Schwerin: Polizei führt bekannten Galeristen ab

Gestern nahm die Polizei Schwerin in der Mecklenburgstraße den Galeristen Stephan Schroer kurzzeitig in Gewahrsam. Was geschehen war, ist offenbar strittig.

In Schwerin kam es zu einem Polizeieinsatz mit zwei doch gegensätzlichen Geschichten. | Foto: Symbolbild

Keine Frage, gerade in diesen Tagen ist die Polizei in  aller Munde. So fühlen sich viele Beamtinnen und Beamte gerade auch von Spitzenpolitikern in Deutschland im Stich gelassen, teilweise sogar pauschal in eine unangenehme Ecke gedrängt. Andererseits müssen sie ihren Kopf hinhalten, wenn randalierende Personen wie zuletzt in Stuttgart meine, sie wären auf einem Schlachtfeld und nicht in einem zivilisierten Rechtsstaat. Und überhaupt scheint ein oftmals zu Unrecht rauher Wind zu wehen, wenn es um unsere Polizei geht. Denn der fraglos größte Teil der Einsatzkräfte ist für unser aller Sicherheit und für die Einhaltung der Regeln und Gesetze tagtäglich unterwegs. Es sind unbescholtene Beamte, die ihren Dienst verrichten und mit einer stetig fragwürdigeren Gegenwehr konfrontiert sind.

Galerist Stephan Schroer richtet Vorwürfe an Polizei

All dies würde der bekannte Schweriner Galerist Stephan Schroer wohl genau so unterschreiben. Ähnlich zumindest äußerte er sich auch nach den gestrigen Geschehnissen in der Innenstadt von Schwerin gegenüber unserer Redaktion. Allerdings ist er sicherlich auch ein Verfechter der Kunst und des freien Wortes. Vielleicht war dies auch einer der Hintergründe, weshalb letztlich er zum zentralen Teil einer Polizeimaßnahme am gestrigen Donnerstag wurde. Dabei wollte er eine in seinen Augen schwierige Situation zwischen einem stadtbekannten Straßenmusikanten und der Polizei schlichten. In der Folge aber landete er im Streifenwagen und kam in die Polizeiinspektion Schwerin. Dort verweigerte man ihm, wie er schreibt, eine Dienstaufsichtsbeschwerde. „Selbst mein begleitender Einwand, das wiederholte, gezielte herabsetzende  Verhalten Schweriner Polizeibeamter ohne Rechtsgrundlage könnte sich möglicherweise gezielt gegen meine Person richten, ignorierte man. Meine Renitenz sei ja auch offensichtlich, und zudem sei ich ja auch schwerhörig, was wohl meine Analyse der Vorgänge unmöglich mache“, schreibt der Galerist auf Facebook.

 

Polizei Schwerin nahm Schroer nach ausgesprochenem Platzverweis in Gewahrsam

Natürlich fragte unsere Redaktion bei Polizeisprecher Salow nach, was da vorgefallen war. Denn für den Laien ist es schwer vorstellbar, dass man für Schlichtungsversuche in Polizeigewahrsam landet. Richtig sei, so der Polizeisprecher, dass die Beamten vor Ort durch einen stadtbekannten Straßenmusiker in der Ausübung ihrer Tätigkeit gestört wurden. Daraufhin sprachen sie diesem ein Platzverbot aus. Die Situation bekam Stephan Schroer scheinbar mit und mischte sich ein. Dabei ergriff er, so die Darstellungen, die dem Polizeisprecher vorlagen, engagiert Partei für den des Platzes verwiesenen Musiker. Dieser sollte, wie auch eine Zeugin gegenüber unserer Redaktion bestätigte, sich nicht vertreiben lassen. Damit störte nun auch Schroer die polizeiliche Maßnahme. Selbst der Hinweis, wenn er dies nicht unterlasse, müssten die Beamten ein Platzverbot aussprechen, änderte nichts an seinem Engagement. Dabei trat er nun nach Polizeiangaben weiter sehr emotional auf. Die Folge: Ein Platzverweis für den Galeristen. Dieser aber blieb wohl emotional engagiert – und vor allem blieb er vor Ort.

