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Schwerin erhält Millionenhilfe:
12,5 Millionen Euro für Schwerin – Trotzdem wächst das Haushaltsloch

Schwerin erhält 12,5 Millionen Euro vom Land für die Haushaltssanierung. Doch trotz der Finanzhilfe wächst das Defizit 2026 weiter. Steigende Sozial- und Jugendhilfekosten belasten die Stadtkasse.

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  • Veröffentlicht Juli 6, 2026
12,5 Mil­lio­nen Euro fließen vom Land in die Stadtkasse. Foto: Ste­fan Rochow 

 

Gute Nachricht­en für die Stadtkasse: Die Lan­deshaupt­stadt erhält vom Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern erneut Mil­lio­nen zur Ent­las­tung ihres Haushalts. Für das Haushalt­s­jahr 2025 fließen nun ins­ge­samt rund 12,5 Mil­lio­nen Euro nach Schw­erin. Davon ent­fall­en 9 Mil­lio­nen Euro auf die Kon­so­li­dierungszuweisung, weit­ere 3,49 Mil­lio­nen Euro sind als Son­derzuweisung für Investi­tio­nen vorge­se­hen. Das geht aus einem Bescheid des Innen­min­is­teri­ums her­vor, der der SNO-Redak­tion vor­liegt.

Die Finanzspritze kommt zu einem Zeit­punkt, an dem Schw­erin erneut mit wach­senden Haushalt­sprob­le­men kämpft. Nach der jüng­sten Finanzprog­nose der Stadt wird das Defiz­it im laufend­en Jahr 2026 voraus­sichtlich auf 20,5 Mil­lio­nen Euro steigen. Vor allem höhere Aus­gaben für die Jugend­hil­fe, den Sozial­bere­ich und das Per­son­al set­zen den Haushalt unter Druck. Die Lan­desmit­tel ver­schaf­fen der Stadt zwar Luft, lösen die struk­turellen Prob­leme aber nicht.

Millionenhilfe soll Sanierungskurs absichern

Dass Schw­erin heute erneut Kon­so­li­dierung­shil­fen erhält, ist das Ergeb­nis eines lan­gen Sanierungskurs­es. Bere­its 2015 schloss die dama­lige Ober­bürg­er­meis­terin Ange­li­ka Gramkow mit dem Innen­min­is­teri­um eine Kon­so­li­dierungsvere­in­barung. Das Land stellte finanzielle Unter­stützung in Aus­sicht, wenn die Stadt im Gegen­zug verbindliche Sparziele ein­hält und ihre Defizite Schritt für Schritt abbaut. Ziel war es, die finanzielle Hand­lungs­fähigkeit der Lan­deshaupt­stadt zurück­zugewin­nen und Investi­tio­nen wieder aus eigen­er Kraft stem­men zu kön­nen.

Die heutige Förderung erfol­gt auf Grund­lage des Finan­zaus­gle­ichs­ge­set­zes. Voraus­set­zung ist, dass die Stadt eigene Kon­so­li­dierungsanstren­gun­gen nach­weist und bes­timmte finanzielle Kenn­zahlen erre­icht. Nach Angaben des Innen­min­is­teri­ums erfüllt Schw­erin diese Voraus­set­zun­gen erneut. Im Haushalt­s­jahr 2025 erzielte die Stadt einen pos­i­tiv­en jahres­be­zo­ge­nen Sal­do der laufend­en Ein- und Auszahlun­gen und erre­ichte damit die geset­zlich geforderte Min­dest­größe.

Seit 2021 hat Schw­erin nach den Regelun­gen des heuti­gen Finan­zaus­gle­ichs­ge­set­zes ins­ge­samt rund 64,1 Mil­lio­nen Euro an Kon­so­li­dierungs- und Investi­tion­shil­fen erhal­ten. Bere­its zwis­chen 2015 und 2018 war die Stadt über den dama­li­gen Kon­so­li­dierungs­fonds des Lan­des unter­stützt wor­den. Gemein­sam mit eige­nen Spar­maß­nah­men kon­nte Schw­erin sein Defiz­it von rund 146 Mil­lio­nen Euro Ende 2020 auf etwa 66 Mil­lio­nen Euro Ende 2025 reduzieren – ein Abbau um rund 80 Mil­lio­nen Euro.

Ganz abgeschlossen ist der Kon­so­li­dierungskurs allerd­ings noch nicht. Nach Angaben des Innen­min­is­teri­ums weist der Haushalt Ende 2025 weit­er­hin einen neg­a­tiv­en Sal­do von rund 65,6 Mil­lio­nen Euro auf.

Steigende Sozialkosten setzen Haushalt unter Druck

Dass die Kon­so­li­dierung allein die Finanzprob­leme nicht löst, zeigt der Blick auf die aktuelle Haushalt­sen­twick­lung. Trotz der Hil­fen des Lan­des und höher­er Steuere­in­nah­men rech­net die Stadt für 2026 erneut mit einem deut­lichen Minus. Nach der aktuellen Finanzrech­nung zum 30. April ver­schlechtert sich die Prog­nose gegenüber den Annah­men nach der Anfang Feb­ru­ar ver­hängten Haushaltssperre um weit­ere 2,4 Mil­lio­nen Euro. Statt eines Defiz­its von 18,1 Mil­lio­nen Euro erwartet die Ver­wal­tung nun einen Fehlbe­trag von rund 20,5 Mil­lio­nen Euro.

