Schwerin: Keine Baumaßnahmen am Grunthalplatz

Mehrfach hatte die Tagespresse über einen Baustart am Grunthalplatz im Frühjahr berichtet. Nun muss der Nahverkehr Schwerin das Großprojekt verschieben.

Der Grunthalplatz in Schwerin ist der Bahnhofsvorplatz der Landeshauptstadt. Hier plant(e) der Nahverkehr eine teilweise Umgestaltung.

In den vergangenen Wochen geisterten wiederholt Meldungen über einen unmittelbar bevorstehenden Beginn umfangreicher Baumaßnahmen am Grunthalplatz durch die gedruckte Tagespresse. Anliegende Hoteliers waren in Aufregung und kamen öffentlich zu Wort. Nun heißt es aber: „Kommando zurück“. Die Maßnahme wird vermutlich über Jahre verschoben.

Tagespresse hatte mehrfach Baustart angekündigt

Seit einigen Wochen herrschte viel Aufregung und Ungewissheit um ein scheinbar bevorstehenden Großbauprojekt des Nahverkehr Schwerin am Grunthalplatz. Die Schweriner Volkszeitung hatte mehrfach darüber berichtet, dass bereits im Frühjahr die Bagger auf dem Bahnhofsvorplatz anrollen sollen. Die Rede war dabei von weit mehr als einer Sanierungsmaßnahme. Im Rahmen einer umfangreichen Neugestaltung plante der Nahverkehr, Gleise um einige Meter in Richtung Bahnhof zu verlegen. Im Ergebnis sollte ein deutlich breiterer Haltestellenbereich in Richtung Kliniken entstehen. Auch die Überquerung der Wismarschen Straße für Fußgänger und Radfahrer sollte sich deutlich verbessern.

Stephan Haring, Vorsitzender Ortsbeirat Altstadt, Feldstadt, Paulsstadt, Lewenberg | Foto: Ecki Raff, Schwerin

Ortsbeirat zeigte sich verwundert über mangelnde Information

Aus den Reihen des Behindertenbeirates Schwerin kam schon im Vorfeld Zustimmung. Denn gerade für Menschen mit Handicap stellt die Wismarsche Straße an dieser Stelle eine große Hürde dar. Und auch der Ortsbeirat hatte ersten Überlegung in dieser Richtung offen gegenüber gestanden. „Im Dezember 2018 hatte uns der Geschäftsführer des Nahverkehrs Schwerin, Wilfried Eisenberg, bereits im Rahmen einer öffentlichen Sitzung über das Vorhaben informiert. Damals allerdings bat er noch um etwas Geduld. Die Realisierung musste unter anderem aufgrund anderer Straßenbauprojekte noch etwas aufgeschoben werden. Durchaus war damals schon von 2020 die Rede. Allerdings haben wir seither nichts mehr von dem Vorhaben gehört. Um so überraschter war ich über die verschiedenen Artikel in der Tagespresse Ende vergangenen Jahres“, so Stephan Haring, Vorsitzender des Ortsbeirates Altstadt, Feldstadt, Paulsstadt, Lewenberg, „Eigentlich hatten wir besprochen, dass der Ortsbeirat frühzeitig eingebunden wird.“

Nahverkehr stoppt Bauvorhaben – Beginn nun frühestens 2024

So nachvollziehbar die kritische Sicht des Ortsbeiratsvorsitzenden auch ist, so unerwartet überholt ist das gesamte Thema seit gestern. Denn am gestrigen Nachmittag erreichte die Medien unserer Stadt eine Presseinformation des Schweriner Nahverkehrs zu dem Vorhaben. In der an unsere Redaktion gerichteten Text heißt es: „Bedauerlicherweise müssen wir darüber informieren, dass der barrierefreie Ausbau der Haltestelle Hauptbahnhof, verbunden mit der Schaffung barrierefreier Querungshilfen, bis auf weiteres ausgesetzt werden muss. Da die geplante Erneuerung der Brücke Wallstraße nach derzeitigem Kenntnisstand in den Jahren 2021 bis 2023 vorgesehen ist, können somit die Arbeiten zum barrierefreien Ausbau der Haltestelle Hauptbahnhof frühestens 2024 erfolgen.“

Zeitraum zu knapp – Ortsbeirat bietet nochmals Zusammenarbeit an

Hintergrund dieser Entscheidung sollen Schwierigkeiten hinsichtlich der Realisierung der sehr ehrgeizigen Zeitpläne des Nahverkehrs Schwerins ein. Dieser hatte alles daran gesetzt, in einem für alle Beteiligten möglichst überschaubaren Zeitraum das Vorhaben zu realisieren. Da im Rahmen des komplexen Vorhabens aber auch eine Erneuerung diverser unterirdischer Leitungen und die endgültige Neugestaltung der Oberfläche erforderlich sind, kamen am Ende zu viele nachvollziehbare Einzelanforderungen zusammen. Auch lagen bis zuletzt noch nicht aller erforderlichen Gutachten vor, wie bereits im Dezember in einem Monatsmagazin zu lesen war.

„So kritisch wir auch die Reihenfolge der Vorabinformationen beurteilen, so sehr bedauern wir, dass sich das Gesamtvorhaben nun um einen so langen Zeitraum verschieben wird. Das mit dem Projekt verbundene Anliegen, barrierefreie, sichere Übergänge für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen, haben wir von Beginn an unterstützt. Die momentane Situation ist definitiv zu gefährlich – für alle Verkehrsteilnehmer“, so Stephan Haring. „Aber jetzt sollten wir aus dem Problem eine Chance machen. Unser Ortsbeirat wird sich intensiv in die Vorbereitung des dann tatsächlichen Baustarts einbinden und sicherlich mit verschiedenen Beteiligten – Kritikern wie Befürwortern – das Gespräch suchen. Das Ziel muss sein, gemeinsam zu einem sicheren Grunthalplatz zu kommen.“

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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