Schwerin: Schweres Unwetter über der Stadt

Ein Unwetter mit Sturm und Starkregen zog am Abend über Schwerin. Vollgelaufene Keller, Gebäudeschäden und umgestürzte Bäume sind nur ein Teil der Bilanz.

Ein schweres Unwetter führte zu zahlreichen Überschwemmungen im Stadtgebiet Schwerins

Zum wiederholten Mal in diesem Jahr wurde das Stadtgebiet Schwerins durch ein schweres Unwetter heimgesucht. Etwa gegen 19 Uhr begann es mit schweren Sturmböen und extremem Regen, teilweise vermischt mit Hagelkörnern. Innerhalb weniger Minuten fiel die Temperatur von über 30 Grad Celsius auf knapp 20. Aber dieser Temperatursturz war das geringste der Probleme, die das Unwetter mit sich brachte.

Gegen 19 Uhr begannen Sturm und Starkregen

Manche kamen noch durch, andere PKW blieben stecken.

Denn vielerorts konnten die Gullys die Wassermassen nicht aufzunehmen. Im Gegenteil – schnell verwandelten sie sich in kleine Springbrunnen, aus denen zusätzliches Wasser an die Oberfläche gedrückt wurde. Somit blieb das Wasser des über eine Stunde nicht aufhören wollenden Starkregens an der Oberfläche. Schnell waren Straßen und Gehwege überflutet. Der Straßenverkehr war stark eingeschränkt und teilweise auch gar nicht mehr möglich. Dort, wo Gebäude die Straßen begrenzen, suchte sich das Wasser seinen Weg in die Häuser. Keller, Erdgeschosse und Tiefgaragen liefen in kürzester Zeit voll. „Wasserstände“ von 30 cm und mehr waren keine Seltenheit. Schnell war auf Schwerins Straßen das Blaulicht der Feuerwehren zu sehen. Die Freiwillige Feuerwehr Schwerin-Mitte twitterte schon sehr bald: „Wir sind mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz. Bewahrt Ruhe.“ Ein Tweet, der stellvertretend für alle verfügbaren Feuerwehrleute der Stadt galt. Denn sie befinden sich jetzt während dieser Artikel entsteht, also gegen 22 Uhr, noch immer im Dauereinsatz.

Scheinbar besonders innerstädtische Stadtteile betroffen

Besonders extrem scheint es aus der Sicht des heutigen Abends erneut die innerstädtischen Stadtteile Schwerins getroffen zu haben. Vor allem aus der Altstadt, der Schelfstadt, der Paulsstadt und der Feldstadt gingen zeitweise im Minutentakt „Wasserstands-Meldungen“ ein.

Unterführung vollgelaufen

Eisenbahn-Unterführung Lübecker Straße vollgelaufen | Foto: H. Stüber

So zeigt ein Video auf youtube die komplett vollgelaufene Eisenbahnunterführung in der Lübecker Straße. Auf Facebook werden verschiedenste überschwemmte Straßen in den innerstädtischen Teilen Schwerins gezeigt. Besonders extrem traf es erneut u.a. den Bereich des Pfaffenteichs.  Zwischenzeitlich kam am Südufer der gesamte Straßenverkehr zum Erliegen. Dort  schoben PKW förmliche Bugwellen vor sich her. Mehrere Autos konnten nicht weiterfahren, weil die Motoren im Wasser einfach absoffen, so hoch stand das Wasser. Auf der freiliegenden Außenterrasse des Restaurants „Friedrichs“ stand das Wasser zeitweise mehr als 15 cm hoch.

Wasser sprudelt durch Kellerboden

Und natürlich traf es auch wieder viele Mieter und Eigentümer, die eigentlich einen heißen Sommertag ruhig ausklingen lassen wollten. Ein Mieter aus dem Bereich der Friedrichstraße berichtet: „Das Unwetter war vielleicht zehn Minuten im Gang, da ging ich in den Keller. Ich habe mich an das letzte Mal erinnert und wollte schauen, ob es wieder so schlimm wird. Schon vor ein paar Wochen stand ja alles unter Wasser. Ich traute meinen Augen kaum. Aus nahezu jedem Haarriss im Fußboden sprudelte das Wasser. Kleine Fontänen – jede ein paar Zentimeter hoch. Es drückte von unten in das Gebäude. Und kurz danach kamen auch an mehreren Stellen Wasserstrahlen aus der Wand. Einfach so aus der glatten Wand. Als hätte jemand den Wasserhahn aufgedreht. Es war unvorstellbar. Nun stehen dort mindestens 30 cm Wasser.“

Ein überfluteter Keller in der Schweriner Innenstadt

Als nach über einer Stunde der Regen endlich nachließ, zog sich an vielen Stellen das meiste Wasser auf Straßen und Plätzen innerhalb von Minuten zurück. Schnell hat die Kanalisation dann die an der Oberfläche vorhandenen Wassermassen aufgenommen. Ein gutes Zeichen, denn es spricht für ein grundsätzlich funktionierendes System. Das Wasser, das zuvor durch Sturm über die Straßen und Gullys getrieben wurde, und das dann in extremer Masse auf die Straßen traf, kann  bei dieser Wucht und Menge vermutlich auch das beste Abwassersystem. Das lassen nicht zuletzt auch die Bilder nach schwereren Unwettern aus allen Ecken dieser Welt erahnen. Und dennoch sind nun sicherlich manch Planer und Experten gefragt, ob und wie man die Risiken immer wieder überfluteter Straßen und Gebäude zukünftig zumindest minimieren kann.

Schadensbilanz offen – Dank an Helfer

Die tatsächliche Schadensbilanz dieses Unwetters lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen. Dafür werden wohl noch einige Tage verstreichen müssen. Sicherlich werden Feuerwehr und Polizei schon morgen (Donnerstag) eine erste Bilanz ziehen können. Aber vieles wird erst nach und nach klar werden. Noch aber sind immer wieder Martinshörner zu hören und ist Blaulicht in den Straßen zu sehen. Vielen Dank all denen, die noch immer mit ganzer Kraft helfen!

 

 

 

Redaktion

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