meis­ter von Schw­erin gestern.

 

Stadt erfuhr erst kurz vor Pressemitteilung von Schließungsplan

Und auch Bernd Not­te­baum zeigte sich sehr über­rascht. Auch er hat­te erst gestern Mit­tag von den Schließungsab­sicht­en des Stan­dorts Schw­erin erfahren. Kurz bevor die FHM ihre Pressemit­teilung ver­schick­te. Dass es derzeit eher alles ein wenig klein­er weit­erge­hen kön­nte, danach sah es wohl schon einige Wochen aus. Denn schon im ver­gan­genen Dezem­ber hat­te die FHM eine Teilkündi­gung des Mitver­trages für das Alte Frid­eri­cianum am Pfaf­fen­te­ich bei der WGS abgegeben. Die Stadt hat­te man allerd­ings nicht direkt informiert. Einige Zeit später kam es auch zu einem Vor-Ort-Ter­min, der bei Dez­er­nent Bernd Not­te­baum und Stadt­plan­er Andreas Thiele erste Skep­sis aufkom­men ließ. Man wollte aber alles tun, um im Sinne der FHM und des Objek­tes „Altes Frid­eri­cianum” und vor allem im Sinne des Hochschul­stan­dortes Schw­erin eine gute Lösung zu find­en.

 

Zieht nun die Medical School Hamburg in das Gebäude am Pfaffenteich?

Daher ent­stand die Idee, den Cam­pus­gedanken erneut aufzunehmen, und über eine gemein­same Nutzung des Are­als durch die FHM und die dem­nächst in Schw­erin aktive Med­ical School Ham­burg nachzu­denken. Neben dem Haupthaus am Pfaf­fen­te­ich gibt es noch Gebäude­bere­iche im hin­teren Grund­stück­steil, die man hätte schrit­tweise wieder inte­gri­eren kön­nen. „Und wenn sich bei­de Hochschulen dann entsprechend entwick­elt hät­ten, hät­ten wir uns dur­chaus vorstellen kön­nen, eine Idee von vor etwa zehn Jahren zu reak­tivieren”, so Not­te­baum. Damals gab es bere­its einen Architek­ten­wet­tbe­werb für einen Erweiterungs­bau ent­lang der Gaußs­traße. Ein span­nen­der Plan, der mehr stu­den­tis­ches Leben ins Zen­trum Schw­erins geholt hätte. Dafür allerd­ings hätte die FHM zwis­chen­zeitlich den tat­säch­lichen Flächenbe­darf benen­nen müssen. Dazu aber kam es nun nicht mehr. 

 

 

 

  • Stephan Haring

    Stephan Har­ing ist freier Mitar­beit­er unser­er dig­i­tal­en Tageszeitung. Er hat ein Bach­e­lor-Studi­um der Kom­mu­nika­tion­swis­senschaften an der Uni­ver­sität Erfurt mit den Neben­fäch­ern Sozial­wis­senschaften & Poli­tik absolviert. Im Nach­hinein arbeit­ete er in lei­t­en­den Funk­tio­nen der Presse- & Öffentlichkeit­sar­beit, im Leitungs­bere­ich eines Unternehmens sowie als Rek­tor ein­er pri­vat geführten Hochschule. Zudem entwick­elte, organ­isierte und real­isierte er mit der durch ihn entwick­el­ten LOOK ein Fash­ion­event in Schw­erin. Heute arbeit­et er freiberu­flich als Tex­ter, Press­esprech­er und Tex­tko­r­rek­tor sowie als Berater in ver­schiede­nen Pro­jek­ten. In einem Schw­er­iner Orts­beirat ist er zudem ehre­namtlich als Vor­sitzen­der kom­mu­nalpoli­tisch aktiv.

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