Schwerin: Mieterhöhungen der WGS in der Kritik

Jetzt, da viele Menschen Sorge ihre Gesundheit und die Zukunft haben, verschickte die kommunale WGS Mieterhöhungen. Die UB-Fraktion Schwerin protestiert.

Die Wohnungsgesellschaft Schwerin hat Mieterhöhungen in die Kästen ihrer Mieter flattern lassen. | Foto: Symbolbild

Deutschlandweit wächst die Angst der Menschen vor der immer sprunghafter ansteigenden Verbreitung des Corona-Virus. Das öffentliche Leben ist spürbar heruntergefahren. Seriöse Wissenschaftler aber warnen noch immer vor nicht vorstellbaren Zahlen an Infizierten und vor allem auch Toten. Ausgangsbeschränkungen scheinen auch in MV und damit auch in Schwerin bevor zu stehen. Zudem sind Angst um Arbeitsplatz und Lohnverlust überall spürbar. Kurz: Es ist eine Zeit der Unsicherheit und sicherlich bei vielen auch der Angst. Da war es bestimmt keine freudige Überraschung, als zahlreiche Mieter der kommunalen Wohnungsgesellschaft WGS in diesen Tagen ihre Briefkästen öffneten.


WGS verschickte in dieser Woche Mieterhöhungen

Darin befand sich nämlich nicht die Information, dass die städtische Wohnungsgesellschaft nun mit Sensibilität und Fingerspitzengefühl agieren will. Das hätte man eigentlich annehmen können, denn unzählige Menschen fürchten derzeit um ihre Arbeitsplätze. Und mindestens ebenso viele müssen wegen Kurzarbeit mit deutlichen Gehaltseinbußen in nächster Zeit leben. Da hätten viele sicher gerade jetzt ein menschliches Signal erhofft. Die Realität aber war und ist eine andere. In den Umschlägen befanden sich Mieterhöhungen. Statt menschlicher Reaktionen in dieser Zeit also eine höhere Miete auf Grundlage des Mietspiegels. Vielen Mietern dürfte der Atem gestockt haben. 

Unabhängige Bürger Schwerin fordern Rücknahme oder Aussetzung der Erhöhung

Das bleibt natürlich auch der Kommunalpolitik nicht verborgen. Die Fraktion Unabhängige Bürger (UB) Schwerin wandte sich daher nun an den Geschäftsführer der WGS, Thomas Köchig. Die Fraktion fordert ihn auf, die ausgesprochenen Mieterhöhungen zurückzunehmen oder zumindest auszusetzen. 

 

Manfred Strauß, Fraktion Unabhängige Bürger Schwerin

„Unsensible Aktion ohne jedes Fingerspitzengefühl“

„Wir halten die Vorgehensweise der städtischen Wohnungsgesellschaft angesichts der derzeitigen Umstände für unsensibel. Das Agieren lässt jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Alles wird momentan in unserem Land runtergefahren. Viele Menschen sind sehr verunsichert angesichts der Corona-Krise. Manche Mieter werden mit Sicherheit Existenzängste durchleben, vor allem wegen der Gesundheit, aber auch wegen der ungewissen Jobaussichten. Denn viele Arbeitgeber müssen ihre Geschäfte schließen oder auf Sparflamme fahren. Keiner weiß daher momentan, wie es weitergeht. Deswegen kommt die Mieterhöhung zur absoluten Unzeit. Selbst wenn es rechtlich in Ordnung sein sollte: Was wir nicht gebrauchen können, ist eine zusätzliche Verunsicherung der Menschen. Das passiert aber, wenn Mieterhöhungen ins Haus flattern, als ob nichts passiert wäre. Daran ändert auch nichts, wenn die Wohnungswirtschaft von der Landes- und Bundespolitik Hilfsfonds fordert. Die Menschen erwarten jetzt Maßnahmen, die Zuversicht und Unterstützung aufzeigen – dazu gehört keine Mieterhöhung“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Manfred Strauß.

 

Kommentar

Das nenne ich mal falsches Timing. Just in der Zeit, in der die Menschen eine Stärkung in ihrem Alltag benötigen und ohnehin verunsichert in die Zukunft schauen, kommt von der kommunalen Wohnungsgesellschaft eine Mieterhöhung ins Haus geflattert. 

Eventuell liegt der organisatorische Vorlauf ja schon etwas zurück

Allerdings, das gehört dann auch zur Wahrheit, die Erhöhungsschreiben für eine derart große Anzahl an Mietern wird unsere Wohnungsgesellschaft Schwerin vermutlich nicht mal eben Montag früh im Morgenmeeting beschlossen, dann fix geschrieben und verschickt haben. Ich nehme an, das Ganze braucht einen gewissen Vorlauf. Also besteht ja noch die Chance, dass Planung und Vorbereitung schon ein wenig zurück liegen.  Mir fehlen auch die Einblicke, ob und inwieweit man das Ganze noch kurzfristig hätte stoppen können. Mein Bauchgefühl sagt, das müsste gehen. Aber zwischen Realität und Gefühl liegen letztlich doch immer wieder Welten.

Zeitnahes Reagieren im Interesse der Mieter ist möglich und nötig

Sollten es also diese oder ähnlich organisatorisch-technische Gründe sein, liegt der Ball doch nun im Spielfeld von Geschäftsführer Thomas Köchig und auch dem kommunalpolitisch besetzten Aufsichtsrat. Denn angekommen sind die Briefe nun mal jetzt in der denkbar schlechtesten Zeit. Das wird doch hoffentlich niemand bestreiten. Also könnte man doch den kommenden Montag nutzen, um zu telefonieren und sich darauf zu verständigen, diese Erhöhungen um mindestens drei oder auch sechs Monate zu verschieben und zudem ohnehin erforderliche situationsbezogene weitere Lösungen zu finden. Man muss es nur wollen in der kommunalen Wohnungsgesellschaft und im kommunalpolitisch besetzten Aufsichtsrat.

Es geht um die Menschen unserer Stadt, die derzeit keine zusätzlichen und vor allem verhinderbaren Sorgen und Ängste gebrauchen können!

 

Redaktion

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