Schwerin: Historisches Bankgebäude soll Hotel werden

Das ist eine echte Überraschung: Aus dem seit über 20 Jahren leerstehenden Bankgebäude in der Friedrichstraße Schwerin soll ein 4-Sterne-Plus Hotel werden.

In der Friedrichstraße in Schwerin soll ein 4-Sterne-Plus-Hotel entstehen. In der Animation ist die Sandsteinfassade schein fertig. | Foto: AMEDIA Hotel

Wer das erste Mal durch die Friedrichstraße in Schwerin geht, bleibt unweigerlich an dem das Straßenbild dominierenden Gebäude Nummer 5 bis 7 stehen. Fragende Gesichter sind hier wohl tagtäglich zu erleben. Aber auch die Schwerinerinnen und Schweriner können und wollen sich nicht wirklich damit anfreunden, dass dieses prachtvolle Gebäude leer steht. 


Von Beginn an ein Bankgebäude – zuletzt aber 22 Jahre Leerstand

Erbaut zwischen 1904 und 1912 durch die Mecklenburgische Wechsel- und Hypothekenbank diente die Immobilie fortan bis Ende der 1990er Jahre als Bankgebäude. Vielen Schwerinerinnen und Schwerinern werden dabei vor allem noch die Nutzungen durch die Staatsbank der ehemaligen DDR und die Deutsche Bank in Erinnerung sein. Letztere zog 1998 in die heutigen „Schweriner Höfe“ um und verwarf vorhandene Umbaupläne für das Objekt und verkaufte es. Seither steht das Gebäude nunmehr 22 Jahre leer.


Sogar ein Parkhaus war hier im Gespräch

Zuletzt befand sich das dominante Gebäude im Eigentum eines Berliner Unternehmens, das es allerdings ebenfalls wieder zum Verkauf anbot. Wie Kenner der Immobilienszene Schwerins berichten können, gab es verschiedene Ideen und Anläufe, das Objekt wieder zum Leben zu erwecken. Manch potentielle Investoren waren sehr schnell wieder verschwunden. Andere beschäftigten sich intensiver mit dem denkmalgeschützten Objekt. Sie scheiterten aber an den Gebäudestrukturen, an den hohen Investitionsbedarfen oder aber auch am weniger entgegenkommenden Verhalten der Behörden. Um so erstaunlicher, dass es durchaus von der Stadtverwaltung seinerzeit unterstützte Pläne eines Investors gab, das Objekt mit Ausnahme der Fassade komplett abzureißen und dahinter ein Parkhaus zu errichten. Dies scheiterte letztlich vor allem an Problemen der Verkehrsführung. Aber, der Komplettabriss hinter der Fassade wäre demnach damals möglich gewesen. 

 

Erste Ideen für die Zimmer des geplanten Hotels in Schwerin zeigen, dass vorhandene Historie natürlich erhalten bleiben und integriert werden soll. | Foto: AMEDIA Hotel

Erfahrener Hotelentwickler und Betreiber plant ein Zusammenspiel aus Historie und Moderne

Aber all das ist Geschichte. Denn es zeichnet sich tatsächlich Rettung für das prachtvolle Gebäude ab. Mit dem österreichischen Hotelentwickler und -betreiber Udo Chistée hat sich ein Investor gefunden, der wieder Leben in die Friedrichstraße 5-7 bringen möchte. Und dies eben nicht in Form eines Standardhotels hinter einer historischen Fassade. Chistée, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika die AMEDIA Hotelgruppe mit derzeit 18 Häusern in Europa betreibt, hat bereits mit dem Schlosshotel in Wendorf bewiesen, dass er willens und in der Lage ist, wieder frühere Pracht in historische aber verfallene Objekte zu bringen.

Eben diese Liebe zum Detail plant er in Verbindung mit den heutigen Anforderungen an ein 4 Stern-plus-Hotel in der Friedrichstraße in Einklang zu bringen. „Wenn Sie die wundervoll vertäfelten Räume in der früheren Direktionsetage sehen, dann tauchen sie sofort in die Geschichte dieses Hauses ein. Niemand kann da auf die Idee, diesen einmaligen Charme verschwinden zu lassen. Wir möchten all das erhalten und in Verbindung mit modernen Gestaltungselementen ein besonderes Hotelerlebnis ermöglichen“, so Udo Chistée.

 

Die einstige Schalterhalle soll mehr Tageslicht bekommen und zum Innenhof geöffnet werden. | Foto: Hotelprojekt Schwerin | AMEDIA Hotel

Einstige Schalterhalle wird edler Bereich für Rezeption und Concept-Store

Aber das Ehepaar Chistée denkt noch viel weiter. So soll in der früheren Kassenhalle eine Mischung aus Rezeption und öffentlichen Shopbereichen entstehen. Raumhohe Glaswände trennen in der Planung  die einzelnen Bereiche voneinander ab, so dass der Gesamteindruck dieses großen Raumes – edel aufgewertet – nicht verloren geht. Oder besser wieder neu entsteht, denn derzeit ist dieser Bereich einfach nur heruntergekommen. Um das besondere Raumgefühl zu verstärken und zusätzliches Licht in die derzeit dunkle Fläche zu bringen, soll ein großes Deckenoberlicht wieder geöffnet werden. Da die Gebäudebereiche hinter dem historisch anmutenden Objekt wie ein U um einen Innenhof gebaut sind, möchte der Investor die Rückfront der bald wieder prachtvollen Halle zum niedriger gelegenen Hof hin öffnen.

