Schwerin: Nun steht ein klarer Öffnungsfahrplan

Nach gut elf Stunden Beratungen stand der neue MV-Plan mit dem die Landesregierung in Schwerin schrittweisen Öffnungen beschreibt.

Die Debatte um weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen ist auch in Schwerin entbrannt. | Foto: Symbolbild

Eine intensive Woche der Lockerungen und Öffnungen nach dem Lockdown liegt hinter Deutschland und vor allem hinter Mecklenburg-Vorpommern. Einschließlich gestern Abend fanden vier Abende in Folge Pressekonferenzen der Ministerpräsidentin mit neuen Informationen – präzise oder allgemein – zu entsprechenden Schritten in Richtung weiterer Öffnungen statt. Gestern, das steht außer Frage, kam es zu den wohl weitreichendsten und detailliertesten Beschlüssen für unser Bundesland. Da die gestrige Pressekonferenz erst nach Redaktionsschluss unserer Zeitung erfolgte, hier ein erster Auszug der beschlossenen Maßnahmen. Details sollen in den kommenden Tagen folgen.

Kabinett tagte von früh bis spät

Etwa elf Stunden nahmen die gestrigen Beratungen des Kabinetts in Anspruch. Herausgekommen ist eine deutliche Präzisierung des MV-Plans. Von Kitas und Schulen über Wirtschaft und Tourismus bis hin zu Freibädern – man beriet einmal quer durch die gesamte Gesellschaft wohl gut 50 Themenbereiche. Ministerpräsidentim Manuela Schwesig erklärte aber auch, der Plan sei letztlich nicht überall in Stein gemeißelt. Weiterhin wird regelmäßig anhand der Entwicklungen beraten und der Plan fortgeschrieben. Es gelte, Gesundheit, soziales Leben, Arbeitsplätze und Unternehmen zu schützen.

Grundsätzliche Festlegungen 

  • Abstandsgebot, Kontaktbeschränkungen und Mund-Nase-Schutz dort, wo er festgelegt ist, sowie Kontaktverfolgung (z.B. in der Gastronomie) bleiben definitiv mindestens bis 5. Juni bestehen.

Kommt es im Land an einem Ort/in einer Region zu 10-50 Neuinfektionen je 100.000 EW erfolgt auch durch das Land eine intensive Beobachtung. dabei spielt die genaue Analyse eine Rolle, wo konkret das Infektionsgeschehen stattfindet. So soll dann so konkret wie möglich gegebenenfalls gegengesteuert werden. Damit sollen erst einmal Reaktionen wirklich vor Ort erfolgen und nicht gleich großflächig.

  • Ab 51 Neuinfektionen müssen jetzt laufende Öffnungen auch zurückgefahren werden. Damit drohen dann also auch erneute Schließungen.

Veranstaltungen

Da es nicht zu einer erhofften bundesweiten Festlegung kam, welche Obergrenzen für „Großveranstaltungen“ herangezogen werden, hat das Land nun eigene Grenzen festgelegt. So gelten vorerst bis Ende Juni (30.6.) alle Veranstaltungen im Innenbereich ab 76 Personen und im Außenbereich ab 151 Personen als nicht zulässig. Alle darunterliegenden Veranstaltungsgrößen bedürfen einer Genehmigung u.a. durch die Gesundheitsbehörden. Es gelten entsprechende Hygiene- Abstands- und  Sicherheitsvorschriften. Zudem bleibt die Listenführung bis auf weiteres erforderlich, um eine Kontaktverfolgung im Falle nachträglich bekannt werdender Infektionen zu realisieren.

Familienzusammenkünfte, Trauungen, Trauerfeiern etc. sind bis 25 Personen gestattet.

Sollte sich die positive Entwicklung fortsetzen, kann eventuell ab Anfang Juli die Obergrenze für Innenveranstaltungen auf 200 Personen und die für Außenveranstaltungen auf 500 Personen angehoben werden. Dies würde dann bis mindestens 31. August gelten.

Nun steht ein klarer MV-Plan rund um Lockerungen und Öffnungen

Konkret stellt der MV-Plan einen 5-Phasen-Plan dar. Ein erster Blick in die fünf Phasen soll hier erfolgen. Wie bereits geschrieben, folgen Details in den kommenden Tagen.

 

1. Phase

Diese Phase des MV-Plans liegt bereits hinter den Menschen in MV. Sie enthielt die Lockerungen seit Ostern.

