Schwerin: Großparkplatz statt Schlossfestspiele?

Private Parkflächenbetreiber aber auch die Einwohner von Schwerin schauten nicht schlecht, als der Alte Garten am Wochenende zum Gratis-Großparkplatz wurde.

Ungewollt wurde der Alte Garten in Schwerin zum Großparkplatz. | Foto: schwerin-lokal

Viele Schwerinerinnen und Schweriner standen am vergangenen Wochenende erstaunt am Alten Garten. Dort, wo sonst um diese Zeit die national wie international bekannten Schlossfestspiele stattfinden, fühlte sich so mancher eher an den traditionellen Autofrühling einer regionalen Sonntagszeitung erinnert. Allerdings sind Veranstaltungen dieser Art an sich ja aktuell untersagt. Weshalb also standen reihenweise Autos auf dem wohl bekanntesten Platz der Landeshauptstadt Schwerin – umgeben von Staatstheater, Staatlichem Museum und Schloss?

Alter Garten war plötzlich Großparkplatz

Manch einer fühlte sich eventuell auch an die weiterhin nicht geklärte und schwelende Diskussion um Welterbe oder Schlossfestspiele erinnert. Aber auch damit hatte die aktuelle Situation nichts zu tun. Denn man mag denjenigen, die meinen, das eine wäre mit dem anderen nicht vereinbar, durchaus so manches nachsagen. Sicher aber würden sie nicht eines der Saisonhighlights für Tourismus und Wirtschaft unserer Stadt gegen einen Großparkplatz eintauschen. Was aber war dann los? Weshalb rollte ein Fahrzeug nach dem anderen auf den Alten Garten, während im Umfeld die Parkplätze und Parkhäuser noch ausreichend Kapazität boten?

Kostenlose Parkplätze direkt am Schloss in Schwerin – da ließen sich viele nicht zweimal bitten. | Foto: schwerin-lokal

Für die Gäste der Stadt eine Freude

Aus Sicht der Parkenden war die Antwort schnell gefunden. Noch näher an der bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt Schwerin, dem schönsten Märchenschloss Deutschlands, kann man wohl kaum parken. Und das Ganze war auch noch gebührenfrei. Auf den privat oder durch den Nahverkehr und die Stadt bewirtschafteten Flächen in Parkhäusern und auf Parkplätzen kostet es schließlich Geld. Auch nicht viel im Vergleich zu anderen Städten. Aber wer wollte es den Gästen der Stadt verdenken? Selbst Camper hatten schnell den Weg auf den Alten Garten gefunden. Schon seit Freitag standen Wohnmobile dort – mit freiem Blick auf die traumhafte Kulisse.

Private Parkraumbetreiber mussten mit weniger Parkenden leben

Schnell ging das Gerücht um, die Stadt wolle hier zusätzliche Anreize schaffen, um Touristen in die Stadt zu locken. Als eine Art zusätzliches Gastgeschenk, um die innerstädtische Wirtschaft durch mehr Parkraumkapazität zu unterstützen. Aber wie gesagt, in der Folge blieben auch kommunal betriebene Bezahl-Parkflächen leer. Der Schuss wäre nach hinten losgegangen. Und sowohl dem Nahverkehr als auch den privaten Parkflächenbetreibern hätten man nach den Wochen nur minimaler Auslastung und spürbarer Verluste einen Bärendienst erwiesen. Auf Nachfrage unserer Redaktion direkt beim Baudezernenten und stellvertretenden Oberbürgermeister Bernd Nottebaum stellte sich dann auch schnell heraus, dass die Stadt an einer solchen Aktion nicht beteiligt wäre. Dort, das bestätigte am Samstagabend auch das Ordnungsamt, wusste man nicht einmal etwas von einem zumindest temporär geplanten „Großparkplatz Alter Garten Schwerin“. Zuständig wäre ohnehin das Land als Eigentümer der Fläche.

Gut ausgelastet war der ungeplante Großparkplatz mitten in Schwerin über mehrere Tage. | Foto: schwerin-lokal

Gewaltsam entfernte Poller waren Auslöser – Land handelte nicht sofort

Und von dort kam dann auch die Auflösung des Rätsels. Vor wenigen Tagen hatten Unbekannte drei der den Alten Garten versperrenden Poller gewaltsam aus ihren Verankerungen gelöst. Einen fand man wohl noch im Gebüsch, die anderen blieben verschwunden. Nun galt es für die Staatliche Bau- und Liegenschaftsverwaltung des Landes also neue Poller zu beschaffen. Auf die Idee, die illegal entstandene Zufahrt sofort provisorisch durch Bauzäune oder ähnliches zu verschließen, kam man in der Behörde allerdings offenbar nicht. Dass dies eine Einladung für illegales Parken war, hätte den zuständigen Personen eigentlich klar sein müssen. Nicht bedacht hat man dort damit auch, dass so erneut Dritte in ihrem Unternehmenszweck getroffen werden. Nämlich eben die Betreiber von bewirtschafteten Flächen rund um das Stadtzentrum. Eines der bislang wettertechnisch schönsten Wochenenden, da wäre eine hohe Auslastung durchaus im Bereich des Möglichen gewesen. Aber nun fehlten hunderte parkender Kunden durch das ungeplant kostenfreie Angebot in Top-Lage von Schwerin. Zwischenzeitlich wollte das Land nun die Zufahrt doch schließen. Die Verluste, die den Betreibern durch das späte Handeln entstanden, wird aber vermutlich niemand ausgleichen.

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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