Schwerin: Neue Doppelspitze des Staatstheaters benannt

Endlich Klarheit: Hans-Georg Wegner wird neuer künstlerischer Intendant in Schwerin. An seiner Seite in der neuen Doppelspitze steht Christian Schwandt.

Das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin bekommt einen neuen Intendanten. | Foto: Silke Winkler

Seit wenigen Minuten ist es raus: Der Operndirektor des Musiktheaters am Deutschen Nationaltheater Weimar, Hans-Georg Wegner, wird neuer künstlerischer Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin. Er wird allerdings nicht allein das Haus leiten. Denn mit dem Wechsel an der Hausspitze bekommt das Mecklenburgische Staatstheater eine Doppelspitze.  An der Seite Wegners übernimmt der bisherige Theaterchef Lübecks, Christian Schwandt, u.a. den wirtschaftlichen Part in Schwerin. In einer Videokonferenz, an der u.a. auch Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier teilnahm, informierte Kultusministerin Bettina Martin soeben die Belegschaft des deutschlandweit bekannten Hauses.

Kultusministerin informierte Belegschaft soeben über die Entscheidung

Diesen Schritt kann man durchaus als besonders, wenn nicht einmalig bezeichnen. Zwar liegt die Zuständigkeit für das Mecklenburgische Staatstheater natürlich (auch) in den Händen der Ministerin. Aber es ist schon ein bemerkenswerter Schritt, dass sie persönlich die Belegschaft über die Entscheidung in Kenntnis setzt, wer ab der Spielzeit 2021/22 die Verantwortung für das Haus trägt. In einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt, hatte sie sich am gestrigen Nachmittag an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „unseres“ Mecklenburgischen Staatstheaters gewandt und diese zu einer Videokonferenz für den heutigen Morgen eingeladen. Es gäbe „wichtige Neuigkeiten für Sie, für uns, für unser Mecklenburgisches Staatstheater“.

Entscheidung beendet Zeit der Ungewissheit

Das war, wie sich nun zeigte, alles andere als übertrieben. Denn mit der Mitteilung, dass Hans-Georg Wegner ab der im Herbst beginnenden Spielzeit von Weimar nach Schwerin wechselt, endet nicht nur eine Zeit der Ungewissheit und personellen Spekulationen. An seiner Seite steht dabei zukünftig Christian Schwandt, der in der Vergangenheit nicht um klare Worte und konsequentes Handeln verlegen war. Zuletzt hatte er 2019 der Jamaica-Koalition in Schleswig-Holstein vorgeworfen, die Theater kaputt zu sparen. Gar von Verfassungsbruch war dabei die Rede. Als Konsequenz daraus erklärte er seinen Rücktritt.

Hans-Georg Wegner und Christian Schwandt bilden das neue Team an der Spitze

Nun tritt er an der Seite des zukünftig künstlerischen Intendanten Hans-Georg Wegner die Nachfolge von Lars Tietje an.  Vor allem scheint damit auch klar, dass das aufgrund einer möglicherweise weniger namhaften Besetzung befürchtete Abrutschen des Hauses verhindert werden kann. Denn mit Hans-Georg Wegner übernimmt eine ebenso erfahrene wie anerkannte Persönlichkeit die künstlerische Leitung des Mecklenburgischen Staatstheaters aus den Händen von Lars Tietje. Insider beschreiben den zukünftig neuen Mann an der Spitze dabei als eine Person, die in der Lage sein dürfte, entstandene Gräben zu schließen, verhärtete Fronten aufzulösen und Künstler, Publikum und Partner des Hauses auf neue zukunftsfähige Wege zu führen. Absolut wichtige Eigenschaften, denn derzeit gilt die Kluft zwischen Intendanz und zumindest großen Teilen der Belegschaft als unüberwindbar.

Und Christian Schwandt hat in Lübeck bewiesen, dass er bis zur letzten Konsequenz bereit ist, um den notwendigen vor allem wirtschaftlichen Rahmen zum Erhalt eines Tehaters zu kämpfen.

Hans-Georg Wegner tritt eine schwierige Erbschaft an

Damit ist nun klar, wer die somit sicherlich nicht leichte Nachfolge des seit der Spielzeit 2016/17 aktiven Intendanten am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin, Lars Tietje, antritt. Tietje, der aktuell vor allem auch durch sehr spezielle Posts zum Coronavirus auf Facebook von sich Reden macht, übernahm seinerzeit das Haus nach einer gefühlten Ewigkeit von Joachim Kümmritz. Dieser hatte das deutschlandweit bekannte Theater lange Jahre auf teilweise sehr eigenwillige und zuletzt nicht diskussionsfreie Art geführt. Mit Tietje sollte, so die Hoffnung, ein neuer (Zeit-)Geist in das Haus einziehen. Und er kam nicht zuletzt auch als Sanierer des unter seinem Vorgänger zuletzt wirtschaftlich extrem angeschlagenen Hauses.