 


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Die größten Belas­tun­gen entste­hen erneut im Jugend- und Sozial­bere­ich. Allein in der Jugend­hil­fe rech­net die Stadt inzwis­chen mit zusät­zlichen Aus­gaben von 4,2 Mil­lio­nen Euro. Hin­ter­grund sind steigende Ent­gelte für freie Träger sowie wach­sende Fal­lzahlen, ins­beson­dere bei sta­tionären Hil­fen zur Erziehung. Die Ver­wal­tung hat­te bere­its im ver­gan­genen Jahr Maß­nah­men zur Kosten­s­teuerung ein­geleit­et. Diese greifen bis­lang jedoch nur verzögert.

Auch im Sozial­bere­ich steigen die Aus­gaben weit­er. Für die Hil­fe zur Pflege und die Eingliederung­shil­fe erwartet die Stadt Mehrkosten von rund 2,2 Mil­lio­nen Euro. Ver­ant­wortlich dafür sind unter anderem höhere Ent­gelte in Pflegeein­rich­tun­gen sowie steigende Pflegekosten. Hinzu kom­men höhere Per­son­alkosten infolge der jüng­sten Tar­i­fab­schlüsse. Allein dafür kalkuliert die Ver­wal­tung mit einem zusät­zlichen Aufwand von rund 1,4 Mil­lio­nen Euro.

Ent­las­tung kommt dage­gen von der Ein­nah­men­seite. Vor allem die Gewerbesteuer entwick­elt sich bess­er als erwartet. Nach derzeit­iger Prog­nose wird die Stadt rund 63 Mil­lio­nen Euro ein­nehmen. Zusam­men mit höheren Lan­deszuweisun­gen und weit­eren Steuer­erträ­gen steigen die laufend­en Ein­zahlun­gen auf rund 462,3 Mil­lio­nen Euro. Den Ein­nah­men ste­hen allerd­ings Aus­gaben von mehr als 474 Mil­lio­nen Euro gegenüber. Pos­i­tiv bew­ertet die Ver­wal­tung zudem einen Min­derbe­darf von rund 1,1 Mil­lio­nen Euro bei der Kindertages­be­treu­ung.

Trotz der anges­pan­nten Lage hält die Stadt an wichti­gen Zukun­ft­spro­jek­ten fest. Der Aus­bau der dig­i­tal­en Infra­struk­tur an den Schulen wird eben­so fort­ge­set­zt wie Pla­nun­gen für neue Fahrrad­straßen am Dwang und in der Sta­dion­straße. Noch im Juni soll außer­dem der kom­mu­nale Wärme­plan von der Stadtvertre­tung beschlossen wer­den. Gle­ichzeit­ig weist die Ver­wal­tung darauf hin, dass steigende Energiepreise und weit­ere Kosten­steigerun­gen zusät­zliche Risiken für den Haushalt darstellen.

Schwesig: Kommunen müssen handlungsfähig bleiben

Die neuen Lan­desmit­tel hat­te Min­is­ter­präsi­dentin Manuela Schwe­sig bere­its beim kom­mu­nalpoli­tis­chen Abend der SPD-Frak­tion in Schw­erin angekündigt. Rund 170 Vertreter aus Kom­mu­nalpoli­tik, Wirtschaft und Ehre­namt disku­tierten dort über die Her­aus­forderun­gen der Lan­deshaupt­stadt. Im Mit­telpunkt standen The­men wie bezahlbares Wohnen, die soziale Tren­nung der Stadt­teile, Bil­dungschan­cen und die Jugen­dar­beit­slosigkeit.

Nach Ansicht Schwe­sigs ist ger­ade der Woh­nungs­bau entschei­dend, um die zunehmende Seg­re­ga­tion in Schw­erin zu ver­ringern. Neue Wohnge­bi­ete dürften nicht auss­chließlich mit teuren Eigen­tumswoh­nun­gen bebaut wer­den. Vielmehr müsse dort auch bezahlbar­er Wohn­raum für Fam­i­lien und die arbei­t­ende Mitte sowie sozial gefördert­er Woh­nungs­bau entste­hen. Als Vor­bild nan­nte sie unter anderem das Wiener Mod­ell.

Auch bei der Bil­dung ver­wies die Min­is­ter­präsi­dentin auf bere­its umge­set­zte Maß­nah­men wie die beitrags­freie Kita, den beitrags­freien Ferien­hort und das Startchan­cen­pro­gramm für Schulen. Zudem hob sie den soge­nan­nten Job­tur­bo für unter 25-Jährige her­vor. Nach ihren Angaben sei die Jugen­dar­beit­slosigkeit in Schw­erin dadurch bere­its von zwölf auf neun Prozent gesunken.

Mit Blick auf die angekündigten Mil­lio­nen­hil­fen sagte Schwe­sig, starke Kom­munen seien eine Voraus­set­zung für gute Lebens­be­din­gun­gen im Land. „Unsere Städte und Gemein­den sind das Rück­grat unseres Lan­des. Sie gestal­ten das Leben der Men­schen ganz unmit­tel­bar vor Ort – von der Kinder­be­treu­ung über Schulen bis hin zu Kul­tur und Infra­struk­tur. Deshalb ist es so wichtig, die Kom­munen zu stärken und ihre Hand­lungs­fähigkeit dauer­haft zu sich­ern.“

Für Schw­erin bedeutet die erneute Finanzhil­fe vor allem eines: Der jahre­lange Kon­so­li­dierungskurs wird fort­ge­set­zt. Die Lan­desmit­tel schaf­fen Spiel­räume für Investi­tio­nen und helfen dabei, die finanzielle Sta­bil­isierung voranzutreiben. Gle­ichzeit­ig machen die aktuellen Haushalt­szahlen deut­lich, dass die Lan­deshaupt­stadt trotz aller Fortschritte weit­er vor großen Her­aus­forderun­gen ste­ht. Vor allem die dynamisch steigen­den Aus­gaben im Jugend- und Sozial­bere­ich dürften die Stadt auch in den kom­menden Jahren finanziell stark fordern.