Schwerin: Landesbeauftragte gratuliert Ines Geipel

Anne Drescher Landesbeauftragte (Sitz: Schwerin), begrüßt die Verleihung des Lessing-Preises für Kritik an Schriftstellerin Ines Geipel.

Ines Geipel erhält den Lessingpreis für Kritik 2020 | Foto: Von Amrei-Marie – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77784659

Die Berliner Schriftstellerin Prof. Ines Geipel hat am Sonntag in Wolfenbüttel der Lessing-Preis für Kritik 2020 erhalten. Den durch die Preisträgerin zuerkannten Förderpreis erhielten dabei Margarita Maslyukova, Ekaterina Melnikova und Ekaterina Pavlenko von der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial. Den Lessing-Preis für Kritik vergeben die Braunschweigische Stiftung, die Lessing-Akademie Wolfenbüttel und die Stadt Wolfenbüttel gemeinsam.

 

Würdigung auch von der Landesbeauftragten

Die Würdigung von Ines Geipel ihren Einsatz bei der Aufarbeitung von Diktaturvergangenheit sorgte bei Anne Drescher, Landesbeauftragte für MV für die Aufarbeitung der SED-Diktatur mit Sitz in Schwerin, für Freude. „Ines Geipel hat sich für geschädigte ehemalige DDR-Sportler, für die Aufklärung über das DDR-Staatsdoping und für unterdrückte DDR-Literatur engagiert. In ihrem literarischen Schaffen hat sie sich berührend und tiefgründig mit Verletzungen und Deformationen eines diktatorischen Systems auseinandergesetzt. Besonders freut mich auch die Vergabe des Förderpreises durch Ines Geipel an die drei jungen Historikerinnen von Memorial Russland“, so Drescher.

In ihrer Laudatio betonte Literaturkritikerin Dr. Insa Wilke: „Im Werk von Ines Geipel geht es immer wieder um den Osten. Um das Erbe, das man nur ausschlagen kann, wenn man es kennt. Sie tritt dafür ein, endlich diese Perspektive des Ostens mitzudenken, auch ihre Extreme. Sie hat dabei eindrucksvoll belegt, wie das in all den wichtigen Debatten um Vergangenheit, die in den 1990er Jahren geführt wurden, nicht passiert ist.“

 

Geipel: „Unglaublich, mit welcher Härte die wirklichen Opfer der zweiten Diktatur weg erzählt werden“

Ines Geipel, in Dresden geboren, war lange Jahre Leichtathletin und ist heute als Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin aktiv. Zudem wirkt sie als Schriftstellerin und Publizistin. Ein wichtiger Hintergrund ihres Wirkens findet man dabei in der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen als Opfer der SED-Diktatur. Im speziellen dabei des staatlich verordneten Dopings im DDR-Leistungssport. Von 2013 bis 2018 Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe, erhielt Geipel 2011 wegen ihres Engagements für in der DDR unterdrückte Literatur und für ihre Aufarbeitung des DDR-Zwangsdoping-Systems samt Entschädigung der Doping-Opfer mit das Bundesverdienstkreuz.  2017 folgte die Auszeichnung mit dem Goldenen Band der Sportpresse.

Im Jahr 2019 fand Geipel deutliche Worte zur nicht begonnenen Aufarbeitung der Geschichte der DDR. Geld allein könne den Osten Deutschlands nicht demokratischer machen. Es sei dabei, so Geipel gegenüber der Zeitung „Die Wochenzeitung„, „unglaublich, mit welcher Härte man die wirklichen Opfer der zweiten Diktatur weg erzählt“. Fünfzig Jahre Diktaturerfahrung hätten eine traumatisierte Kultur hinterlassen.

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