Schwerin: Grünen-Fraktion der Landeshauptstadt übt Kritik an Gewerbegebiet in Grabow

Schon lange plant die Gemeinde Grabow, etwa 50 Kilometer von der Landeshauptstadt Schwerin entfernt, einen neuen Gewerbepark. Umwelt und wirtschaftliche Interessen sollen hier auf ganz besondere Weise Hand in Hand gehen. Dass dafür aber möglicherweise bis zu 100 Hektar Wald fallen müssen, kritisieren nun die Gründen der Stadtvertretung Schwerin. Sie hinterfragen zudem den Sinn des Gewerbeparks vor dem Hintergrund, dass in Schwerin Flächen leer stehen.

Etwa 50 Kilometer entfernt von Schwerin, in der Eldestat Grabow, entsteht ein neuer Gewerbepark, der nicht nur Befürworter hat. | Foto: Thomas B.

Knapp 50 Kilometer von Schwerin entfernt liegt, direkt an der Elde, der beschauliche Ort Grabow. Vielen dürfte er vor allem durch die schon jahrzehntelange Schaumkuss-Produktion bekannt sein. „Grabower Küsschen“ waren und sind sozusagen auch weit über die regionalen Grenzen hinweg in aller Munde. Nun allerdings schickt sich die Gemeinde an, noch deutlich größere Brötchen zu backen. Denn direkt an der A14 entsteht ein neues Gewebegebiet. Der „Businesspark Eldetal“. Das Besondere dabei: Entstehen soll ein „grüner Wirtschaftsstandort“. Ein Standort, bei dem Wirtschaft und Umwelt im Einklang mit- und zueinander stehen sollen, zitierte die SVZ den einstigen Ideengeber und heutigen Landrat Stefan Sternberg. Anfang dieser Woche traf sich nun die große Landes- mit der engagierten Regionalpolitik vor Ort. Denn Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Wirtschaftsminister Harry Glawe überbrachten mit medialer Begleitung einen Fördermittelbescheid in Höhe von 38 Millionen Euro. 

 

Projekt schon länger bekannt – Jetzt erstmals Kritik aus den Reihen der Schweriner Grünen

Eben diese mediale Begleitung weckte offenbar die Grünen-Fraktion in Schwerin. Hatte man bislang aus dieser Ecke noch nichts für oder gegen den seit langem bekannten Plan des Gewerbegebietes gehört, meldete man sich nun aus der Landeshauptstadt zu Wort. Klarer Tenor: Die Fraktion spricht sich gegen das in erster Ausbaustufe längst genehmigte und bewilligte – und durch erste Unternehmen schon besiedelte – Gewerbegebiet aus. Die grünen Schweriner Kommunalpolitiker sehen in dem Vorhaben eine „massive Schwächung der Landeshauptstadt Schwerin“. Sie kritisieren daher die Wirtschaftspolitik der derzeitigen Landesregierung.

 

Landtagskandiat kritisiert neuen Gewerbepark, obwohl Flächen in Schwerin frei seien

Arndt Müller, Stadtvertreter Bü90/Die Grünen in Schwerin | Foto: Steffi Fischer

Wortführer ist dabei der aktuelle Grünen-Kandidat für den Landtag, Stadtvertreter und Umweltausschussmitglied Arndt Müller: „„Wir haben hier in Schwerin 200 Hektar Gewerbefläche im Industriepark ‚Göhrener Tannen‘ und suchen seit Jahren händeringend nach Betrieben, die sich hier ansiedeln wollen. Und jetzt soll quasi vor unserer Haustür ein weiterer Großgewerbestandort entstehen. Das ist absurd und zeigt, wie wenig nachhaltig und klimagerecht die Wirtschaftspolitik der Landesregierung für Westmecklenburg ist. Mit dem neuen Standort schwinden die Chancen für Schwerin, neue Betriebe zu gewinnen“. Müller bezeichnet die 38 Millionen Euro starke Förderung für Grabow im Namen seiner Fraktion als für Grabow „ein klimaschädigendes Wahlkampfgeschenk ohne Sinn und Verstand“.

 

Für „grünen“ Gewerbepark werden „über hundert Hektar Wald geschreddert“

Müller belässt es in seiner Kritik aber nicht allein dabei, dass der Industriepark Schwerin, der seit Jahren nicht vollständig besiedelt ist, nun neue Konkurrenz bekomme. Vielmehr stellt er den grünen Hintergrund, den Grabow und das Land dem „Gewerbepark Eldetal“ verleihen wollen, in Frage. „So ist uns völlig unbegreiflich, warum in Grabow wieder über hundert Hektar Wald geschreddert werden sollen. Obwohl es bisher keine entsprechenden Ansiedlungswünsche von Unternehmen gibt. Warum ein solches Gewerbegebiet als ‚grün‘ bezeichnet wird, erschließt sich uns in keiner Weise“, so der Landtagskandidat, der damit in Auszügen wortgleich die unter anderem in der Süddeutschen Zeitung zitierte Argumentation der Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl, Anne Shepley, übernimmt.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published.