Schwerin: Gespräch zur Außengastronomie im Winter

Nachdem es zu Kritik seitens der Gastronomie an Regelungen der Stadt zu möglichen Außengastronomien im Winter gekommen war, traf man sich gestern mit Dezernent Bernd Nottebaum zu einem Gespräch. Im Ergebnis zeichnet sich eine Erleichterung zur Realisierung von Außengastronomie als Ausnahmeregelung für diesen Winter ab.

In Schwerin soll es in diesem Winter auch Außengastronomien geben – unbürokratisch. | Foto: Symbolbild

In dieser Woche lag einer unserer Themenschwerpunkte auf der momentanen Situation der Hotellerie und Gastronomie in Schwerin. Zum zweiten Mal in diesem Jahr befinden sich die Unternehmen in einem Lockdown. Zwar besteht die Möglichkeit, durch Außer-Haus-Verkäufe das Geschäft etwas aufrecht zu erhalten. Aber dies lohnt sich letztlich nicht für alle. Und auch für die anderen ist es eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Daher geht der Blick nach vorn. Auf die Zeit nach dem Lockdown. Dabei steht auch die Frage nach möglichen Außenflächen im Fokus.

 

Gastronomen dachten schon frühzeitig über Außenflächen im Winter nach

Schon vor mehreren Wochen hatten sich die ersten Gastronomen an die Stadt gewandt. Sie hatten natürlich bereits erkannt, dass auch im Winter durch die geltenden Hygiene-, Abstands- und Schutzmaßnahmen nur ein deutlich geringeres Platzangebot im Winter in den meisten Lokalen in Schwerin zur Verfügung stehen würde. Daher kam die Idee auf, durch Zelte oder Hütten auch Außenflächen nutzbar zu machen. Teilweise zum Aufstellen von zelten, teilweise von Hütten. Einige realisierten die Idee auch recht frühzeitig. Beispielsweise das Café Prag in der Schloßstraße/Ecke Puschkinstraße durch das Aufstellen zweier Pagoden. Oder das Restaurant „Durante am Großen Moor/Puschkinstraße durch eine Art Zelt.

 

Stadt wollte erneut unbürokratisch helfen

Damit ergab sich eine für die Stadt durchaus eher neue Situation. Denn während es in zahlreichen anderen deutschen und europäischen Städten schon lange gute Tradition ist, dass Gastronomien auch in der kalten Jahreszeit Außenflächen anbieten, ist dies für Schwerin eher Neuland. Wie im Sommer wollte die Verwaltung aber gern unbürokratisch und schnell helfen. Was im Sommer gelang, stellte sich nun allerdings als etwas problematischer dar. Denn es ist das Eine, Terrassen mit Stühlen und Tischen aufzustellen. etwas anderes sind größere Zelte oder Hütten. Möglich ist vieles – aber gerade Bauten benötigen schnell auch Baugenehmigungen. Auch dann, wenn sie nur zeitweise stehen sollen: das ist übrigens keine Erfindung der Stadt Schwerin, sondern geltendes Recht in Deutschland. Eben diesen eher etwas langwierigeren Weg wollte die Verwaltung vermeiden. Daher bezog Baudezernent Bernd Nottebaum kurzerhand die zu involvierenden Ämter zusammen. Es entstand ein Papier, das eigentlich die besagte Bürokratie zurücknehmen und schnelle Lösungen ermöglichen sollte.

 

In der Praxis zeigten sich Probleme und Kritik kam auf

Dieses Papier versandte die Verwaltung dann an einige Gastronomen. Weshalb es nicht alle erreichte, kann die Redaktion leider nicht sagen. Allerdings kam es nicht zum Jubelruf aus der Branche. Denn bei genauem Lesen zeigte sich, dass doch noch einige Komplikationen bestanden. Hier und da klangen Formulierungen widersprüchlich und für die Praktiker, die Lösungen brauchten, nicht nachvollziehbar. Nahm man es genau, hätten auch „Durante“ und „Café Prag“ ihre Außenflächen komplett abbauen müssen. Zudem wies das Papier Mindestabstände zwischen Aufbauten und Fassaden von 5 Metern aus. Ein Blick auf häufig in der Innenstadt stehende Buden bei Festen verschiedenster Art zeigt, dass diese deutlich dichter an den Häusern stehen. Wie man hört, folgte daher ein intensiver Mailkontakt zwischen einigen Gastronomen und der Verwaltung, in dessen Ergebnis man sich auf ein persönliches Gespräch verständigte.

 

Gespräch mit den Betroffenen am gestrigen Freitag

Dieses fand am gestrigen Freitag statt. Anders als man als Außenstehender vielleicht hätte erwarten können, knisterte die Luft zwar etwas, aber die Grundstimmung war offen.  So konnte, nach einleitenden Worten aus der Branche, Dezernent Bernd Nottebaum, der von Citymanager Stefan Purtz begleitet wurde, ausführlich die ursprüngliche Zielstellung der Stadt schildern. Schnell wurde deutlich, dass diese nicht wirklich mit dem Papier erreicht war. Aber Nottebaum hatte die im Schriftverkehr offenbar deutliche Kritik zum Anlass genommen, und in den Tagen zuvor nochmals innerhalb aller beteiligten Verwaltungseinheiten das Thema nochmals besprochen. Und er hatte durchaus positive Nachrichten im Gepäck. So kommt die Stadt den Gastronomen nun doch deutlich entgegen. Vieles, was im ersten Papier faktisch unmöglich war, scheint nun realisierbar. Zelte, Hütten und auch Stromversorgung sind nun nicht mehr ausgeschlossen.

 

Stadt zeigt Kompromisswillen und kommt Gastronomen deutlich entgegen

„Also können wir das Papier als Geschichte bezeichnen“, hieß es zusammenfassend aus den Reihen der Gastronomen. Zwar wollte Citymanager Stefan Purtz das nicht ganz so sehen. Er möchte an sich gern das Papier nun neu überarbeiten. Grundsätzlich aber ist es nun so, dass die Stadt für die Zeit bis zum 31. März 2021 nun wirklich unbürokratisch das Mögliche möglich machen möchte. Natürlich müssen vor allem der Brandschutz und einige zwingende andere Dinge beachtet werden. Das aber war für die Gastronomen selbstverständlich. Auch dürfen gewisse Größen nicht überschritten werden. „Das gilt aber in dieser Weise nur bis zum 31. März 2021 und nicht für die kommenden Jahre. Wir wissen um die großen Probleme der Branche und möchten hier wirklich unterstützen. Dass das nicht sofort gelang, mussten wir erkennen. Aber nun sollten wir gemeinsam auf einem guten Weg sein“.

Durchaus zufriedene Gesichter waren zu sehen, als alle den Raum nach der Runde verließen. Sicherlich muss nun die Realität zeigen, ob alles so unbürokratisch klappt, wie man es gesagt und verstanden hat.

Redaktion

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