Vor Abstimmung in Schwerin:
Bürger fordert mit Appell an Stadtvertretung Verzicht auf dritte Dezernentenstelle
Kurz vor der entscheidenden Abstimmung fordert der Schweriner Bürger Ronny Alex die Stadtvertretung auf, auf eine dritte Dezernentenstelle zu verzichten. Stattdessen soll das Geld Kindern und Jugendlichen zugutekommen.

Die Entscheidung ist eigentlich eine Personalie. Doch für den Schweriner Ronny Alex geht es um weit mehr als die Nachfolge von Sozialdezernentin Martina Trauth. Kurz vor der Sitzung der Stadtvertretung hat der 40-Jährige allen Stadtvertreterinnen und Stadtvertretern einen mehrseitigen Appell geschickt, der unserer Redaktion vorliegt. Seine Botschaft: Die frei werdende Dezernentenstelle sollte gar nicht erst neu besetzt werden.
Alex begründet seine Forderung mit der angespannten Finanzlage der Landeshauptstadt. Während Kommunen bundesweit zuletzt auf ihre wachsenden Haushaltsprobleme aufmerksam gemacht hätten, solle Schwerin ausgerechnet jetzt eine weitere Spitzenposition in der Verwaltung ausschreiben. „Wie passt das mit den hohen Schulden der Stadt und fehlendem Geld für die Kinder der Stadt zusammen?“, schreibt er in seinem Appell.
Am Montag entscheidet die Stadtvertretung darüber, ob das Auswahlverfahren für die Nachfolge von Martina Trauth eingeleitet wird. CDU, SPD und Linke haben dazu einen gemeinsamen Antrag eingebracht. Er sieht vor, den Oberbürgermeister mit der Vorbereitung der Wahl einer oder eines Beigeordneten für Dezember zu beauftragen und die Stelle öffentlich auszuschreiben. Für Ronny Alex wäre das die falsche Entscheidung. Er plädiert dafür, die Verwaltungsstruktur grundsätzlich zu überdenken. Aus seiner Sicht könne die Stadt auch künftig mit zwei statt drei Dezernenten geführt werden. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) solle deshalb zunächst ein Konzept vorlegen, wie die Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung künftig verteilt werden könnten.
Geld lieber für Kinder und Jugendliche
Mit seinem Vorschlag verbindet Alex konkrete finanzielle Vorstellungen. Nach seiner Rechnung könnten durch den Verzicht auf die dritte Dezernentenstelle jährlich rund 300.000 Euro eingespart werden. Das Geld solle nicht im Haushalt verschwinden, sondern gezielt in Bereiche fließen, die nach seiner Auffassung unmittelbar den Menschen in Schwerin zugutekommen. Er nennt drei Schwerpunkte: die Förderung des Kinder- und Jugendsports, Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche, die Gewalt erfahren haben, sowie Maßnahmen gegen Kinderarmut. Gerade in Zeiten knapper Kassen müsse die Politik Prioritäten setzen, argumentiert der Schweriner.
Lesen Sie auch:
Abwahl Sozialdezernentin Trauth beantragt: Jetzt geht es um Macht im Stadhaus
Zugleich kritisiert Alex, dass er bislang keinen konsequenten Sparwillen in der Stadtverwaltung erkenne. Mehrere Sparvorschläge, die er in der Vergangenheit eingereicht habe, seien bislang unbeantwortet geblieben. Die Verwaltung müsse zunächst bei ihren eigenen Strukturen Einsparmöglichkeiten prüfen, bevor sie an anderer Stelle Leistungen einschränke. Der Appell richtet sich dabei ausdrücklich an alle Mitglieder der Stadtvertretung. Alex bittet sie, gemeinsam mit dem zukünftigen Oberbürgermeister Sebastian Ehlers, sowie den beiden amtierenden Dezernenten Bernd Nottebaum und Silvio Horn, über eine dauerhafte Neuorganisation der Verwaltung nachzudenken.
Kein Unbekannter in Schwerin
Ronny Alex ist in Schwerin vor allem durch sein ehrenamtliches Engagement bekannt. In der Weststadt hat er unter anderem einen Gemeinschaftsgarten mit aufgebaut, Hochbeete für Anwohner organisiert und sich für sogenannte Abstimmungsaschenbecher eingesetzt, die zur umweltgerechten Entsorgung von Zigarettenkippen beitragen sollen. Auch gegen das geplante Parkhaus in der Weststadt engagierte er sich und sammelte Unterschriften für einen Einwohnerantrag.
Sein aktueller Vorstoß unterscheidet sich jedoch von früheren Projekten. Statt eines Stadtteilthemas greift Alex diesmal eine grundsätzliche Frage der Kommunalpolitik auf: Wie groß muss die Verwaltungsspitze einer finanziell angeschlagenen Stadt sein?
Antworten darauf liefert der Antrag der Ratsfraktionen nicht. Er beschränkt sich auf die Vorbereitung der Beigeordnetenwahl entsprechend der geltenden Regelungen und der Hauptsatzung der Landeshauptstadt.
Entscheidung fällt am Montag
Die Stadtverwaltung bewertet den Antrag in ihrer Stellungnahme als rechtlich zulässig und verweist darauf, dass die Entscheidung der Stadtvertretung obliegt. Finanzielle Auswirkungen werden darin nicht benannt.
Nach Angaben von Ronny Alex wurde sein Schreiben allen Stadtvertreterinnen und Stadtvertretern vor der Sitzung übermittelt. Auf der Tagesordnung am Montag steht die Vorbereitung der Beigeordnetenwahl. Mit dem Beschluss würde die Verwaltung die öffentliche Ausschreibung der Stelle einleiten. Die eigentliche Wahl der Nachfolgerin oder des Nachfolgers von Martina Trauth ist für den 7. Dezember vorgesehen.




