Schwerin: IG BAU kritisiert deutlich zu viele Jobs mit „Verfallsdatum“

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) schlägt Alarm. In Schwerin waren im vergangenen Jahr 44 Prozent aller Neueinstellungen befristet. Das sind deutlich mehr als im Bundes- oder Landesdurchschnitt.

In der Reinigungsbranche sind auch in Schwerin befristete Stellen stark verbreitet – und werden für die Betroffenen
oft zur Falle. Dies muss sich ändern, so die IG BAU.

Wenn der Job eine Zitterpartie ist: Infolge der Corona-Pandemie tragen Beschäftigte, die in Schwerin einen befristeten Arbeitsvertrag haben, ein besonders hohes Risiko, ihren Job zu verlieren. Davor warnt die IG BAU. Im vergangenen Jahr hatten demnach 44 Prozent aller Neueinstellungen in der Stadt ein „Verfallsdatum“.

 

Schwerin liegt deutlich über Bundes- und Landesschnitt

Damit liegt Schwerin deutlich über dem bundesweiten Befristungsanteil von durchschnittlich 39 Prozent. Von rund 2.900 im zweiten Quartal neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen, waren etwa 1.300 befristet, so die Gewerkschaft. In ganz Mecklenburg-Vorpommern hatten übrigens 12.000 von insgesamt 33.000 Neueinstellungen ein Ablaufdatum. Eine Quote von 36 Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass auf dem heimischen Arbeitsmarkt etwas aus dem Ruder gelaufen ist. In der Corona-Krise können Befristungen für die Betroffenen leicht zur Falle werden, wenn Unternehmen solche Stellen nicht mehr verlängern“, sagt Jörg Reppin, Bezirksvorsitzender der IG BAU Mecklenburg. Nach Beobachtung des Gewerkschafters sind dabei befristete Stellen in Branchen wie der Gebäudereinigung und der Landwirtschaft besonders stark verbreitet. Junge Beschäftigte seien zudem besonders häufig betroffen. „Wer als Berufseinsteiger eine Wohnung finden oder einen Kredit aufnehmen will, hat mit einem befristeten Vertrag schlechte Karten. Wegen der Unsicherheit vertagen einige sogar den Wunsch nach eigenen Kindern“, kritisiert Reppin.

 

IG BAU fordert Umsetzung des Koalitionsvertrags

Die IG BAU fordert die Bundesregierung daher auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen. In diesem sei vorgesehen, Befristungen ohne einen sogenannten Sachgrund einzudämmen. Als Sachgründe gelten dabei etwa eine Schwangerschaftsvertretung oder eine Probezeit. Ein aktueller Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht vor, dass sachgrundlose Befristungen künftig nur maximal 18 anstatt bisher 24 Monate andauern. Zudem wären sie in diesem Zeitraum nur noch einmal statt wie bisher dreimal verlängerbar. In Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Verträge auf höchstens 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden. „Bisher stand die Union bei diesem Vorhaben auf der Bremse“, so Gewerkschafter Reppin mit Blick auf CDU und CSU. „Aber das Gesetz ist überfällig. Und es bleiben nur noch wenige Wochen, um es in dieser Legislaturperiode durch den Bundestag zu bringen“. Die Pandemie habe gezeigt, dass neben den kaum abgesicherten Minijobs und Leiharbeitsverhältnissen auch Befristungen alles andere als krisenfest seien.

 

Besonders junge Menschen betroffen

Nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung hatten im zweiten Quartal vergangenen Jahres in der Altersgruppe bis 25 Jahre bundesweit knapp 51 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge ein Ablaufdatum (Azubis nicht mitgerechnet). Frauen sind dabei häufiger von Befristungen betroffen als Männer. Auch ein Migrationshintergrund wirkt sich negativ aus, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im vergangenen Jahr wurden befristete Verträge laut IAB seltener verlängert, die Personalabgänge nach Befristungsende stiegen an und die Zahl der Übernahmen in unbefristete Beschäftigung sank deutlich.

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