 

2. Phase – Gestern bis 18. Mai

  • Unter Einhaltung konkreter Hygieneauflagen soll ab 15. Mai die Möglichkeit für Besuche in Pflegeheimen bestehen. Dabei gilt, dass eine konkrete Kontaktperson für eine Stunde täglich den Besuch realisieren kann.
  • Ab Montag öffnen die Museen im Land Schritt für Schritt. Bis zum 25. Mai soll dabei auch als Dank an die Menschen in MV kostenfreier Eintritt für alle Bewohner des Landes in die landeseigenen Museen (z.B. Schloss Schwerin) geben.
  • Ebenfalls ab Montag sollen die Fahrschulen laut einer Pressemitteilung des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen.
  • Trainingsgruppen können auch im Breitensport wieder aktiv sein. (Datum lag Redaktion zu diesem Zeitpunkt nicht vor.) Damit können die vielen Sportvereine im land wieder starten. Allerdings gelten selbstverständlich auch hier die klaren regeln und Vorgaben. Hier sollten die Vereine ihre Mitglieder entsprechend über Möglichkeiten des Ob und Wie informieren. Da dabei auch diese Vereine erst einmal Klarheit über die konkrete Situation bekommen muss, sollten alle interessierten Sportler, Eltern etc. Verständnis aufbringen und den Verantwortlichen noch ein wenig Zeit lassen.
  • Ab 18. Mai soll es wieder ein Kita-Betreuungsangebot für Kinder geben, die im neuen Schuljahr in die Schulen kommen. Dabei sollen 3,5 Stunden Mindestbetreuungszeit täglich garantiert sein. Sollten dann noch Kapazitäten vorhanden sein, stehen diese berufstätigen Eltern zur Verfügung. Das Ganze bei Gruppengrößen von 10-15 Kindern.
  • Auch am 18. Mai startet der Tourismus mit der Öffnung der Unterkünfte im Land. Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen etc. stehen dann den Einwohnern unseres Bundeslandes zur Verfügung.
  • Ab 14. Mai sollen die Schulen für weitere Jahrgangsstufen öffnen. Auch an Volkshochschulen und Jugendkunstschulen soll wieder Unterricht stattfinden.
  • Strandkorbvermietung und Fahrradverleih sind ab 11. Mai wieder möglich. Dann sollen Tourismusinformationszentren ebenfalls wieder öffnen.
  • Bootsverleih, Fahrgastschiffahrt, Hausbootnutzung etc. sind ab dem 18. Mai wieder gestattet. Dann heißt es also wieder „Rauf aufs Boot“ und die traumhaften Gewässer des Landes entdecken und genießen. Für Schwerin bedeutet dies, dass die Schiffe der Weißen Flotte wieder starten dürfen.


3. Phase – ab 25. Mai

  • Am 25. Mai ist DER Tag für den Tourismus im Land. Denn ab diesem Tag öffnet sich Mecklenburg-Vorpommern wieder für Urlauber aus ganz Deutschland. Auch in Schwerin freuen sich die Hotels und Pensionen dann wieder auf Besucher aus allen 16 Bundesländern. Es dürfen dabei 60% der vorhandenen Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Allerdings dürfen Menschen aus Hochrisikogebieten innerhalb Deutschlands nicht nach MV kommen, so Manuela Schwesig. Wirtschaftsminister Glawe widersprach dem etwas, indem er erklärte, dass das Land diesen Menschen die freie Bewegung nicht verweigern könne. Hotels etc. würden gebeten, Gäste von dort vorerst freundlich abzulehnen. Er sprach allerdings auch nur von zwei Kreisen.
  • Der Tagestourismus ist, so Minister Glawe, nicht freigegeben. Aber ebenso erklärte er, dass es keine großflächigen Kontrollen mehr geben soll. Man kann sich nun selbst überlegen, was man daraus machen möchte.
  • Ab dem 25. Mai sollen weitere größere Schritte bei der Öffnung von Kitas und Schulen folgen. Alle Kinder sollen nun wieder die Kita besuchen können. Allerdings noch nicht in vollem Umfang. Auch hier ist ein Einstieg in eingeschränkten Regelbetrieb mit Mindestbetreuungszeit 3,5 Stunden geplant.
    Auch die Schulen sollen weitergehend geöffnet werden.  Alle Schüler sollen dabei bis zu den Sommerferien wieder Unterricht bekommen. „Es wird der reguläre Schulbetrieb in diesem Schuljahr nicht wieder stattfinden.“ So würden durch erforderliche Klassenteilungen aufgrund der Hygiene- und Abstandsregeln deutlich mehr Räume benötigt. Zudem gehören ca. 30 Prozent der Lehrkräfte der Risikogruppe an, so dass mehr Gruppen zu beschulen sind, aber weniger Lehrer vorhanden.


4. Phase – ab 15. Juni

  • Für diese Phase gibt es bislang keine konkreten Inhalte und Aussagen. Hier sollen alle bis dahin noch nicht abschließend behandelten Themen und Bereiche neu betrachtet werden.

 

5. Phase – Zeitpunkt noch offen

  • Alles, was nach der 4. Phase noch weiterhin geschlossen ist, könnte in dieser Phase, die zeitlich nicht benannt ist, wieder in Richtung Normalität zurückkehren. Durchaus scheint nicht ausgeschlossen, dass darunter auch erst dann Discotheken fallen.

 

 

 

 

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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