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Vor Abstimmung in Schwerin:
Bürger fordert mit Appell an Stadtvertretung Verzicht auf dritte Dezernentenstelle

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung fordert der Schweriner Bürger Ronny Alex die Stadtvertretung auf, auf eine dritte Dezernentenstelle zu verzichten. Stattdessen soll das Geld Kindern und Jugendlichen zugutekommen.

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  • Veröffentlicht Juni 26, 2026
Vor dem Schw­er­iner Stadthaus macht ein sym­bol­is­ch­er Appell auf die Forderung aufmerk­sam, die frei wer­dende Dez­er­nen­ten­stelle nicht neu zu beset­zen und stattdessen in Kinder und Jugend zu investieren. Foto: KI-gener­iert

Die Entschei­dung ist eigentlich eine Per­son­alie. Doch für den Schw­er­iner Ron­ny Alex geht es um weit mehr als die Nach­folge von Sozialdez­er­nentin Mar­ti­na Trauth. Kurz vor der Sitzung der Stadtvertre­tung hat der 40-Jährige allen Stadtvertreterin­nen und Stadtvertretern einen mehr­seit­i­gen Appell geschickt, der unser­er Redak­tion vor­liegt. Seine Botschaft: Die frei wer­dende Dez­er­nen­ten­stelle sollte gar nicht erst neu beset­zt wer­den.

Alex begrün­det seine Forderung mit der anges­pan­nten Finan­zlage der Lan­deshaupt­stadt. Während Kom­munen bun­desweit zulet­zt auf ihre wach­senden Haushalt­sprob­leme aufmerk­sam gemacht hät­ten, solle Schw­erin aus­gerech­net jet­zt eine weit­ere Spitzen­po­si­tion in der Ver­wal­tung auss­chreiben. „Wie passt das mit den hohen Schulden der Stadt und fehlen­dem Geld für die Kinder der Stadt zusam­men?“, schreibt er in seinem Appell.

Am Mon­tag entschei­det die Stadtvertre­tung darüber, ob das Auswahlver­fahren für die Nach­folge von Mar­ti­na Trauth ein­geleit­et wird. CDU, SPD und Linke haben dazu einen gemein­samen Antrag einge­bracht. Er sieht vor, den Ober­bürg­er­meis­ter mit der Vor­bere­itung der Wahl ein­er oder eines Beige­ord­neten für Dezem­ber zu beauf­tra­gen und die Stelle öffentlich auszuschreiben. Für Ron­ny Alex wäre das die falsche Entschei­dung. Er plädiert dafür, die Ver­wal­tungsstruk­tur grund­sät­zlich zu über­denken. Aus sein­er Sicht könne die Stadt auch kün­ftig mit zwei statt drei Dez­er­nen­ten geführt wer­den. Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers (CDU) solle deshalb zunächst ein Konzept vor­legen, wie die Zuständigkeit­en inner­halb der Ver­wal­tung kün­ftig verteilt wer­den kön­nten.

Geld lieber für Kinder und Jugendliche

Mit seinem Vorschlag verbindet Alex konkrete finanzielle Vorstel­lun­gen. Nach sein­er Rech­nung kön­nten durch den Verzicht auf die dritte Dez­er­nen­ten­stelle jährlich rund 300.000 Euro einges­part wer­den. Das Geld solle nicht im Haushalt ver­schwinden, son­dern gezielt in Bere­iche fließen, die nach sein­er Auf­fas­sung unmit­tel­bar den Men­schen in Schw­erin zugutekom­men. Er nen­nt drei Schw­er­punk­te: die Förderung des Kinder- und Jugend­sports, Hil­f­sange­bote für Kinder und Jugendliche, die Gewalt erfahren haben, sowie Maß­nah­men gegen Kinder­ar­mut. Ger­ade in Zeit­en knap­per Kassen müsse die Poli­tik Pri­or­itäten set­zen, argu­men­tiert der Schw­er­iner.

 


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Zugle­ich kri­tisiert Alex, dass er bis­lang keinen kon­se­quenten Spar­willen in der Stadtver­wal­tung erkenne. Mehrere Spar­vorschläge, die er in der Ver­gan­gen­heit ein­gere­icht habe, seien bis­lang unbeant­wortet geblieben. Die Ver­wal­tung müsse zunächst bei ihren eige­nen Struk­turen Einspar­möglichkeit­en prüfen, bevor sie an ander­er Stelle Leis­tun­gen ein­schränke. Der Appell richtet sich dabei aus­drück­lich an alle Mit­glieder der Stadtvertre­tung. Alex bit­tet sie, gemein­sam mit dem zukün­fti­gen Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers, sowie den bei­den amtieren­den Dez­er­nen­ten Bernd Not­te­baum und Sil­vio Horn, über eine dauer­hafte Neuor­gan­i­sa­tion der Ver­wal­tung nachzu­denken.

Kein Unbekannter in Schwerin

Ron­ny Alex ist in Schw­erin vor allem durch sein ehre­namtlich­es Engage­ment bekan­nt. In der West­stadt hat er unter anderem einen Gemein­schafts­garten mit aufge­baut, Hochbeete für Anwohn­er organ­isiert und sich für soge­nan­nte Abstim­mungsaschen­bech­er einge­set­zt, die zur umwelt­gerecht­en Entsorgung von Zigaret­tenkip­pen beitra­gen sollen. Auch gegen das geplante Parkhaus in der West­stadt engagierte er sich und sam­melte Unter­schriften für einen Ein­wohn­er­antrag.

Sein aktueller Vorstoß unter­schei­det sich jedoch von früheren Pro­jek­ten. Statt eines Stadt­teilthe­mas greift Alex dies­mal eine grund­sät­zliche Frage der Kom­mu­nalpoli­tik auf: Wie groß muss die Ver­wal­tungsspitze ein­er finanziell angeschla­ge­nen Stadt sein?

Antworten darauf liefert der Antrag der Rats­frak­tio­nen nicht. Er beschränkt sich auf die Vor­bere­itung der Beige­ord­neten­wahl entsprechend der gel­tenden Regelun­gen und der Haupt­satzung der Lan­deshaupt­stadt.

Entscheidung fällt am Montag

Die Stadtver­wal­tung bew­ertet den Antrag in ihrer Stel­lung­nahme als rechtlich zuläs­sig und ver­weist darauf, dass die Entschei­dung der Stadtvertre­tung obliegt. Finanzielle Auswirkun­gen wer­den darin nicht benan­nt.

Nach Angaben von Ron­ny Alex wurde sein Schreiben allen Stadtvertreterin­nen und Stadtvertretern vor der Sitzung über­mit­telt. Auf der Tage­sor­d­nung am Mon­tag ste­ht die Vor­bere­itung der Beige­ord­neten­wahl. Mit dem Beschluss würde die Ver­wal­tung die öffentliche Auss­chrei­bung der Stelle ein­leit­en. Die eigentliche Wahl der Nach­fol­gerin oder des Nach­fol­gers von Mar­ti­na Trauth ist für den 7. Dezem­ber vorge­se­hen.