Finanzloch wächst:
Stadt Schwerin erwartet 2026 mehr als 20 Millionen Euro Defizit
Mehr Kosten für Jugendhilfe, Pflege und Personal: Schwerins Haushalt gerät weiter unter Druck. Trotz höherer Einnahmen rechnet die Stadt 2026 mit einem Defizit von mehr als 20 Millionen Euro.

Die Landeshauptstadt Schwerin muss für das laufende Haushaltsjahr 2026 mit einem größeren Finanzloch rechnen als bislang angenommen. Das geht aus dem aktuellen Bericht über die Finanzrechnung zum 30. April hervor, den die Stadtverwaltung jetzt vorgelegt hat. Trotz zusätzlicher Einnahmen verschlechtert sich die Prognose für den städtischen Haushalt deutlich. Besonders stark belasten steigende Kosten im Jugend- und Sozialbereich die Stadtkasse.
Nach aktuellen Berechnungen wird der jahresbezogene Saldo der laufenden Ein- und Auszahlungen nach Tilgung bei rund minus 20,5 Millionen Euro liegen. Geplant waren nach der bereits Anfang des Jahres verhängten Haushaltssperre noch etwa minus 18,1 Millionen Euro. Damit wächst das Defizit voraussichtlich um weitere 2,4 Millionen Euro an.
Die Haushaltssperre war Anfang Februar verhängt worden, nachdem die Rechtsaufsicht entsprechende Vorgaben gemacht hatte. Durch die Sperre sollte der ursprünglich noch deutlich höhere Fehlbetrag reduziert werden. Gleichzeitig wurde damit die vorläufige Haushaltsführung beendet. Nun zeigt die erste größere Finanzprognose des Jahres jedoch, dass die Stadt weiterhin unter erheblichem finanziellen Druck steht.
Jugendhilfe sorgt für massive Mehrkosten
Besonders problematisch entwickelt sich nach Angaben der Verwaltung erneut der Jugendbereich. Dort rechnet die Stadt inzwischen mit einem zusätzlichen Mehrbedarf von rund 4,2 Millionen Euro. Bereits im Vorjahr seien Maßnahmen zur Kostensteuerung eingeleitet worden. Diese hätten bislang aber noch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet oder griffen nur mit zeitlicher Verzögerung.
Als Hauptursache nennt die Verwaltung steigende Entgelte bei freien Trägern sowie wachsende Fallzahlen in einzelnen Bereichen der Jugendhilfe. Vor allem stationäre Hilfen verursachen deutlich höhere Kosten als ursprünglich kalkuliert. Die Entwicklung sei dabei kein Schweriner Sonderfall, sondern bundesweit zu beobachten.
Auch bei den Hilfen zur Erziehung verschärft sich die Lage. Laut Bericht steigen sowohl ambulante als auch stationäre Fallzahlen weiter an. Die angestrebte Reduzierung kostenintensiver Heimunterbringungen konnte bislang nicht erreicht werden. Stattdessen nahm die Zahl der Hilfen nach Paragraf 34 SGB VIII im Berichtszeitraum weiter zu. Die Stadt setzt nun verstärkt auf die Gewinnung zusätzlicher Pflegefamilien und die Umstrukturierung des Pflegekinderwesens.
Sozialausgaben steigen weiter
Neben der Jugendhilfe belastet auch der Sozialbereich den Haushalt erheblich. Für Hilfe zur Pflege und Eingliederungshilfe erwartet die Stadt zusätzliche Nettokosten von rund 2,2 Millionen Euro. Hintergrund seien vor allem steigende Entgelte in Pflegeeinrichtungen sowie höhere Pflegekosten.
Im Bericht wird darauf verwiesen, dass die Einflussmöglichkeiten der Kommune in diesem Bereich begrenzt seien. Die Pflegekassen und Krankenkassen führten die Entgeltverhandlungen federführend. Allein die jüngsten Abschlüsse hätten durchschnittliche Kostensteigerungen von rund zehn Prozent verursacht.
Zusätzlich entstehen höhere Personalkosten infolge der Tarifabschlüsse. Die Stadt rechnet allein dadurch mit einem zusätzlichen Aufwand von etwa 1,4 Millionen Euro. Insgesamt steigen die laufenden Auszahlungen der Stadt voraussichtlich auf mehr als 474 Millionen Euro an.
Höhere Einnahmen federn Belastungen teilweise ab
Gleichzeitig kann Schwerin in einigen Bereichen mit höheren Einnahmen rechnen als zunächst geplant. Vor allem die Gewerbesteuer entwickelt sich besser als erwartet. Die Stadt prognostiziert derzeit Einnahmen von rund 63 Millionen Euro und damit deutlich mehr als im Haushaltsplan vorgesehen.
Auch bei Landeszuweisungen sowie weiteren Steuereinnahmen rechnet die Verwaltung mit Verbesserungen. Insgesamt sollen die laufenden Einzahlungen 2026 bei rund 462,3 Millionen Euro liegen – etwa 5,6 Millionen Euro über dem Planansatz. Dennoch reichen diese zusätzlichen Einnahmen nicht aus, um die steigenden Ausgaben vollständig auszugleichen.
Positiv bewertet die Stadt außerdem die Entwicklung im Bereich der Kindertagesbetreuung. Dort wird derzeit ein Minderbedarf von rund 1,1 Millionen Euro erwartet. Die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege entwickelt sich damit günstiger als zunächst angenommen.
Stadt hält an wichtigen Projekten fest
Trotz der angespannten Finanzlage laufen zahlreiche Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte weiter. Im Verkehrsbereich arbeitet die Stadt unter anderem an den geplanten Fahrradstraßen am Dwang und in der Stadionstraße. Für mehrere Bahn-Haltepunkte werden zudem neue Radabstellanlagen vorbereitet. Allerdings fehlen dafür teilweise noch finanzielle Mittel und Genehmigungen der Rechtsaufsicht.
Auch bei der Digitalisierung der Schulen meldet die Verwaltung Fortschritte. Nach Angaben im Bericht sind inzwischen alle Schulen in Trägerschaft der Stadt an das Breitbandnetz angeschlossen. Weitere Schulen sollen in den kommenden Jahren digital modernisiert werden.
Im Bereich Klimaschutz soll der kommunale Wärmeplan noch im Juni von der Stadtvertretung beschlossen werden. Zudem arbeitet die Verwaltung derzeit an einem digitalen Monitoring-System für Klimaschutzmaßnahmen. Gleichzeitig weist die Stadt darauf hin, dass steigende Energie- und Kraftstoffpreise weiterhin erhebliche Risiken für den Haushalt darstellen könnten – insbesondere im Bereich Feuerwehr und Rettungsdienst.