 

Sollter die Idee eines Glasdachs über dem Innenhof – wie in Schwerin auch andernorts realisiert – genehmigt werden, wird auch diese Fläche erlebbar. | Foto: AMEDIA Hotel

Öffentlich zugänglicher Innenhof könnte durch Glasdach auch Gastronomiefläche werden

Eine breite wundervolle Treppe könnte schon bald aus der Halle in den Innenhof führen. Dort entstehen ein Restaurant mit Bar und gehobene Shop- und Dienstleistungsbereiche. Ein Blick nach oben, und man sieht die Fenster und kleinen  Balkone der geplanten Zimmer. Über dem Innenhof könnte ein großes Glasdach für eine Wetterunabhängigkeit sorgen. Ähnlich wie es in den „Schweriner Höfen“ gelang, wo ebenfalls ein Glasdach die historischen Gebäudeteile verbindet.

All diese Ideen haben Chistées gemeinsam mit ihren Planern bereits zu Papier gebracht und vor allem digital visualisiert. So kann man schon erahnen, wie die Geäste des Hauses vielleicht schon bald durch Concept-Store und anspruchsvolle weitere Shop wandeln und das eine oder andere Getränk an der Bar zu sich nehmen. All dies, das verspricht das Investoren-Ehepaar, wird auch öffentlich zugänglich sein. Es entsteht also kein Hotel fernab der Menschen dieser Stadt.


Eröffnung mit mindestens 100 Zimmern wäre Ende 2021 denkbar

Nach den Vorstellungen von Udo Chistée könnte diese Idee mitten in Schwerin schon 2022 Realität werden. Allerdings gilt es bis dahin noch viel mit der Stadtverwaltung zu besprechen. „Letztlich muss alles auch wirtschaftlich sein“, so Udo Chistée. „Und dafür sind zum Beispiel mindestens 100 Zimmer die wirkliche Untergrenze. Normalerweise benötigen Sie für ein Stadthotel sogar eher 120 Zimmer. Aber wir sollten mit etwa 100 in diesem dann wirklich wieder wunderschönen Objekt unsere Ziele realisieren können.“ Wie konkret das möglich sein kann, möchte der Investor mit allen am Entscheidungsprozess Beteiligten konstruktiv erörtern.


Chance auf für Schwerin bislang einmalige Architekturlösung

Dabei wird sicherlich auch die zukünftige Dachgestaltung des Vorderhauses eine Rolle spielen. Durch den jahrelangen Leerstand ist das Dach durch Feuchtigkeit und Taubenkot stark in Mitleidenschaft gezogen. Daher bietet sich nun die Möglichkeit, einer tatsächlichen Symbiose von Alt und neu. Eine Verbindung, wie sie speziell in Weltmetropolen wie Paris, Berlin, Budapest oder auch Wien anzutreffen ist. Dort setzt man sehr bewusst auf historische Fassenden und Gebäude moderne meist gläserne Etagen. Sie verbinden die Zeit der Erbauung mit der Moderne, ohne die historischen Bereiche zu zerstören. Eine echte Chance also, im Nachhinein auch ein zusätzliches architektonisches Highlight in Stadtführern über Schwerin zu finden. Und die Möglichkeit zu beweisen, dass auch wir hier in Schwerin unsere Geschichte und unsere Zukunft architektonisch interessant verbinden können.

Sollte das Glasdach kommen, wird der Innenhof – auch öffentlich – integrierter Teil und Ort der Gastronomie. | Foto: AMEDIA Hotel


Konstruktiv eine gemeinsame Lösung zur Wiederbelebung des Gebäudes finden

Nicht zuletzt gilt es zudem, die Frage der Parkplätze zu klären. Hier setzen die erfahrenen Hoteliers einerseits auf Busreisende, die keine Parkflächen vor Ort benötigen. Andererseits greifen sie auf ihre Erfahrungen in Wendorf und an anderen Standorten ihrer erfolgreichen Hotelkette zurück. „Wir können uns durchaus eine Shuttle-Lösung zum Hauptbahnhof vorstellen“. Denn eines der Ziele ist natürlich, so wenig Gäste wie möglich mit dem PKW anreisen zu lassen. Dies aber sei ohnehin ein Trend im Städtetourismus. 

Diese Entscheidungen, wie auch verschiedene weitere möchten Udo und Monika Chistée, die derzeit von etwa 15 bis 20 Millionen Euro Investitionsvolumen ausgehen, aber natürlich im Einvernehmen mit der Verwaltung treffen. „Wir sind uns der Verantwortung durchaus bewusst, die wir mit dem Ankauf dieses wirklich tollen Gebäudes im Herzen von Schwerin übernommen haben. Die Verantwortung nämlich, es wieder mit Leben zu erfüllen und den Schwerinerinnen und Schwerinern ein lange leerstehendes Denkmal neu erlebbar zu machen“, so Udo Chistée.

 

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Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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