Mobilitätsstation am Bahnhof:
Schwerin setzt auf mehr Komfort fürs Fahrrad
Für 3,2 Millionen Euro entsteht gegenüber dem Stadthaus Am Packhof ein modernes Fahrradparkhaus mit Verleih, Service und direkter Anbindung an den ÖPNV.

Die Bauarbeiten für die neue Mobilitätsstation am Schweriner Hauptbahnhof haben bereits begonnen. Zwar ruhte das Areal gegenüber dem Stadthaus Am Packhof in dieser Woche unter einer geschlossenen Schneedecke, doch spätestens im Frühjahr soll es sichtbar vorangehen. Für rund 3,2 Millionen Euro wird dort ein zweistöckiges Gebäude errichtet, das künftig rund 200 Fahrradstellplätze, Gepäckschließfächer, Lademöglichkeiten für E‑Bikes sowie einen Fahrradverleih mit Servicepunkt bietet. Betreiber der Anlage wird der Nahverkehr Schwerin (NVS). Die Mobilitätsstation ist rund um die Uhr über Videoüberwachung und ein Notrufsystem mit der Leitstelle des NVS verbunden. Ziel ist es, den Umstieg zwischen Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr deutlich einfacher und sicherer zu machen.
NVS will Fahrradverleih deutlich ausbauen
Der NVS verbindet mit dem Projekt große Erwartungen. Geschäftsführer Thomas Schlüter sieht in der Mobilitätsstation einen wichtigen Baustein für eine bessere Verknüpfung von Radverkehr und ÖPNV. Vor allem Pendelnde und Gelegenheitsnutzerinnen und ‑nutzer sollen von den neuen, zeitsparenden Mobilitätsangeboten profitieren. Der bislang eher abseits gelegene Fahrradverleih in der Jahnstraße wird mit der Eröffnung der neuen Station geschlossen. Aktuell umfasst der Verleihbestand 43 E‑Bikes und fünf Lastenräder, die im vergangenen Jahr rund 1.000-mal ausgeliehen wurden. Diese Zahl soll mit dem neuen Standort deutlich steigen. Geplant ist, den Fuhrpark spürbar zu erweitern und insbesondere den Verleih von Lastenrädern auszubauen – auch für Familien, Unternehmen oder kleinere Reisegruppen.

Wirtschaftlichkeit mit Anlaufzeit
Rein wirtschaftlich rechnet sich das Projekt nicht sofort. Der Businessplan des NVS sieht vor, dass die laufenden Betriebskosten erst nach etwa vier Jahren durch Einnahmen gedeckt werden. Dauerstellplätze sollen 100 Euro pro Jahr kosten, Gepäckschließfächer drei Euro pro Tag. Entlastend wirkt dabei die hohe Förderung: 90 Prozent der Baukosten übernehmen Land und Bund, weitere drei Prozent des städtischen Eigenanteils trägt die Metropolregion Hamburg. Die Fertigstellung der Mobilitätsstation ist für Ende 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme im ersten Quartal 2027. Als Standort nutzt die Stadt ein eigenes Grundstück Am Packhof. Der Grunthalplatz wurde aus denkmalrechtlichen Gründen verworfen, obwohl er ein zentraler Umsteigepunkt für Bus und Straßenbahn ist. Rückenwind bekommt das Projekt von Fahrradinitiativen und der Stadtverwaltung. Für den Radentscheid Schwerin ist die sichere Abstellmöglichkeit am Bahnhof längst überfällig. Auch im städtischen Verkehrsmanagement wird die Mobilitätsstation als wichtiger Schritt gesehen, um Gehwege zu entlasten und den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad attraktiver zu machen.