Galerist widersetzte sich nach Polizeiangaben Platzverweis

Als sich ein Streifenwagen näherte, verschwand der Straßenmusiker. Stephan Schroer blieb, so der Polizeisprecher, dabei weiter engagiert – den Platzverweis ignorierend. Nun die Folge: Der Galerist kam in Gewahrsam. Dafür musste die von ihm beschriebene Durchsuchung erfolgen. „Diesen Ablauf lernen schon Polizeischüler. Denn es muss sichergestellt sein, dass die in Gewahrsam genommene Person keine gefährlichen Gegenstände im Fahrzeug bei sich hat. Zum Eigenschutz und zum Schutz der Beamten“, so Steffen Salow, Pressesprecher der Polizei Schwerin. Im Anschluss an die Durchsuchung brachte der Streifenwagen den Galeristen in die Polizeiinspektion Schwerin in der Graf-Yorck-Straße.

Schriftliche Positionierung wurde Schroer verweigert

Dort gab man ihm Zeit, sich im Arztraum und bewusst nicht in einer Zelle etwas zu beruhigen. Dabei zeigte sich Schroer wohl weiterhin wenig amused von der gesamten Situation. Wirklich beruhigte er sich demnach bis zuletzt nicht. Auch deshalb, um eine erneute Emotionalisierung der Situation zu vermeiden, beantwortete ihm der Dienststellenleiter seine Fragen. Eine nochmalige schriftliche Einlassung lehnte man vor Ort ab. Der Leiter der Dienststelle erklärte vielmehr, dass Stephan Schroer jederzeit schriftlich – per Mail, online oder auch postalisch – beschweren, Anzeige erstatten oder Fragen stellen könne. So ging man dann auseinander.

 

Stephan Schroer, Galerist in Schwerin. | Foto: privat

Stephan Schroer beschreibt die Situation anders

Um die doch erkennbar verkürzte Darstellung des Galeristen Stephan Schroer auch in vollem Umfang zu kennen, sprachen wir gestern Abend noch telefonisch mit ihm. Schroer bleibt dabei: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt etwas gegen die Anweisungen der Beamten gesagt oder getan. Ich habe vielmehr bemerkt, dass die Situation schwierig war, und wollte schlichten. Daher habe ich den Musiker aufgefordert zu gehen. Das tat er auch sofort.“ Von einem Platzverweis oder gar von zweien war dabei zu keinem Zeitpunkt die Rede, so Schroer. Als auch der Galerist gehen wollte, hieß es, die Maßnahme sei noch nicht beendet. „Ein Beamter sagte zu mir: Ich will Ihren Ausweis sehen und ich führe Sie dem Haftrichter vor.“ Dann folgte die Durchsuchung mit gespreizten Beinen und den Armen auf dem Dach des Streifenwagens. Danach ähneln sich die Darstellungen, nur dass es für den in Gewahrsam befindlichen Schroer verwunderlich war, in ein Arztzimmer zu kommen. „Ich wollte wissen, ob das einen konkreten Grund hätte. Ob ich Blut abgeben soll oder so etwas. Aber man wollte mich nur dort befragen.“ Im Gegensatz zu den Darstellungen der Beamten bezeichnet sich Schroer aber nicht als besonders emotional.

Und nach seiner Darstellung war die Situation vor Ort auch zeitlich etwas „gestreckter“. „Ich habe dann nämlich 1,5 Stunden auf einem Flur gewartet, bis der Schichtwechsel vorbei war. Ich wollte ja noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde zu Protokoll geben. Das aber verweigerte man mir dann. Ich könne dies ja später machen, jetzt aber nicht.“ Seine Darstellungen auch über das konkrete Geschehen hinaus schienen nicht mehr zu interessieren. „Dafür verwies man nochmal etwas von oben herab auf meine Schwerhörigkeit.“ Als Schroer erkannte, das Ganze führt nicht weiter, verließ er die Dienststelle.

 

Teilweise recht konträre Darstellungen lassen Situation im Unklaren

Sicherlich kann und sollte man  vielleicht auch die Frage stellen, ob man Stephan Schroer nicht in der Yorck-Straße hätte die Möglichkeit geben können, seine gewünschte schriftliche Darstellung irgendwie zu Protokoll zu geben. Darüber hinaus aber wissen am Ende nur die direkt Beteiligten, was da gestern in der Mecklenburgstraße und in der Folge auf der Dienststelle wirklich geschah. Neben den Angaben des Polizeisprechers sprachen wir mit einer Zeugin des Vorfalls, die die Situation ähnlich wie die Beamten schilderte. Stephan Schroer könnte nach eigenen Aussagen ebenso Zeugen benennen, die seine Darstellungen bestätigen. „Das aber ist gar nicht mein Ziel. Ich wollte auf Facebook einfach mal öffentlich schildern, was mir da passiert ist.“ Damit sollte der Fall vermutlich abgeschlossen sein. Obwohl ein Beigeschmack bleibt bei zwei so doch recht gegensätzlichen Darstellungen.

 

 

 

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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