Zunehmend interne Konflikte um und mit Lars Tietje  

So wirklich warm aber wurden Intendant und Belegschaft nie. Und auch beim Publikum fremdelten einige mit „dem Neuen“. Schnell kam es intern zu Konflikten, die auch offen ausgetragen wurden. Für Außenstehende war oftmals nicht ganz klar, wer da letztlich warum gegen wen schoss. Und sicherlich versuchte jeder, seine Sicht dabei bestmöglich zu vertreten. Deutlich aber war, dass Tietjes Unterstützer im Haus und auch außerhalb immer weniger wurden.

Klarheit um Tietjes Zukunft seit Juli 2019

Im Juli 2019 dann die Klarheit: Für Lars Tietje geht es am Mecklenburgischen Staatstheater nicht weiter. Es kommt zu keiner Vertragsverlängerung und für die Stelle des Intendanten galt es eine Nachfolgelösung zu finden. Diese, so Kultusministerin Bettina Martin gegenüber der Belegschaft, haben die Verantwortlich in Hans-Georg Wegner und Christian Schwandt nun gefunden. Wegner bezeichnete es in ersten Sätzen als eine wichtige Aufgabe seines zukünftigen Wirkens in Schwerin, gemeinsam „ein Mecklenburgisches Staatstheater zu werden“. Die Fürstentümer in den Sparten müssten dafür aufgegeben werden. Als neuer künstlerischer Intendant möchte er durch mehr Zusammenarbeit und große Offenheit das Haus wieder deutlicher zusammenführen. Die Konsolidierungsjahre seien abgeschlossen, nun ginge es darum, nach vorn zu schauen.

 

Abwechslungsreicher Werdegang des neuen Intendanten

Der Werdegang des zukünftig neuen künstlerischen Intendanten in Schwerin ist dabei ebenso abwechslungsreich wie von großen Namen geprägt. Ein Haus teilen er und sein Vorgänger Tietje sich im Lebenslauf dabei sogar. Verließ Lars Tietje das Theater Nordhausen 2016, um in Schwerin die Stelle des Intendanten anzutreten, so begann Hans-Georg Werners Werdegang dort. In der Wendezeit 1989/90 sammelte er in Nordhausen erste Theatererfahrungen als Bühnentechniker. Durch den Mauerfall bekam er die Chance zum Studium der Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft, Philosophie, Soziologie und Theologie in Erlangen und Berlin zwischen  1990 und 1997. Für seine spätere Arbeit prägend waren dabei u.a. auch Hospitanzen bei Regisseur Peter Konwitschny und Dramaturg Werner Hintze. Es folgten Anstellungen als Regie-Assistent in Stendal sowie ein Promotionsstudium. Ferner kam er im Rahmen von Lehraufträgen an die Hochschulen von Dresden, Bremen und Weimar.

Mauerfall ermöglicht das Studium

Von 2000 bis 2007 führte der Weg Werners an die Semperoper nach Dresden, wo er u.a. zuerst als Dramaturg und später als stellvertretender Chefdramaturg mit renommierten Regisseurinnen und Regisseuren wie Katharina Thalbach, Vera Nemirova, Sebastian Baumgarten, Andrea Moses, Philipp Himmelmann, David Mouchtar-Samorai, Harry Kupfer, Alfred Kirchner, Stephan Kimmig und Willy Deckererfolgreich arbeitete. Direkt im Anschluss übernahm der zukünftige Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin die Position des Chefdramaturgen am Theater Bremen.

2010 bis 2012 war er dort zudem als Leiter der Sparte Oper Mitglied des Leitungsgremiums und künstlerischer Geschäftsführer aktiv. Während der insgesamt zwölf Jahre konnte Wegner u.a. den Ruf der Oper Bremen festigen sowie weiter ausbauen. Auch hier gelangen ihm zudem wiederholt erfolgreiche Arbeiten mit namhaften Regisseurinnen und Regisseuren.

Seit der Spielzeit 2013/14 leitet Wegner erfolgreich als Operndirektor das Musiktheater am Deutschen Nationaltheater Weimar.

 

 

 

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