Schwerin: (K)Eine Brücke für und in Friedrichsthal? Ein Ortsbeirat kämpft für Fußgänger und Radfahrer

Eine Brücke aus Tropenholz, die über einen Bahndamm in ein traumhaftes Naherholungsgebiet mit Wald und See führt - viel romantischer und erholsamer kann wohl kaum eine bildhafte Vorstellungs ein. Diese Romantik aber ist in Friedrichsthal seit einiger Zeit gestört. Denn dort gibt es eine solche Brücke, die allerdings gesperrt ist. Naturerlebnis und somit naturverbundene Erholung sind damit an dieser Stelle nicht möglich. Der zuständige Ortsbeirat startete eine Initiative zur Wiederherstellung der Brücke. Die Fachverwaltung lehnte dies nun mit der Begründung fehlenden Bedarfes ab. Damit aber gibt sich der Ortsbeirat nicht zufrieden. Er widerspricht der Verwaltungssicht deutlich und wendet sich an die Schwerinerinnen und Schweriner. Ihre Meinung ist gefragt.

Am äußersten Zipfel von Schwerin, ein Stück westlich von der Einmündung der K 28 nach Herren-Steinfeld in die B 104, befindet sich eine Brücke. Sie verläuft über die dort parallel zur B 104 befindliche Eisenbahnstrecke. Diese Brücke wurde vor allem von Fußgängern, Wanderern und Radfahrern genutzt. Meist wollten sie von diesem westlichsten Punkt aus die Wanderwege entlang des Neumühler Sees erkunden. Gegenüber des Aufgangs zur Brücke befindet sich – auf der anderen Straßenseite im Wald – ein unbefestigter „wilder“ Parkplatz. Wie „wild“ auch immer er ist: Er war durchaus gut frequentiert. Ein idealer Ort, das Auto abzustellen und einen Waldspaziergang zu unternehmen. Alles klingt nach einem idyllischen Fleckchen. Einem optimalen Ort für den nächsten Ausflug. 

 

Für Naherholung wichtige Brücke seit langer Zeit gesperrt

Dem wäre auch so, gäbe es nicht ein echtes Problem. Denn all diese so sehr nach Naherholung klingenden Ideen sind seit geraumer Zeit nicht mehr möglich. Die Brücke aus Tropenholz, das Herzstück dieses Ortes, ist marode, baufällig und wohl einsturzgefährdet. Daher ist sie gesperrt. Eine Situation, mit der sich Fußgänger und Radfahrer ebenso wenig anfreunden können und wollen, wie die Vertreterinnen und Vertreter des zuständigen Ortsbeirates Friedrichsthal. Letztere vertreten schließlich die Interessen der in diesem Bereich wohnenden Menschen. Aber natürlich fühlen sie sich auch all denjenigen verpflichtet, die hier, aus anderen Stadtteilen und dem Umland kommend, ihre Freizeit in der Natur genießen wollen. Daher startete der Ortsbeirat eine Initiative mit dem Ziel, die defekte Brücke in die Investitionsplanungen der Stadt aufzunehmen. Nicht nur in Friedrichsthal keimte daraufhin wieder Hoffnung auf. Diese aber zerschlug der zuständige Fachdienst Verkehrsmanagement nun mit einem Schlag.

 

Stadtverwaltung sieht keinerlei Handlungsbedarf

Dessen Darstellungen lesen sich dabei recht deutlich, und lassen sich mit vier Worten zusammenfassen: Die Brücke ist überflüssig. So habe man vor zwei Jahren über einen Zeitraum von drei Stunden eine Verkehrszählung durchgeführt. Lediglich acht Radfahrer und vier Fußgänger hätten am Ende auf dem Papier gestanden. Das sei eindeutig zu wenig, um eine neue Brücke zu errichten. Zudem sei auch an anderer Stelle ein Waldzugang möglich. Mit dem Rad beispielsweise etwa einen Dreiviertelkilometer entfernt, nutzt man den neuen Radweg entlang der B 104. Die gezählte Fußgängerzahl belege zudem, dass für diese wenigen Personen ein entsprechender Zugang gar nicht notwendig sei. Zudem gäbe es westlich der Brücke auch keine weiter interessanten Ziele. Und im Bereich Heimweg/Waldweg – zwei Kilometer entfernt – befänden sich übrigens auch ausreichend Parkmöglichkeiten.

 

Ortsbeirat kontert Verwaltungsdarstellung

Für weniger Ortskundige mögen diese Darstellungen durchaus plausibel klingen. Vor allem der daraus resultierende Schluss, eine neue Brücke sei nicht notwendig. Deutlich anders allerdings sieht dies der Ortsbeirat, der die Lage vor Ort zumindest durch eigenes Erleben kennt. Aus dessen Reihen nämlich kommen deutliche Zweifel an den Darstellungen der Behörde.  „Die Brücke dient als westlichster Zugang zu den Wanderwegen rund um den Neumühler See. Der Rundweg ist zwar zur Zeit wegen eines zerstörten Bohlenweges nicht durchgängig zu nutzen. Er könnte aber wieder instandgesetzt und damit nutzbar werden“, heißt es in einer Erklärung. Hinsichtlich der anderweitigen Waldzugänge vertritt man in dem Gremium, die Auffassung, dass diese vom westlichen Ende her weder Radfahrer noch Fußgänger nutzen würden. Unter anderem auch, da sie teilweise schwer zu begehen wären. 

Und auch mit Blick auf die Parkplatzsituation geht der Ortsbeirat mit dem Verkehrsmanagement nicht konform. Die benannte Option sei gar kein Ersatz für den Zugang über die Brücke. Schließlich wolle nicht jeder erst nach Friedrichsthal hinein fahren, um dann den „versteckten“ Parkplatz zu suchen. Aus Sicht des ehrenamtlichen Gremiums sei vielmehr eine sinnvolle Gesamterschließung des gesamten Naherholungsgebietes um den Neumühler See erforderlich. Dazu gehöre dann auch der westliche Zugang über die Bahn – und damit eine Erneuerung der Brücke.

 

Meinung der Schwerinerinnen und Schweriner ist gefragt

Nun möchte der Ortsbeirat auch die Bürgerinnen und Bürger der Landeshauptstadt bei diesem Thema aktivieren und mitnehmen. Denn letztendlich sind es, wie dargestellt, nicht wenige, die auch aus anderen Stellen der Stadt einstmals kamen, um über die Brücke in Richtung Neumühler See zu gehen, und die traumhafte Natur in diesem Teil der Stadt zu genießen. Soll also die Stadt die Brücke erneuern, oder ist sie überflüssig? Bedarf es eines Gesamtkonzepts für das Naherholungsgebiet rund um den Neumühler See einschl. des westlichen Zugangs? Was sollte kurzfristig getan werden, was ist dringend zu veranlassen? Fragen, auf die sich der Ortsbeirat auch Ihre Antwort wünscht. Die Mitglieder bitten darum, Ihre Meinung per Brief oder Mail zu senden.

Postanschrift: Landeshauptstadt Schwerin – Ortsbeirat Friedrichsthal, Am Packhof 2-4, Postfach 11 10 42, 19010 Schwerin
Mail: ortsbeirat-friedrichsthal@schwerin.de

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